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Diskriminierung, Geldgier und Umweltschutz - Die Europäische Zuckermarktordnung


von LaLoba
09.03.2011
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Es ist überall und jeder benutzt es - Zucker. Es ist in fast jedem Kuchen, der täglichen Cola und den Süßigkeiten für zwischendurch. Klar, schmeckt ja auch gut, oder? Ich möchte heute American Chocolate Chip Cookies backen. Auf der Einkaufsliste: brauner Zucker. Der schmeckt meiner Meinung nach sogar besser als normaler Zucker. Geschmäcker sind bekanntlich verschieden, aber dennoch liegt es wohl nicht am Geschmack des braunen oder auch Rohrzuckers, dass er hier in Deutschland viel weniger verwendet wird als unser allgegenwärtiger weißer Zucker. Ein Blick auf das Preisschild zeigt mir auch gleich den Grund: Rohrzucker ist viel teurer als der weiße Rübenzucker. Warum das so ist? Interessiert doch keinen, oder? Die Menschheit geht eben einfach lieber für das Billige. Aber mich interessiert es eben doch. Dich auch? Wenn nicht, kannst du jetzt hier aufhören zu lesen.

Rübenzucker. Wird in ungefähr 38 Ländern produziert, hauptsächlich in der EU. Zuckeranteil: 16 - 18%. Ernte: voll mechanisch. Produktionskosten in Deutschland: ungefähr 400-420 Euro pro Tonne Zucker.

Rohrzucker. Wird in ungefähr 119 Ländern auf der ganzen Welt produziert, 70% des produzierten Zuckers der Welt. Zuckeranteil: 9 - 20%. Ernte: größtenteils Handarbeit. Produktionskosten in Brasilien: ungefähr 250 Euro pro Tonne Zucker.

Na, fällt dir was auf? Genau! Rohrzucker wird viel billiger hergestellt als Rübenzucker. Klar, wird ja auch hauptsächlich in Entwicklungsländern hergestellt. Da sind die Arbeitskosten auch viel geringer. Aber dennoch. Wenn Rohrzucker so billig herzustellen ist, warum wird er dann hier so teuer verkauft?

Schon mal was von Subventionen gehört? Diese werden verwendet, um ein heimisches Produkt attraktiver zu machen - zum Beispiel wenn es im Ausland viel billiger produziert wird. Und was genau sind Subventionen? Das sind staatliche Förderungen für Firmen, die das Problemprodukt produzieren. In unserem Falle Zuckerbauern. Der Staat gibt also dem Bauern Geld, damit er den Zucker besser anbauen und ernten kann. Und treibt damit natürlich auch den Verkaufspreis runter. Was ist also plötzlich billiger in den Läden? Weißer Zucker. Was kauft also plötzlich jeder? Weißen Zucker. Klingt doch super, oder? Schöner weißer Zucker für wenig Geld.

Und was macht unsere brasilianische Farm jetzt? Die wird ihren Rohrzucker jetzt plötzlich nicht mehr los. Und wer bezahlt jetzt die Arbeiter in der Farm? Durch unsere schönen Subventionen wird eben nicht nur der Verkaufspreis in der EU heruntergesetzt. Auch der Export ist plötzlich viel billiger. Und die armen Länder, die Hauptproduzenten des Rohrzuckers sind, können dagegen natürlich nicht ankämpfen. Die haben nämlich kein Geld für teure Subventionen. "Diskriminierung!", schimpft man nun. Wie soll das der Wirtschaft in den Entwicklungsländern helfen? Und was mit den ganzen Arbeitsplätzen, die in der Rohrzuckerindustrie verloren gehen? Auf der anderen Seite heißt es: Die Qualität unseres Zuckers ist besser! Mit den Subventionen geben wir den Menschen doch die Chance, Zucker zu kaufen, der mit guten arbeitsrechtlichen Bedingungen hergestellt wurde! Und der Umwelt hilft es schließlich auch: weniger Regenwaldrodung für Zuckerrohrplantagen, Unterstützung der heimischen Produkte, weniger Umweltverschmutzung durch eingeflogenen Zucker, ...

Hhhm, da weiß man echt nicht, auf welcher Seite man stehen sollte, oder? Was sagt ihr dazu? Internationaler Wettbewerb und bessere Wirtschaft für Entwicklungsländer oder doch lieber Umweltschutz und billigen, weißen Zucker? Nun ja, ich kaufe jedenfalls den braunen Zucker und backe meine Cookies. Die schmecken nämlich immernoch am Besten mit Rohrzucker.

 

Quellen:

www.iva.de/profil-online/umwelt-verbraucher/alles-zucker-%E2%80%93-ob-aus-der-ruebe-oder-dem-halm-des-zuckerrohrs

www.handbuchderglobalisierung.de/artikel/subvention.htm

de.wikipedia.org/wiki/Europ%C3%A4ische_Zuckermarktordnung

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Kommentare (4)
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21.03.2011
LaLoba hat geschrieben:
Tierknochen?! Naja, die Frage ist dann wohl eher, wo die Tierknochen herkommen. Wenn die von einem geschlachteten Tier kommen und sonst einfach weggeworfen würden, fänd ich das jetzt nicht so tragisch. Klingt natürlich trotzdem nicht so toll, aber ich finde es besser, wenn das ganze Tier verwertet wird, anstatt nur die Hälfte und der Rest geht in den Müll...
19.03.2011
KimBeere hat geschrieben:
zur Verarbeitung von Zucker werden Tierknochen verwendet.
Das finde ich echt mal krass .
Da ich vegan bin und es bis vor kurzem nicht gewusst habe, hat es mich echt geschockt.
Aber meiner Meinung nach, wenn man nicht ein kompletter Zuckersuchti ist, braucht man davon auch nicht so viel, er ist ja schließlich auch in allen anderen Lebensmitteln enthalten.

Ob das mit braunem Zucker auch so ist weiß ich nicht,...aber ich persöhnlich brauche Zucker eh nur zum kochen, aber jetzt suche ich mir gerade eine Alternative, denn mit dem Gewissen möchte ich echt nicht leben
09.03.2011
Nathalie hat geschrieben:
Eine wirklich schwierige Frage. Einerseits steckt ein guter Gedanke hinter der Idee regionale Produkte zu unterstützen. Andererseits sind wir Industrieländer Hauptabnehmer der Länder, die Rohrzucker anbauen.
Also ich sehe Aufklärung als einen möglichen Lösungsansatz. Wenn man als Käufer mehr über die Produkte wüsste, würde sich der eine doch eher bewusst für den braunen Rohrzucker entscheiden, der andere für den regionalen weißen Rübenzucker. Ob sich dann ein Gleichgewicht einstellt kann ich nicht sagen, aber die Menschen würden den Zucker mit einem ganz anderen Gefühl kaufen und konsumieren.
Was ich allerdings einfach nur falsch finde, ist die Tatsache, dass unser weißer Zucker so günstig in Entwicklungsländern verkauft wird, dass sich dort regionale Produkte nicht mehr durchsetzen können.
09.03.2011
umwelterfinder hat geschrieben:
sogenau habe ich darauf noch nie geachtet danke jetzt sind meine augen offen aber ich kann mich trotzdem nicht entscheiden
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