Deine Umwelt dankt es dir!


Du bist,


was du isst!


© WWF
Warum wir uns engagieren (müssen)


von MarcelB
16.05.2016
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Tags: Engagement

„Lieber Phil,


Dein Vater und ich wünschen dir alles Gute zum 23. Geburtstag! Wir hoffen du bist an deinem neuen Arbeitsplatz gut angekommen und konntest schnell neue Kontakte knüpfen. 2 Monate haben wir uns schon nicht mehr gesehen, wie ist es dir in dieser Zeit ergangen?


Ich erinnere mich noch als wäre es gestern gewesen, wie du deinen 12. Geburtstag gefeiert hast. Bei Onkel Karl auf dem Biohof. Alle deine Freunde aus dem Dorf waren da. Ihr wart auf der Strohhüpfburg, habt ein Wettrennen in Schubkarren gemacht und versucht die kleinen Ferkel einzufangen… Ein wirklich toller Tag.


Wir drücken dich fest,


Papa & Mama“

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„Hey Mama und Papa,


Ja, ich vermisse die Zeit auf dem Land sehr. Mittlerweile habe ich mich hier auf der Bohrinsel gut eingelebt. Ich teile mir meine Kajüte mit Frederik, er ist Elektriker. Wir sehen uns aber nie, da er nachts und ich tagsüber arbeite.


Es ist aufregend auf einer Bohrinsel zu arbeiten. Wir bohren in eine 7,5 Km tiefe Gasblase auf die ein 400-facher atmosphärischer Druck steht. Trotz Sicherheitsbelehrungen und Rauchverbot fühle ich mich hier dennoch manchmal unsicher. Es ist und bleibt eben ein sehr gefährlicher Ort für Mensch, Tier und Natur.


Die Crew ist sehr vielfältig. Hier arbeiten sehr viele Briten, Holländer und Russen. Viele machen den Job hier draußen nur, weil er sehr lukrativ ist. Letzte Woche zum Beispiel kamen neue Mechaniker. Während der Mittagspause bin ich mit einem näher ins Gespräch gekommen. Ich erzählte ihm, dass ich vorher ehrenamtlich gegen Lebensmittelverschwendung gekocht habe. Thomas, der neue Mechaniker aus Norwegen, erwiderte jedoch nur „ich bin lieber hartarbeitender Ölarbeiter, als arbeitsloser Klimaschützer“.


Die Leitung hier schreibt uns vor jeden Tag mindestens zwei verschiedene Fleischgerichte und ein Fischgericht zu kochen. Die Gemüsebeilagen sind leider nur aus Tiefkühlkost und meistens sehr einseitig. Aber ich versuche trotzdem mein Bestes zu geben und immer eine leckere vegetarische Alternative für die Crew zu kochen. Wer weiß, vielleicht schaffe ich es ja irgendwann einen Veggie-Day einzuführen.


Euer Phil.“

 

*****************

Ist es falsch, dass Phil in der Öl-Branche arbeitet? Hätte er lieber einen Job in einem Ökobetrieb annehmen sollen? Oder ist es gerade richtig mal die Mauern zu durchbrechen und auf der „bösen“ Seite für mehr Nachhaltigkeit – wenn auch mit kleiner Wirkung – zu kämpfen?


Wir gestalten die Zukunft. Wir müssen uns aber dabei als Netzwerker verstehen und unser Wissen und unsere Motivation gerade dort einsetzen wo besonders hohe soziale und ökologische Probleme bestehen. Und auch wenn dieser Briefwechsel nur eine fiktive Geschichte ist, so arbeitet Phil hart an vorderster Front und versucht das Bewusstsein der Menschen stetig zu verändern – denn wenn nicht wir es tun, tut es wahrscheinlich keiner. 

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Kommentare (6)
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02.06.2016
Anais hat geschrieben:
Also wenn man es mit sich vereinen kann, dann spricht sicherlich nicht viel dagegen sich als Koch zu probieren. Aber wie hier in den Kommentaren schon erwähnt halte ich es für sinnvoller seine Zeit in andere Projekte zu investieren und würde damit sicherlich mehr bezwecken. Denke, wenn man auf einer Ölplattform arbeitet, ist die vorrangige Motivation eher Geld zu verdienen. Was widerum jeder für sich entscheiden muss. Aber die Angestellten bei Nestlé sind dort vermutlich auch eher um ihrer Tätigkeit nachzugehen, als eine Revolution von unten zu bewirken - man Ausnahmen geben, die sich bemühen Insider-Informationen zu beschaffen und so Skandale aufzudecken. Aber so cool es ist einen Veggie-Day einzuführen ist es bei den genannten Branchen meiner Meinung nach ein Tropfen auf dem heißen Stein und bedürfte viel eher ein Umdenken. Und das erreicht man nicht, indem man jemandem vegetarisches Essen hinstellt. Also das kann ein Anfang sein - Freunde mal zum Essen einzuladen ist sicherlich eine gute Idee, um sie dazu bekommen es mal auszuprobieren und Abneigungen abzulegen. Aber sollte dann nicht auch ein Dialog folgen? Wie kommt man zu dem Entschluss, dass man das System hinterfragen sollte nur weil man einmal die Woche bisschen Gemüse isst (und dann auch noch Tiefkühlkost - so kriegt man die Arbeiter ganz sicher überzeugt :D). Also versteht mich bloß nicht falsch. Ich finde es super, wenn ein Angestellter einer Ölplattform versuchen würde einen Veggie-Day einzuführen. Aber wenn das der einzige Grund ist, warum man dort arbeitet, dann ist man vielleicht fehl am Platz.

Aber prinzipiell würde ich dir zustimmen, dass es wichtig ist sich als Netzwerker, bzw. Multiplikator zu verstehen und insbesondere auch auf Menschen zuzugehen, die vielleicht wenig mit Umwelt am Hut haben und auf die Dringlichkeit hinzuweisen, ohne jemanden auf persönlicher Ebene zu nah zu treten :))
18.05.2016
GreenLulu hat geschrieben:
Danke, dass du die wichtige Frage: ,,Wo sollten wir uns engagieren?" stellst. In diesen fiktiven Briefen ist dieses Thema sehr anschaulich beschrieben. Also wenn ich Phil wäre, könnte ich diesen Job nicht machen. Ich hätte das Gefühl, die falschen Leute zu unterstützen. Wichtig finde ich, dass wir effektiv handeln. Also, dass wir gucken, wo und wie wir möglichst viel erreichen können. Vielleicht schafft Phil es, einen Veggie Day einzuführen. Aber mehrere Jahre meines Arbeitslebens dafür aufzuwenden, eine Gruppe von Ölarbeitern von einem Veggie-Day zu überzeugen, halte ich für nicht sonderlich effektiv. Doch wenn Phil so etwas gerne tun möchte, ist seine Entscheidung völlig zu akzeptieren. Als Koch kann er aber bestimmt an einer anderen Stelle mehr bewirken. Wenn er in einem Ökobetrieb arbeiten würde, könnte er z.B. Projekte mitorgansieren, in denen Schulklassen vegane Kochkurse angeboten werden und Vieles mehr. Damit könnte er viel mehr Menschen erreichen. Zusätzlich schafft er durch solche Projekte Arbeitsplätze im Ökobetrieb.
18.05.2016
Wasserjunge hat geschrieben:
Interessante Perspektive!
Ein sehr zwei-schneidiges Blatt... Einerseits arbeitet er aus Motivation etwas auf der Bohrinsel zu verändern, andererseits unterstützt er damit den Betreiber der Bohrinsel. Jetzt könnte man zwar sagen, dass dieser dann jemand anderes eingestellt hätte, jedoch ist das jetzt eher eine Sache der Sichtweise. :D
Ich denke er handelt richtig. Er engagiert sich für seine Überzeugung etwas verändern zu wollen, auch wenn es nur ein kleiner Teil im großen Ganzen ist - irgendwo muss man eben anfangen und das tut er.
Bei Nestlé gibt es eben auch "Umweltschützer" die sich für eine nachhaltigere Produktion einsetzen, auch wenn man diese nicht als klassische Nestlé-Arbeiter im Kopf hat. Vllt. kann dieser eine Mitarbeiter irgendwann das ganze Unternehmen überzeugen nachhaltig zu wirtschaften, natürlich mit viel Nachdruck von außen! ;p
17.05.2016
Buchenblatt hat geschrieben:
Interessante Perspektive! Ich weiß nicht, welches Verhalten in diesem Fall richtig ist. Fest steht, dass der Spagat den Bill da leisten müsste sehr groß und wahrscheinlich auch belastend für ihn wäre.
17.05.2016
Stracca hat geschrieben:
Denn wenn nicht wir es tun, tut es wahrscheinlich keiner. - ein fantastischer Satz
16.05.2016
GiuliaMag hat geschrieben:
Cool, das ganze in einen Brief zu verpacken!
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