Ist das Licht aus?


Good bye


stand-by.


© WWF
Wasser ist Lebensgrundlage


von Evergreen
06.08.2010
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Tomatenzeit. Jetzt ist Sommer und da wird bekanntlich das Gemüse reif und wir können es erntefrisch genießen. Ein Einkauf im Supermarkt und man hat das Frischste auf dem Teller. Aber Moment, gibt es nicht auch Tomaten im Winter? Natürlich, ist doch auch ganz praktisch... oder nicht? Die Tomaten kommen dann beispielsweise aus Spanien, aber man denkt sich weiter nichts dabei. Viele Leute gucken gar nicht mal auf das Herkunftsland. Tomaten sind Tomaten.
Allerdings wie immer: So einfach ist das eben nicht.
Ein Kilo Tomaten braucht ca.190 Liter Wasser, virtuelles Wasser, das man dem Produkt beim Kauf nicht mehr ansieht. Doch Südspanien ist eine sehr trockene Region. Trotzdem gibt es hier ungefähr 32.000 Treibhäuser. Damit in Mittel- und Nordeuropa ganzjährig frisches Obst und Gemüse auf den Tisch kommt, verlagert sich die Produktion in den Mittelmeerraum. In Folie verpacktes Land soweit das Auge reicht ist hier kein seltenes Bild mehr.
Um den enormen Wasserbedarf zu decken, wird in Spanien das Wasser aus dem regenreicheren Norden angezapft. Die Bauern im Norden müssen mit weniger auskommen. Zu wenig. Denn kleine Flüsse und Bäche, denen die Bauern vor einigen Jahren noch das Wasser zum bewässern ihrer Früchte entnommen haben, sind nun ausgetrocknet. Der Grundwasserspiegel sinkt immer weiter. Für die Bauern wird es nun immer schwerer sich ihre Lebensgrundlage zu sichern, da sie mit hohen Ernte- und Einkommensverlusten rechnen müssen. Ehemalige Landwirtschaftsregionen werden zu Wüsten.
Neben der Landwirtschaft sind aber auch der Klimawandel und dadurch verursachte Dürreperioden, sowie andere menschliche Eingriffe (Überweidung, Abholzung usw.) für die zunehmende Desertifikation auf der Erde verantwortlich.
 

Auch der Tourismus spielt eine Rolle. Damit ein Golfplatz im trockenen Süden trotzdem schön grün bleibt, benötigt man pro Jahr so viel Wasser, wie ein Ort mit 15.000 Einwohnern! Der Tourismus am Mittelmeer boomt, es entstehen ständig neue Hotels, um noch mehr Touristen anzulocken. Mit Wasser wird da nicht gerade gespart (Beispiel: Swimmingpool direkt neben dem Meer).

 

Aber nicht nur im Mittelmeerraum gibt es Probleme mit der Wasserversorgung. Auf der ganzen Welt wird Wasserknappheit zu einem wachsenden Problem:

- Der Colorado River bringt weniger als ein Prozent seiner früheren Wassermenge zum Meer. Grund dafür ist Abzapfen des Wassers für die Landwirtschaft.
- Das Tote Meer ist um 35% kleiner als 1970, weil der Jordan nur noch ein Drittel seiner ursprünglichen Wassermenge mit sich bringt.
- Der Aralsee ist aufgrund der Bewässerung von riesigen Baumwoll- und Reisfeldern (vor allem in der Sechzigern) um 70% geschrumpft.
- Der Tschadsee war mit ca. 25.000 km² mal ein Binnenmeer. Jetzt ist er nur noch so groß wie der Bodensee, ein Verlust von 95%.
- Der Rio Grande wird bis Ende dieses Jahrtausends komplett ausgetrocknet sein, er erreicht kaum noch den Golf von Mexiko.

Das waren nur einige Beispiele. Laut einer WWF-Studie gehören zu den bedrohtesten Flüssen der Rio Grande (USA/Mexiko), der Nil (Ägypten), Jangtse, Mekong, Saluen, Ganges und Indus (alle Asien), La Plata (Südamerika) und der Murray (Australien). Aber auch die Donau zählt zu den Top Ten!

Dass bis 2015 die Zahl der Menschen, die keinen Zugang zu sauberem Wasser haben, halbiert werden soll, klingt mit diesem Wissen wie ein unerreichbares Ziel. Die Zahl dieser Menschen, beläuft sich von einer Milliarde bis auf vier Milliarden (da gibt es unterschiedliche Angaben). Zwei Drittel des weltweiten Wasserverbrauchs gehen auf die Landwirtschaft zurück. Dabei könnte man, wenn man überall wassersparende Maßnahmen duchführen würde bis zu 40% Wasser sparen. Heute sind viele Bewässerungssysteme uneffizient, z.B. kommt bei Beregnungsanlagen allerhöchstens 50% des Wassers an den Wurzeln an. Der Großteil verdunstet. Auch durch die Auswahl des Saatguts innerhalb einer Pflanzenart kann Wasser gespart werden.
Wenn die Landwirtschaft weniger Wasser verbraucht, bleibt mehr für die Menschen selber. Wasser ist Lebensgrundlage.

Also Leute, jetzt ist die Zeit (deutsche Bio-) Tomaten zu essen! ;-)

 

 

Quellen:  Öko-Test Spezial Umwelt&Energie (2009); http://www.wwf.de/presse/details/news/die_top_10_der_gefaehrdeten_fluesse/

Bildquelle: ich :-)

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Kommentare (4)
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08.09.2010
FelicitasVulkanisiert hat geschrieben:
Toller Bericht! Für die meisten Leute ist Wasser selbstverständlich, aber solange wir in unserem alltäglichen Leben nichts von Wasserknappheit mitbekommen, wissen die meisten auch gar nicht, dass es dieses Problem gibt. Man hört zwar durch die Medien von Dürren und vielleicht auch Desertifikation, aber viele wissen nicht, dass unser Verhalten ausschlaggebend ist. Neulich hatten wir im Englischunterricht die Fragestellung, ob es nötig ist, Vegetarier zu werden und ich habe ein paar Argumente genannt, u.a. war auch Wasserverschwendung so ein Punkt, der meine Mitschüler allerdings total verblüfft hat. Ich fürchte nur, dass es ihnen trotzdem egal ist.
23.08.2010
Marcel hat geschrieben:
Toller Bericht mit vielen spannenden Fakten - Kompliment!
07.08.2010
Evergreen hat geschrieben:
Dankeschön, ja kann man! ;-)
07.08.2010
Blumenkind hat geschrieben:
Toll, dass du detailliert erklärst, wie wo welches Wasser herkommt bzw. verschwindet - und das Foto ist auch gut ;)
Tomaten pflanzen wir selbst an und bei jedem Obst oder Gemüse gucke ich kritisch auf das Herkunftsland.

Man kann doch ein paar Monate ohne (noch halb grüne) Erdbeeren überleben, oder??

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