Fair, sozial, umweltbewusst!


Shop till


you drop


© WWF
Firmen ohne Gewissen? Teil 2


von Carina
04.01.2011
2
0
79 P

B wie…

Bayer AG

Produkte, Marken: Medikamente, Pflanzenschutzmittel etc. der Marken Bayer und Schering (z. B. Aspirin)
Gewinn (2008): 1,7 Milliarden Euro
Beschäftigte: 108 600

Bayer ist der mächtigste Medikamenten- und Chemiekonzern der Welt. Die Vorwürfe gegen das deutsche Unternehmen sind so zahlreich, dass ich hier nur eine Auswahl nennen werde. Allen, die gerne mehr wissen wollen, empfehle ich die Seite „Coordination gegen Bayer-Gefahren“: www.cbgnetwork.org

1925 schloss sich Bayer mit anderen Chemiefirmen unter dem Namen IG Farben zusammen. Die IG Farben kooperierten eng mit den Nationalsozialisten. Während des Krieges beschäftigten sie zahlreiche Zwangsarbeiter und stellten außerdem das tödliche Gas Zyklon B her, das für die Massenvernichtung jüdischer Menschen in den Konzentrationslagern eingesetzt wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die IG Farben in drei Einzelfirmen zerschlagen: Bayer, BASF und Hoechst. Bis heute hat keine der Firmen ernst zu nehmende Entschädigungszahlungen an die Opfer oder die Hinterbliebenen entrichtet.

2003 reichten in den USA Bluterkranke Klage gegen den Konzern ein, weil dieser in den achtziger Jahren mit HI-Virus verunreinigte Medikamente vertrieben habe. Zur gleichen Zeit wurde er beschuldigt Blutgerinnungspräparate mit erhöhtem AIDS-Risiko nach Lateinamerika und Asien verkauft zu haben. Bayer wies diese Vorwürfe als falsch zurück und erklärte, man habe nach den damals bestehenden Vorschriften gehandelt.

H.C. Starck, bis Anfang 2007 eine Tochterfirma von Bayer, produziert das Edelmetall Tantal, das für elektronische Bauteile von Handys, Computern und anderen Hightechprodukten verwendet wird. Das Taltan wird aus Coltan hergestellt, welches im Kongo von Rebellen abgebaut wird. Durch die Einnahmen mit dem illegalen Rohstoffhandel finanzierten die Rebellen einen zwischen 1998 und 2003 herrschenden Krieg gegen die Regierung, der mehr als fünf Millionen Menschen das Leben kostete. Dadurch, dass der Konzern das Coltan kaufte, trug er also direkt zur Aufrechterhaltung des Bürgerkrieges bei. (Erinnert ein bisschen an den Film „Blood Diamond“, nicht wahr?)

In zahlreichen Fällen verursachten Bayer-Pflanzengifte schwerste Gesundheits- und Umweltschäden, vor allem in ärmeren Ländern unserer Erde. Auch zu Todesfällen kam es. Zwei der kritischen Pestizide werden vom Konzern noch heute auf seiner Homepage beworben („Baysiston“ und „Nemacur“).

Im Frühjahr 2003 wurde ein Bericht veröffentlicht, dem zufolge Bayer, Monsanto und Unilever von Kinderarbeit bei der Herstellung von Saatgut in Indien profitieren. Obwohl die Konzerne ankündigten, das Problem binnen sechs Monaten zu lösen, schufteten 2007 immer noch hunderte Minderjährige bei den indischen Vertragspartnern des Unternehmens.

In Brasilien protestieren zahlreiche Kleinbauern gegen Bayer und andere Chemiekonzerne, weil sie ihnen die Eigenständigkeit nehmen und ihre Kulturen mit gentechnisch verändertem Saatgut kontaminieren.

Zudem wird Bayer beschuldigt im Oktober zusammen mit anderen deutschen Unternehmern rund 200.000 Dollar für den US-Kongresswahlkampf gespendet zu haben - und zwar an Politiker, die gegen den Klimaschutz kämpfen. Der WWF und Politiker von SPD und Grünen zeigten sich empört. SPD-Fraktionsvize Ulrich Kelber sagte dazu: "Es ist ein Skandal, wenn große deutsche Firmen wie Bayer und BASF sich zu Hause als Klimaschützer aufspielen, im US-Wahlkampf dann aber die extremsten Klimaschutzgegner finanziell unterstützen, um weltweite Vereinbarungen zu torpedieren"

Aktuell ist Bayer wegen der Verlegung einer 67 Kilometer langen Pipeline wieder in den Nachrichten. Die Rohrverbindung soll das hochgiftige Gas Kohlenmonoxid zwischen den Bayer-Werken Dormagen und Krefeld- Uerdingen transportieren. Das farb- und geruchlose Gas wird für die Kunststoffproduktion verwendet und ist für den Menschen tödlich. KritikerInnen bemängeln unter anderem die Sicherheitsvorkehrungen beim Bau der Leitung und befürchten, dass eine Beschädigung der Leitung zahlreichen Menschen das Leben kosten könnte. Ihre Sorgen bekamen neue Nahrung, als vor kurzem bekannt wurde, dass eine nicht genehmigte Stahlsorte verwendet wurde. Mehr als 100 000 Menschen protestierten mit ihrer Unterschrift gegen die "Giftgas-Pipeline". Über die Inbetriebnahme muss noch das Düsseldorfer Verwaltungsgericht entscheiden.


BP

Gewinn (2009): 13,9 Mrd. US $
Mitarbeiter (2009): 80 300

BP ist ein international tätiges Energieunternehmen mit Hauptsitz in London. Unternehmensleiter ist seit 1. Oktober 2010 Robert Dudley, der Tony Hayward ablöste. BP fördert täglich etwa 4 Millionen Barrel Öläquivalent (davon circa 57 Prozent Erdöl und etwa 43 Prozent Erdgas). Das Unternehmen besitzt rund 22.400 Tankstellen und bedient täglich 13 Millionen Kunden.

Spätestens nach der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko ist der Firmenname BP jedem bekannt. Damals – genauer gesagt am 20. April 2010 – explodierte die Bohrinsel „Deepwater Horizon“. Elf Menschen kamen dabei ums Leben und das austretende Öl hatte verheerende Auswirkungen auf das Ökosystem. Nicht zuletzt litten auch die Fischer darunter, die ihre Arbeit einstellen mussten. Ursache für das Unglück war Erdgas, das aus der Lagerstätte austrat und über angebrachte Stahlrohre bis zur Bohrplattform stieg. Diese Art von Unfall wird als Blowout bezeichnet. Zur Vermeidung genau solcher Katastrophen gibt es ein tonnenschweres Sicherheitsventil, das Blowout-Preventer (BOP) genannt wird. Dieser soll das Ausströmen von Öl und Gas stoppen, wies jedoch im Fall der „Deepwater Horizon“ zahlreiche Mängel auf. Höchstwahrscheinlich war das jedoch noch nicht einmal der einzige Grund. Dem Unternehmen wurden im Nachhinein viele fragwürdige Entscheidungen, falsche Sparmaßnahmen und mangelnde Sicherheitsvorkehrungen vorgeworfen.

Und das ist nicht die einzige Umweltkatastrophe, die BP sich hat zuschulden kommen lassen. Das Unternehmen ist mit einem Anteil von 26 Prozent Betreiber des größten Ölfeldes in Alaska, dem Prudhoe-Bay-Ölfeld. Dort ist es im Jahr 2006 aufgrund von Korrosionsschäden an Rohren an mehreren Stellen zu Ölaustritten gekommen. BP betonte, dass die Röhren regelmäßig und mit behördlicher Zustimmung und unter Aufsicht überprüft worden seien. Die angewandten Prüfmethoden seien in der Rückschau betrachtet nicht ausreichend gewesen. Allerdings hatten bereits 1999 Mitarbeiter von BP die Konzernleitung auf entsprechende Mängel aufmerksam gemacht und 2001 waren die Probleme schon der Umweltbehörde bekannt. Sie wurden jedoch, mutmaßlich durch Einflussnahme von Mitarbeitern des Konzerns, nicht veröffentlicht. Am 6. August 2006 stellte BP die Förderung ein, um das Leitungsnetz zu überprüfen. Doch schon fünf Tage später verkündete das Unternehmen, dass die Produktion nach Auswertung neuer Untersuchungsergebnisse im westlichen Teil des Ölfeldes fortgesetzt werden könne. Nach Genehmigung durch das US-Verkehrsministerium begann BP Ende September auch wieder mit der Produktion im östlichen Teil des Ölfeldes. Am 29. Oktober 2006 gab BP bekannt, dass die Tagesproduktion mit mehr als 400.000 Barrel wieder den Stand vom 6. August 2006 erreicht habe.

Ein anderes Beispiel ist die Explosion in einer Erdölraffinerie von BP in Texas City. Dort produziert das Unternehmen auf einer Fläche von 4,85 Quadratkilometern etwa 2,5 Prozent des amerikanischen Treibstoffbedarfs. Am 23. März 2005 traten während innerhalb weniger Minuten geschätzte 28.700 Liter brennbarer Kohlenwasserstoffe aus einem Rückhaltebehälter aus und führten zu einer Explosion, bei der 15 Arbeiter getötet und 180 verletzt wurden. Zu dem Unfall trugen maßgeblich Bedienerfehler, veraltete Ausrüstung und Designfehler der Kontrollinstrumente bei.

Und hat BP aus seinen Fehlern gelernt? Spätestens nach der Explosion von „Deepwater Horizon“ können wir diese Frage wohl mit „Nein“ beantworten. Doch auch in Texas City hat BP die Sicherheit nach der Explosion nicht ausreichend verbessert und musste deswegen im August diesen Jahres 39,5 Mio Euro Strafe zahlen. "Die Höhe der Strafe spiegelt in gerechter Weise BPs Missachtung der Arbeitsplatz-Sicherheit wider", sagte US-Arbeitsministerin Hilda Solis dazu.


British American Tobacco Plc

Produkte: Zigaretten und Tabak der Marken Lucky Strike, Pall Mall, Dunhill, Gauloises u.v.m.
Gewinn (2008): 4,1 Milliarden Euro
Beschäftigte: 50 000

British American Tobacco (BAT) ist die zweitgrößte Zigarettenfirma der Welt.

In den Jahren 2002 und 2004 wurde BAT vorgeworfen, dass Tochterfirmen des Konzerns in den Tabak-Anbauländern Brasilien und Kenia die Bauern mit sogenannten Knebelverträgen an sich binden würden. Man habe die Bauern gezwungen, alle Materialien und Geräte, die für den Tabakanbau gebraucht werden, bei den entsprechenden Firmen zu beziehen und ihnen anschließend den Tabak abzuliefern. Dabei wurden für Saatgut, Düngemittel und Geräte hohe Summen verlangt, der spätere Tabakabnahmepreis hingegen war so niedrig, dass viele Bauern sich hoch verschuldeten und ins Elend stürzten.

Außerdem sei von BAT nicht ausreichend für die Sicherheit der Bauern gesorgt worden: Oft hantierten diese ohne Schutzkleidung mit giftigen Pestiziden und litten unter den Folgen von Nikotinvergiftungen, die sie sich bei der Ernte der Tabakblätter zugezogen hatten. Die Bezahlung sei so schlecht gewesen, dass die Leute auch ihre Kinder zur Arbeit schicken mussten. Ein Anwalt brasilianischer Tabakanbauer sagte dazu: „Es ist eine Situation, die an Sklaverei grenzt, weil die Bauern einen minimalen Profit bekommen, wenn die Produktion gut ist. Aber wenn sie eine schlechte Ernte haben, werden die Schulden an die Tabakfirma in das nächste Jahr mitgenommen.“
Nach der Veröffentlichung dieser Informationen zeigte BAT sich dialogbereit, doch Kritiker bemängeln das Fehlen konkreter Resultate.

In Deutschland war BAT Mitglied im Verband der Cigarettenindustrie, der jahrelang aggressives Lobbying gegen Raucherschutzgesetze betrieb. Eine Studie aus dem Jahr 2006 berichtet von der Einflussnahme des Verbandes auf Wirtschaft und Politik. Wissenschaftliche Erkenntnisse über den Zusammenhang von Passivrauchen und Krankheit seien bestritten worden, womit es der Tabakindustrie gelungen sei, Maßnahmen zum Schutz gegen das Passivrauchen lange Zeit zu verhindern. (Der Verband der Cigarettenindustrie wurde übrigens 2007 aufgelöst)

Seit den Antirauch-Kampagnen in Europa und den USA suchen die Tabakmultis neue Absatzmärkte – vor allem in Afrika. Nigerianische Angestellte der Firmen BAT, Philip Morris und International Tobacco sollen sogar Jugendliche zum Rauchen animiert und Einfluss auf die Gesetzgebung genommen haben, um den Verkauf zu steigern. Deswegen reichte die nigerianische Regierung 2008 eine Klage gegen die drei Konzerne ein und forderte eine Entschädigung von 44 Milliarden Dollar für die Behandlung von gesundheitlichen Folgen des Rauchens vor allem bei Kindern und Jugendlichen.

Quellen:
Klaus Werner-Lobo: „Uns gehört die Welt“
http://www.wdr.de/radio/wdr2/rhein_und_weser/550049.phtml
http://www.stern.de/wirtschaft/news/bayer-basf-und-eon-deutsche-spenden-fuer-us-klimaschutzgegner-1617556.html
http://de.wikipedia.org/wiki/BP
http://www.wwf.de/themen/meere-kuesten/oelpest-im-golf-von-mexiko/oelpest-im-golf-von-mexiko-2/oelpest-infos-kompakt/
http://www.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/pdf_neu/Hintergrund%20%C3%96lpest%20Golf%20von%20Mexiko.pdf
http://de.wikipedia.org/wiki/Deepwater_Horizon#Versagen_des_Blowout-Preventers
http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,692427,00.html
http://www.ftd.de/unternehmen/industrie/:missachtung-der-arbeitsplatzsicherheit-mangelnde-sicherheit-kommt-bp-teuer-zu-stehen/50156218.html
http://www.unfairtobacco.org/index.php?id=38
http://www.aktiv-gegen-kinderarbeit.de/firmen/firmenliste/british_american_tobacco?DokuWiki=f492f2b30b39961ae0670b42923b9938

Weiterempfehlen

Kommentare (2)
Um einen Kommentar zu schreiben einfach registrieren oder einloggen.
Sortieren nach Aktualität:
04.01.2011
MarcelB hat geschrieben:
Ich freue mich immer, wenn ich was über die Knalltüten von BP lese ;) danke..
04.01.2011
Stoffie hat geschrieben:
danke für den tollen bericht! :)
der ist sehr gut geschrieben und sehr informativ. ich hoffe es folgen bald noch weitere teile!

es ist wirklich schockierend was menschen alles machen nur um an geld ranzukommen!
Login
E-Mail


Passwort


Kostenlos registrieren
Mitglied werden
Könnte dir auch gefallen
Nachhaltigkeit
Lebensmittel genau studieren weiter lesen
Regionale Produkte sind besser!
Regionale Produkte sind bes...
Ich wollte mal ein Thema ansprechen, was ich persönlich für sehr wichtig halte. M... weiter lesen
Wasser - Hahn oder Flasche?
Wasser - Hahn oder Flasche?
Wasser, Wasser, Wasser Wasser ist das wohl wichigste Grundnahrungsmittel des Menschen. Erst... weiter lesen
Kein Palmöl ist auch keine Lösung
Kein Palmöl ist auch keine...
Auf den ersten Blick, haben Fertigpizza, Lippenstift und Nutella vielleicht nicht wirklich viel ... weiter lesen
Baumfreundlich ins neue Schuljahr starten (und andere Tipps rund ums Papier)
Baumfreundlich ins neue Sch...
Die Schüler in Bremen, Niedersachsen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen müsse... weiter lesen
Deine Ansprechpartner
Marcel
Marcel Gluschak
WWF Jugend Community Manager
zum Profil
Luise
Luise Neßler
WWF Jugend Community Moderatorin
zum Profil
MarcelB
Marcel Brüssow
WWF Jugend Redaktion
zum Profil
Ronja96
Ronja Post
WWF Jugend Aktionsteamer
zum Profil
HannahFee
Hannah Fesseler
hilft dir bei technischen Fragen
zum Profil
AndreaRentschler
Andrea Rentschler
hilft dir bei Fragen zur WWF Jugend Mitgliedschaft
zum Profil
NicoleB
Nicole Barth
hilft dir bei Fragen rund um die WWF Jugend Camps
zum Profil