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Energiewende auch beim Wohnen - Interview mit Prof. Voss, Universität Wuppertal


von clarawest
09.12.2011
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Ein typisches Haus im arktischen Blomstrandhalvøya, Spitsbergen. Zugegeben, wir würden gerne komfortabler wohnen - mit viel Licht, Wärme und dichten Wänden. Muss dafür gleich der große Energiefresser gebaut werden? Wir sprachen mit einem Experten...

Clara West: Guten Tag, liebe WWF-Jugend-Community, ich begrüße ganz herzlich Prof. Karsten Voss von der Fakultät für Architektur der Universität Wuppertal, Lehrstuhl „Bauphysik und Technische Gebäudeausrüstung“.
Herr Prof. Voss, wozu forschen Sie genau?

Prof. Voss: Also, meine Aufgabe ist es, hier in einer Architekturfakultät dafür zu sorgen, dass sich gute Architektur mit Energieeffizienz und Nutzung erneuerbarer Energien verbindet. Die besten Stichwörter dafür sind vielleicht das „Passivhaus“ oder das „Null-Energie-Gebäude“.

Clara West: Können Sie das noch näher erläutern?

Herr Voss: Konkret heißt das, wir arbeiten in der Lehre mit den Studierenden an Architekturaufgaben, die sich dadurch auszeichnen, dass sieeine hohe Energieeffizienz haben und nach Möglichkeit eben z.B. Solarenergie genutzt wird. In unseren Forschungsprojekten versuchen wir auchStudierende einzubinden, das geht hin bis zu Doktoranden. In den Forschungsprojekten führen wir z.B. Gebäude-Monitoring durch und analysieren den Energieverbrauch und den Ertrag von Solarsystemen an gebauten Beispielen.

Clara West: Sie haben ja gerade schon das Stichwort „Nutzung von Solarenergie“ gebracht. Die globale Erwärmung soll ja auf 2° begrenzt werden, damit der Klimawandel gestoppt werden kann. Wieträgt Ihre Forschungsarbeit konkret dazu bei?

Prof. Voss: Konkret wird der Bezug auf dem Klimawandel dann, wenn es gelingt, im Bereich der Gebäudesanierung herausragende Erfolge zu erzielen. Aus der Architektur heraus betrachtet bedeutet das: Es geht darum, durch gute Beispiele Motivation zu schaffen, dass andere Leute auch in verstärkten Maße ihre Gebäude energetisch sanieren und das nicht nur im gesetzlich vorgeschriebenen Maße, sondern weit darüber hinaus. Sonst werden Chancen verpasst, jetzt wirklich die Energiewende einzuleiten. Technisch gesehen geht es hier vor allen Dingen um Energieversorgungssysteme, die erneuerbare Energien nutzen. Wir forschen im Bereich Solarsysteme für Gebäude, Kraftwärmekopplung oder Biomasse für die Wärmeversorgung von Gebäuden.

Clara West: Sie haben ja gerade schon gesagt, Sie möchten gerne über den heutigen Standard hinausgehen, was energetische Sanierung anbetrifft.Wenn Ihnen gar keine technischen Grenzen gesetzt wären, was würden Sie gerne noch erfinden?

Prof. Voss: Also, ich muss einen Punkt immer hervorheben: Es sind nicht nur die technischen Grenzen, es sind manchmal auch die Verhaltensweisen der Menschen oder unsere Wünsche, die einfach teilweiseexorbitant werden, deswegen versuche ich mal zweigleisig zu antworten. Das eine ist, wir müssen Ideen entwickeln, wie wir mit weniger Raumverschwendung leben können. Wir leben heute im Schnitt in Deutschland auf 50 m² pro Person. Wir konnten das auch schon mal nicht schlechtmit 30 m² pro Person.Soll heißen: Alles, was wir an Fortschritt erzielen, um den Energieverbrauch von Gebäuden zu senken, wird aufgefressen durch dieses enorme Flächenwachstum, was wir da erzeugen. Das heißt, ich wünsche mir in Zukunft Architekten und Bauschaffende, denen es gelingt, attraktive Räumlichkeiten zu schaffen, die eben auch hohe Lebensqualität mit wenig Platz zusammen bringen. Also es ist nicht nur eine Frage der Technik. Wenn ich auf die Technik schaue, dann ist es immer wieder die Speichertechnik, die uns hier Sorgen macht, weil wir Großangebote an Solarenergie, Windenergie und vieles mehr nicht unbedingt dann haben, wennder Bedarf da ist. Wir müssen also irgendwie die Speichertechnik organisieren. Und das kann teilweise in den Gebäuden sein, teilweise außerhalb. Daran müssen wir arbeiten, weil es noch ungelöste Probleme gibt.

Clara West: Zu guter Letzt: Sie sind ja auch Partner beim „2° Campus“ und persönlich mit dabei. Das ist eineSchülerakademie des WWF, wo es u.a. darum gehen wird, über das Thema Wohnen und Klimaschutz mit Ihnen zu forschen und zu diskutieren. Warum sollten Jugendliche aus Ihrer Sicht bei dem Projekt mitmachen?

Prof. Voss: Ich will mal ein bisschen die Rückschau dafür bedienen:Esist einfach so, dass jede Generation soihre Themen hat. Das sind manchmal schöne, manchmal unschöne. Manche Generationenwaren durch die Zeit der Industrialisierung geprägt, gerade hier in der Region im Ruhrgebiet, im Bergischen Land. Hier war das ein bestimmtes Thema für ganze Stadtentwicklungen. Dann gab es Generationen, die durch den Krieg und die Nachkriegszeit geprägt waren und ich glaube, dass die nächste Generation vor allen Dingen sich mit dem Klimawandel auseinandersetzen muss. Das wird ein generationsbestimmendes Leitthema. Und je früher man anfängt, sich damit zu beschäftigen, je höher ist die Chance,dass man da erfolgreich rauskommt und wir den Klimawandel wirklich begrenzen können.Das,was wir im Moment machen, ist alles viel zu wenig!

Clara West: Herzlichen Dank, Prof. Voss. Wir freuen uns schon, gemeinsam mit Ihnen beim 2°Campus zu forschen!

Prof. Voss: Bitte.

Weitere Infos zum 2°Campus und mit wem man dort forschen kann findet Ihr unter: www.2-grad-campus.de

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