Deine Umwelt dankt es dir!


Du bist,


was du isst!


© WWF
Woher kommt die Bio-Milch? – Der WWF vermittelt einen Einblick


von AlinaSky
22.07.2014
8
0
97 P

Ich laufe zwischen den Supermarktregalen entlang und gelange schließlich an die Kühltheke. Dort reihen sich neben Butter, Jogurt und Käse die Milchflaschen aneinander. Ich greife nach einer Glasflasche Bio-Milch, schließlich will ich unnötigen Verpackungsmüll vermeiden. Während ich all diese Milchprodukte in Augenschein nehme, frage ich mich mal wieder: Woher kommt diese Milch eigentlich?

Der WWF müsste es eigentlich wissen. Also melde ich mich bei Markus Wolter, Landwirtschaftsexperte beim WWF Deutschland. Markus war vor ein paar Tagen beim Milchvieh-Betrieb Bischoff in Langballig zu Besuch, der 2004 auf Bio umgestiegen war. Dort ging er genau dieser Frage auf den Grund und konnte mir davon berichten.

Er erzählte mir, dass auf dem 115 Hektar großen Hof von Kai Bischoff 150 Rinder leben. Davon wird, und das überraschte mich, aber nur ein gutes Drittel gemolken. Der Rest sind 10 Ochsen und 75 Nachwuchstiere. Im Durchschnitt gibt eine Kuh auf diesem Hof 22 Liter Milch am Tag. Bei konventioneller Fütterung – also nicht Bio- könnten durchschnittlich noch 6 Liter mehr erreicht werden.

Der Unterschied in der Fütterung besteht darin, dass die konventionelle Fütterung mehr Kraftfutter vorsieht, da dies einen höheren Energie- und Eiweißgehalt hat. Bauer Kai Bischoff verfüttert zwar auch Kraftfutter, mit insgesamt 1,2 Tonnen jährlich aber nur halb so viel wie ein vergleichbarer konventionell betriebener Hof. Außerdem haben die Kühe einen in der Bio-Norm festgeschriebenen Freilauf, bei dem sie frisches Kleegras und Gras nach Belieben fressen können. Bei einer Ernährung ausschließlich von Grünfutter, würden die Kühe deutlich weniger Leistung bringen, sodass Bauer Bischoff 10 bis 12 Kühe mehr bräuchte um im Jahr auf die gleiche Menge an Milch zu kommen. Dafür reicht der Platz nicht aus. Deswegen verfüttert er Kraftfutter, Heu und Silage. „Silage? Was ist das?“, fragte ich mich. Markus klärte mich auf: Silage ist Gras, das gemäht, nach einigen Tagen zusammengefahren, verdichtet und luftdicht abgeschlossen wird. Dann setzt ein Gärungsprozess ein, durch den es sehr haltbar wird.

Der Milchvieh-Betrieb Bischoff produziert das gesamte Futter selbst, sodass nichts hinzugekauft muss. „Ich will alle Tiere vom eigenen Betrieb ernähren, das ist das Entscheidende“, zitierte Markus den Betreiber.

Das Futter ist auch ein Grund dafür, dass der Preis für Bio-Milch höher ist als der für konventionelle Milch. Schließlich sind die Futterkosten höher, pro Kuh wird eine größere Fläche benötigt und der Milchertrag ist geringer bei der gleichen Anzahl an Milchkühen.

Und wie läuft das mit dem Melken ab? Der Bauer hatte Markus erzählt, dass die Kühe freiwillig in den Melkstand kommen. Nur Muttertiere würden ihre Milch nicht freiwillig abgeben, weswegen es notwendig ist, die Kälber von ihrer Mutter zu trennen. Diese Trennung unternimmt Bauer Bischoff nach 3-7 Tagen und es tue ihm immer in der Seele weh. Der Kompromiss: Ammenkuhhaltung, bei der eine Mutter sich um 3-4 Kälber kümmert. Sozusagen eine Pflegemami. Der Nachteil hierbei ist, dass die Tiere ein starkes Selbstbewusstsein entwickeln, das die Arbeit mit ihnen erschwert. Gut ist es, wenn die Kälber zumindest die ersten Schritte an der Seite ihrer Mutter machen, damit sie sich schon ein paar Dinge abgucken können. Tiere, die direkt weggerissen werden, wie es bei konventioneller Haltung meist der Fall ist, sind oft sehr charakterschwach.

Aber damit nicht genug: Ihnen wird zudem das Horn ausgebrannt. Dazu werden sie ruhig gestellt, bekommen eine lokale Betäubung und Schmerzmittel. „Das sind vier Spritzen bevor das Tier enthornt wird“, berichtet mir Markus. Der Milchbauer hatte ihm außerdem erklärt, dass er diese Prozedur am allerwenigsten mag, sie aber aus Platzgründen im Stall nötig ist, weil die Laufgänge nicht breit genug sind. Hinzukommt, dass sich die Tiere bei Konflikten in der Herde gegenseitig verletzen könnten und gehörnte Tiere auch bei der Arbeit mit den Wiederkäuern das Arbeitsrisiko erhöhen. 

Doch gerade diese Arbeit mit den Tieren und in der Natur, findet Herr Bischoff das schönste am Bio-Bauer sein. Bei ihm hat der Umweltgedanke schließlich gesiegt und er ist der Überzeugung, dass jeder Bauer der sich mit dem Pro und Contra von Bio-Landwirtschaft auseinander setzt, früher oder später automatisch dazu komme.

Wer weiß, vielleicht werden eines Tages wirklich nur noch Bio-Milch Flaschen in den Regalen stehen oder generell weniger Milchprodukte… Um es also mit den Worten von Bauer Bischoff zu sagen: „Jeder fängt bei sich selbst an die Welt zu verändern.“

Interview: Markus Wolter (WWF)
Bilder: Markus Wolter (WWF)

Weiterempfehlen

Kommentare (8)
Um einen Kommentar zu schreiben einfach registrieren oder einloggen.
Sortieren nach Aktualität:
26.12.2015
theresapanda hat geschrieben:
Aber die Hörner der Kühe werden doch nur weggemacht das sie sich nicht verletzen oder??
29.12.2014
Zohar7 hat geschrieben:
Danke für den tollen Einblick, dieses Thema hat mich schon immer interessiert! Schade, dass die Kälber auch bei Bio-Milchbetrieben so früh von ihrer Mutter gerissen werden...
@Glühwürmchen: Ich finde du hast vollkommen recht!
18.08.2014
BlaubeerMuffin hat geschrieben:
Danke für den Einblick hinter die Bio-Milchflaschen im Supermarkt. Ich fand´s interessant zu erfahren, wie die Kühe leben und sich der Biohof vom konventionellen Hof unterscheidet
01.08.2014
Gluehwuermchen hat geschrieben:
@Tigerlein und Co.: Geht nicht immer davon aus, dass biologische Landwirtschaft paradisische Bauernhofidylle ist. Klar muss sich in der Landwirtschaft noch viel ändern. Aber ich finde es auch nicht gut, immer auf den Negativbeispielen rumzuhacken, denn es gibtsehr viele Positivbeispiele. Z.B. Demeterkühe, die ihre Hörner behalten oder versuche zu muttergebundener Kälberaufzucht. Wenn es euch dann immer noch nicht ethisch genug ist, kann ich nur dringend emfehlen keine Milchprodukte mehr zu kaufen. Von mit dem Finger draufzeigen und eine gute Sache (jedenfalls Ecken besser als konventionelle Landwirtschaft) bemäkeln, weil sie nicht perfekt ist, wird sich nichts zum Besseren hin ändern...
29.07.2014
daydreamer hat geschrieben:
Dein Bericht ist wirklich sehr gut! Danke!
Gibt es vielleicht die Möglichkeit, dass die Kälber etwas später von ihren Mamis getrennt werden?
Ich habe selbst einen (glaube ich) eher konventionellen Betireb kennen gelernt, der auch Schalchttiere "stellt"... Dort wurde ein Kälbchen nach 2 Tagen(!!!!!!!) dem Schlachter gebracht!
Mir tun die Tiere so leid! Vor allen Dingen ist es den meisten, im Gegensatz zu Herrn Bischoff, Bauern egal, was mit den Tieren passiert, wie ihr Seelenleben aussieht usw.
23.07.2014
FranziWWF hat geschrieben:
Toller Bericht! :)
Dennoch finde ich es extremst schlimm, einer Mutterkuh ihr Kalb wegzunehmen. Ob es dem Bauern auch weh tut oder es ihm egal ist - ich finde es trotzdem mies..:c
23.07.2014
Carina hat geschrieben:
Ein schöner Bericht! Vielen Dank dafür.
22.07.2014
Tigerlein hat geschrieben:
http://www.bio-wahrheit.de/inhalt/kuh.htm

-> interessante Wahrheiten über "bio"
___________________

trotzdem ein sehr schön formulierter und ausführlicher Bericht - Danke! :)
Login
E-Mail


Passwort


Kostenlos registrieren
Mitglied werden
Könnte dir auch gefallen
Vegan - Da haben wir den Salat! Kürbiscremesuppe und Apfel-Walnuss-Muffins
Vegan - Da haben wir den Sa...
Es wird schon um sieben Uhr dunkel draußen, morgens hängt Nebel über den Felder... weiter lesen
Jetzt kannst du einmachen!
Jetzt kannst du einmachen!
Viel leckerer als die Supermarktvariante, und außerdem 100% dein eigenes Bio-Produkt: sel... weiter lesen
Vegan - Da haben wir den Salat! Arabischer Kichererbseneintopf und himmlisches Bananenbrot
Vegan - Da haben wir den Sa...
Es ist nicht immer leicht, im Alltag vegan zu essen. In vielen Schulmensen gibt es keine vegan... weiter lesen
Projekttag am Gymnasium St. Georgen
Projekttag am Gymnasium St....
Eine engagierte Lehrerin des Gymnasiums St. Georgen hatte beim WWF angefragt, ob  jemand ... weiter lesen
Vegan- Da haben wir den Salat!-Sommerlicher Rosensirup und saftiger Brombeer-Streuselkuchen!
Vegan- Da haben wir den Sal...
Vegan zu Leben ist eine Entscheidung für sich selbst. Viele Menschen können zum Beispi... weiter lesen
Deine Ansprechpartner
Marcel
Marcel Gluschak
WWF Jugend Community Manager
zum Profil
Luise
Luise Neßler
WWF Jugend Community Moderatorin
zum Profil
MarcelB
Marcel Brüssow
WWF Jugend Redaktion
zum Profil
Ronja96
Ronja Post
WWF Jugend Aktionsteamer
zum Profil
HannahFee
Hannah Fesseler
hilft dir bei technischen Fragen
zum Profil
AndreaRentschler
Andrea Rentschler
hilft dir bei Fragen zur WWF Jugend Mitgliedschaft
zum Profil
NicoleB
Nicole Barth
hilft dir bei Fragen rund um die WWF Jugend Camps
zum Profil