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Warum sieht das Gemüse einer Sorte immer so perfekt gleich aus?


von johannesS
31.07.2015
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Jeder kennt dieses Bild: Man läuft durch die Supermarktregale der Gemüseabteilung und alle Gemüse einer Gemüsesorte sehen irgendwie alle gleich aus. Wer zu Hause selbst Gemüse anbaut weiß, dass das eigentlich nicht so ist.

Wenn ich durch unseren Garten laufe und mir beispielsweise die Zucchinis anschaue, sind diese mal kleiner mal größer. Im Supermarktregal haben sie meist immer die selbe Größe. Warum ist das so?

Die Antwort lautet: Hybridsaatgut. In Deutschland beträgt der Anteil der Hybridsorten ca. 70 Prozent der Gemüsearten. Also scheinen diese Hybridsamen ganz schön beliebt zu sein. Aber wieso? Und was ist das eigentlich,- Hybridsamen?

Um dies zu verstehen, schauen wir uns erst einmal an, wie die normale Samenzucht funktioniert: Über die letzten Hunderte von Jahren war es üblich einen Teil der geerntetenFrüchteaufzubewahren und aus diesen dann wiederum Samen zu gewinnen, die dann für den Anbau der nächsten Generation verwendet werden können. Um diese Anbauart realisieren zu können, werden sogenannte „samenfeste Sorten“ benötigt. Also diejenigen Pflanzen, aus denen sich wieder Samen gewinnen lassen.

Hybridsamen sind spezielle Samen, die aus der Kreuzung von Inzuchtlinien entstehen. Es wird hierbei darauf geachtet, dass immer nur das „beste“ Merkmal des jeweiligen Samens weitergegeben wird (Hybride = Mischlinge). Durch die schlussendliche Kreuzung werden dann die isolierten Merkmale einmalig gekreuzt, sodass ein Samen entsteht, der die gewünschten Merkmale wie Geschmack, Ertrag, Fruchtgröße und Fruchtform „beinhaltet“. Für alle HobbygärtnerInnen: Hybridsaatgut ist auf der Verpackung mit F1-Saatgut gekennzeichnet. Das Kürzel „F1“ steht für die erste Generation einer Kreuzung. Auch Filialgeneration genannt (dazu gleich mehr).

Für Landwirte gibt es also verschiedene Vorteile, wenn sie Hybridsamen anstatt samenfeste Sorten anbauen:

1.    Da Hybridsamen alle „guten“ Eigenschaften enthalten (aufgrund der Kreuzung – siehe oben), liefern sie maximalen Ertrag. Meist bis zu 30 Prozent mehr als durch die Zucht mit „samenfesten Sorten“ erzielt werden würde.
2.    Des weiteren sehen das Gemüse der Hybridsamen auch noch um einiges besser aus (immer gleiche Größe): Die Kunden kaufen natürlich eher dieses „perfekt“ aussehendes Gemüse. Hierdurch steigt auch der Gewinn der Landwirte.

Auf den ersten Blick sieht doch dann alles wirklich super aus, oder? Schauen wir uns nun mal die Nachteile der Hybridsamenzucht an. Weiter oben habe ich angemerkt, dass Hybridsaatgut mit dem Kürzel „F1“ gekennzeichnet wird, dass wiederum für Filialgeneration oder Nachkommgeneration steht. Das heißt, dass sie keinen „Bestand“ haben: Wenn man aus Pflanzen, die aus Hybridsamen entstanden sind, wieder neue Pflanzen ziehen würde, würden die einheitlichen Informationen verloren gehen und es würden höchst unterschiedliche Pflanzenformen (Qualität sinkt rapide) entstehen.

Um nämlich wieder an die Hochleistungssamen zu gelangen muss wieder eine Kreuzung der Inzuchtlinien (siehe weiter oben) vorgenommen werden. Diese sogenannten Elternlinien halten die großen Saatguthersteller natürlich geheim. Die Folge ist, dass sich das Hybridsaatgut nur einmalig aus-säen lässt. Der Landwirt muss also jede Saison wieder neue Pflanzensamen kaufen.

Bio und Hybridsaatgut,- passt das zusammen? Fakt ist, dass es nicht verboten ist, Gemüse aus Hybridsamen unter dem Bio-Siegel zu verkaufen. Einzig sogenannte CMS-Hybride dürfen nicht mit dem Bio-Siegel verkauft werden. Diese Methode der Hybridsamenerzeugung nutzt nämlich auch Verfahren, die aus der Gentechnik stammen. Hierbei werden Pflanzeneigenschaften von unterschiedlichen Pflanzen miteinander „gekreuzt“.

Im übrigen besteht keine Kennzeichungspflicht für Gemüse aus Hybridsaatgut. Was haltet ihr von Hybridsaatgut?

Ich werde nach den Ferien auch nochmal ein Bericht zu der „grünen Revolution“ schreiben und hier erklären, was das mit Hybridsamen zu tun hat.

 

Quellen (Abrufdatum: 31. Juli 2015):

http://www.tinto.de/tipps/hybridsamen-hui-oder-pfui/

http://www.worldsoffood.de/specials/was-isst-deutschland/item/2179-fluch-und-segen-hybridsamen.html

https://www.welt-sichten.org/artikel/2967/die-kehrseiten-der-gruenen-revolution

http://www.vielfalterleben.info/samenfeste-sorten-versus-hybridsorten/

http://schrotundkorn.de/ernaehrung/lesen/sk0202e4.html

http://www.kultursaat.org/uploads/tx_news/biohandel08.pdf

https://de.wikipedia.org/wiki/Heterosis-Effekt

 

Titelbild ist von mir :D

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Kommentare (3)
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Sortieren nach Aktualität:
02.08.2015
BlueLikeTheSky hat geschrieben:
Interessanter Bericht! Ich würde nicht unbedingt gerne Gemüse aus Hybridsaatgut essen, irgendwie hört sich das widersprüchlich der Natur an :D Außerdem ist es bestimmt auch etwas umweltschädlicher, weil diese umständliche, auf Perfektheit ausgelegte Zucht der Hybridsamen notwendig ist im Gegensatz zur normalen, Ungereimtheiten akzeptierenden Samenzucht, oder?
Ich fände es zumindest schöner und angenehmer, wenn es eine Kennzeichnungspflicht gäbe ;)
01.08.2015
johannesS hat geschrieben:
@LaLoba: Also für die Gesundheit ist es denke ich mal nicht schädlich,- aber ohne Langzeittests kann man nichts sagen :D

Ein großes Problem ist aber, dass durch das Hybridsaatgut die Artenvielfalt gemindert wird. Die natürliche Auslese wird gemindert,- da ja diese "Hybridpflanzen" nur eine Generation leben. Eine Weiterentwicklung, wie zum Beispiel eine Anpassung an neue Klimagegebenheiten, ist nur mit den Elternlinien (Labor) möglich :D
31.07.2015
LaLoba hat geschrieben:
Das ist sehr interessant. Die Frage ist wohl, kann das Hybridsaatgut irgendwelche schädlichen Einflüsse auf unsere Gesundheit oder die Umwelt haben? Wenn nicht wäre ja der einzig größere Nachteil, den du in dem Berichte erwähnst, dass die Bauern mal wieder von größeren Unternehmen abhängig sind, die ihre Macht geldgierig ausspielen. Das ist natürlich traurig. Aber wenn es sonst keinen schädlichen Einfluss hat, ist es auch nicht wirklich bedrohlich, oder?

Natürlich fühle ich mich auch wohler dabei, wenn komplett natürliche Ware auf meinem Teller landet, an der nicht irgendwelche Menschen herumgepfuscht haben. Ob das schließlich irgendwelche Langzeitfolgen hat, können wir logischerweise erst nach großer Zeit feststellen. Und dann kann es vielleicht schon zu spät sein. Aber welches Gemüse ist heute schon noch so naturbelassen ...
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