Ist das Licht aus?


Good bye


stand-by.


© WWF
Bionik - Was wir von der Natur Lernen. Loulu und Kokos.


von Janine
05.12.2012
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Das folgende Gespräch fand im Pazifischen Ozean statt. Das Datum ist unbekannt. Wir wissen nur, dass es ein windiger Tag war, ein sehr windiger Tag…

Die Wellen des Meeres legten sich im Wettlauf umeinander auf eine lange weiße Landzunge, deren Sand unendlich fein war. Kaum ein einzelnes Korn war im nassen Boden auszumachen. Eine warme salzige Brise wehte über die Insel hinweg und als sie den Boden sanft streichelte, hinterließ sie abstrakte Formen auf dem selbigen und in der Luft kreierte sie seltsame Wesen aus sandigem Pudergestöber. Vom Meer konnte man dem Schreien von Seevögeln lauschen. An Land hörte man, wie der Wind an den Blättern der Bäume zog und ihre festen Formen bis aufs Dehnbarste reizte. Ihr Rascheln war die Antwort auf das Vogelkonzert im Ozean.

Eine dunkle Gestalt bewegte sich vom offenen Meer auf die Insel zu. Sie war rund, oder oval und hatte die Größe eines Basketballs. Die Wellen trugen die Kugel bis an den Strand, wo sie langsam vom feuchten Sand ummantelt wurde. Sie war neben einer großen Palme gestrandet, deren Blätter riesenhaft waren. Der Blattstiel setzte am Stamm an und mündete in einen riesigen dreieckigen Fächer, der seinen Schatten auf den Gestrandeten warf.

„Wer bist denn du?“ fragte die Loulu-Palme, die schon ihr ganzes Leben auf der Insel verbracht hatte. „Ich bin eine Frucht“ antwortete der Fremde etwas patzig. Er sah sich um und grummelte. Dann versuchte er sich zu bewegen, doch so sehr er es auch versuchte, er kam nicht vom Fleck. „Was machst du denn da?“ fragte die Palme. „Ich will mir einen Ort suchen, an dem ich bleiben mag. Meine Wurzeln sollen sich tief in den Sand eingraben und ich will groß werden, ja riesig! Viel größer als du!“. „Na wenn’s weiter nichts ist – viel Glück!“ lächelte die Loulu-Palme und sah dem Neuankömmling dabei zu, wie er sich mühte aus dem Sand zu kommen. Doch je mehr er es versuchte, desto tiefer schien er im Boden zu verschwinden. Während die Palme die Frucht beobachtete, genoss sie das Konzert der Vögel und die Massagen des Windes.

„Hhhhhmph“ – hörte sie die Frucht angestrengt und halb vergraben stöhnen. Nach einem letzten verzweifelten Versuch zu entkommen, fand sie sich endlich damit ab, dass sie hier bleiben musste. Beleidigt und schlapp schaute sie über eine durch das Gebuddel entstandene Sandkante aufs Meer. „Ich bin übrigens Loulu. Und ich weiß auch was du bist.“ sagte die Palme vergnügt „Du bist eine Kokosnuss!“ „Falsch!“ brüllte die Frucht „Ganz falsch! Ich bin keine Nuss! Und das sollte man sich endlich mal merken! Ich bin eine Steinfrucht! Eine Kokossteinfrucht! Ich habe keine harte Schale! Meine Schale ist ganz faserig, fast schaumig!“ „Na gut, dann eben eine Kokossteinfrucht“ sagte die Palme mit einem Zwinkern. „Ich habe dich über das Meer kommen sehen. Und ich freue mich, dass du neben mir gestrandet bist. Jetzt habe ich endlich jemanden, mit dem ich mich unterhalten kann“ „Hhhhhmph“ antwortete die Kokosfrucht. Nach einer Weile sagte sie zu Loulu „Du scheinst ja schon ewig hier zu stehen, so viele Falten, wie deine Blätter haben…“ „Aber nein, meine Falten sind doch kein Zeichen meines Alters! Sie helfen mir dabei stabil zu stehen!“ „Wie meinst du das?“ fragte die Kokossteinfrucht. „Nun, lass es mich dir erklären.

Stell dir einen Baum vor, mit großen flachen Blättern. Was glaubst du was passiert, wenn der Wind mit ihnen spielt, wenn der Regen auf sie prasselt, oder Früchte auf sie fallen?“ „Sie werden ganz schön hin und her geschaukelt“ überlegte die Kokosfrucht. „Sie werden ganz schön hin und her geschaukelt.“ bestätigte die Loulu-Palme. Dann zeichnete sie ein Bild in den Sand:

 

„Siehst du? Meine Falten geben mir Halt und Stabilität. Sie können nicht so einfach von Wind und Wasser zerrissen oder geknickt werden.“ „Wow“ staunte die Kokosfrucht „das ist ja furchtbar toll!“ „Ja“ schmunzelte die Palme „das ist es. Und du wirst noch mehr staunen! Ich habe das Leben auf der Erde ganz schön vereinfacht.“ Die Kokosfrucht sah die Palme fragend an. „Meine Falten waren Vorbild für viele Erfindungen der Menschen, oder haben sie zumindest bereichert. Ja ja! Wenn du dir zum Beispiel einen Karton und seinen Aufbau ansiehst – was fällt dir dabei auf? Er sieht fast genauso aus wie ich! Er besteht aus Falten, die zwischen zwei glatten Schichten Papier liegen.“ erklärte die Palme stolz. „Und nicht nur das! Auch Trinkflaschen und Dosen haben eine geriffelte Struktur, die dabei hilft, den Gegenständen Halt zu geben.“ „Wow, dann bist du ja ein richtiges Vorbild!“ sagte die Kokosfrucht bewundernd. „Allerdings!“ antwortete die Palme.

Sie beobachtete die halb vergrabene Steinfrucht eine Zeit lang, bis diese ein wenig traurig wirkte. „Was ist denn los?“ fragte Loulu. „Ach…“ stöhnte die Kokosfrucht „Ich wünschte, ich könnte auch ein Vorbild sein!“ „Aber… weißt du es denn gar nicht?“ fragte die Palme verdutzt. „Was weiß ich nicht?“ „Na, du bist doch ein Vorbild! Ein ganz besonderes sogar! Durch dich werden die Menschen besser geschützt!“ „Wirklich?“ staunte die Kokosfrucht. „Natürlich!“ lachte Loulu. Du hast es doch vorhin selber gesagt. Du bist ganz faserig. Deine Schale übersteht Stürze aus 30 Metern Höhe ohne auseinander zu brechen. Du überlebst die lange Reise über das offene Meer, bis du an einen Strand gespült wirst. Deine Schale öffnet sich erst, wenn du auskeimst.“ „Ja und? Warum macht mich das zu einem Vorbild?“ „Es ist unglaublich schwer, deinen Fasermantel zu durchdringen. Eine dicke Schicht schützt deinen Embryo, der dich zu einem großen Baum heranwachsen lässt. Er befindet sich in der ‚Nuss‘, wie man sie im Supermarkt kauft. Das ist aber zum Glück nicht deine einzige Schicht! Dein dicker Fasermantel, der für den Verkauf im Supermarktregal entfernt wird, besitzt eine ganz tolle Eigenschaft, die sich der Mensch zu Nutze gemacht hat! Das Vorbild deiner sturzsicheren und undurchdringlichen Faserstruktur verbessert Fahrradhelme für Kinder und Schutzwesten für Polizisten. Du hast schon vielen Menschen das Leben gerettet!“ „Echt?“ „Ja klar! Du bist etwas ganz Besonderes. Und umso schöner finde ich es, dass du mein neuer Nachbar bist.“

Als die Kokossteinfrucht das hörte, strahle sie über ihr ganzes Gesicht. Hier wollte sie bleiben. Hier fühlte sie sich wohl.

 


Weitere Artikel:


Zanonia und Lotos

Mohn und Bambus

 

Quellen:
Fotos © Janine Koch
Speck et al. 2011. Was die Technik von Pflanzen lernen kann – Bionik in Botanischen Gärten.
Belzer 2010. Die genialsten Erfidungen der Natur, zweite überarbeitete Auflage. Fischer Verlag GmbH.

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Kommentare (10)
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11.12.2012
Carinaa hat geschrieben:
Ohhhhh was ein süßer Bericht!
Wunderschön und doch lehrreich ((:
09.12.2012
Janine hat geschrieben:
Danke euch :o)
Das sollte allerdings leider der letzte Artikel zur Bionik sein...
07.12.2012
peacemeinfreund hat geschrieben:
Super schön geschrieben!!! mehr davon :)
06.12.2012
Eleria hat geschrieben:
schöner Bericht und spannend zu lesen! Danke :)
06.12.2012
Maikaefer hat geschrieben:
Total schöner, unterhaltsamer und informativer Bericht! Danke :)
05.12.2012
Cosima hat geschrieben:
Janine, wow!! Der Bericht ist echt richtig gut geworden :)
05.12.2012
Blubbigum hat geschrieben:
Wie schön!!! Und lustig! Sehr schöner Bericht.
05.12.2012
Franzi hat geschrieben:
Ein toller Bericht Janine, man kann sofort in die Geschichte eintauchen und lernt fast nebenbei interessante Sachen :) wunderbar :)
05.12.2012
Gluehwuermchen hat geschrieben:
Schließe mich Uli an , sehr kurzweilig und lustig und interessant!!!
05.12.2012
midori hat geschrieben:
WOW! Dieser Bericht ist allererste Sahne! Einfach nur genial! *______*
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