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Die Altkleiderlüge - Wie Spenden zum Verhängnis werden


von MaRyLoU
04.11.2011
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'Altkleiderspenden' - Wie Spenden zum Geschäft werden

*Zack* und drin sind die Tüten voll abgelegter Kleidung im Altkleidercontainer z.B der des roten Kreuzes. Damit ist die Sache für uns erledigt und wir gehen nach Hause. Den Rest erledigt die Hilfsorganisation für uns. Und mit allen anderen Spenden kommt sogar wirklich viel zusammen. Umso besser für die Hilfsbedürftigen,oder?

Das ist der Weg den wir kennen und wie geht es danach weiter? Wirklich so wie wir glauben: Altkleider kommen nach Afrika (Bsp.) und werden dort an Arme verschenkt? Mit nichten. Denn was als Spende began entwickelt sich zum ganz großen Geldgeschäft und zerstört Familien vor Ort.

Markt mit Alkleidung (Schuhen etc.)

Von der gesamten Kleidung wird ein kleiner Teil direkt in Deutscland an HIlsbedürftige gegeben.  Doch der größte und qualitativ beste Teil geht nach Osteuropa und in die arabischen Staaten. Und 60% gehen nach Afrika um die Armen zu unterstützen. So ungefähr stimmt das sogar, nur ein entscheidendes Detail ist nicht gerade breitgetreten: Es sind nicht die Hilfsbedürftigen der Welt, die von den Spenden leben, sondern global arbeitende und denkende Branchen, die die Kleidung in knallharten Geschäften verkaufen.

Es steckt eine genial einfache Geschäfts- und Marketingidee dahinter, die wie eine Gelddruckmaschine funktioniert: Man bemächtigt sich einer Ware ohne Herstellungskosten. Denn diese wird gespendet, wofür die Geber mit einem guten Gewissen belohnt werden. Keine der großen Wohltätigkeitsorganisationen redet gern darüber, aber fast alle sind dabei, ob Malteser, DLRG oder eben das Deutsche Rote Kreuz, der größte Player auf dem deutschen Markt.

Die Hilfsorganisationen stellen ihren Namen und ihr Logo zu Verfügung. Die Altkleider werden zum Kilopreis verkauft. Dafür erhalten die Nichtregierungsorganisationen (NGOs), wie etwa das Rote Kreuz, Geld. Zurzeit seien das rund fünf Cent pro Kilo, verrät ein Insider, aber ganz genau will sich niemand in die Karten schauen lassen. Kein Wunder, denn was würden die Spender tun, wenn sie wüssten, dass ihre Altkleider in einen unerbittlichen Wirtschaftskreislauf eingespeist werden?

Die Nicht-NGOs können mit der Ware machen was sie wollen. Und das ist natürlich Profit. Ein großes Unternehmen ist die Soex-Group. Das Hauptquartier der Soex Group, nach eigenen Angaben »weltweiter Marktführer« für Kleidungsrecycling, liegt in Bad Oldesloe bei Hamburg. Efiba, der Vertragspartner der Hilfsorganisationen, ist ein Tochterunternehmen von Soex, und im Wolfener Werk kommen die Lkw mit Spendenware im Minutentakt an. Bis zu 300 Tonnen Kleiderspenden sind es täglich, allein ein Viertel davon stammt aus den Containern des Deutschen Roten Kreuzes. Aber auch in kommerziellen Aufstellern auf Parkplätzen und an Supermärkten wird gesammelt, dafür ist die Soex-Tochter Retextil zuständig. 

Altkleider in Kilo-säcken

Von den insgesamt rund 700.000 Tonnen Altkleidern, die 2010 laut Soex in Deutschland gesammelt wurden, verarbeitete die Firma allein 85.000 Tonnen und erzielte damit einen Gesamtumsatz von 58 Millionen Euro. Im vollcomputerisierten Sortierwerk Wolfen werden die Spenden nach Qualität neu gebündelt. Was gar nicht zu brauchen ist, muss nach deutschem Gesetz recycelt werden, aber das sind nur rund 15 Prozent der Ware. Die große Masse der Spenden geht ganz andere Wege. Die besten Stücke, die sogenannte Creme-Ware, wird in die Länder des ehemaligen Ostblocks und in arabische Staaten exportiert und dort in Secondhandgeschäften verkauft. Alles Minderwertige geht nach Afrika, immerhin noch rund 60 Prozent des Werksausstoßes. Natürlich werden die Textilien dort verkauft. Gespendet wird nichts davon, meint Pailak Mzikian, ein Mitarbeiter bei der Soex-Group, »das wäre ökonomisch und nachhaltig nicht logisch. Wir sind ja ein Full-Profit-Unternehmen, keine NGO.« Selbst die Ärmsten der Srmen müssen für ihre Jeans bezahlen (und können sie sich manchmal nicht mal leisten).

Allein in Tansania kommen monatlich 20.000 Tonnen Altkleider hin. Dabei sind deutsche Waren besonders beliebt und daher auch besonders teuer. Durch diese Überschwemmung ist die dortige Textilindustrie fast völlig zerstört. Die Händler verkaufen Altkleider maßenhaft und immer wieder kommt Nachschub. Diese Händler und die davor Zwischenhändler sind die einzigen, die von dem Geschäft profitieren. Vor Ort bieten nun Näherinnen ihre Dienste an: Sie passen die Altkleider direkt auf dem Markt an die Maße der afrikanischen Käufer an. Anstatt afrikanische Kleidung zu nähen, nähen sie Kleidung aus dem Ausland um. 

Eine Markenjeans kostet auf dem Alkleidermarkt etwa zwei Dollar. Mit sowas kann der einheimische Textilmarkt nicht mithalten und geht pleite und somit gehen viele Arbeitsplätze verloren.

Das ist die einstgrößte Textilfabrik in Tansania gewesen. Heute ist es nur noch eine Ruine. Früher waren dort 6.000 Arbeiter beschäftigt. Heute sind es nur noch 600. Dadurch leben heute viele Familie, die ehemalige Textilarbeiter waren unter der Existensgrenze.

Der eigentliche Wille der Spender wird auf diese Weise total verdreht: Anstatt den Armen zu helfen, ist jedes gespendete Kleidungsstück ein weiterer Beitrag zur Verarmung ganzer Bevölkerungsschichten.

Eine ganz schön krasse Geschichte oder? Natürlich hat das deutsche rote Kreuz sofort Stellung dazu bezogen im Internet, auch wenn ein Intervwie abgelehnt wurde. Auf der Internetseite steht z.B. bei Frage/Antwort 7. :  Können sie ethisch verantworten, dass Berge von europäischern Altkleidern in Tansania die Textilindustrie zerstört?

Ob das tatsächlich der Fall ist, darüber sind sich auch Experten nicht einig. Studien des Fachverbandes FairWertung  in Kamerun und Tansania haben ergeben, dass die Altkleidermärkte gerade von Geringverdienern  in diesem Land gut angenommen werden. Im Gegensatz zur lokal produzierenden Kleidung, die oft eher Kunsthandwerk als Gerauchsware ist, sind die importierten Altkleider auch für arme Menschen dort erschwingbar. FairWertung hat auch heruasgefunden, dass in diesen Ländern sogar neue Arbeitsplätze entstanden sind, da eine große Anzahl von Menschen vom handel oder dem Umarbeiten der Second-hand Kleidung lebt.

Also ich finde das Argument mehr als schwach...Für weitere Stellungsnahmen des DRK: www.drk.de/pressemeldungen/meldung/6836-10-fragen-und-antworten-zur-ndr-reportage-aEURzdie-altkleider-la14geaEURoe.html

QUELLE:

NDR-Reportage: Die Altkleider-Lüge, gesendet am 04.11.2011 um 21.15 Uhr

Bildmaterial auch aus dem Film

 

 

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Kommentare (7)
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25.11.2011
HannaS hat geschrieben:
Danke für die Tipps, Urmeli!
07.11.2011
Gluehwuermchen hat geschrieben:
Das habe ich auch noch nicht gewusst :( Danke für die Info.
07.11.2011
Oekojule hat geschrieben:
Ja davon habe ich auch schon gehört. Deshalb überlege ich mir immer dreimal, ob die mein altes Zeug jetzt wirklich in die Verarschetonne haue. Man kann einfach niemanden trauen, das zeigt sich immer wieder.
07.11.2011
gelöschter User hat geschrieben:
Diese Alt-Kleidercontainer gehören nicht den Organisationen. Es wird lediglich mit ihrem Namen Werbung gemacht - manchmal legal was ich auch sehr fragwürdig finde, manchmal aber auch ohne das Wissen der Organisationen.
Dass diese Kleider umsonst an die Armen verteilt habt ihr doch nicht wirklich geglaubt oder??
Sie werden verkauft und auch nicht dort wo sie gebraucht werden, sondern in Städten. Die wirklich armen Menschen, haben aber zu wenig Geld, um in die Städte zu kommen. Sie haben also nix davon.

Wenn man wirklich auf Nummer sicher gehen will, kann man seine alten Kleider direkt beim zB DRK abgeben. In deren Kleiderkammer - sofern der Kreisverband eine hat - werden die Sachen direkt an Bedürftige zu kleinem Geld verkauft oder verschenkt. Kaputte Sachen werden gesammelt, geschreddert und dann zB zu Decken verarbeitet, die vor Ort bei Hilfseinsätzen verteilt werden.
Eine wirklich gute Sache sind auch die Kleiderkammern des Deutschen Kinderschutzbundes. Die "alten" Klamotten werden als Spenden abgegeben und wieder für kleines Geld verkauft. Das Geld geht vollständig an die Projekte des Deutschen Kinderschutzbundes. Die Helfer in den Kleiderkammern arbeiten ausschließlich ehrenamtlich.
06.11.2011
gelöschter User hat geschrieben:
Der ganze Sachverhalt ist mir nicht unbekannt. Eine Tante hatte uns darauf aufmerksam gemacht, da sie selber in einem Verein gearbeitet hat, der nonprofit die Kleidung an Hilfsbedürftige verschenkt hat. Also, wenn ihr mit eurer Kleidung wirklich noch was erreichen wollt, dann bringt sie in Kleiderkammern. Diese findet mensch in jeder größeren Stadt.. meist steht auch auf ihren Websites, dass sie die Kleidung umsonst an die Hilfsbedürftigen abgeben. Schaut einfach nach..
06.11.2011
Meatala hat geschrieben:
Ich kann mich Midori nur anschließen - so ein Schei*.
Wir sind 6 Personen zu Hause und da immer mal was rausfliegen muss, habe ich es immer für mein gutes Gewissen in die Altkleider gegeben, verschenkt oder in ganz extremen Fällen eben weggeschmissen.
Das die Leute so dreißt sind und damit ein Geschäft machen und dann sogar noch behaupten, dass es ja für die Menschen dort drüben "ach so gut ist" treibt mir wirklich die Gluthitze ins Gesicht. Gerade Organisationen wie das deutsche rote Kreuz - immer fein helfen aber am Ende bleibt es doch nur Geldmacherei!
Vielen Dank für den Bericht! SO was ist wirklich schandhaft und sollte auf jeden Fall aufgedeckt werden!
05.11.2011
midori hat geschrieben:
Wow! Danke MaryLou für den tollen Bericht! Ich bin grad echt von den Socken. Vor einer Woche habe ich meinen Kleiderschrank aussortiert.. hätte ich das mal eher gewusst. Das ist ja echt der Wahnsinn! Da hat man einmal das Gefühl, man könnte auch ohne Geld Gutes tun..
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