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Der Bio-Boom im Kleiderschrank - ein Stimmenfang


von modeaffaire
11.08.2010
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Lange Zeit, als der Kühlschrank schon längst voll mit Bio-Joghurts und Fairtrade-Schokolade war, haben sich die meisten Menschen über ihre Kleidung noch sehr wenig Gedanken gemacht. Der „Siegeszug der Biolebensmittel“ begann Anfang des 21. Jahrhunderts. Bioläden schießen seither wie Pilze aus dem Boden; der Umsatz mit Biolebensmitteln stieg von gut zwei Milliarden Euro auf fast sechs Milliarden Euro jährlich. Als Gründe für diese Entwicklung wird zum einen ein gestiegenes Gesundheitsbewusstsein der Menschen angeführt, zum anderen die rot-grüne Bundesregierung (1998-2005), die ökologischen Anbau subventionierte.

Die LOHAS werden in Deutschland 2007 zum geflügelten Wort. Die Abkürzung steht für „Lifestyle of Health and Sustainability“ (Lebensstil für Gesundheit und Nachhaltigkeit) und bezeichnet Konsumenten, die durch ihr Kaufverhalten, sprich einer gezielten Produktauswahl, Gesundheit und Nachhaltigkeit fördern wollen. Verbraucher entdecken ihre Macht – oder eine Möglichkeit, ihren Konsumismus zu rechtfertigen?

Zeitgleich und durch diese Denkweise vorangetrieben schwappt der Bio-Trend auch auf andere Lebensbereiche über. „Sexy mit gutem Gewissen“, titelt die SZ und diagnostiziert: „Bio goes Fashion - Die Grüne Revolution in der Mode hat begonnen“. Von Anfang an spielt bei der Mode neben Bio eine weitere Dimension eine Rolle. Attribute wie ethisch und fair machen klar, dass den neuen „Powerkonsumenten“ auch der moralische Aspekt wichtig ist.

2008 schlägt der Eco Fashion „Virus“ voll um sich. „Raus aus der Mitleidsecke“ jubiliert der Stern und entdeckt, dass die neue Bio-Mode durchaus schick sein kann. Modeblogs richten eigene „Öko-Mode“-Kategorien ein, kleine deutsche Labels etablieren sich am Markt. Erstmals tragen auch T-Shirts das Fairtrade-Siegel, sind sozusagen vom „TÜV der Globalisierungskritiker“ als sozialverträglich ausgezeichnet. Das macht Bio-Mode natürlich etwas teurer als konventionell hergestellte Kleidung. „Aber reichen ein paar Euro, um aus einer schlechten Globalisierung eine gute zu machen?“ Erste Skepsis macht sich breit, die Grenzen des strategischen Konsums werden ausgelotet.

Doch „Organic Fashion“ wird immer beliebter – und das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) findet heraus, dass sich jeder vierte Bundesbürger für naturbelassene Mode interessiert. Klimaschutz wird Teil des eigenen Lifestyles – Bekleidung eine Frage der „Attitude“.

Im letzten Jahr war von einem regelrechten „Boom der sauberen Sachen“ die Rede, denn der Markt für Öko-Mode wächst. Unter nahezu gleichlautendem Titel veröffentlicht die Journalistin und Bio-Bloggerin Kirsten Brodde einen Ratgeber für grüne Mode, das Greenpeace Magazin erkennt in Punkto Bio-Baumwolle ein „Umdenken“ – auch bei großen Textilketten. Was weiterhin fehle wäre jedoch eine verlässliche Kennzeichnung der Ware.

Derweil erobert Bio-Mode die Laufstege der großen Modemessen. „THEKEY.TO“ – die Grüne Messe der Berlin Fashion Week eröffnet 2009 erstmals ihre Tore und wurde auch 2010 mit über 3000 Besuchern erfolgreich fortgesetzt. Die Plattform entspräche genau den „Marktbedürfnissen“, so Gereon Pilz van der Grinten, Gründer von THEKEY.TO und habe sich „erfreulich schnell als feste Größe des internationalen Messekalenders etabliert“. Die Modemesse Premium hat mit “Green Luxury Organic Fashion und nachhaltige Eleganz” sogar seit 2001 einen extra Bereich, in dem Öko-Mode präsentiert und mit der GRÜNEN PREMIUM Krone ausgezeichnet wird.

Alle Euphorie darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass Bio-Mode immer noch ein Nischendasein fristet. Kaum ein Prozent der weltweit gepflückten Baumwolle wird nach ökologischen Kriterien angebaut. Weiterhin ein Problem: Für viele Kunden ist Öko-Mode im Handel nach wie vor kaum sichtbar und das Imageproblem hält sich hartnäckig. Hinzu kommt eine gerechtfertigte Portion Skepsis, wenn zum Beispiel die Riesen der Textilindustrie – noch vor Jahren durch Kinderarbeitsskandale gebeutelt – auf die Bio-Baumwoll-Schiene aufspringen.

Und nun? Ist die Bio-Party womöglich schon zu Ende, fragt die SZ Anfang dieses Jahres zum Beispiel Christoph Dahn, den geschäftsführenden Gesellschafter des Öko-Moden-Großhändlers GTB. Dieser sieht, dass die meisten Menschen Mode immer noch zu Massen billig kaufen möchten und sie dann schnell wieder wegwerfen: "Umso mehr müssen Hersteller und Händler kommunizieren, worin der Mehrwert [von Ökotextilien] liegt".

Ein zweistelliges Wachstum in der Bio-Branche kann nicht jährlich erreicht werden. Und doch gehen Experten, wie Gerd Müller-Thomkins, Geschäftsführer des Deutschen Mode-Instituts in Köln, nicht von einer kurzfristigen Entwicklung aus, sondern von einer „Tendenz im Mainstream“. Und außerdem: „Trends sind endlich. Nachhaltigkeit dagegen ist richtungweisend für die Zukunft“ - so Kuyichi-Chef Tony Tonnaer in einem Interview.

Wir werden sehen, welche Diskussionen der neue „Lebensstil der Widersprüche: Genussorientierung einerseits, Gesundheitsbewusstsein andererseits“ noch auslösen wird und welche neuen Wege wir noch einschlagen werden…

Weitere Infos zu fairer Mode und Beteiligungsmöglichkeiten findet ihr auf www.modeaffaire.de - das Portal haben Sabine Segerer und ich Anfang August gelauncht.

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Kommentare (1)
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17.08.2010
Marielle hat geschrieben:
Also ich bin im Moment auch total auf dem Trip auf die Bio Siegel beim Modekauf zu achten.
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