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"Öko gegen Öko" - Pumpspeicherkraftwerk oder Natur?


von Franzi
09.10.2010
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Ein großer, dunkler Tannenwald, Bäche, die plätschernd den Hang hinunter fließen und ab und zu ein Reh... Das Haselbachtal zwischen Basel und Konstanz ist Idylle pur. In wenigen Jahren soll es unter Wasser stehen.

Die Schluchseewerk AG, ein Gemeinschaftsunternehmen der Stromriesen RWE und EnBW planen im Haselbachtal ein Pumpspeicherwerk zu bauen. Dafür muss nicht nur das Tal geflutet werden, die Bergspitze des gut zehn Kilometer entfernten Abhaus muss des Weiteren gesprengt werden, um einen Kunstsee entstehen zu lassen, von welchem das Wasser dann hinunter in das Unterbecken fließen kann.

Die Anwohner sind verständlicherweise entsetzt. Nicht nur, dass die einzigartige Berglandschaft versiegelt wäre, die Baustelle würde außerdem an ein Vogelschutzgebiet sowie ein Wasserschutzgebiet grenzen. Im Hotzenwald, welcher den Abhaus hinauf reicht, leben des weiteren vierzig, vom Aussterben bedrohte Pflanzen- und Tierarten. Aus diesem Widerstand hat sich nun die "Bürgerinitiative zum Erhalt des Abhaus und des Haselbachtals“ entwickelt.

Doch nicht nur die Bürgerinitiative beruft sich auf die Ökologie. "Für einen wachsenden Anteil erneuerbarer Energien sind wir dringend auf neue Pumpspeicherkraftwerke angewiesen“, erklärt der Projektleiter, Andreas Schmidt. Für die stark schwankenden Erträge aus Wind- und Solarparks muss die Kapazität von diesen Kraftwerken, welche den Strom sozusagen "zwischenspeichern“, verdreifacht werden, wenn die Bundesregierung wie geplant die Elektrizitätsversorgung bis 2050 zu 80% auf erneuerbare Energien umstellen will.

Der Hotzenwald ist für ein solches Speicherkraftwerk geradezu ideal. Rund 5 Millionen Tonnen CO2 würden in den ersten zehn Betriebsjahren der Anlage eingespart werden.

Nachts, wenn wenig Strom verbraucht wird, würde also mit dem z.B. in Windparks erzeugten Strom das Wasser aus dem Haselbachtal hinauf auf den Abhaus gepumpt werden. An windstillen Tagen, wenn Strom benötigt wird, erzeugt es dann beim hinunterfließen die nötige Energie.

Diese Energie, welche bedeckte oder windstille Tage ausgleicht, stammt zurzeit noch aus Kohlekraftwerken, welche dann auf Dauer ganz abgeschaltet werden könnten.

Der Konflikt "Öko gegen Öko“ tritt immer häufiger auf. So verursacht Strom aus Windparks mit Abstand am wenigsten CO2, doch wer will die riesigen Windmühlen schon vor der Haustür haben? Auf der einen Seite fördern wir den Ausbau erneuerbarere Energien, wollen weg von Atomkraftwerken, auf der anderen Seite zerstören wir Natur und Lebensräume für diese Energien.

Was ist eure Meinung dazu? Ist es vielleicht nötig "Opfer zu bringen“ für neue Formen der Energiegewinnung oder muss es noch andere Möglichkeiten geben?

Quellen:

DIE ZEIT, Nr. 38
 

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Kommentare (8)
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17.10.2010
Philipp hat geschrieben:
Ich stimme Lukas zu
Man kann es nicht allen recht machen und man sollte auch Opfer bringen können. Aber diese "Opfer" sollte man eben so gering wie möglich halten und das ist bei diesem Projekt meiner Meinung nach nicht der Fall
16.10.2010
JoPeace hat geschrieben:
oh gott. ökostrom und schon eine richtig, richtig gute sache, aber dabei muss doch auch auf die umwelt geachtet werden! aber ganz ehrlich, was erwartet man von RWE? das ist doch das letzte. gibt es keine alternative das gesetzlich zu regeln? das ökostrom=100% ökologisch? bei der derzeitigen regieren vermutlich nicht.. nun denn, das ist auf garkeinen fall in ordnung.
13.10.2010
Marcel hat geschrieben:
In der Schweiz gibt es viele Pumpspeicherkraftwerke. Unsere Kollegen vom WWF Schweiz sehen das sehr kritisch. Vor allem Anlagen, die für den Pumpstrom Kohle- oder Atomkraft verwenden, sind alles andere als hilfreich für den Klimaschutz. Mehr Infos: http://wwf-gr.webofsections.ch/index.php?id=4577
11.10.2010
Volkmar hat geschrieben:
Hallo Franzi,
das ist ein sehr guter, interessanter Bericht. Und vor allem ist es schön, dass Du Dich auch für das "Für und Wider" einer Sache interessierst.
Ich möchte dem 1Phil1 recht geben! Solche Kraftwerke müssen auch ein, zwei Nummern kleiner gehen und vor allem nicht dort wo dermaßen in die Natur eingegriffen werden muss!
Ich wünsche der Bürgerinititive viel Erfolg! Wäre es gut eine Unterschriftenaktion im Sinne der BI zu starten?
LG - Volkmar
09.10.2010
1Phil1 hat geschrieben:
Der oben beschriebene Fall is ja ein riesen Projekt.. davon hab ich noch gar nichts gehört, obwohl ich mich für erneuerbare Energien, bzw. unsere Zukunft interessiere. Pumpspeicherkraftwerke sind die einschneidensten Projekte bezogen auf die Natur, dafür aber wirklich effizient. Sie sind die Vorreiter von intelligenten Stromnetzen,die wissen wann wo und in welcher Menge Strom gebraucht wird.Bis solche Netze entwickelt sind bzw. so ein Wandel vollzogen ist dauert es wohl noch lange, daher brauchen wir Punmpspeicherkraftwerke und co. Aber nicht zu so einem Preis meiner Meinung nach... Solche Kraftwerke sollten lieber eine Nummer kleiner angelegt werden um die Zerstörung in Maßen zu halten.. 
09.10.2010
Franzi hat geschrieben:
Es wird versucht diese Kraftwerke an natürlichen Seen anzulegen, aber der Abhaus eignet sich so gut für so ein Kraftwerk weil er so ein starkes Gefälle hat, dass man sich dann entschieden hat einen See "anzulegen"...
Danke für das Kompliment;)
LG
09.10.2010
midori hat geschrieben:
Ich dachte immer Pumpspeicherwerke werden nur an natürlichen Seen angelegt. Da hab ich mich wohl getäuscht! oÔ Aber es stimmt schon.. für uns alle wäre es wohl ein Schritt vorwärts, aber für die dort heimische Tier- und Pflanzenwelt und für die Anwohner wäre es definitiv ein Schlag. Für das Gemeinwohl oder das Wohl einiger?!.. Schwere Frage =/

Guter Bericht! ;o)
09.10.2010
Morgan hat geschrieben:
Hmm...blöd.Ich weiss nicht so recht,was besser ist...
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