Ist das Licht aus?


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Die Antworten auf Eure Fragen: Videobotschaft von Tobias Krug, WWF-Experte zum Thema Wohnen


von clarawest
09.03.2012
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Liebe Community,


gerade ist die Videobotschaft von Tobias Krug, WWF-Experte zum Thema Wohnen, mit den Antworten auf Eure Fragen online gegangen!



Tobias hat auch nochmal ausführlichere Antworten was zu Euren Fragen geschickt, die wir Euch nicht vorenthalten wollen:

 

HannaS hat geschrieben:

Wie sieht es denn im öffentlichen Sektor aus? Zum Beispiel große Büros, Einkaufszentren, Flughäfen etc...?

Tobias: Ca. 19,5 Mio. Wohngebäude (40 Mio. Wohneinheiten), 2,5 Mio. Nicht-Wohngebäude. Gemessen an der Gebäudefläche: 3 Mrd. m2 in Wohngebäuden, 1,26 Mrd. m2 in beheizten (!!!) Nicht-Wohngebäuden. Großer Anteil der kommunalen und sozialen Infrastruktur: z.B. 36.000 Schulen, knapp 9.000 Berufsschulen und fast 400 Hochschulen. Wichtig aber auch gerade der Gewerbe, Handel und Dienstleistungs-Sektor: Büros und Retail-Bereich (wegen hohem Einsatz bei der technischen Gebäudeausrüstung - kurzum: Heizung, Lüftung, Klima etc. - und höherem Stromverbrauch als im Wohngebäudesektor).
 

Welchen Anteil machen die am Energieverbrauch aus?

Tobias: Gewerbe, Handel und Dienstleistungen: 1.462 PJ (ohne Industrie) , Private Haushalte: 3.223 PJ in 2005


Gibt es schon Konzepte, diese mit gutem Beispiel vorangehen zu lassen, was Dämmung etc. betrifft?


Tobias:
Klar. Schaut euch doch mal die Konzepte zum neuen Terminal 3 des Frankfurter Flughafens an. Oder bereits realisierte Projekte wie die Waldorf-Schule in Wiesbaden oder die Grundschule in Hohen Neuendorf bei Berlin – das sind beides sogenannte Plusenergie-Gebäude.


regentag hat geschrieben:


Sind Fußbodenheizungen besser als herkömmliche Heizkörper?


Tobias: Ja, generell schon. Denn durch den Einsatz einer Fußbodenheizung kann man im Vergleich zu konventionellen Heizkörpern bis zu 15% Energie sparen. Im Falle eines Defekts hat man aber natürlich auch mehr Ärger. Besonders modern ist der Einsatz von Wandheizungen, die sich auch nachträglich einbauen lassen. Weitere Vorteile: Gestaltungsfreiheit, besser für Allergiker. Es empfiehlt sich der Einsatz mit Dielen, Parkett, Fliesen oder Estrichziegeln. Teppich ist weniger gut geeignet.


Viele Leute, die ich kenne, haben mit Dämmung schlechte Erfahrungen gemacht. Gibt es Unterschiede zwischen den Dämmmethoden und wie effizient sind sie?


Tobias: Zwei grundsätzliche Unterschiede: Innen- und Außendämmung. Für beide Dämmarten werden unterschiedliche Materialen verwendet. Gängig ist die Außendämmung. Am meisten wird hierfür EPS oder XPS (spezielle Polystyrolarten) verwendet. Gängig ist auch die Verwendung von Mineralwolle. Zudem werden immer öfter auch nachwachsende Rohstoffe (wie Holzfasern, Zellulose, Flachs, Schafwolle, Kokos, Kork, Stroh).
Zum Thema Schimmelbildung: Dämmen führt grundsätzlich nicht zu Schimmel. Wichtig ist, dass die Dämmmaßnahmen professionell geplant und durchgeführt werden. Wichtig ist auch das richtige Lüften (und zwar mehr als vor der Sanierung, da die „unabsichtliche“ ständige Lüftung durch undichte Fenster und ungedämmte Wände ja nach der Sanierung wegfällt). Deshalb gilt: gutes Dämmen ist die beste Versicherung gegen Schimmel. Kurz Wärmebrücken erklären.


ZeroRin hat geschrieben:


Sind Gebäude aus Stroh wirklich besser als Gebäude aus Lehm, Holz, Stein, etc. ? Oder gibt es bessere Möglichkeiten?


Tobias: Eine Dämmung aus Stroh ist in der Regel vergleichsweise günstig. Zum Schutz gegen Feuchtigkeit ist aber ein sehr großer Dachüberstand erforderlich, das lässt sich natürlich nicht an jedem Gebäude realisieren. Die Ökobilanz von Strohhäusern ist ziemlich gut. Zudem kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass das Wohnklima toll ist - eine sorgfältige Planung und Ausführung vorausgesetzt.


Wir haben ein Haus (altes Fachwerkhaus - Denkmalschutz). Im Winter heizen wir manchmal abends mit einem Karmin. Dafür sind die Heizungen dann aus. Eigentlich ist das ja nicht so gut, oder? Oder ist eine Heizung schlimmer? (Nicht die Kosten)


Tobias: So lange ihr kein Tropenholz in den Kamin werft, ist das schon OK. Im Ernst: Natürlich ist eine moderne Holzheizung effizienter. Wenn ihr durch den Kamin allerdings – wie früher üblich – nur das Wohnzimmer beheizt und der Rest des Hauses praktisch unbeheizt bleibt, ist das sogar gar nicht so schlecht, zumal ihr ja mit erneuerbaren Energien (nämlich mit Holz) heizt.


Bringt es was, wenn ich alleine in meinem Zimmer weniger heize, aber dafür meine Eltern normal heizen und meine Geschwister ihre Heizungen immer auf volle Pulle haben?


Tobias:
Das bringt dann in der Tat relativ wenig. Besser wäre es, alle drehen die Heizung etwas runter. „Stufe 5“ am Heizkörper ist in etwa so wie wenn man mit dem Auto im 1. Gang mit 50 durch die Stadt fährt. Mit anderen Worten: intelligent heizen geht anders. Als Beispiel: eine angenehme und vertretbare Raumtemperatur sind 18-20°C. Für jedes Grad mehr muss man ca. 6 % mehr Energie aufwenden. Wer statt 20°C also 24°C Raumtemperatur hat, der hat einen 24% höheren Energieverbrauch.


Sind Heizungen mit Zeitschaltuhren bzw. Heizungen, die sich je nach Zimmertemperatur an oder ausstellen, gut?


Tobias: Genrell sinnvoll, Stiftung Warentest geht von ca. 10% Energieeinsparung aus. Gerade in Zweckbauten sinnvoll, da der Nutzungsgrad kleiner ist.


MarcelB hat geschrieben:


Muss man im Winter wirklich mit Pulli und Jacke in der Wohnung rumsitzen um Energie und Heizkosten zu sparen? Wie baut man solche Vorurteile ab?


Tobias: Muss man natürlich nicht. Im Gegenteil: Moderne Gebäudesanierungen erhöhen den Wohnkomfort ungemein. Interessant ist aber, dass viele Menschen dazu neigen, in sanierten Gebäuden (oder Neubauten) bei höheren Raumtemperaturen zu leben als sie dies ggf. vorher im unsanierten Altbau getan haben.


Wer finanziert die ganzen neuen technischen Innovation im Bereich "Wohnen"? Kommen sie nicht immer auf den Verbraucher zurück? (Subventionen holt sich der Staat über Steuern; Genossenschaften über höhere Mieten - Ich finde, solange das genau so bleibt, hat der Normalbürger kein Interesse daran umweltfreundlich zu leben).


Tobias: Die technischen Innovationen werden (wie in fast allen wirtschaftlichen Bereichen) zumindest teilweise durch staatlich geförderte Forschung erzielt (bspw. Vakuumisolationspaneele etc.). Generell forschen aber natürlich die Unternehmen, denn sie wollen mit den neuen Produkten ja später Geld verdienen.
Natürlich sind Gebäudesanierungen nicht umsonst zu haben. An der Finanzierung sollten aus unserer Sicht drei Akteure beteiligt sein: Der Gebäudeeigentümer, denn er erhöht durch die Investition den Wert seines Gebäudes und macht es attraktiver für die Vermietung bzw. spart bei Selbstnutzung Energiekosten. Der Mieter, der durch die Sanierung Energiekosten spart. Der Staat, der seine Energie- und Klimaziele erreichen will. Wichtig ist aus unserer Sicht, dabei eine ausgewogene Lastenverteilung hinzubekommen.
Das kann gerade weniger gut betuchten Mietern helfen. Schaut euch doch mal das Projekt der Gesobau im Märkischen Viertel (Berlin-Reinickendorf) an:
http://www.gesobau.de/mieten/wohnquartiere/maerkisches-viertel/modernisierung-im-mv/
Oder die Sanierung eines Hochhauses auf Passivhausstandard in Freiburg:
http://www.taz.de/!87139/
- ohne, dass dabei die Kosten der Mieter gestiegen sind!


Wie wird das wohnen der Zukunft für den normalen Stadtbürger aussehen? Nicht jeder kann sich ein eigenes Haus leisten und dort auf Photovoltaik, Erdwärme und co. vertrauen.


Tobias:
Da die Neubaurate auch weiterhin niedrig bleiben wird, werden hauptsächlich in Gebäuden leben, wie wir sie heute auch schon kennen. Allerdings werden dieGebäude viel besser gedämmt werden müssen. Den verbleibenden Energiebedarf zum Heizen werden wir aus erneuerbaren Energien decken. Entweder weiterhin durch die bekannte Heizung im Keller oder in urbanen Ballungszentren durch Nah- und Fernwärmekonzepte, ebenfalls auf Basis erneuerbarer Energien. Energiewende heißt für uns nicht, dass jeder Bürger eine Solaranlage auf dem Dach haben muss. Energiewende – gerade im Gebäudesektor – heißt vor allem, passgenaue, klimaschonende Lösungen für alle zu finden, egal ob sie auf dem Land oder in der Stadt, im eigenen Haus oder in der Mietwohnung leben.


Euer 2°Campus-Team - www.2-grad-campus.de

 

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Kommentare (2)
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09.03.2012
Peet hat geschrieben:
Starkes Video, Tobias! Vielen Dank, war wirklich sehr interessant. Mehr davon! :)
09.03.2012
MarcelB hat geschrieben:
Vielen Dank für die Videoantwort, Tobais!! Wirklich gute Standpunkte, die mir gefallen. Leider gibts es immer noch wenige Beispiele für optimales, erneuerbares wohnen. Das muss in Zukunft natürlich besser werden, aber ich denke der WWF und die Unternehmen sind da auf einem guten Weg! Also ich drücke auf jedenfall die Daumen! :)
Gruß,
MarcelB
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