Ist das Licht aus?


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© WWF
Wie öko bist du, Deutschland?


von Marcel
14.05.2009
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Wir Deutschen haben mal wieder im Öko-Ranking versagt. Zumindest nach den Ergebnissen der "Greendex"-Studie. Und das, obwohl unser Land als besonders umweltfreundlich gilt. Deutsche Ingenieure und Wissenschaftler bauen Windräder, Solarzellen, Biogasanlagen… In Sachen Technischer Umweltschutz macht uns so leicht keiner etwas vor. Aber was ist mit dem Umweltschutz in unserem Alltag? Da sind anscheinend Inder und Chinesen besser als wir.

Die Greendex-Studie der National Geographic Society hat das Konsumverhalten in 17 wichtigen Ländern erforscht. Je 1000 Menschen wurden nach ihren Gewohnheiten gefragt. Und da reicht unsere ‚Öko-Performance’ nur für einen Platz im Mittelfeld. Die Plätze 1 bis 3 gehen an Indien, Brasilien und China, wir sind zehnter, und die USA stehen erneut am schlechtesten da. Woran liegt das? Tja, in manchen Sachen sind wir eben total gut, in manchen ziemlich schlecht.

Top: Keine andere Nation recycelt so viel. Wir nutzen überdurchschnittlich viele Energiesparlampen und setzen zuhause kaum Klimaanlagen ein. Positiv ist auch unsere Sparsamkeit beim Heizen sowie die vergleichsweise gute Isolierung unserer Häuser. Und wir fahren viel Rad und tragen unsere Einkäufe kaum in Plastiktüten, sondern in eigenen Tragetaschen nachhause.

Flop: Die Deutschen lieben ihr Auto - 44 Prozent sind meistens allein im Pkw unterwegs. Bus und Bahn nutzen wir deutlich seltener als die Menschen in vielen anderen Ländern. Exotische Produkte ziehen wir noch zu oft regionalen Produkten vor. Was aber unser Energielevel auch stark nach oben treibt: unsere Liebe zum Trinkwasser in Flaschen! Wer rechnet denn damit?! Ist aber nach Expertenmeinung auch eine fiese Umwelt-Macke.

altDer Flaschenwasser-Verbrauch zieht uns ordentlich in der Öko-Bilanz runter. Denn das Wasser muss in die Fabrik transportiert, unter hohem Einergieeinsatz abgefüllt und dann in die Supermärkte gebracht werden. Von dort schleppen wir es - meistens wieder mit dem Auto - in unsere vier Wände. Studien zeigen: Im ungünstigsten Fall verbrauchen wir pro Liter Flaschenwasser ein Drittel Liter Erdöl. Bei Leitungswasser sind's nur 0,3 Milliliter.

Sind jetzt die Menschen in den Schwellenländern einfach grüner gepolt? So würde man die Greendex-Studie missverstehen. Denn dass gerade ärmere Länder so gut abschneiden, liegt weniger am Umweltbewusstsein, sondern oft an purer Not. In China oder Indien gehen natürlich sehr viel mehr Menschen zu Fuß oder fahren mit dem Fahrrad. Noch. Der Wunsch, ein Auto zu besitzen, wird in den aufsteigenden Nationen entsprechend größer. Im Vergleich zu früheren Studien verschlechtert sich in diesen Ländern schon der Fortbewegungs-Greendex. Und was die Studie auch zeigt: Vor allem steigende Preise und die Wirtschaftskrise zwingen viele Menschen zum Umdenken - so mancher wird Öko aus einer finanziellen Motivation heraus.

Wie seht ihr das mit dem deutschen Umweltverhalten? Tun wir nur so scheinheilig? Oder können wir vielleicht nicht anders?
 

Bilder:
Fahrradchaos in Peking © Michel Gunter / WWF-Canon
Wasserflasche © Frank Parhizgar / WWF-Canon

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Kommentare (5)
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24.08.2009
Fredi hat geschrieben:
Ich finde den Beitrag auch super. Mir war vorher gar nicht bewusst, wie viel Energie nötigt ist um eine kleine Flasche Wasser herzustellen. Ich denke ich werde in Zukunft wohl öfter zum Leitungswasser greifen... Aber sonst fahre ich viel mit dem Fahrrad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln, die häufig gar nicht überfüllt sind und teilweise sogar klimatisiert... ;) Ich denke aber, das ist eine reine Kopfsache und viel mehr von uns Deutschen sollten Kurzstrecken lieber zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurücklegen. Das ist gesünder für uns und die Umwelt, spart Geld und schont häufig auch die Nerven!
18.06.2009
Marcel hat geschrieben:
@ Oekoapostel: Du entwickelst einen Groll auf das Thema "Klimaschutz"? Seltsam, mir geht es da genau andersrum: Beim Thema "Klimawandel" werde ich wütend, weil wir mitansehen müssen, dass viele Treibhausgase unnötig in die Atmosphäre geblasen werden, und beim Thema "Klimaschutz" entwickle ich beste Laune, weil endlich immer mehr Politiker einsehen, dass wir für zukünftige Generationen Verantwortung haben, und weil Ingenieure, Entwickler und Techniker immer wieder neue verblüffende Erfindungen auf den Markt bringen, die die Energiewende realistischer machen. Auch stimmt mich optimistisch, dass wir den "Robespierrschen Tugend-Terror", den du in deinem Kommentar anspricht, schon längst überwinden: Immer mehr Menschen achten auf ihre Umwelt, und genießen das auch. Nachhaltiger Lebensstil hat bei Weitem nicht mehr viel mit Verzicht zu tun. Es geht um das gute Gefühl, das Richtige zu tun, und nicht mit der Gewissheit leben zu müssen, dass spätere Generationen unser Nichtstun scharf verurteilen werden. Zum Glück gibt es inzwischen eine wachsende Gruppe an Menschen, nicht zuletzt hier in Deutschland, die Umwelt-, Klima- und Naturschutz gerne in ihre Alltagswelt integrieren - dazu gehört auch die WWF Jugend. Und da stimmt es mich und meine WWF-Kollegen auch optimistisch, dass hier so viele junge Leute unterwegs sind, die eben nicht sagen: "Natur bewahren gerne, aber sollen erstmal die anderen anfangen", sondern hier in zahlreichen Beiträgen und Kommentaren klarstellen: "Wir können, und wir wollen auch anders!"
17.06.2009
Oekoapostel hat geschrieben:
" Oder können wir vielleicht nicht anders?"

Es gibt doch noch die Option, dass wir nicht anders wollen. Ich gebe es gerne zu, dass ich nicht auf das Auto verzichten möchte. Ich möchte auch keinen unbequemen Kleinwagen fahren. An einem heißen Sommertag ziehe ich ein gut klimatisiertes Auto immer einer überfüllten Straßenbahn (oft noch ohne Klimaanlage) vor deren Taktstaffelung oft absolut unattraktiv ist.

Und ich möchte zu bedenken geben: Je mehr versucht wird mich durch Zwangsmittel (erhöhte Abgaben und sogenannte Umweltbesteuerung führen faktisch zum Zwang des Genussverzichts) in die gewünschte Richtung in meinem Verhalten zu lenken, desto größer wird mein Groll auf das Thema "Klimaschutz" (was ja nicht deckungsgleich und manchmal sogar konträr zum naturschutz sein kann).

Deshalb an alle jungen Idealisten: Geht kreativ an das Thema ran. Wer in seiner Einfalt und seinem Wunsch nach Robespierrschen Tugend-Terror dafür sorgt, dass der Bürger Klima- und Umweltschutz nur als Erhöhung in seiner Abgabenlast mitbekommt der wird seinem Anliegen auf lange Sicht mehr schaden als nutzen.
14.05.2009
Chrissi90 hat geschrieben:
Im Energiesparen sind wir zwar Weltmeister aber es bringt herzlich wenig wenn wir uns dafür jetz einen doppelt so großen Kühlschrank kaufen oder sogar 2.Ich denke das wir Deutschen auch wenn es und nicht gefällt noch viel von unseren holländischen Nachbarn lernen können.
14.05.2009
Franzi hat geschrieben:
Doch, ich denke viele könnten anders wenn sie wirklich wollten. Oft fehlt einfach die Motivation und - wie schon erwähnt - die "Not". Wir "können" es uns halt in den allermeisten Fällen einfach leisten mal kurz eben mit dem Auto zu fahren. Was natürlich nicht heißt dass wir es auch tun sollten.
Ich denken in vielen Dingen ist Deutschland schon weit vorne, wie eben das Energiesparen etc., aber was die alltäglichen Kleinigkeiten angeht kann noch viel verbessert werden. Auch die Politik könnte sich noch viel mehr für den Klimaschutz stark machen.
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