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Firmen ohne Gewissen? Teil 4


von Carina
23.01.2011
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D wie…


Deutsche Bank AG

Gewinn (2008): 3,9 Milliarden Euro
Beschäftigte: 79 000

Die Deutsche Bank ist das größte deutsche Geldinstitut. Doch wenn es um die Kreditvergabe und die Steigerung der Rendite geht, scheinen ethische Kriterien keine Rolle mehr zu spielen.
So warf die britische Menschenrechtsorganisation Global Witness der Bank 2006 vor, sie habe das autoritäre Regime des turkmenischen Präsidenten jahrelang indirekt unterstützt. Öffentliche Gelder des turkmenischen Staates in Milliardenhöhe seien von der Deutschen Bank verwahrt worden. Die „taz“ schrieb dazu, dass ein Teil des Geldes aus illegalen Transaktionen stamme und verwendet wurde, um Korruption, Menschenrechtsverletzungen und den persönlichen Luxus des Herrschers zu finanzieren. Der Konzern sagte dazu, man gebe zu Konten generell keine Auskunft.

Im selben Monat ließ das Oberste Gericht der USA eine Milliardenanklage von Apartheidopfern gegen die Deutsche Bank und rund drei Dutzend weitere Konzerne zu, weil die Firmen mit ihren Geschäftsbeziehungen die Politik der Rassentrennung in Südafrika unterstützt hätten.

Als im Jahr 2008 Millionen verzweifelter Menschen wegen der rasant steigenden Lebensmittelpreise in Elend abrutschten, warb die Deutsche Bank für Spekulationsgeschäfte mit Nahrungsmitteln. Auf Brötchentüten Frankfurter Bäcker konnten die verwundeten Kunden lesen: „Freuen Sie sich über steigende Preise? Alle Welt spricht über Rohstoffe – mit Agriculture Euro Fonds haben Sie die Möglichkeit, an der Weiterentwicklung von sieben der wichtigsten Agrarrohstoffe zu partizipieren.“ Das Problem an den Spekulationen mit Weizen, Soja, Reis, Mais und anderen Nahrungsmitteln ist, dass sie deren Preise enorm in die Höhe treiben – und damit die ärmere Bevölkerung unseres Planeten noch mehr hungern lässt. Nach Protesten wurde die zynische Brötchentüten-Werbung übrigens eingestellt und der Vorstandsvorsitzende Josef Ackermann entschuldigte sich sogar öffentlich. Doch noch immer wirbt die Dank damit, dass man mit der Nahrungsmittelkrise Geld machen kann: „Die Weltbevölkerung wächst stetig, die landwirtschaftlichen Nutzflächen schrumpfen und Ernteausfälle häufen sich“, heißt es auf der bankeigenen Homepage im Jahre 2008. „Diese Herausforderung ruft der Agrarwirtschaft viel Innovationskraft ab, von der auch der DWS Invest Global Agribusiness profitieren kann.“

Die internationale Menschenrechtsorganisationen FIAN wirft der Deutschen Bank vor, sich am Landraub in Asien, Afrika und Lateinamerika zu beteiligen. Insgesamt beteiligen sich 30 deutsche Firmen und Fonds am Land Grabbing. Roman Herre von FIAN erklärt dazu: "Herausragend ist die Rolle der Deutschen Bank. Die Deutsche Bank hat über ihre Fondsgesellschaft DWS etwa eine Viertelmilliarde Euro in Firmen investiert, die sich an diesem Land Grabbing beteiligen."

Was ist denn das: „Land Grabbing“? Kurze Erklärung: Land Grabbing heißt auf Deutsch so viel wie „Landraub“. Damit ist gemeint, dass finanzstarke Staaten und Unternehmen Landfläche in ärmeren Ländern kaufen und nutzen. Wie man sich denken kann, bringt das für die dort heimische Bevölkerung viele Probleme mit sich. Es gefährdet ihre Versorgung mit Nahrung, Wasser, Feuerholz und Medizinpflanzen und führt so häufig zu Landflucht, Umsiedlung oder Vertreibung.


The Walt Disney Company

Gewinn (2008): 6,0 Milliarden Dollar
Beschäfigte: 137 000

Die Walt Disney Company ist heute einer der größten Unterhaltungskonzerne der Welt. Zu ihm gehören unter anderem die Walt Disney Studios und ihre Tochterfirmen Miramax und Touchstone, der Filmverleih Buena Vista International, zahlreiche Fernsehsender in den USA, die Disneyland-Themenparks und 50 Prozent des deutschen Senders Super RTL.

In Bangladesch, Kalifornien und China herrschen schlimme Missstände in Fabriken, die Produkte für Walt Disney herstellen (z.B. Shirts und Plastikspielzeug). Abfang 2008 berichtete die „New York Times“, dass chinesische Zulieferfabriken von Konzernen wie Disney, Wal-Mart und Dell ausbeuterische Arbeitsverhältnisse vorgeworfen würde. Die Rede war von Kinderarbeit, erzwungenen 16-Stunden-Tagen am Fließband und einer Bezahlung unter dem (ohnehin niedrigen) gesetzlichen Mindestlohn. Disney wollte die Vorwürfe nicht kommentieren.

Die Hongkonger Arbeitsrechtsorganisation SACOM veröffentlichte 2007 eine Studie, der zufolge die Beschäftigten der chinesischen Fabrik Haowei bis zu 15 Stunden täglich arbeiten mussten – bei einem Stundenlohn von umgerechnet etwa 20 Cent. Wer bei Haowei länger als zehn Minuten auf die Toilette ging, musste dafür zwei Stundenlöhne Strafe zahlen. Die Beschäftigten waren giftigen Gasen ausgesetzt, eine Versicherung gegen Arbeitsunfälle gab es nicht, auch keine Rente. Bis zu zwölf ArbeiterInnen der Firma teilten sich ein winziges Zimmer. „In jedem Stockwerk leben etwa 200 Leute“, erklärte ein Arbeiter Mitgliedern der österreichischen Entwicklungsorganisation Südwind. „Ich schäme mich, über die Hygienebedingungen zu sprechen. Für 200 Leute gibt es maximal drei Toiletten, die sich Frauen und Männer teilen müssen. Ihre Farbe hat von Weiß zu Braun oder Schwarz gewechselt. Unsere weiblichen Kolleginnen wollen die Klos überhaupt nicht mehr benutzen.“

2006 erhielt Disney den Negativpreis Public Eye Award für seine Weigerung, die Firmen in China preiszugeben, die das Spielzeug für Disney herstellen.


E wie…

ExxonMobil Corporation

Produkte, Marken: Tankstellen sowie Treib- und Schmierstoffe der Marken Esso und Mobil
Gewinn (2008): 45 Milliarden Dollar
Beschäftigte: 82 000

ExxonMobil ist der umsatzstärkste und profitabelste Konzern der Welt. Seine Wirtschaftskraft ist größer als die der meisten Länder der Erde. Dementsprechend enorm ist auch der politische Einfluss.

Das Unternehmen ist hartnäckiger Gegner des Klimaschutzes. In den USA förderte der Ölriese völlig kontraproduktive Klimaschutzpolitik. Über Jahre hinweg sorgte ExxonMobil in Europa und Amerika mit viel Geld und einer ausgeklügelten Strategie dafür, dass wissenschaftliche Erkenntnisse verschleiert, Politiker, Medien und die Öffentlichkeit manipuliert und Maßnahmen zur Eindämmung von CO2-Emissionen manipuliert wurden. (Festgestellt wurde dies von der UCS, einer renommierten Vereinigung von 200 000 amerikanischen WissenschaftlerInnen, auch die „Financial Times Deutschland“ berichtete darüber.) Ende 2006 erhielt das Unternehmen den „Worst EU Lobbying Award“ mehrerer großer Umweltorganisationen.

In mehreren Ländern wurde ExxonMobil von namenhaften Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen die Zerstörung von Lebensräumen oder die Unterstützung korrupter Regime vorgeworfen. In Tschad und Kamerun finanzierte ExxonMobil beispielsweise ein riesiges Ölpipelineprojekt, bei dessen Bau es zu zahlreichen Menschenrechtsverletzungen kam und wegen dem 40. 000 vertrieben und ein Teil von ihnen getötet wurde.

Gemeinsam mit Shell, BP und Total spielt ExxonMobil bei der Neuaufteilung irakischer Ölfelder nach dem Irakkrieg eine Schlüsselrolle.

Unter einem New Yorker Arbeiterviertel verbirgt sich eine riesige Umweltkatastrophe: Mehr als 65 Millionen Liter Öl verseuchen dort den Grund. Dahinter stecke der Energiemulti Exxon, berichtete der „Spiegel“ im Februar 2007. Und obwohl Exxon den größten Gewinn der Geschichte erwirtschaftet habe, tue das Unternehmen wenig, um das Debakel zu beseitigen. Aufgrund leckender Rohrleitungen, rostender Öltanks und fehlender Maßnahmen zum Grundwasserschutz waren im Januar 2007 in dem New Yorker Viertel weite Teile des Flussen Newtown Creek mit giftigen Chemikalien und Öl verseucht worden. Dämpfe der Giftschlacke führten zu schweren Gesundheitsschäden bei den EinwohnerInnen.

Aktuell ist ExxonMobil in Deutschland wieder in der Presse. Und zwar wegen Gasbohrungen im Münsterland. Die Probebohrungen sind für dieses Frühjahr angesetzt. Das dafür geplante „Fracing-Verfahren“ zieht allerdings erhebliche Luftverschmutzungen nach sich, wie man von früheren Bohrungen in den USA weiß. Auch eine Verschmutzung des Grundwassers wird befürchtet. Die Anwohner sammeln derzeit Unterschriften und versuchen damit das Projekt zu verhindern.


Quellen:
Klaus Werner-Lobo: „Uns gehört die Welt“
http://www.taz.de/1/zukunft/wirtschaft/artikel/1/geld-macht-hunger/
http://www.attac.de/aktuell/nahrungsmittelkrise/aktion-deutsche-bank/?L=2
http://www.weed-online.org/themen/finanzen/1834223.html
http://www.swr.de/report/presse/-/id=1197424/nid=1197424/did=7132762/h8h2m5/index.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Land_Grabbing
http://www.labournet.de/internationales/cn/arbeit.html
http://de.wikipedia.org/wiki/The_Walt_Disney_Company#Kritik
http://shifz.org/puzzle/clothes.html
http://www.suedwind-agentur.at/start.asp?ID=12602&b=241
http://www.amnesty.de/umleitung/2005/deu05/111?lang=de%26mimetype%3dtext%2fhtml
http://www.gegen-gasbohren.de/2010/12/03/bbu-exxonmobil-gefahrdet-grundwasservorrate/
http://www.muensterschezeitung.de/lokales/kreissteinfurt/Interessengemeinschaft-gegen-Gasbohrung-gegruendet;art15703,1049118

 

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Kommentare (2)
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18.05.2011
FelicitasVulkanisiert hat geschrieben:
Danke für deine gut recherchierten Berichte! Bei den seltensten ist etwas, dass mich wirklich überrascht oder was man nicht im innersten schon wusste, aber man sollte immer wieder mit diesen unangenehmen Wahrheiten konfrontiert werden.
Ich werde jetzt nicht aufhören, Filme von Disney oder vor allem deren Tochterunternehmen zu schauen oder zu Aldi zu gehe, allerdings werde ich weiterhin versuchen, sofern es mir möglich ist, bei kleineren Anbietern zu kaufen, damit die nicht untergehen. Wie lange sich solche wirklich noch gegen die großen Wirtschafthaie behaupten können, bleibt offen. Ich möchte niemals für diese Firmen arbeiten!
16.02.2011
LaLoba hat geschrieben:
OMG Das ist echt krass! Danke für die Berichte!
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