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Meine ersten 10 Wochen digital in der Schule


von SeDurchholz
08.12.2015
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Alles digital in der Schule - geht das? Genau diese Frage habe ich mir auch gestellt und bin gerade dabei sie zu verwirklichen.

In diesem Artikel möchte ich Euch von meinen Erfahrungen in den ersten 10 Wochen berichten. Dabei werde ich vor allem auf folgende Aspekte eingehen: Was sind die Vor- und Nachteile bzw. neutrale Aspekte? Wie reagierten die Lehrer*innen und Schüler*innen? Und was habe ich bisher an digitalen Paper „verbraucht“? 


Die Vorteile


Einzigartiger Komfort


Da ich ein Mensch bin, der nach der Devise lebt „Effizienz ist intelligente Faulheit“, ist mir direkt seit Tag 1 aufgefallen: Den Ranzen zu packen, geht sehr einfach, denn meistens ist dort nur das Tablet und ein Buch drin. Das wiederrum wirkt sich auch meines Empfindens nach positiv auf das Gewicht meines Rucksackes aus.


Ein Weiterer Vorteil ist, dass man sein gesamtes Material immer dabeihat. Das ist vor allem sehr praktisch, wenn man zum Beispiel reist: Ich kam in die Situation, dass ich über ein Wochenende auf einer Demonstration in Berlin gewesen bin und noch Hausaufgaben hatte und für Arbeiten üben musste. Zum Glück war es kein Problem, da ich mir die Seiten im Buch abfotografiert habe und auf meinem Tablet dabeihatte. Zudem profitierte ich von der Radierfunktion des Stiftes viel, da ich öfters im Bus Wackler in seine Schrift bekam, aber weil der Stift digital ist und ich mit ihm auf Knopfdruck radieren kann, war das Problem somit umgangen. 

Alle Hefte in einem Programm:

Alle Hefte in einem Programm (oben rechts)

Die durch diese Vorteile entstehende Flexibilität ist für mich ein großer Mehrwert und wertet mein Workflow deutlich auf. Wenn ihr mehr wissen wollt, wie ich es benutze, klickt hier.


Der Stift
 
Apropos Stift: Dieser im Zusammenspiel mit dem Programm OneNote ist einfach genial! Durch das Programm wird der Stift zu einem All-in-One Mäppchen. Dort stehen mir, neben vier verschiedenen Arten von Radiergummis, Stifte und Textmarker zur Verfügung. Diese kann man noch mit 52 Farben und 8 verschiedenen Stärken kombinieren. Des Weiteren erkennt der Stift 256 verschiedene Druckstufen und wenn ich meine Hand gleichzeitig während des Schreibens auf dem Tablet ablege, registriert er auch, was Hand und was Stift ist. Alles in allem habe ich deshalb immer ein komplettes Mäppchen in Form eines Stiftes dabei.

Alle möglichen Farbenkombinationen sind möglich

Ein riesiger weiterer Vorteil des Stiftes ist, dass man bestimmte geschriebene Bereiche auswählen und verschieben oder kopieren kann. Das ist perfekt, wenn Lehrer nicht so gut Tafelbilder entwickeln und man noch viel ändern muss oder, wenn man Skizzen kopieren möchte.

Eine Sache, die eigentlich ganz nützlich ist, aber für mich zu viel Akku verbraucht und ich sie deshalb nicht nutze, ist der Knopf am Kopf des Stiftes. Es ist per Bluetooth mit dem Surface verbunden und öffnet beim einmaligen Drücken das Programm OneNote und beim zweimaligen Drücken erstellt es einen Screenshot.


OneNote als Heft- und Ordnerersatz


Auch von dem Programm OneNote bin ich begeistert. Vor dem Projekt hatte ich leider keine Erfahrungen mit OneNote. Als ich beim Kauf davon gehört habe, dass die Seiten nicht im DIN A4 Format, sondern unendlich weit in alle Richtungen gehen, war ich etwas unsicher, ob ich damit zurechtkomme. Denn wenn man jahrelang sich an „normales“ Papier gewöhnt hat, ist es im ersten Moment etwas ungewohnt. Doch im Gebrauch erweist es sich als sehr hilfreich, wenn man zum Beispiel einen großen Text hat oder zusammenhängende Abbildungen hat, die leider nicht auf eine Seite passen würden.

Einen großen Mehrwert sehe ich auch darin, dass man einfach abfotografierte Arbeitsblätter in OneNote bearbeiten kann. Das hat den Vorteil, dass man auf der einen Seite alle eingefügten Arbeitsblätter immer dabeihat und somit nie die Schnellhefter voller Arbeitsblätter mitschleppen muss. Auf der anderen Seite hat es den Vorteil, dass man die Arbeitsblätter jederzeit nachbearbeiten kann. Sprich radieren und korrigieren führt nicht mehr dazu, dass man am Ende ein vollgeschmiertes Arbeitsblatt hat. Auch Grafiken lassen sich dadurch super bezeichnen. Außerdem kann man mithilfe des Stiftes auf dem AB mit verschiedenen Farben schreiben und sogar markieren. Des Weiteren ist es dadurch möglich Tafelbilder abzufotografieren und einzufügen. Das ist vor allem in der Oberstufe hilfreich, da man keine Zeit mehr vom Lehrer bekommt, das Tafelbild abzuschreiben.


Die Suchfunktion von OneNote ist auch eine herausragende Funktion. Dadurch, dass OneNote Handschrift und Text auf Bildern erkennt, kann man das Programm nach Buchstaben und Wörtern durchsuchen und es zeigt einem alle Stellen an, an denen das Wort vorkommt und markiert diese. 

Ein weiterer Vorteil von OneNote ist, dass man Seiten, Hefte oder Bereiche ausdrucken oder in PDF umwandeln kann. So kann man mit den Lehrer*innen Hausaufgaben oder ähnliches zukommen lassen, ohne dass man sie jemals auf Papier geschrieben hat. Außerdem eröffnet es die Möglichkeit auch, falls Lehrer*innen etwas Schriftliches haben wollen, seine auf dem Tablet geschriebenen Texte auszudrucken und den Lehrer*innen auszuhändigen.

Und das Ergebnis lässt sich sehen...

 


Vielfältigkeit der Anwendungen durch das Gerät und das Betriebssystem
 
Das Gerät, welches ich in der Schule und im Alltag verwende, zeichnet sich durch das Betriebssystem und die Anschlüsse aus. Die Anschlüsse (USB 3 und ein Mini-Display-Port) haben den riesen Vorteil, dass man immer Sachen zum Beispiel auf ein USB-Stick ziehen kann oder USB-Geräte wie Kameras, bzw. wie ich es im Science Club mache, einen Mikrocomputer (Arduino) anschließen kann. Auch durch die Tastatur, über die das Surface verfügt, hat man den Vorteil, jederzeit tippen statt schreiben zu können. Dadurch hat man immer einen vollständigen Laptop dabei. Das nutze ich zum Beispiel um Protokolle der SV oder andere Texte zu schreiben. Das integrierte Office erweist sich als sehr hilfreich, wenn man schnell mal im Unterricht eine PowerPoint oder ähnliches erstellen will. Durch den Mini-Display-Port kann man das Tablet jederzeit im Unterricht an den Beamer anschließen. Das ist vor allem sehr hilfreich, wenn man Ergebnisse oder eine PowerPoint präsentieren will.


Ein für mich weiterer großer Vorteil ist die Organisation, die ich durch das Tablet erlangt habe. Man benötigt zum einen kein Hausaufgabenheft mehr, was wieder Papier einspart und hat zum anderen immer einen Kalender dabei.


Durch das vollständige Windows-Betriebssystem hat man in bestimmten Fächern auch zusätzliche, nützliche Funktionen. Im Folgenden werde ich diese pro Fach erläutern:
In Mathematik kann man durch OneNote sehr einfach kleine und große Koordinatensysteme erstellen, weil OneNote eine Zeichenfunktion besitzt, welche Formen beinhaltet wie Kreise, Rechtecke oder auch Koordinatensysteme. Diese Formen können flexibel erstellt werden. Des Weiteren empfiehlt sich es, das Programm GeoGebra zu installieren. Dieses ist in Mathe für Graphen von Funktionen perfekt geeignet. Man kann von den Graphen Screenshots machen und sie anschließend zu seinen Aufgaben hinzufügen. Das macht die Aufgaben noch genauer und ansehnlicher.

Hier nutze ich das Programm GeoGebra für Funktionen

In Musik ist ein großer Vorteil, dass man sich kein Notenpapier kaufen, sondern einfach nur bei Ecosia kurz nach Notenpapier suchen muss und es in OneNote einfügt. Somit hat man viel Geld für die überteuerten Blocks oder Hefte gespart und hat dabei kein einziges Blatt Papier verbraucht. Auch im Orchester hat mir die Offenheit des Windowssystems genutzt. Ich nutze, um Noten zu editieren, das kostenlose Programm Finale NotePad. So konnte ich Noten für meine Trompete schnell umschreiben und direkt von meinem Tablet die Noten ablesen und spielen.
Hier schrieb ich ein Stück in Trompete um und spielte es direkt vom Tablet ohne es auszudrucken.In Informatik liegt es sehr nahe, dass Tablet nützlich sein kann. So ist natürlich zum einen viel leichter sich Programmcode aufzuschreiben als mit der Hand, aber auch zum anderen schnell Dinge zu programmieren und auszutesten.

In Chemie bietet es nur einen kleinen Vorteil, nämlich, dass man immer ein Periodensystem dabeihat. Das ist natürlich nur bedingt nützlich, aber man hat es theoretisch immer dabei.

In Englisch und Französisch hat es den Vorteil, dass ich keine Vokabelkarten mehr habe, sondern das Programm Phase 6 benutze, um Vokabeln zu lernen. Das ist viel einfacher als immer die Blätter zu sortieren und richtig einzuordnen, denn das Programm fragt mich die Vokabeln ab, wenn es an der Zeit ist, sie wieder zu wiederholen.

Nachteile


Zeichnen mit dem Geodreieck
 
Das Programm OneNote bietet eine Zeichenfunktion, welche gerade Striche, Pfeile, Kreise, Rechtecke und sogar Koordinatensysteme beinhaltet. Diese Zeichenfunktion reicht im Alltag für 99% der Fälle aus. Wenn man aber mit dem Geodreieck zeichnen muss, wird es schwierig, da das Geodreieck auf dem Tablet Display rutscht. Ich habe mir selbst ein Geodreick mit Polsterung aus Mikrofasertüchern gebastelt, aber ich nutze es nicht sehr oft, Das liegt zum einen daran, dass es immer noch viel rutscht, aber zum anderen auch daran, dass ich wie gesagt bei 99% der Fälle die integrierte Zeichenfunktion nutze.


Die Batterie des Stiftes
 
Der Stift ist an sich prinzipiell vom Schreiben und der Funktionsweise her toll, doch nach ca. 2 Wochen schreibt er oft auf dem Tablet nicht. Das liegt daran, dass der Stift mit einer AAAA Batterie und zwei 319 Knopfbatterien betrieben wird. Die AAAA Batterie zu kaufen, erweist sich meistens schon als nicht so einfach, ist aber noch machbar. Sie auszuwechseln ist gar kein Problem. Doch die 319 Knopfbatterien, welche für den Knopf am Kopf des Stiftes verantwortlich sind, sind anscheinend schnell leer. Daraus folgt, dass der Stift auf einmal aufhört zu schreiben, weil der Stromkreislauf unterbrochen ist. Diese Batterien zu kaufen, ist sehr kostspielig und kompliziert und aber auch der Einbau geht nicht so einfach. Es gehört nämlich zu einem von der großen Batterie autonomen Teil. Das interessante dabei ist, man kann das Teil abschrauben und die Bluetooth Verbindung zwischen dem Surface und dem Teil besteht immer noch, aber wenn im Teil die Batterien leer sind, funktioniert der ganze Stift nicht mehr. Deswegen muss man den Stift oft aufschrauben und wieder zuschrauben. Dann funktioniert die Schreibfunktion wieder. Das führte bei mir soweit, dass die Fassung des Stiftes kaputtgegangen ist, weil ich ihn so oft auf und zu gemacht, sodass man ihn nicht mehr zuschrauben konnte. Zum Glück habe ich eine Versicherung für mein Tablet abgeschlossen, die das Tablet und das Zubehör ersetzen, falls sie Schaden tragen oder geklaut werden. Diese hat in diesem Fall gegriffen und ich habe direkt einen neuen Stift bekommen. 


Des Weiteren habe ich Glück, dass Microsoft ein neueres Surface vorgestellt hat, das auch einen neuen Stift mit sich bringt. Der neue Stift benötigt nicht nur eine AAAA Batterie, sondern hält auch laut Microsoft bis zu 18 Monate. Ein weiterer Vorteil, weswegen ich mir diesen auch zulegen werde, ist, dass er neue Spitzen besitzt, welche ein Schreibgefühl wie auf Papier erzeugen und in den Bleistiftstärken 2H, H, HB und B kommen.


Arbeitsblätter digitalisieren
 
Mein Tablet war zwar etwas teuer, doch leider hat es der Hersteller nicht hinbekommen eine Kamera einzubauen, welche Dokumente abfotografieren kann, sodass man lesen kann, was draufsteht. Das ist vor allem blöd, weil ich auch alle Arbeitsblätter digitalisieren möchte. Natürlich habe ich auch eine Möglichkeit gefunden, wie ich sie einfach und schnell auf das Tablet bringe. Ich fotografiere sie über mein Windows Phone mit App Office Lense ab und schicke sie per Bluetooth direkt an mein Surface. So dauert es ca. 20 Sek. bis ich ein Dokument digitalisiert habe. Das klingt zwar nicht nach viel Zeit und meistens passt es auch zeitlich im Unterricht, doch es wäre viel einfacher, wenn man es direkt über das Tablet machen könnte.
 
Neutrale Aspekte
 
 
Der Akku
 
Zu Beginn hatte mir ein Lehrer, der auch ein Surface hat, mir gesagt, dass ich es nie schaffen würde, dass das Tablet einen Schultag hält, weil der Akku zu schwach wäre. Zu meinen Gunsten enttarnte sich diese Behauptung mit meiner Nutzung als falsch. Doch da kommen wir genau zu dem Punkt bei MEINER Nutzung. Ich nutze hauptsächlich das Programm OneNote und das Tablet läuft die ganze Zeit im Energiesparmodus auf 25% Displayhelligkeit. Für mich ist es so perfekt, da ich bis jetzt nicht einmal einen leeren Akku in der Schule hatte und nicht mehr Power oder ein helleres Display benötige. Für manch andere*n, die*der vielleicht mit dem Tablet Programme nutzt, die mehr Leistung benötigen oder jemand, die*der ein helles Display benötigt. Deswegen bewerte ich den Punkt des Akkus als neutral.


„Was machst du eigentlich mit deinen Daten, wenn das Tablet kaputtgeht?“
 
Mich hat fast jede*r, die*der sich für den Tablet Einsatz in der Schule interessiert hat, gefragt, was ich machen würde, wenn es kaputtginge. Zum Glück gibt es darauf eine einfache Antwort: Kein Problem! Denn ich mache wöchentlich Backups von meinem PC und zudem macht er ein Backup in der Cloud, sobald ich Internet habe und das ist im Normalfall jeden Tag. Das hat nebenbei den Vorteil, dass ich die Schulhefte von jedem PC über das Internet öffnen kann. Mir ist es nur einmal passiert, dass OneNote abgestürzt ist und ich eine Seite verloren habe. Wenn ich mir aber dazu im Vergleich ansehe, wie manche Mitschüler*innen mit ihren Materialien umgehen und wie oft sie sie verlieren, bin ich dann doch einer der sehr Ordentlichen. Zudem kann es jedem mal passieren, dass man einen Kaffee oder Tee während der Hausaufgaben über sein Heft schüttet oder die Wasserflasche im Schulranzen ausläuft und somit das Heft futsch ist. Deshalb war es nie ein Grund für mich nicht zu digitalisieren.

Die Daten werden in der Cloud gespeichert:


 
Zeichnen in Kunst
 
Kunst habe ich seit einem Jahr nicht mehr, da ich es abgewählt habe und anstatt dessen Musik habe. Deswegen kann ich auch nicht darüber urteilen, wie gut man mit dem Tablet zeichnen kann. Was ich aber kann ist, dass ich eine Vermutung aufstellen kann. 


Microsoft bietet das Programm „Fresh Paint“ kostenlos für das Surface an. Es ist ein Mal- und Zeichenprogramm, welche viele verschiedene Pinsel, Farben und ähnliches mit sich bringt. Ich nutze es zwar nicht, aber eine Freundin von mir aus Berlin, die gerne Malt, hat gemeint, dass es sich sehr gut zeichnen ließe. Wie gut es ist mit meinem jetzigen Stift zu zeichnen, weiß ich persönlich nicht. Wenn man der Einschätzung der Freundin vertraut, kann man damit gut zeichnen. Ich denke mit dem neuen Stift (siehe oben) und den verschiedenen Spitzen lässt es sich schon viel besser zeichnen als mit dem jetzigen Pen.



Reaktionen
 
 
Reaktionen der Lehrer*innen
 
Bevor ich das Tablet in der Schule einsetzen durfte, musste ich einen Antrag an unserem Oberstufenleiter schreiben. Dieser genehmigte zum Glück den Einsatz unter den Bedingungen, dass ich nur Arbeiten auf dem Papier schreiben darf. Da ich mir das schon vor dem Projekt dachte, war ich natürlich damit einverstanden. Des Weiteren war es auch dadurch erleichtert, dass unsere Schule seine Handypolitik vor ca. 1,5 Jahren geändert hat, sodass man die Handys überall benutzen darf außer im Unterricht, aber auch im Unterricht ist es gestattet, wenn die*der Lehrer*in es erlaub. Nachdem der Antrag genehmigt wurde, hat der Oberstufenleiter alle Lehrer*innen per Email informiert. Somit war es von Anfang an kein Problem.


Kein*e einzige*r Lehrer*in hat mir mitgeteilt, dass sie*ihn stört oder ähnliches und viele frugen mich auch wieder, was los sei, wenn das Gerät kaputtginge. Viele haben Interesse gezeigt und vor allem wenn es um Unterrichtsplanung ging. Es meinten alle, es wäre eigentlich viel besser, wenn man alles digital macht. Was mich sehr gefreut hat, war, dass sogar eine Lehrerin meinte, dass sie sogar noch etwas von mir lernen könnte. Manche Lehrer*innen sagten zu Beginn, sie könnten mir die Blätter digital per Mail geben, doch leider macht das kaum ein Lehrer. Das führt dazu, dass ich die Blätter mitnehmen und daheim einscannen muss.


Insgesamt sind also die Reaktionen der Lehrer*innen positiv.


Reaktionen der Mitschüler*innen                           
     
Zu Beginn des Schuljahres haben mich noch viele gefragt, was machst du da, darf ich drauf schreiben oder warum machst du das? Mittlerweile fragen mich die Mitschüler*innen nur selten etwas zu dem Tablet. Die*der eine oder andere hat sich auch schon überlegt, ob sie ihre Materialien digitalisieren, aber bisher bin ich immer noch der einzige. Manche sagten aber auch, dass sie so etwas gerne hätten. Ich habe so ein Gerät und bin glücklich darüber, aber trotzdem weist es mal wieder auf, dass es eine Bildungskluft in Deutschland gibt, denn nicht jede*r kann sich so etwas leisten und wird somit indirekt benachteiligt. Was auch noch interessant ist, dass Deutschland sich immer wundert, dass sie in den Pisa-Studien nicht so weit vorne sind wie andere Länder. Das ließe sich auch ändern, denn zum einen ist es so, dass die Länder, dessen Pisa-Studienwert so hoch ist, sehr viel digitalisiert haben und auch viel Geld in ihre Bildung investieren. In Deutschland würde es 2,6 Milliarden Euro im Jahr kosten, um für jede*n Schüler*in in Deutschland dasselbe Gerät, Software und Wartung zu ermöglichen. Leider verstehe ich nicht, dass in einem Staat, der Gewalt an Menschen verurteilt und für Mord jemanden sogar lebenslang die Freiheit entzieht, 30 Milliarden Euro pro für eine Armee ausgibt, die bald sogar in anderen Ländern Menschen tötet und nicht 2,6 Milliarden für eine starke Aufwertung des Bildungssystems hat – aber das nur ein kleiner politischer Einwurf am Rande. ;) Kein*e einzige*r hat es wirklich kritisiert und es kamen nur die gleichen Fragen wie bei den Lehrer*innen.


Insgesamt war also die Reaktion auch positiv und falls Schüler*innen Interesse daran haben mehr zu erfahren, würde ich auch gerne darüber Informieren und auch Vorträge halten.
 
Bisher „verbrauchtes“ Papier
 
In OneNote gibt es die Möglichkeit Hefte als PDF zu exportieren. Diese werden dann automatisch in DIN A4 Format umgewandelt. Somit zeigen die exportierten Hefte sozusagen das verbrauchte Papier an. Ich exportierte alle Hefte und addierte die Anzahl der Seiten. Bis jetzt (nach 10 Wochen) habe 370 digitale Seiten Papier verbraucht. 
 
Des Weiteren behalte ich derzeit ich, wie oben erwähnt, die Blätter, die ich im Unterricht bekomme und habe bisher 160(!) Blätter gesammelt. Zum Vergleich habe ich die Blätter neben mein Tablet gelegt. Der Stapel ist 1,5cm hoch und 650g schwer. Mein Tablet hingegen ist gerade mal 1cm dick und wiegt 1kg. 

Um jetzt herauszufinden, wie viele Hefte ich benötigt habe, habe ich die Anzahl der Arbeitsblätter von denen der digitalen Seiten abgezogen. Dabei gibt es natürlich Abweichungen, aber an digitalen Papier habe ich demnach 210 benötigt. Wenn man davon ausgeht, dass ein Heft 20 Seiten beinhaltet, habe ich demnach ca. 10 Hefte schon vollgeschrieben. 

Zusammengefasst habe ich 370 Seiten digital, davon sind 160 Blätter und 210 Seiten Hefte (ca. 10 Hefte). Wenn ich jetzt noch auf die 650g der Blätter die ca. 10 Hefte addiere, bin ich definitiv bei über 1kg Gewicht, die ich mit meinem Tablet jederzeit mit mir trage. Real gesehen habe ich leider nur 10 Hefte an Papier gespart, da ich die Blätter immer noch „analog“ habe.


Ganz ohne Papier geht es auch nicht!
 
Mir war von vorne rein bewusst, dass ich Arbeiten oder Vokabeltests nicht auf dem Tablet schreiben darf. Was ich aber kritisiere ist, dass ich mir keine Lektüren digital kaufen kann und sie auch bei Arbeiten benutzen darf. Denn zum einen sind E-Books viel günstiger als normale Bücher und verbrauchen vor allem kein Papier. Zum anderen kann ich auch auf meinem Tablet markieren und lesen, was somit die gleichen Funktionen wie ein Buch erfüllt. Was vielleicht eine Möglichkeit wäre, ist ein E-Book Reader wie das Kindle von Amazon. Dieses kann nur Bücher lesen und ein Klassenkamerad durfte es mal in der achten Klasse im Unterricht und in den Arbeiten benutzen. Das Problem daran ist aber, dass für mich zu teuer ist und Bücher auf längerer Zeit wahrscheinlich nur etwas teurer wären bzw. ich derzeit kein Geld dafür investieren möchte. Des Weiteren hat ein E-Book Reader Umweltemissionen und ich vermute, dass diese höher sind, als wenn man immer nur Bücher kaufen würde, bzw. sich die Umweltemissionen nicht amortisieren würden. Ein weiterer Grund dagegen ist, dass ich es im Abitur zu 100% nicht benutzen werden darf und ich mir deswegen wahrscheinlich alle Bücher nächstes Jahr aus Papier kaufen müsste. 

Einen weiteren Punkt, den ich kritisiere, ist, dass es die Schulbücher nicht in digitaler Form gibt. Wenn ich also alle Schulbücher digital haben wollen würde, müsste ich selbst Geld bezahlen und das wird ziemlich teuer sein. Ich denke, wenn es vor allem um Schulbücher geht, wäre es ein Grund zu digitalisieren. Zum einen wäre es nämlich so, dass sie lang gesehen besser für die Umwelt wären, da man keine Emissionen durch wegfallende Produktion und Transporte, außer die für die Geräte, hat und keine Bäume deswegen gefällt werden. Zum anderen wäre es vom Aufwand deutlich einfacher und kostengünstiger. Ich bin selbst bis vor kurzem bei der Bücherausleihe dabei gewesen. Das ist wirklich organisatorisch aufwendig und auch teuer, denn die Lehrer*innen, die es organisieren, müssen auch bezahlt werden. Somit müsste man bei einer Digitalisierung nur noch die Lizenzen für die Bücher kaufen und spart sich somit Transport und Arbeitskosten.


Fazit
 
Nach den ersten 10 Wochen Tablet Einsatz in der Schule bin ich noch positiver zu der Digitalisierung eingestellt als vorher. Die kleinen Probleme, die auftraten, sind alle einfach in den Griff zu bekommen und insgesamt gab es für mich keine gravierenden Nachteile. Eher im Gegenteil hat mich das Tablet bis dato überzeugt und ich nutze es jeden Tag gerne in der Schule. Es hat für mich im Alltag einen großen Mehrwert und somit kann ich es bis jetzt nur jede*r*m empfehlen

 

Falls ihr weitere Fragen habt, schreibt mich gerne an! Über Feedback und Verbesserungsvorschläge freue ich mich natürlich sehr. Ich hoffe zudem, dass es nicht zu ausführlich war, aber ich wollte es euch eben genau mitteilen! :-)

Wenn ihr noch mehr lesen wollt, könnt ihr auf meinem Blog mal vorbeischauen!

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Alle verwendeten Bilder sind von mir selbst erstellt worden.

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Kommentare (11)
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09.03.2016
Greg12 hat geschrieben:
Ist das am Ende nicht umweltschädigender, wenn man jeden Tag sein Tablet lädt, als wenn man Recyclingpapier kauft?

Sonst sehr interessanter Artikel.
02.03.2016
OekoTiger hat geschrieben:
Interessante Sichtweise :D
09.12.2015
SeDurchholz hat geschrieben:
Also bisher habe ich zwei Präsentationen gehalten. Eine davon war in PoWi und da habe ich freigeredet. Ein anderes mal war in Biologie und dort hatte ich das Tablet am Beamer angeschlossen. Es stand auf einem Tisch vor mir und ich habe über den Präsentationsmodus in PowerPoint Notizen gehabt. Somit war ich zu mindestens bei präsentationen nie wirklich in der situation, dass ich Zettel bei einer reinen Präsentation hatte. Was aber war, dass ich ergebnisse präsentieren musste und dabei habe ich das Tablet in der Hand gehalten und das hat gut geklappt. Ich denke das würde auch bei richtigen Präsentationen funktionieren.
09.12.2015
FranziL hat geschrieben:
Das klingt ja auf jeden Fall super, wenn du so ein positives Fazit ziehen kannst ;)
Ich kann mich jedoch nur einigen anderen anschließen: Für mich wäre das nichts. Wie bereits gesagt, die ganze Zeit auf einen Bilschirm zu schauen, finde ich enorm anstrengend...
Eine Frage ist mir aber noch offen geblieben: Darfst du deinen Stichpunktzettel für Vorträge auf dem Tablet haben oder musst du die schon noch auf richtiges Papier schreiben?
09.12.2015
Puma hat geschrieben:
Danke für diesen Bericht. :) Ich finde sehr interessant, was du machst und das du dich das getraut hast. Denn ich denke, dass immer sehr viel Mut dazu gehört, so "radikal" anders zu sein.
Aber ich glaube, es wär nichts für mich. Zum einen müsste ich in Englisch trotzdem noch auf Papier schreiben (unsere Lehrerin hatte immer mal wieder unsere Hefter eingesammelt und Noten darauf gegeben...(Ich bin Oberstufe)) und ansonsten hab ich auch viel lieber was in der Hand als nur so ein Tablett. Wobei ein Tablet bei meiner Lernmethode echt besser wäre...Aber egal. Auf jeden Fall Respekt, dass du das machst :)
09.12.2015
Cookie hat geschrieben:
Danke für den aufschlussreichen Artikel!
Ich bin die ganze Zeit am hin- und herüberlegen, ob ich mir ein Tablet für die Uni zulegen soll. Da ist es so, dass tatsächlich schon viele Materialien digitalisiert sind, ich sie mir aber immer ausdrucken muss, um sie mit in die Vorlesungen und Seminare zu nehmen und meine Notizen hinzuzufügen. Ich drucke immer schon auf Schmierpapier bzw. doppelseitig, wenn ich keines habe, und mehrere Seiten pro Blatt, aber es fällt doch eine Menge Papier an.
Ich studiere Germanistik und Romanistik, Probleme, was Zeichnen und Geodreiecke angeht, würde ich also keine Probleme kriegen, aber ich bin mir nicht sicher, ob ich nicht mit Stift und Papier schneller bin und ob ich noch mehr Stunden am Tag auf einen Bildschirm schauen möchte.
08.12.2015
BlueLikeTheSky hat geschrieben:
@Buchenblatt: Ich schreibe auch oft in jede Kästchenzeile, aber sowohl die Lehrer als auch eine Freundin von mir beschweren sich, dass das immer unmöglich aussieht :DD
08.12.2015
SeDurchholz hat geschrieben:
Ja, das mit der Tafel stimmt. Wir haben auch Smartboards in der Schule und a nutzen die Lehrer*innen sie nie und b sind die echt schlecht. Das mit dem Recyclingpapier seh ich genauso. Wenn man die Umweltemissionen betrachtet, denke ich, dass sie höher sein werden, wenn man Tablets NUR für die Schule kauft und nutzt. Wenn man aber die Realität betrachtet, ist es, zu mindestens in meinem Fall, ein All-In-One Gerät. Manch andere*r würde noch ein Tablet, eine Stand-PC oder ähnliches noch haben und somit wäre es wieder ökologisch gesehen nicht sehr vorteilhaft. In meinem Fall aber habe ein neues Gerät benötigt und nutze es auch als All-In-One Gerät.
08.12.2015
Buchenblatt hat geschrieben:
Interessante Methode!
Ich muss ganz ehrlich sagen, dass das nichts für mich wäre. Zu viel Diditalisierung geht mir auch schon einmal auf die Nerven. Auch die SmartBoards in den schule halte ich nicht gerade für sinnvoll.
Manchmal ist eine normale Tafel mit Kreide, ein Heft und ein Füller auch von Vorteil. Nicht nur, dass man alles schnell skizzieren kann und beim Lernen zum Beispiel etwas in der Hand hat und an der Dicke des Heftes sieht, wie weit man schon ist, für mich sind hefte auch angenehmer, um darauf zu lesen. Der Papierverbrauch hält sich in Grenzen, wenn man auf Recyclingpapier in jede Kästchenreihe schreibt und auch die Rückseite von Arbeitsblättern nutzt.
Aber jedem das seine... Ich kann das schon nachvollziehen, dass das für dich sinnvoll ist.
08.12.2015
Franzi... hat geschrieben:
Danke für diesen super interessanten, ausführlichen Artikel! ;))
08.12.2015
BlueLikeTheSky hat geschrieben:
Sehr interessant! Danke für diesen Artikel :) Ich fände es auch nicht schlecht, wenn jeder vom Staat so ein Tablet zur Verfügung gestellt bekäme. Allerdings gibt's ja auch immer Schüler, die nicht gut damit umgehen und das schnell kaputt bekommen. Aber cool, dass du darauf umgestiegen bist! :D
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