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© WWF
Der Kampf gegen die globale Wasserkrise


von Marcel
12.03.2012
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Obwohl unser Planet zu mehr als 70 Prozent damit bedeckt ist, wird Wasser zunehmend ein knappes Gut. Denn gerade mal drei Prozent dieser gewaltigen Mengen sind trinkbares Süßwasser, und wiederum nur ein Drittel davon ist für die menschliche Nutzung erreichbar. Die steigende Nachfrage nach Energie, Nahrung und sauberem Wasser wird die ohnehin schon schwelende Wasserkrise noch weiter verschärfen.

Ab heute diskutieren Politiker, Behörden und NGOs auf dem Weltwasserforum in Marseille über die möglichen Lösungen der drohenden Wasserknappheit. Natürlich ist auch der WWF dabei und versucht, das Bestmögliche für die Natur herauszuholen.

Es ist echt nicht übertrieben, von einer Wasserkrise zu sprechen. Allein seit der Jahrtausendwende ist es weltweit zu über 50 gewalttätigen Konflikten aufgrund der Nutzung von Wasser gekommen. Die steigende Nachfrage nach Energie, Nahrung und sauberem Wasser droht die ohnehin schon schwelende Wasserkrise noch weiter zu verschärfen. Der WWF fordert daher einen globalen und verbindlichen Aktionsplan zur Bekämpfung der Wasserproblematik.

"Es mangelte dem Weltwasserforum in der Vergangenheit leider an Verbindlichkeit. Die Politik muss jedoch endlich auf die Krise reagieren", so Martin Geiger, Leiter des Bereichs Süßwasser beim WWF Deutschland. Das Weltwasserforum müsse klare Zielvorgaben definieren, die als Beschlussgrundlage für den UN-Umweltgipfel Rio+20 im Juni dienen können.

Achtung - was jetzt kommt, kann Angst machen: Neun Staaten, nämlich Brasilien, Russland, China, Kanada, Indonesien, Indien, Kolumbien, die Demokratische Republik Kongo und die USA, haben über 60 Prozent der weltweit verfügbaren Süßwasservorkommen. Allein diese Tatsache kann bei einer Verschärfung der Wasserknappheit wie ein Brandbeschleuniger wirken. "Auch wenn in Deutschland und Westeuropa die Situation derzeit weitgehend entspannt ist, kann das nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir uns bereits mitten in einer globalen Wasserkrise befinden", warnt Martin. Die Ressource Wasser würde, so der WWF-Experte, immer knapper. Das sei in erster Linie eine Folge von Verschwendung, Missmanagement und ineffizienter Bewässerung. "Eine Verschärfung der weltweiten Wasserkrise wird die öffentlichen Gesundheitskosten steigen lassen, die wirtschaftliche Entwicklung ausbremsen, ökologische Probleme verschärfen und schwerwiegenden sozialen und geopolitischen Spannungen und Konflikten führen", fasst Martin die Ergebnisse der WWF-Analyse zusammen.

Die Folgen würden nach Martins Einschätzung auch Deutschland und die EU treffen. Es drohen Landflucht in Südeuropa, Kollaps der Landwirtschaft in Teilen des Mittelmeers und ein Ende des Tourismus in einigen beliebten Urlaubsregionen, so der WWF-Experte. Der WWF sieht auch die Deutsche Bundesregierung in der Verantwortung, immerhin importiert die Bundesrepublik über Nahrungsmittel und Industriegüter jedes Jahr 106 Milliarden Kubikmeter Wasser. "Wir sind Verantwortlicher und Betroffener zugleich“, so Martin. „Unsere Versorgung mit Agrargütern ist direkt von Wasserressourcen der Erzeugerstaaten abhängig, so sind derzeit die Supermärkte voll mit Gemüse und Obst aus der Mittelmeerregion und dem Nahen Osten. Wir können es uns daher allein aus ökonomischer Sicht nicht leisten, dass sich die Wasserproblematik weiter verschärft.“

Außerdem müssten die Delegierten ihre jeweiligen Regierungen dazu auffordern, endlich die UN-Fluss-Konvention (UN Water Courses Convention) zu unterzeichnen. Das Papier soll ein partnerschaftliches, zwischenstaatliches Management für Wassersysteme garantieren, die internationale Grenzen überschreiten. Die Konvention ist nach WWF-Einschätzung entscheidend, um zukünftig Wasserkonflikte zwischen Nationalstaaten vorzubeugen oder zu schlichten. Für die gesamte Europäische Staatengemeinschaft ist es eine Blamage, dass zahlreiche EU-Staaten wie etwa Österreich, Großbritannien oder Dänemark die Konvention noch nicht unterzeichnet hätten. Aktuell müssten noch elf Nationen die Konvention ratifizieren, damit diese endlich in Kraft treten könne.

Das Weltwasserforum findet seit 1997 alle drei Jahre statt und ist eine der größten, internationalen Konferenzen von Wissenschaftlern, Politikern und Experten aus aller Welt. Vom 12. bis 17. März werden mehr als 20.000 Teilnehmer in Marseille erwartet, darunter zahlreiche Staats- und Regierungschefs.

Fotos: © WWF-Canon / Simon Rawles

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Kommentare (14)
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14.03.2012
Gluehwuermchen hat geschrieben:
Naja, ich wollte damit nur den Ausdruck "sauber" etwas relativieren. Ich kann Trinkwasser nicht als "sauber" betrachten, wenn kleine Kinder besser nicht davon trinken sollten. Klar ist bei uns vieles besser, als in anderen Ländern. Aber wie gesagt, ich bin da lieber vorsichtig. Wenn es doch nicht sooo unbedenklich ist, wie es heißt, erfährt man das sowieso erst, wenn es zu spät ist.
Aber das muss jeder für sich wissen. Wollte halt nur darauf hinweisen ;-)
Wenn es eben schon infrage steht...will das schon was heißen.
14.03.2012
Peet hat geschrieben:
@Maura: "Auch hierzulande ist die Sauberkeit des Trinkwassers gefährdet." aber nicht dreckig...Das die Kläranlagen immer wieder aktualisiert werden müssen, weil andere Stoffe hinzukommen, ist klar aber momentan besteht kein Problem damit. Mehr hat der Bericht nicht gezeigt. Den Vergleich zu den USA ist schon erschreckend schwach. Wer einmal in den USA war, weiß was das dortige "Trinkwasser" bietet...Dort würde ich wirklich nicht das Wasser anfassen, bei dem man das Chlor wirklich schon riecht.
13.03.2012
Gluehwuermchen hat geschrieben:
@Peter und alle: Juhu, ich habs gefunden das dreckige Trinkwasser ;-) ! Hier:

http://www.tagesschau.de/inland/trinkwasser122.html
13.03.2012
Gluehwuermchen hat geschrieben:
@Peet: Ja natürlich. Und weißt du warum? Weil es längst nicht für alle Faktoren Grenzwerte gibt. Wenn das Wasser auf bestimmte Aspekte hin gar nicht getestet wird, ist es natürlich "sehr gut"..

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/49009
Das habe ich gerade auf die Schnelle gefunden. Meine Aussage bezieht sich aber auf eine Nachrichtensendung in den letzten Tagen irgendwann.
Für alles gibt es Grenzwerte, aber es gibt auch Stoffe, die eben bisher nicht berücksichtigt werden, weil die Wasseraufbereitungsanlagen das gar nicht hergeben, weil sie älter sind o.ä.

Ich bin da lieber vorsichtig. Man bekommt generell doch überall erzählt, alles sei in Ordnung. Dass es das nicht ist, sehen wir daran, wie unsere Welt heute aussieht.
13.03.2012
Peet hat geschrieben:
Der Bericht an sich ist sehr interessant, doch kritisiere ich das Wassersparen hier in Deutschland - zu mindest was kaltes Wasser angeht.

Der Deutsche spart gerne beim Wasser, wenn er verdurstete Menschen in Afrika oder sonst wo sieht. Er fühlt sich dann besser, drückt die Spartaste bei der Klospülung und bewässert seine Pflanzen im Garten nicht mehr so oft. Gleichzeitig wird uns da durch suggeriert, wir sparen auch noch Geld, was völliger Blödsinn ist. Denn Fakt ist, dass wir durch das Wassersparen die Wasserversorger auf die Straßen schicken, die dann die Kanalisation mit Wassers spülen, da diese sonst verstopfen, weil zu wenig Wasser nachkommt. Fakt ist ebenfalls, dass unser Wasser hier in Dt. zum größtenteils gesäubert wird und somit ein fast geschlossener Kreislauf geschaffen wurde.

@Gluewuermchen: Das Wasser in Deutschland erhält laut Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) und des Umweltbundesamtes (UBA) ein gut bis sehr gut. Ich trinke ebenfalls regelmäßig Trinkwasser und kaufe mir ab und zu mal Sprudelwasser. Immer noch sinnvoller als Einwegflaschen zu kaufen, die seit dem Pfandgesetz einen regelrechten Boom erhielten und größtenteils verbrannt bzw. in T-Shirts verarbeitet werden...

http://www.augsburger-allgemeine.de/wissenschaft/Trinkwasser-in-Deutschland-Note-eins-id18379911.html

Was ich unterstützen würde, wäre ein Art Passivhaus, welches in allen Belangen ein geschlossenes System vorweisen könnte. Das gibt es und das finde ich soweit auch sinnvoll, doch bis dahin ist es ein weiter weg.
13.03.2012
Gluehwuermchen hat geschrieben:
Naja, so sauber ist unser Trinkwasser nicht, das kam neulich erst in den Nachrichten. Ich würde kein Leitungswasser trinken. Da kommt einiges mit, worauf in den Anlagen nicht getestet wird. ( es gibt da Unterschiede)

@Carina: Willkommen im Club ! :) Geht mir genauso
13.03.2012
Anni09 hat geschrieben:
@urmeli: Doch es wurde im Radio gesagt. Ich habe es allerdings nicht gehört ne Freundin hat es mir erzählt. Einfach nur bescheuert -.-
13.03.2012
gelöschter User hat geschrieben:
Fließendes sauberes Wasser......eine Selbstverständlichkeit bis jetzt. So etwas alltägliches wie Händewaschen etc. sollte uns daran erinnern, dass andere nur einen Bruchteil von dem haben, was wir als normal betrachten.

@Carina:
Ja, das Gefühl kenne ich......hab leider den Alle-Probleme-Gelöst-Knopf noch nicht gefunden.

@Anni09:
Was? Unsere Kanalisation wird mit Trinkwasser durchspült? Das kann doch wirklich nicht wahr sein......?!
12.03.2012
Anni09 hat geschrieben:
Soll ich euch mal was absurdes erzählen? Im Radio haben sie heute gesagt,dass wir in Deutschland "zu wenig" Wasser verbrauchen. Wir verbrauchen so wenig, dass die Kanäle mit gutem Trinkwasser durchflutet werden müssen. Ich bin fast aus den Wolken gefallen als ich das gehört habe...

Es ist einfach lächerlich wie verschwenderisch wir mit so einem kostbaren Gut umgehen. Wieso wird gutes Trinkwasser für die Toilettenspülung verwendet?! Also sinnloser gehts nicht. Wir sind so verwöhnt, dass wir das gar nicht mehr zu schätzen wissen....sehr traurig.

Die nächsten Kriege werden um Wasser geführt....
12.03.2012
Carina hat geschrieben:
Kennt ihr dieses Gefühl, wenn man einfach einen Knopf drücken möchte und alle Probleme auf der Welt sind - puff! - verschwunden...?
12.03.2012
Gluehwuermchen hat geschrieben:
...und da sollte man in Industrie und Landwirtschaft anfangen: Weniger Fleisch konsumieren ( Zur Erzeugung von 1 Kg Fleisch werden je nach Tierart und Berechnungsverfahren 3.500 bis 32.000 Liter Wasser verbraucht), auf Billiggemüse aus dem Supermarkt verzichten, das irgendwo in Spanien unter kilometerlangen Folien dauerbeträufelt wird...
12.03.2012
gelöschter User hat geschrieben:
gelöscht
12.03.2012
LSternus hat geschrieben:
Danke für den Artikel. Das Thema ist ernst ich glaube das Problem ist erst dann lösbar, wenn viel mehr Menschen bereit sind so gut wie möglich an Wasser zu sparen.
12.03.2012
Cedric hat geschrieben:
Ein gut geschriebener und informativer Aktikel zu einem in der Tat sehr brisanten Thema!! Es müssen dringend Schritte unternommen werden um einen möglichen Krieg um Wasser zu unterbinden! Hoffentlich kommt es beim diesjährigen Weltwasserforum zu wirksamen Beschlüssen!
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