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Blutige Gutenacht-Geschichte


von Marcel
14.10.2009
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Für deutsche Kinderbücher stirbt Tropenwald. Der WWF zeigt das in seiner heute veröffentlichten Untersuchung „Tropenwaldzerstörung für Kinderbücher - Eine Analyse des Buchmarktes in Deutschland“. Die Ergebnisse wurden zum Beginn der Frankfurter Buchmesse der Presse vorgelegt. Eine echt traurige Geschichte: An manchen Kinderbüchern klebt förmlich das Blut getöteter Regenwaldbewohner.

Bei 19 von 51 getesteten Kinderbüchern konnten wir Anteile von Tropenholz nachweisen. Dazu gehören unter anderem so bekannte Titel wie „Benjamin Blümchen – Komm mit mir durch den Tag!“, „Felix bei den Kindern dieser Welt“ und „Bodobär auf der Ritterburg“. Insgesamt hat der WWF Titel von 13 Verlagen positiv gestestet, darunter die Branchengrößen Bertelsmann, Esslinger aus der Klett-Gruppe und Pattloch aus der Verlagsgruppe Droemer Knaur (ihrerseits eine Tochtergesellschaft der Verlagsgruppe Holtzbrinck und Weltbild).

altEine Meldung, die einen gewaltigen Hingucker verdient, wie wir fanden. Die Besucher der Buchmesse konnten heute morgen unsere WWF-Aktion direkt vor dem Messegelände beobachten. Unter dem Motto „Kein Kahlschlag für Kinderbücher“ seilten sich Artisten in Orang-Utan Kostümen im Frankfurter Großstadtdschungel vom Kastor-Hochhaus ab. Mehr zur Aktion erfährst du hier!

„Bücher aus Tropenholz-Raubbau tragen zum Artensterben und zum Klimawandel bei, da für ihre Herstellung Wälder zerstört werden, die Lebensraum zahlreicher Arten und gigantische Kohlenstoffspeicher zugleich sind“, sagte WWF-Waldexpertin Nina. „Die nachgewiesenen Hölzer wie Shorea oder Rhizophora kommen in aller Regel nicht in extra angelegten Plantagen, sondern fast ausschließlich in tropischen Natur- und Urwäldern vor. Für die positiv auf Tropenholz getesteten Bücher, so der logische Schluss, muss natürlicher Tropenwald abgeholzt worden sein“.

altPhantastische Geschichten mit häßlichen Geheimnissen: Immer mehr in Deutschland verkaufte Bücher werden im Ausland produziert, vor allem in China. Insgesamt kommen inzwischen 34,4 Prozent der deutschen Buchimporte aus China, was einer Menge von über 41.000 Tonnen Papier entspricht. Bei diesen Produkten ist das Risiko häufig groß, dass Raubbauholz verarbeitet wurde. Die chinesische Papierindustrie spielt mittlerweile die dominierende Rolle im Welthandel mit Zellstoff, dem Ausgangsstoff für Papier. Knapp 17 Prozent des weltweit gehandelten Zellstoffs wird nach China exportiert. Fast 50 Prozent der Zellstoffexporte Indonesiens, für deren Herstellung bekanntermaßen seit Jahren großflächig Tropenwälder vernichtet werden, gehen nach China.

Einer der bedeutenden Akteure in der chinesischen Papierproduktion ist der indonesische Großkonzern Sinar Mas Group (SMG). Über diverse Tochterfirmen wie etwa Asia Pulp and Paper (APP) liefert er in großem Stil Zellstoff und Papier nach China und ist selbst als Buchproduzent aktiv. APP ist der weltweit drittgrößte Hersteller von Zellstoff und Papier und verantwortlich für die Abholzung immenser Flächen tropischen Regenwaldes in Indonesien. Allein in der Provinz Riau auf der indonesischen Insel Sumatra gehen 40 Prozent des gesamten Waldverlusts auf das Konto von APP und seinen Zulieferern. Derzeit steht APP massiv in der Kritik, weil sich der Konzern um eine Nutzungsgenehmigung mitten in einem Orang-Utan-Schutzprojekt auf Sumatra im Bukit Tigapuluh Nationalpark bemüht.

"Ausgerechnet Kinderbuchverlage sind mit verantwortlich dafür, dass die Lebensgrundlage der nachfolgenden Generationen zerstört wird“, kritisiert Johannes, Papierexperte des WWF Deutschland. Wir fordern deshalb die Verlage zu einer Selbstverpflichtung auf, entweder Recyclingpapier oder glaubwürdig zertifiziertes Frischfaserapier aus verantwortungsvoller Waldbewirtschaftung zu nutzen. Nach Ansicht des WWF und anderer Umweltverbände wird dies derzeit nur durch das internationale Zertifikat FSC (Forest Stewardship Council) gewährleistet. „Die Verlage haben die Marktmacht, die Papierindustrie zu beeinflussen und die Entwicklung neuer umweltfreundlicher Druckpapiere einzuleiten“, so Johannes.

Alles für die Ablage P? Der globale Papierkonsum wächst seit Jahren kontinuierlich. Seit 1960 hat er sich vervierfacht. Inzwischen wird etwa die Hälfte des weltweit kommerziell eingeschlagenen Holzes zu Papierprodukten verarbeitet. 10 Prozent der Weltbevölkerung, nämlich Westeuropa und Nordamerika, verbrauchen mehr als die Hälfte des weltweiten Papiers.

Die Studie findest du hier!

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Kommentare (4)
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19.10.2009
Marcel hat geschrieben:
@StrongBad: Du sagst es: So oder so ist das nicht gut. Da man dem Holz nicht ansieht, ob es "gut" oder "schlecht" ist, fordern wir ja eine Herkunftsdeklaration und ein Gesetz auf EU Ebene. Denn nach derzeitiger Gesetzeslage läuft es tatsächlich anders als von dir vermutet: Deutschland führt nämlich durchaus (unwissend) dieses Holz ein, das dann hier zu Möbeln etc. verarbeitet wird. Mit einem Anteil von rund zehn Prozent steht Deutschland auf Platz drei der EU-Hauptabnehmerländer für Holz aus illegalen Quellen. Und genau das ist ja der Skandal: Bis heute gibt es EU-weit kein Gesetz, das die Einfuhr, den Handel und den Besitz von Holz und Holzprodukten aus illegalen Quellen unterbindet. Die Holzfäller verkaufen das illegale Holz an große Unternehmen, die im Zweifelsfall nicht wissen wollen, woher die Ware stammt. Große Mengen dieses illegal geschlagenen und gehandelten Holzes landen in der Europäischen Union. Fast ein Fünftel des insgesamt in die EU importierten Holzes wird nach Berechnungen des WWF unter Missachtung geltender Gesetze gefällt und gehandelt. Es stammt nicht nur aus Indonesien, sondern auch aus China, Brasilien, Russland und anderen osteuropäischen Ländern. Seit Jahren plädieren Umweltschutzorganisationen deshalb dafür, ein so genanntes ?Urwaldschutzgesetz? auf den Weg zu bringen. Doch das wird von politischer Seite immer wieder verschoben. Auf diesem Factsheet sind nochmal alle wichtigsten Infos zusammengefasst: http://www.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/pdf_neu/Kampagne_Projektblatt_Flegt_A.pdf
16.10.2009
StrongBad hat geschrieben:
hm, das wusste ich noch nicht, ist aber mal interessant zu wissen.

wäre aber auch interessant zu wissen, inwieweit deutschland hauptabnehmer dafür ist, ich könnte mir vorstellen dass das meiste schon fertig nach deutschland kommt, zum beispiel in Form von Möbeln, Böden oder sonstiges. Dass Deutschland jetzt Stämmeweise Holz aus den Tropen abnimmt glaube ich nicht mal.
Jedoch ist das so oder so natürlich nicht gut.
15.10.2009
Marcel hat geschrieben:
@StrongBad: Unsere Waldexpertin Nina Griesshammer sieht das ganz anders. Hier Ihre Antwort auf deinen Kommentar: "Es stimmt leider nicht, dass das meiste legal gerodet wird - unabhängig davon, ob Wald auf legale oder illegale kahlgeschlagen wird, ändert nichts an der Tatsache, dass Wälder, der Lebensraum vieler Arten und Menschen unwiederbringlich verloren ist. Bezüglich der Illegalität verhält es sich aber so: Laut Angaben der OECD (Organisation for Economic Co-operation and Development) von 2007 liegt der illegale Holzeinschlag in Indonesien bei 73 Prozent in Russland bis zu 50 Prozent. Große Mengen dieses illegal geschlagenen und gehandelten Holzes landen in der Europäischen Union. Fast ein Fünftel des insgesamt in die EU importierten Holzes wird nach Berechnungen des WWF unter Missachtung geltender Gesetze gefällt und gehandelt. Es stammt nicht nur aus Indonesien, sondern auch aus China, Brasilien, Russland und anderen osteuropäischen Ländern. Mit einem Anteil von rund zehn Prozent steht Deutschland auf Platz drei der EU-Hauptabnehmerländer für Holz aus illegalen Quellen.
Illegale Rodung von Wäldern und Handel mit deren Hölzern ebnen erst die Schneisen für
eine rasante Waldvernichtung durch skrupellose Großkonzerne, insbesondere in den Tropen. Jedes Jahr gehen so etwa 13 Millionen Hektar Wald - eine Fläche von der Größe Griechenlands - verloren. Außerdem wird rund ein Fünftel aller Treibhausgasemissionen weltweit durch Waldvernichtung verursacht - ein Problem ersten Ranges für das Weltklima."
14.10.2009
StrongBad hat geschrieben:
außerdem finde ich, dass man es nicht raubabbau nennen kann, denn die meisten Rodungen in den tropenwäldern sind legal, von den Regierungen authorisiert also...

alles legitim
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