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Fair Trade Produkte unter der Lupe


von HannaS
23.03.2010
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Fair Trade boomt.

Klein angefangen mit Ständen in Gemeindehäusern oder einsamen 3. Welt-Läden werden fair gehandelte Produkte heute in über 30.000 deutschen Supermärkten, im Internet, in Cafés und Mensen sowie in über 800 Weltläden angeboten. 2008 erzielten Fair Trade Produkte einen Gesamtumsatz von 213 Millionen Euro, zweistellige Wachstumsraten sind hier die Regel.

Eine rasante und bewundernswerte Entwicklung, die wir dem Einsatz vieler engagierter und hartnäckiger Menschen zu verdanken haben. Trotzdem: Noch ist es ein Nischensegment – Fair gehandelte Bananen und Kaffee halten gerade einmal 1% des Marktanteils, obwohl es die Vorzeigeprodukte des fairen Handels sind.

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Mit einer weiteren positive Entwicklung kann man aber auf jeden Fall rechen. Fair Trade – das klingt schon super. Solche Produkte kann man mit gutem Gewissen kaufen, man weiß schließlich, dass die Produzenten nicht ausgebeutet werden. Im Gegenteil: Ganze Dörfer profitieren vom fairen Handel – es werden Brunnen oder Schulen vom zusätzlich eingenommen Geld gebaut.

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Aber Moment mal – ist das eigentlich immer so? Woran erkenne ich denn, ob ein Produkt wirklich fair gehandelt wurde? Schließlich will ich nicht auf irgendwelche Marketing- oder Imagekampagnen von Unternehmen hereinfallen…

Ein Problem des fairen Handels ist, dass es noch keine gesetzlichen Standards gibt, an die sich alle halten müssen. Anders als bei Bio-Produkten, denen gesetzliche Mindeststandards zugrunde liegen, kann sich der Verbraucher also nicht sicher sein, ob das Produkt wirklich fair ist.
Theoretisch ideale Voraussetzungen für Trittbrettfahrer, die vom gewissensgeplagten Konsumenten profitieren wollen. Zum Glück gibt es vertrauenswürdige Organisationen und Siegel, auf die man sich verlassen kann.

International gibt es die FLO – die Fairtrade Labelling Organisation. Sie setzt sich aus 21 nationalen Zertifizierungsorganisationen zusammen, die in ihren Ländern die Fair Trade Logos vergeben.

In Deutschland heißt die Zertifizierungsorganisation „TransFair“ – das Logo hat sicher jeder schon einmal im Laden gesehen.

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Es wird nur an Firmen vergeben, die entsprechend der strengen FLO-Standards handeln. Diese Standards sehen zum Beispiel für die meisten Produkte einen festgelegten Mindestpreis vor, der eine ökologisch und sozial sinnvolle Produktion ermöglicht. Ein Fair Trade Aufschlag kommt dazu, von dem soziale Projekte direkt vor Ort finanziert werden können – eine sehr effektive Art der Entwicklungshilfe. Außerdem kann es Vorfinanzierungen geben, damit die Produzenten sich nicht verschulden müssen. Die Handelspartnerschaften sollen von Transparenz, Dialog und Respekt geprägt sein. Eine Selbstorganisation der Produzenten wird gestärkt, damit sie in ihrem Land politische und soziale Arbeit leisten können.

All das steckt dahinter, wenn man ein Produkt mit dem TransFair Logo kauft.
Andere Logos als dieses Transfair Siegel müssen nicht unbedingt schlecht sein – aber der Verbraucher kann sich eben nicht sofort sicher sein, welche Standards dahinter stecken und ob den Produzenten dadurch wirklich geholfen ist.

Ein Beispiel dafür ist das Siegel „Rainforest Alliance“ (aus urheberrechtlichen Gründen kann hier leider kein Bild davon erscheinen. Aber es ist rund und grün mit einem Frosch in der Mitte).

Dieser Standard hat das Ziel, umweltschädigende Produktionsweisen zu vermindern und dadurch Artenvielfalt und Regenwaldgebiete zu schützen. Ein sehr lobenswerter Ansatz, der sicher unterstützt werden sollte. Dennoch muss man sich im Klaren darüber sein, dass die Rainforest Alliance Produkte weder Bio noch Fair sind: Gentechnik und Pestizideinsatz sind nicht verboten und es gibt kaum finanzielle Vorteile für die Produzenten. Natürlich verbessert ein praktizierter Umweltschutz auch Arbeitsbedingungen und die Effektivität der Landwirtschaft. Das Siegel ist also nicht schlecht – es kann nur nicht zum Fairen Handel im eigentlichen Sinne gezählt werden.

Ein weiteres relativ bekanntes Logo ist „Hand in Hand“, eine Eigenmarke der Rapunzel Naturkost AG. (Ein grünes Oval, in dem sich eine weiße und eine scharze Hand halten).

Hinter diesem Siegel stecken eigene Kriterien, deren Einhaltung von unabhängigen Inspektoren überprüft werden. Der Arbeitgeber muss beispielsweise den gesetzlichen Mindestlohn zahlen und weitere soziale Vorkehrungen treffen, außerdem menschenwürdige und sichere Arbeitsbedingungen gewährleisten. Die Rapunzel AG muss als Abnehmer der Produkte die Zertifizierungskosten und weitere soziale Absicherungen bezahlen. Es gibt eine Bio-Prämie, damit ökologisch produziert werden kann. Auch hier sollen langfristige und stabile Handelsbeziehungen aufgebaut werden.

Ein kleiner Wermutstropfen am „Hand in Hand“-Siegel ist, dass es keinen Fair Trade Aufschlag gibt, der direkt den Erzeugern zu Gute kommt, sondern lediglich einen Fonds, durch den andere Projekte in den Ländern unterstützt werden. Trotzdem: Meiner Meinung nach eine gute Sache, es wäre wünschenswert, wenn auch andere Hersteller solche Siegel einführen würden.

Am Besten wären natürlich internationale, gesetzlich festgelegte Mindeststandards für alle Produkte, die mit dem Wort „Fair“ vermarktet werden – genau wie das beim Bio-Siegel der Fall ist. Damit würde einer Verbrauchertäuschung vorgebeugt und einem weiteren Fair Trade Boom auf die Sprünge geholfen.

Beschäftigt man sich ein wenig mit Fair Trade, stellt man fest, dass es ein riesiger Bereich ist und es sehr viel Material gerade für Verbraucher gibt.
Vor allem im Internet kann man sich über fairen Handel und die Organisationen sehr umfassend informieren. Außerdem gibt es viele Möglichkeit zur persönlichen Mitarbeit oder Tipps zu fair gehandelten Produkten.

Eine kleine Auswahl von Links gibt es hier:


www.forum-fairer-handel.de


www.oeko-fair.de – Bio und Fair ergänzen sich sehr gut. Viele Fair Trade Produkte sind bereits Bio.


www.transfair.org – die Website des deutschen Fair Trade Zertifizierers


www.gepa.de – Gepa ist die größte deutsche Fair Handels Organisation


www.fair4you-online.de – besonders auf junge Menschen ausgerichtet


www.fairewoche.de – die faire Woche findet jedes Jahr statt und bietet viele Möglichkeiten zum Mitmachen

 

Bilder:

wikipedia.de

transfair.org
 

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Kommentare (2)
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Sortieren nach Aktualität:
27.03.2010
LeLe hat geschrieben:
Super Bericht!! Kaufe selber viel Fair Trade und Bio, weil ich davon überzeugt bin und das auch von meinen eltern so kenne. Ist oft gar nicht unglaublich viel teuer aber dafür leckerer (z.B. Schoko:)
25.03.2010
Sarah25 hat geschrieben:
Danke für den tollen Bericht!
Ich achte auch darauf Fairtrade Produkte zu kaufen und bediene mich meistens an den mit dem Logo von Trans Fair gekennzeichneten Artikel. Ich wusste gar nicht, dass es keine internationalen allgemenen Ricntlinien gibt... Ist aber dut zu wissen ;)
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