Ist das Licht aus?


Good bye


stand-by.


© WWF
Die Sache mit dem Bumerang


von Franzi
03.11.2013
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Wir stellen uns eine Welt, in der jeder Mensch nur noch Energiesparlampen benutzt, seinen Müll recycelt und Strom aus Windkraftanlagen bezieht traumhaft vor. Tatsächlich, das ist ein erstrebenswertes Ziel, auf das wir alle hinarbeiten. Die Menschheit verbraucht viel zu viele Ressourcen in viel zu kurzer Zeit und früher oder später wird das ein Ende haben. Wir müssen also umdenken, sparen und anfangen naturverträglicher zu leben. Das ist an sich ja auch nicht so kompliziert und fängt bei jedem Einzelnen an, selbst wenn man nicht gleich ein Elektroauto fährt. Kaufe ich mir zum Beispiel ein sehr Sprit sparendes Modell, dann verbrauche ich logischerweise weniger Benzin auf dem Weg zur Arbeit, als wenn ich einen dicken SUV fahre. Ich puste also weniger CO2 in die Luft. Das Gleiche gilt bei dem Kühlschrank der Klasse A+++, der nur sehr wenig Strom zum Kühlen braucht oder der hoch-effizienten Waschmaschine und Klospülung.

Nur leider wurde diese doch so einfache Rechnung ohne das Verhalten der Menschen gemacht. Denn wie es so oft ist, wir handeln unbewusst sehr kontraproduktiv.
Die Rede ist vom sogenannten Rebound oder auch Bumerang Effekt und eigentlich handelt es sich dabei um ein großes Paradox. Denn umso mehr wir sparen und effizienter gestalten, desto besser wird unser Gefühl. Desto mehr denken wir, „Hey, eigentlich mache ich doch alles richtig! Ich investiere in Umweltschutz dadurch, dass ich mir langlebige und nachhaltige Produkte kaufe, mein Auto verbraucht nur wenig Sprit und meine Glühlampen benötigen auch kaum noch Strom. Ich mache alles richtig!“ Prinzipiell richtig, doch dann kommt der Fehler. Denn statt eben genau davon zu profitieren und die Umwelt zu schonen, wird das neue Produkt voll ausgenutzt. Wenn meine Glühlampe schon so energiesparend ist, dann kann ich sie doch auch an lassen wenn ich mal eben rausgehe, oder? Ach, meine Waschmaschine ist so effizient, auf einen Waschgang mehr oder weniger kommt es da auch nicht an! Und mein Auto ist eh schon so sparsam, da kann ich auch mal kurz zum Laden um die Ecke fahren. So und so ähnlich geht es immer weiter. Bis zu dem Punkt, wo bis zu 50% der Energie, die ich durch das neue Produkt eigentlich einsparen könnte wieder flöten gegangen ist, weil ich es öfter, stärker und unbewusster benutze. Der Bumerang kommt also ziemlich schnell zu mir zurück.

Hinzukommt, dass die meisten energiesparenden Maßnahmen auch gut für den Geldbeutel sind. Das, was also nun beim Strom oder Sprit eingespart wird, geben die Leute für andere Konsumgüter und Leistungen aus, die wiederum in ihrer Produktion CO2 freisetzen. Wie wäre es bei dem ganzen Sparen denn zum Beispiel mit einem Billigflug nach London zur Belohnung?!
Keine Frage, das klingt nach einer vertrackten Angelegenheit.

Aber so neu wie wir jetzt vielleicht denken ist das Problem gar nicht. Bereits im Jahre 1865 beschrieb der Brite William Stanley, wie durch die Verbesserung und Erneuerung von Dampfmaschinen der Verbrauch an Kohle sprunghaft anstieg. Nun lohnte es sich schließlich erst richtig!
Heutzutage ist der VW Käfer ein anschauliches Beispiel für den Rebound-Effekt. 1955 verbrauchte das gute Stück noch 7,5 Liter auf 100 Kilometern. Das neustes Modell der Reihe, der VW Beetle, benötigt auch heute noch 7,1 Liter auf der gleichen Strecke. Wie kann das sein? Haben die Ingenieure in fast 60 Jahren Forschung etwa nicht mehr hinbekommen? Doch, haben sie. Für die gleiche Leistung braucht das heutige Modell nur noch einen kleinen Teil der einstigen Menge. Allerdings hat der neue VW auch deutlich mehr Leistung! Außerdem wurden über die Jahre allerhand Annehmlichkeiten in das Auto eingebaut, was es insgesamt schwerer gemacht hat. Allzu viel des Vorteils durch einen sparsamen Motor bleibt da also nicht hängen.
Auch die Industrie kennt das Problem, denn durch sinkende Kosten beispielsweise im Sektor Energieverbrauch kann die Firma nun entweder ihre Produkte billiger anbieten (was sie vermutlich nicht tun wird) oder eben deutlich mehr produzieren und die Produkte mit neuen Zusatzleistungen ausstatten. So steigt die vorher gesenkte Umweltbelastung wieder an.

Trotz dieser eher ernüchternden Neuigkeiten sollten wir uns natürlich keinesfalls entmutigen lassen. Denn das Gute am Rebound-Effekt ist ja dass wir ihn alle sehr gut bekämpfen können! Indem wir selbst darauf achten trotz aller Effizienz nicht mehr Strom zu verbrauchen als wir wirklich brauchen und elektronische Geräte auszuschalten, wenn wir sie gerade nicht benötigen. Umso mehr Bewusstsein über das Thema in der Gesellschaft herrscht, umso besser können wir es in den Griff bekommen. Damit wir unsere innovativen Produkte in Zukunft auch auf die richtige Weise „voll ausnutzen“ :-)

 

Quellen: DIE ZEIT N°45 S. 33

Bild: HI 239822 Windpark Daenemark, National Geographic Stock, Sarah Leen WWF

 

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Kommentare (10)
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03.12.2013
Katrino hat geschrieben:
danke! darüber soll man öfter reden. man vergisst es einfach! Die Unternehmen soll man aber auch dazu fördern: http://www.marktundmittelstand.de/nachrichten/produktion-technologie/effiziente-beleuchtung-so-sparen-unternehmer-stromkosten/
07.11.2013
thinkgreen26 hat geschrieben:
Du hast vollkommen Recht.
Ich kenne das auch, vor Allem von meinen Eltern. ;)
Wir müssen uns einfach Mühe geben weiterzusparen. :)
05.11.2013
gelöschter User hat geschrieben:
Gerade bei Stand-by-Geräten ist dieses Phänomen weit verbreitet. Der Fernseher ist so sparsam, da kann ich den auch auf Stand-By lassen. Genau so lasse ich das Handy und den Laptop immer an - wer muss schon Akkuleistung sparen.
Manchmal sind Menschen wirklich sehr sehr dämlich ;)
04.11.2013
Niiura hat geschrieben:
Interessant, hab ich auf diese Weise nie drüber nachgedacht...aber jetzt nach dem nachdenken muss ich feststellen, dass ich zumindest bei den alltäglichen Dingen (Waschmaschine, Licht, andere elekrtische Geräte wie Fernseher und Laptop) nicht so denke. Nen Auto hab ich sowieso nicht^^
04.11.2013
Morgentau hat geschrieben:
Ja, ein gefährlicher Effekt...
Was könnte man denn noch dagegen tun? Schwierig...

Danke für den Bericht!
03.11.2013
Taki hat geschrieben:
Klasse Idee
03.11.2013
Zweitagsfliege hat geschrieben:
Guter Bericht. :)
Ich kenne diesen Effekt und muss beichten, dass ich letztens aus Versehen dass Gefrierfach die ganze Nacht offen gelassen habe... allerdings nicht, weil das so ein Energie sparendes Modell war... ;(
03.11.2013
Lisa18 hat geschrieben:
Echt guter Bericht! Danke!:) Das Problem mit den Lampen kenn ich auch, denn meine Eltern und meine Schwester lassen das Licht gerne die ganze Nacht brennen:( Es sind ja Energiesparlampen!
03.11.2013
Monamona hat geschrieben:
Ja, das kenne ich auch! Wir haben neuerdings eine Photovoltaik, die mehr Strom produziert, als wir verbrauchen, wir benutzen Regenwasser für Toiletten und Waschmaschine und wohnen in einem Passivhaus; und seit das so ist, sind meine Eltern weniger energiesparender geworden und lassen ständig das Licht an etc... Ich werde sie mal auf dieses Effekt hinweisen!
03.11.2013
Stoffie hat geschrieben:
sehr gut geschrieben! ich könnte mir vorstellen das es vielen so geht und bestimmt denke ich das auch manchmal...
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