Ist das Licht aus?


Good bye


stand-by.


© WWF
Die 10 Minuten, in denen ich gemerkt habe, wie abhängig ich doch vom Strom bin


von Cookie
18.10.2013
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Freitagmorgens, etwa halb neun. Zeit, fertig zu werden für die Arbeit. Ich sitze in der Badewanne und dusche, als es plötzlich ein kleines bisschen dunkler wird. Im ersten Moment frage ich mich, ob ich das Licht vielleicht gar nicht angemacht hatte und mir nur einbilde, dass es gerade ausgegangen ist, da wird auch schon das Wasser eiskalt. Ein Blick auf meine elektrische Zahnbürste, deren orangefarbenes Lämpchen ebenfalls erloschen ist, bestätigt: Der Strom ist weg. „Oh Mann“, denke ich nur. „Ist die blöde Sicherung doch echt schon wieder rausgeflogen.“ Ist nicht das erste Mal in den letzten Wochen. Ich sehe die Sache also nur als kleines morgendliches Ärgernis an, bin erleichtert, dass ich weitgehend schaumfrei bin und mich nicht weiter dem Eiswasser aus der Brause aussetzen muss, und steige aus der Wanne. In mein Handtuch gehüllt tappe ich zum Sicherungskasten. Wie erwartet zeigt der FI-Schalter in die falsche Richtung. „Das haben wir gleich“, denke ich und drücke die Sicherung nach oben. Klack. Sie will nicht dort bleiben und springt wieder raus. Ich will es nicht glauben und versuche es wieder. Die Sicherung springt erneut zurück. Panik steigt in mir auf. Meine weiteren verzweifelten Versuche bleiben erfolglos.

Ich hämmere an die Tür meiner Mitbewohnerin, die diese Woche krank zu Hause geblieben ist, und reiße sie aus dem Genesungsschlaf. Im Schlafanzug und mit halb geschlossenen Augen kommt sie in den Flur, wo ich hysterisch verkünde: „Die Sicherung ist wieder draußen und sie geht net mehr rein!“ Auch meine Mitbewohnerin versucht ihr Glück am Sicherungskasten. Nichts zu machen. „Die ist durch“, kommentiert sie die immer wieder rausspringende Sicherung. Wir sehen uns an und nach und nach wird uns das Ausmaß der Katastrophe bewusst. Ich blicke auf unseren Router, der nicht wie gewohnt grün blinkt. „Wir haben kein Internet“, stelle ich fest. „Und das warme Wasser geht übrigens auch net.“ „Oh Mann, ich wollte doch duschen“, stöhnt meine Mitbewohnerin und dann fällt ihr auf: „Scheiße, ich kann ja heut gar kein Fernseh gucken.“ „Ich kann meine Haare net föhnen“, bemerke ich, als es aus den nassen Strähnen auf den Fußboden tropft. Und wo es so tropft, fällt mir noch etwas viel Schwerwiegenderes ein: „Der Kühlschrank!“ „Scheiße, der taut ab!“, wird es auch meiner Mitbewohnerin klar.

Wir blicken uns an, haben die Horrorvision eines stromlosen Wochenendes im Kopf und es ist klar: „Du musst du sofort den Vermieter anrufen!“ „Schon dabei.“ Meine Mitbewohnerin sucht nach der Nummer und tippt sie in ihr Handy ein. „Sag mal, hast du noch genug Akku?“, kommt mir da in den Sinn, dass wir unsere Handys heute nicht aufladen können und ich beschließe schon mal, mein Ladegerät mit ins Büro zu nehmen und dort ein bisschen Strom abzuzapfen. Meine Mitbewohnerin hat zum Glück noch genug Saft auf ihrem Mobiltelefon, um bei der Wohnbau anzurufen und unser Problem zu schildern. „Oh, das ist aber schlecht an nem Freitag“, verkündet die Dame am anderen Ende der Leitung. Ach echt? Dann verspricht sie aber, uns einen Elektriker aufzutreiben.

Meine Mitbewohnerin legt leicht resigniert auf. „Jetzt muss ich aber erst mal dringend pinkeln.“ „Ähm, sag mal, geht die Klospülung denn oder brauch die auch Strom?“ Keine von uns weiß die Antwort und meine Mitbewohnerin hat keine Lust, es auszuprobieren. Also verschwindet sie in die Küche, wo sie wie gewohnt die Kaffeemaschine anstellen will. Geht natürlich nicht. Auch ich finde mich gerade mit dem Gedanken ab, heute keinen Tee zum Frühstück zu bekommen, da erinnere ich mich auch noch an die Aktionsteamer-Telko heute Abend. „Hoffentlich hat das Telefon genug Akku, um bis sieben heut Abend durchzuhal...“, fange ich an, da begreife ich: Der Akku spielt keine Rolle. Ohne den Router ist die Leitung tot. Der Tag verspricht, ein Albtraum zu werden.

Doch als ich in meinem Zimmer meinen Rucksack für die Arbeit packe, gibt mein Telefon plötzlich dieses Piepsen von sich, das immer erklingt, wenn die Ladestation das Mobilteil erkennt. Das geht doch nur, wenn....? Aufgeregt informiere ich meine Mitbewohnerin über dieses Lebenszeichen meines Telefons. Kann das wirklich bedeuten....? Sie nickt. Ja, wir haben wieder Strom. Sie hat einfach nur den Stecker vom Wasserkocher, den sie schon länger für den Schuldigen hält, was unsere ständigen Stromausfälle in letzter Zeit angeht, rausgezogen und alles ist wieder normal. Wahrscheinlich ist was mit der Steckdose, der Wasserkocher war ja nicht mal an, als der Strom ausfiel. Das ist mir aber zunächst egal, ich bin unendlich erleichtert, das Wochenende nicht ohne Strom verbringen zu müssen. Viele der Folgen fallen mir erst im Nachhinein ein. Zum Beispiel, dass wir heute Abend im Dunkeln gesessen hätten. Oder dass wir nichts hätten kochen können. Mir wird erst so richtig klar, wie abhängig wir vom Strom sind. Meine Mitbewohnerin scherzt, dass wir ein Lagerfeuer auf dem Balkon hätten machen müssen. Ich lache darüber, frage mich aber: Kann das gut sein, so sehr von etwas abhängig zu sein?

 

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Kommentare (21)
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17.04.2014
4lexSchneegans hat geschrieben:
Hat irgend jm. schon einen selbstversuch gemacht ?
03.04.2014
Louis0102 hat geschrieben:
ich finde es gar nicht gut, dass wir vom Strom so abhängig sind aber die geschichte ist schon witzig :)
13.01.2014
Cookie hat geschrieben:
@safetheanimals: Ich glaube, da gab es ein kleines Missverständnis. Ich wollte mit diesem Bericht sicher nicht ausdrücken, dass der Mensch nicht ohne Strom überleben kann. Ich war selbst drei mal mit auf dem WWF Jugend Camp in Schweden und dort muss man auch eine ganze Woche ohne Strom auskommen und das war kein Problem für mich. Ich wollte nur zeigen, wie viele Dinge, die wir als ganz selbstverständlich hinnehmen, plötzlich nicht mehr funktionieren, wenn kein Strom da ist. Und tatsächlich kann man ja in einer Mietwohnung nicht einfach ein Lagerfeuer machen, um sich zu wärmen und was zu kochen und unser Essen im Kühlschrank wäre auch verdorben, wenn wir mehrere Tage keinen Strom gehabt hätten.
13.01.2014
safetheanimals hat geschrieben:
wir sind abhängig vom Strom? So ein Quatsch, stellt euch vor da käme so ein Verrückter und klaut alle Stromkabel. ich halte den Menschen für findig genug mal 2 Wochen ohne Strom aus zukommen klar wäre es ärgerlich und ZIEMLICH unpraktisch aber nicht unmöglich vor 200 Jahren ging es doch auch.
Und auch heute geht das noch. mein Vater kommt in Ghana ,nicht dass dort immer Stromausfall herrscht aber wenn die dort in sehr kleinen Dörfern sehr große Partys feiern -und mein Vater kommt aus einem winzigen Dorf- dann fallt schon mal für 16 stunden der Strom weg! Bis her ist mir noch kein fall bekannt wo einer aus dem Dorf meines Vaters Dorf an akutem Strommangel gestorben ist
22.10.2013
Tigerlein hat geschrieben:
Toller Bericht!

Ja, wir sind eindeutig abhängig vom Strom. Ich glaube auch nicht, dass sich das irgendwann ändern wird, es wird sich höchstens noch weiter verschlimmern...
22.10.2013
gelöschter User hat geschrieben:
Schöner Bericht :)
da merkt man wirklich wie abhängig man vom Strom ist, fast wie eine drogensucht :D:D
21.10.2013
Nora2.0 hat geschrieben:
Dieses Phänomen können wie hier ständig beobachten, wenn mal wieder ein Schneesturm vorbei kommt. Das längste woran ich mich erinnere war zwei Wochen.
Aber es ist schon wirklich schade, wenn man sieht, dass man wirklich nicht mehr ohne kann...oder es glaubt.
21.10.2013
gelöschter User hat geschrieben:
Mein erster Gedanke war "Ohhhh shit....der Kühlschrank!!"
Den Rest würde ich erstmal verkraften und für ein oder zwei Tage ruhig bleiben können. Aber dann würde ich auch gerne wieder warm duschen ;)
Würde der Strom bei mir im Büro ausfallen, wäre allerdings der Welteruntergang vorprogrammiert

Wir sind von so vielen Dingen abhängig und wissen es noch nicht einmal
20.10.2013
Zerschmetterling hat geschrieben:
Wirklich guter Bericht, der zum Nachdenken anregt.Danke! :)
19.10.2013
anni95 hat geschrieben:
Also, als bei meinen Großeltern am Ferienhaus nach einem Sturm der Strom ausgefallen ist, wurde die Toilette immer mit einem Eimer Seewasser gespült, weil die Punmpe kein Wasser in den Spülkasten gepumpt hat. Wir hatten dort öfter Stromausfall, aber im Sommer ist das ja nicht sooo wild; das größte Problem war da immer der Kühlschrank bzw. das Gefrierfach.
So abhängig zu sein ist schon gruselig. Aber ich erinnere mich an eine Woche im Schweden-Camp, wo es auch sehr gut ohne ging. Im Winter jedoch hätte ich da nicht so Lust drauf.
19.10.2013
Carinaa hat geschrieben:
Da merkt man mal, wie abhängig wir vom Strom sind! :D
19.10.2013
vince hat geschrieben:
Vor allem den Dialog zwischen deiner Mitbewohnerin und dir fand ich sehr lustig!
19.10.2013
vince hat geschrieben:
Ja, ein Leben ohne Strom ist heutzutage unvorstellbar. Dass man von etwas abhängig ist, ist sicherlich nicht gut, aber dass es keinen Strom gibt kommt ja sp gut wie nie vor. Und wenn es iwann auf längere zeit keinen mehr geben sollte, wird man sich sicherlichh anpassen können, da es ja keinen Ausweg gibt...
Wir hatten das zuhause auch schon mal für einen Tag und es war so ätzend...Für die Klospülung wird übrigens meines Wissens nach kein Strom benötigt. Außerdem läuft auch viel über Batterien. Ich hab z. B. So ne batteriebetriebene Leselampe.
Ja, ein wirklich interessanter Bericht!
19.10.2013
midori hat geschrieben:
Liebe Anne, das war mal wieder ein glänzender Beitrag von Dir, der wirklich zum Nachdenken anregt! Bin auch jedesmal schockiert, wofür man alles Strom braucht. Mir fällt dann immer nur noch Bücher lesen ein... solange es nicht allzu dunkel ist! ;o)
19.10.2013
Chamaeleonmuetze hat geschrieben:
Guter bericht, man merkt wirklich wie stark man von Strom und anderen Dingen die auf Strom zurückzuführen sind, wie warmes Wasser, abhängig ist.
19.10.2013
Morgentau hat geschrieben:
Schöner Artikel, finde ich auch.
Wir sind wirklich sehr, sehr abhängig vom Strom... So ein Selbstversuch wäre wahrscheinlich ziemlich interessant...
19.10.2013
gelöschter User hat geschrieben:
Ich stimme Stoffie zu,wir sind alle leider echt ziemlich vom Strom abhängig.
19.10.2013
PadyMarie hat geschrieben:
Im Dunkeln zu Abend essen hättet ihr ja nicht müssen, es gibt ja immer noch die guten alten Kerzen und Taschenlampen. Auf die Dauer ohne Strom zu leben ist für uns heutzutage ja richtig unvorstellbar, wir sind richtig abhängig vom Strom und das bringt natürlich einige Probleme mit sich, wenn er dann mal nicht da ist. Ich könnte diesen Kommentar grade nicht mal schreiben ohne Strom.. Aber was soll man machen, jetzt ist es sowieso zu spät sich so radikal umzustellen. Ich würde es aber trotzdem mal gerne für einen Tag mal ausprobieren, wäre doch ein interessantes Experiment.
19.10.2013
Stoffie hat geschrieben:
sehr gut geschrieben! und wie recht hast! wir sind so abhängig vom strom, das ohne wirklich nichts mehr funktioniert.... ich wüsste nicht was ich machen sollte wenn abend in meiner wohnung mal der strom ausfallen sollte... ich habe keine kerzen und nur ne mini taschenlampe. ich säße also im stockdüstern! vielleicht sollte man mal einen ganzen tag ausprobieren ohne strom auszukommen, das wäre bestimmt ein interessanter selbstversuch...
19.10.2013
lolfs hat geschrieben:
Ein netter Bericht, wie ich finde. Und ja, ohne Strom hätten wir alle es um einiges schwieriger. Besonders jetzt im Winter, wenn der Tag so kurz ist und man ungern lange im Kalten ist. Da erinnere ich mich gerade an die Aktion in der Community vor etwa 2 Jahren. Da mussten Teilnehmer eine Woche so wenig Strom wir möglich verbrauchen. Es war ein geniales Experiment. Man hat gemerkt, wo so die Schwierigkeiten liegen. Aber gleichzeitig hat man auch Lösungen gefunden. Dazu gibt es in der Community auch Berichte. Falls jemand Interesse an den Berichten hat und sie hier nicht findet, sagt Bescheid. Zum Thema kann ich auch das Buch "Euer schönes Leben kotzt mich an!" empfehlen.

Zur Frage zurück, sicherlich ist es nicht so gut, dermaßen von etwas abhängig zu sein. Doch für viele kleine Sachen gibt es auch einen Plan B. So kann man bspw. die elektrische Zahnbürste ja auch ohne Strom nutzen ;) So ganz ohne Strom von heut auf morgen wird jedoch die heutige Gesellschaft nicht mehr zurecht kommen. Dafür haben wir uns einfach zu sehr daran gewöhnt. Wenn man jedoch regelmäßig sich die Problematik ins Gedächtnis ruft und versucht diese Abhängigkeit zu ändern, kann ich mir vorstellen, dass man unabhängiger werden kann.
19.10.2013
MarcelB hat geschrieben:
Tja, so ist das eben bei nem Stromausfall! ;)

Bei uns war letztens auch einer, so etwa gegen Mitternacht. Plötzlich sammeln sämtliche Menschen auf den Straßen und brüllen rum: "Alter, der Strom ist weg"...."Geil, lass mal im dunkeln durch die Stadt ziehen"
Währenddessen mein Nachbar runterbrüllt "Haltet die Klappe, ick will schlafen" :D

Aber interessant, auf was für Ideen die Leute kommen. Eine ist dann mit den Auto vorgefahren und hat mit Fernlicht in die Wohnungen geleuchtet, damit die Leute sehen wo sie hintrampeln... :D

Allgemein sehr entzückender, aber auch nachdenklicher Artikel... der ein kritisch zu betrachtendes Thema beleuchtet: Den Stromkonsum.
Und zum Glück ist ja baaaaald wieder Earth Hour, wo wir genau dieses Gefühl so vielen wie möglich vermitteln wollen. Um die Leute zum Strom sparen zu animieren.
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