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Bionik - Was wir von der Natur lernen. Mohn und Bambus.


von Janine
21.11.2012
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Die Natur ist vollkommen. Sie ist formvollendet, unendlich praktisch und in ihrem Erfindungsreichtum unerschöpflich. Wir haben viel von ihr gelernt, unsere Technik durch sie verfeinert und perfektioniert. Sie lehrte uns das Fliegen und schenkte uns den Salzstreuer… Moment mal – den Salzstreuer? Allerdings! Der Salzstreuer ist die erste deutsche bionische Erfindung, die zum Patent angemeldet wurde. Als Raoul Heinrich Francé im frühen zwanzigsten Jahrhundert nach einer Möglichkeit suchte, Bodenflächen gleichmäßig mit organischem Material zu bestreuen, machte er sich auf die Suche und stieß dabei auf die Mohnblume. Als er sie begutachtete, bemerkte er kleine Öffnungen am oberen Rand der getrockneten Kapsel. Durch sie gelangen die Samen, die im Inneren ruhen, ins Freie. Die kreisrunde Anordnung der kleinen Löcher sorgt für eine regelmäßige Verteilung rund um die Mutterpflanze.

Durch diese Entdeckung gelangte der Salzstreuer ab 1920 in unsere Küchen. Der erste von Francé entworfene Streuer sah aber noch anders aus als der, den wir heute benutzen. Wie bei der Mohnkapsel befanden sich die Öffnungen nicht auf der Oberseite, sondern am Rand des Salzstreuerdeckels. Diese Anordnung erwies sich jedoch als unpraktisch. Zwar war sie gut geeignet, um den ursprünglichen Zweck zu erfüllen, nämlich kleine Teilchen in gleichem Maße auf einer Fläche zu verteilen. Doch um sein Frühstücksei zu salzen, brauchte man Öffnungen, die eine punktgenaue Streuung zuließen. So wanderten die Löcher weiter nach oben und sind bis heute dort geblieben. Übrigens, vor der Erfindung des Salzstreuers benutzte man zum würzen von Speisen kleine Schäufelchen. Nach der Einführung des Salzstreuers musste das Salz dann zusätzlich zu feinen Kristallen pulverisiert werden, damit es durch die Löcher passte.

Auch der Bambus hat uns das Leben um einiges erleichtert – und das im wahrsten Sinne des Wortes. Bambus ist auf den ersten Blick vielleicht recht unspektakulär. Er ist schmal, hoch und trägt gewöhnliche grüne Blätter. Aber er hat viel mehr zu bieten als sein unscheinbares äußeres Erscheinungsbild vermuten lässt. Bambus ist innen hohl, was ihn extrem leicht macht. In regelmäßigen Abständen befinden sich in seinem Stiel sogenannte Knoten, die ihm Stabilität verleihen und ihn den Süßgräsern zuordnen. Dieses Zusammenspiel verleiht ihm eine ungewöhnlich hohe Zähigkeit, die sogar die von Holz übertrifft. Gleichzeitig wird Bambus durch seine Form und zusammensetzung sehr elastisch.

Bambus ist ein Vorbild. Seine Bauweise nutzen wir, um Häuser besonders hoch und stabil zu machen. Auch Brücken müssen einiges aushalten, wenn sie täglich von tonnenschweren Kraftwagen befahren werden. So nehmen wir langsam Abschied von Stahlbeton und Eisen, die die Brücken zusätzlich erschweren. Massive Materialien sind out, was wir wollen sind Hohlräume und Knoten!

Wir nutzen sein Leichtbausystem nicht nur zum Bauen von Brücken, sondern auch für den Bau von Möbelstücken, im Garten als stützende Hilfe für Rankenpflanzen und als Parkett. Im asiatischen Raum wird aneinander geknoteter Bambus auch als Baugerüst eingesetzt. Die Hohlräume sorgen dafür, dass man Bambus fast endlos aufeinander türmen kann, da die Tragfähigkeit sehr hoch bleibt. Einige Bambusarten werden bis zu 40 Metern hoch – und das ist eine ganze Menge für ein so dünnes Gras! Die meisten Arten wachsen zwischen 10 und 30 cm pro Tag. In Ausnahmefällen kann Bambus aber auch um einen ganzen Meter an nur einem Tag zunehmen!

Bambus hilf uns dabei die Abholzung der Regenwalder einzudämmen. Durch seine vielfältigen Einsatzorte ersetzt er Holz als Rohstoff in unseren Wohnzimmern und Gärten. Sein extrem schnelles Wachstum, vor allem im Vergleich zu vielen Bäumen, sorgt für einen raschen Nachschub. Schaut euch mal in eurer Wohnung um. Hat der Bambus auch bei euch schon seinen Einzug gefeiert?

Im nächten Artikel verrate ich euch, warum Falten nicht nur ein Zeichen des Alters sind ;o)


Weitere Artikel:

Zanonia und Lotos

 Loulu und Kokos


Quellen:
Fotos © Janine Koch
Speck et al. 2011. Was die Technik von Pflanzen lernen kann – Bionik in Botanischen Gärten.
Belzer 2010. Die genialsten Erfidungen der Natur, zweite überarbeitete Auflage. Fischer Verlag GmbH.

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Kommentare (13)
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11.03.2013
girlofnature hat geschrieben:
Ein interessanter Artikel! Ich interessiere mich für Architektur und habe mich deswegen auch schon öfter mit dem Thema Bionik beschäftigt. Wir können (oder haben) so vieles von der Natur lernen...(:
28.11.2012
Angelina hat geschrieben:
Wow, super schöner Artikel!
Da freu ich mich schon auf den nächsten.. :-)
28.11.2012
Kathinki hat geschrieben:
Super Interessant!!!
Danke!!!
28.11.2012
Stoffie hat geschrieben:
ist ja genial! vielen dank für den artikel!
24.11.2012
Janine hat geschrieben:
Vielen Dank :o) Es freut mich, dass ihr den Artikel mögt :o)
22.11.2012
Josephine hat geschrieben:
Es macht einfach Freude, deine Berichte zu lesen! Und dass der Salzstreuer das erste deutsche Patent war, dass so direkt auf Beobachtungen der Natur beruhte, hätte ich mir nicht träumen lassen. Wirklich faszinierend.
22.11.2012
Carina hat geschrieben:
Faszinierend. Gibt es Salzstreuer echt erst seit 1920? :-O
22.11.2012
Marcel hat geschrieben:
Großartig! Wie ein Bericht von Janine eben immer ist! ;) Und neben den interessanten Infos gefallen mir auch Deine Fotos total gut!
21.11.2012
Helen1698 hat geschrieben:
Danke für den schönen Bericht! :) Super interessant!
21.11.2012
Gluehwuermchen hat geschrieben:
Hab ich noch nie drüber nachgedacht! Echt spannend!!! :o)
21.11.2012
Cosima hat geschrieben:
Das ist ja mal interessant zu hören, was uns die Natur alles gelehrt hat!
Dieses unersetzbare "Lexikon" kann man einfach nur lieben :)
21.11.2012
midori hat geschrieben:
Salzstreuer? Was es nicht alles gibt! :D
Echt interessant! Freu mich auf jeden Fall auch schon riesig auf den nächsten Teil! :o)
21.11.2012
Cedric hat geschrieben:
Guter Bericht, bin mal auf die Fortsetzung gespannt! Weiter so ;)
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