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Eine kleine Geschichte über die Ökonörgelei


von Morgentau
01.08.2014
7
0
40 P

So leid es mir tut, ausschließlich ethisch korrekte Kleidung zu tragen kann ich mir einfach nicht leisten. Aber ich brauche mal wieder dringend neue Klamotten und so bin ich nach einigem Zögern im H&M gelandet. Nur weil die Kleidung hier billiger als in anderen Geschäften ist, heißt das ja nicht, dass die Arbeitsbedingungen noch schlechter sind als anderswo, oder? Dass sie gelinde gesagt nicht so toll sind, da bin ich mir aber eigentlich ehrlich gesagt ziemlich sicher. Mit einem schlechten Gewissen stöbere ich also durch die Regale, als meine Freundin angestürmt kommt und mir begeistert ein T-Shirt unter die Nase hält. „Schau mal“, ruft sie, „das wär doch was für dich! Da steht conscious drauf!“
Conscious. Bewusst.
Haha, will ich gerade schon sagen, H&M und Conscious, das ist ja allerfeinstes Greenwashing. Was heißt das, hm? Aber als ich die leuchtenden Augen meiner Freundin sehe, reiße ich mich zusammen.

Denn ich glaube, irgendwann geht diese Ökonörgelei selbst der liebsten Freundin auf den Keks.
Und wir kritisieren ja wirklich alles: Wenn Siegel, ob „bio“ oder „fairtraide“, geprüft werden, dann wird ja meistens erst mal losgemeckert. Dieses eine Ökosiegel heißt zwar, dass die Tiere draußen gehalten werden, aber es kann trotzdem sein, dass wenig Platz haben. Das dort bedeutet zwar, dass keine Gentechnik eingesetzt wurde, aber sie können trotzdem mit giftigen Chemikalien besprüht worden sein. Und das Fairtrade-Zeichen da drüben bedeutet ja nur, dass sie den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlohn bekommen, davon, dass Existenz sichernde Löhne gezahlt werden, steht da nichts! Ja, ist das denn nicht gut? Ist das nicht immerhin schon ein Anfang? Immerhin besser als die Produkte, die überhaupt kein Siegel haben, oder?

Ich sage ja nicht, dass wir uns völlig ver**schen lassen müssen. Man soll ja nicht alles glauben: Greenwashing ist und bleibt Mist und gehört bekämpft. Und Produktsiegel sind erschreckend oft nur eine Marketingstrategie. Aber ist denn wirklich alles, dem wir voreilig unseren Greenwashing-Ichkritisierealles-Stempel aufdrücken, wirklich Greenwashing? Oder einfach nervige Ökonörgelei, die wir uns angewöhnt haben, weil viel zu viele Firmen versuchen, aus unserem lnteresse an der Umwelt Profit zu schlagen?

Ich finde, wir sollten mal ein bisschen zufriedener sein mit dem, was wir bekommen können. Klar, es geht immer besser. Aber wenn die anderen es uns überhaupt nicht recht machen können, dann wollen sie es irgendwann auch nicht mehr. Wenn an allem, was ansatzweise öko zu sein scheint, gleich rumgenörgelt wird, dann kann das unglaublich frustrierend sein.
Und aus diesem Grund nehme ich das Oberteil, das meine Freundin mir immer noch hinhält, und schaue es mir genauer an. „Hey, klasse“ grinse ich, „danke. “

 

 

 

_______________________________________________________________________

Was meint ihr dazu? Habt ihr auch schon mal so was wie in dieser Geschichte erlebt?

 

P.S.: Das Concious-Siegel bei H&M garantiert übrigens, dass das Produkt ausschließlich aus Biomaterialen bestehen. Bei den sozialen Kriterien gibt es noch einiges zu verbessern, aber immerhin, oder? (Quelle: „WEARFAIR. Ein Wegweiser durch den Label-Dschungel bei Textilien“ von der CIR)
 

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Kommentare (7)
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10.08.2014
Marfrie hat geschrieben:
Sehr interessant, das Thema, das du ansprichtst. Schön geschrieben ist dein Bericht auch darüber hinaus auch! :)
Ich kann dir nur zustimmen, manchmal erwarten wir wohl zu viel auf einmal. Klar ist z.B. bio nicht gleich das, was man gerne als Ergebnis hätte, aber es ist doch schonmal besser als nichts. Man sollte doch versuchen seine Mitmenschen zu umweltbewussteren Verhalten zu motivieren, sei es ein freundlicher Hinweis, ein Lob für kleine gute Taten oder vielleicht hilft ja auch einfach mal nörgeln. Wenn man allerdings anfängt seine Mitmenschen damit zu nerven, hört einem eh keiner mehr zu :D
Wünschenswert wäre es, wenn mehr Produkte allein schon diese Siegel hätten. Neulich musste ich in meiner Heimatstadt 3 Schreibwarengeschäfte abklappern, bis ich einen Block gefunden hab, der überhaupt das FSC-Logo hatte.
05.08.2014
gelöschter User hat geschrieben:
Es geht immer besser. Egal in welchem Lebensbereich.
Trotzdem sollte man es einfach ab und an mal gut sein lassen. In Gedanken kann man ja trotzdem meckern ;)

Wenn mir jemand freudestrahlend erzählt, dass er jetzt was total umweltbewusstes getan hat - ich bin mal mit dem Bus gefahren zB - denke ich mir zwar leicht sarkastisch "oh toll du Superheld!" werfe dieser Person das aber nicht unbedingt an den Kopf. Sie bekommt ihr Lob in Form meiner Anerkennung. Tut mir nicht weh und ebnet vielleicht den Weg in eine bessere Richtung.
02.08.2014
Luke24 hat geschrieben:
Diese Sicht auf die Dinge begegnet mir hier in der Community zum ersten Mal ;-) .
Aber du hast definitiv vollkommen recht. Ich würde diese Nörgelei auch nicht auf ökologisches Verhalten und -Produkte einschränken, sondern finde, dass man sich hier in Deutschland häufig auf einem sehr hohen Niveau beschwert. Wenn man so - gerade auch zurzeit - in den Rest der Welt blickt .... .
01.08.2014
Carina hat geschrieben:
Ich finde das Beispiel und auch die von Madamsel echt gut. Mir passiert es eigentlich (glaube ich zumindest) sehr selten, dass ich genervt auf semi-ökologisches Verhalten reagiere, weil ich auch immer denke: besser als gar nichts! Man sollte, glaube ich, Menschen nicht mit pampigen Kommentaren vor den Kopf stoßen, wenn sie sich immerhin etwas Mühe geben, sondern nur freundlich darauf hinweisen, dass es evtl da und da aber noch ein paar Problemchen mit diesem Siegel gibt (z.B.).
01.08.2014
gelöschter User hat geschrieben:
gelöscht
01.08.2014
Madamsel hat geschrieben:
Ich finde es verdammt gut, dass du über dieses Thema schreibst.
Ich kenne dieses Problem auch. Da stehe ich vor den Biobananen und denke an den CO2-Ausstoß, der durch den Transport verursacht wird.
Meine Mutter will mir eine Freude machen und bringt mir Schreibmaterialien mit, auf denen das FSC Zeichen ist und mir schießt durch den Kopf: Hm, blauer Engel ist aber nicht drauf.
Da nimmt meine Familie super viel Rücksicht und kocht etwas vegetarisches für mich und ich denke: Vegan wäre noch ein Stück besser gewesen.

Gleich darauf hab ich ein schlechtes Gewissen, weil ich mir undankbar vorkomme. Wir predigen selbst häufig: Jedes bisschen hilft. Klar geht es immer besser, aber ein bisschen ist besser als nichts. Und das sollten wir zu schätzen wissen...auch wenn wir es eigentlich lieber noch besser hätten.
01.08.2014
Laura619 hat geschrieben:
Schön zu wissen, dass H&M jetzt auch mal auf die verwendeten Materialien achtet :-)
Die Arbeitsbedingungen und Gehälter der Arbeiter sind jedoch nach wie vor grottig....
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