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Veganer Pfannenzauber in Aachen


von Carina
05.04.2011
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Maisschnitten mit Kräuter-Pesto-Kruste an Chicoree-Salat mit Datteln & Avocado, dazu Soja-Geschnetzeltes, oder vielleicht lieber Ingwer-Kürbis Pufferle an Wirsing-Gemüse, dazu Apfel-Chutney und ein kleines Salätchen mit einem Bananen-Cocos-Parfait als Nachtisch? Das klingt dir zu exotisch? Dann bist du beim „Pfannenzauber“ Restaurant in Aachen bestimmt nicht richtig! Denn hier wird seit der Eröffnung im September 2010 ausnahmslos veganes Essen serviert. Warum, wie das funktioniert, was die Kunden dazu sagen und vieles mehr erzählte mir die 28jährige Inhaberin Eva Schwartz in einem Interview.

Eva, bist du selbst Veganerin? Und wenn ja: Seit wann und wie kam es dazu?

Ja, ich bin selber Veganerin. Schon als junges Mädchen mit 12 oder 13 Jahren hab ich mich dazu entschieden Vegetarierin zu werden, weil mir die Tiere einfach leidtaten. Wir hatten Kaninchen zu Hause, die mein Vater geschlachtet hat, und das konnte ich überhaupt nicht vertragen. Da habe ich gemerkt, dass man auch ohne Fleisch sehr gut leben kann – und auch wenn Oma und Opa am Anfang ein bisschen komisch guckten, wurde das später auch auf Familienfeiern akzeptiert. Meine Geschwister habe ich dann auch ein bisschen damit „angesteckt“, die sind auch Vegetarier geworden und meine Mutter hat sich daran gewöhnt, dass sie entweder fleischlose Gerichte gekocht oder das Fleisch als Beilage dazu gemacht hat. Wobei ich zugeben muss, dass ich zwischendurch auch einen kleinen „Rückfall“ hatte. Und zwar habe ich einen Arbeitsplatz gehabt, wo es Kantinenessen gab. Und da gab es dann entweder warmes Essen mit Fleisch oder aber Salat, bei dem man sich meistens noch den Schinken runterpicken musste. Und da ich von Salat einfach nicht immer satt wurde, habe ich gezwungener Maßen das Fleisch mitgegessen, daraufhin aber gemerkt, dass mein Körper das überhaupt nicht mehr verträgt. Durch Zufall bin ich dann an Heilfasten gekommen und danach hat mich die Vorstellung, Fleisch zu essen, nur noch angewidert. Beim nächsten Heilfasten ist mir dann klargeworden, dass ich Milchartikel auch nicht vertragen kann. Daraufhin habe ich die weggelassen und mich noch besser gefühlt. Ich war einfach fitter als sonst. Und dann habe ich auch gemerkt, wie undramatisch es ist, darauf zu verzichten, und wie viele super gute vegane Rezepte und Produkte es gibt. Ich habe mich immer mehr mit dem Thema beschäftigt und viele Artikel über Tierschutz und Veganismus gelesen. Und dann habe ich mir die Frage gestellt, warum man überhaupt eine Kuh im Stall halten muss, die sich den ganzen Tag mit ihrem prallen Euter quält und eigentlich denkt, sie müsste ihr Kalb versorgen. Seitdem bin ich also auch überzeugte Veganerin und ernähre mich nicht nur so, weil es meinem Körper guttut.

Wie kamst du auf die Idee, ein veganes Restaurant zu eröffnen?

Das Erlebnis, dass ich auf dieser einen Arbeitsstelle gemacht habe, war sicher auch ausschlaggebend dafür. Ich wollte neue Möglichkeiten präsentieren, weil ich es furchtbar finde, dass man aufgrund des mangelnden Angebotes Sachen essen muss, die man eigentlich gar nicht verträgt. Und ich wollte in einer ungezwungenen Atmosphäre die Leute spielerisch an veganes Essen heranführen. Ich will niemanden bekehren, aber es ist schon mein Anliegen, im Gespräch mit den Leuten auf dieses Thema zu kommen und Denkanstöße zu geben.

Im „Pfannenzauber“ wird jede Woche die Speisekarte geändert. Bietet veganes Essen dafür genug Möglichkeiten?

Dazu kann ich nur sagen: Guckt euch unsere Speisekarte im Internet an! Wir haben jeden Tag drei verschiedene Hauptgerichte, jeden Tag ein anderes Dessert und eine andere Vorspeise. Ich finde, gerade veganes Kochen öffnet alle Türen dazu, sich kreativ auszutoben, weil es nicht diese eingefahrenen Gerichte gibt, an die die Leute bestimmte Erwartungen stellen. Hier lassen sich die Kunden auf etwas Neues ein. Und bei veganem Essen gibt es sehr viel Raum für neue Ideen.

War es schwierig, einen geeigneten Koch zu finden? Oder gibt es vielleicht Köche, die sich auf veganes Essen spezialisiert haben?

Eine Ausbildung zum veganen Koch gibt es in Deutschland noch nicht. Wenn man eine Ausbildung zum Koch machen will, beinhaltet das immer auch das Verarbeiten von Fleisch und das Ausnehmen von Tieren. Die drei Leute, die hier kochen, schreckt das total ab, die würden das nie im Leben machen. Aber dafür sind sie alle absolute Kämpfernaturen. Sie sind sehr menschlich und herzlich und lieben außerdem den Umgang mit Lebensmitteln und frischem Gemüse. Und sie haben einen unglaublichen Respekt vor dem Essen, sie würden nie einfach sorglos etwas machen und den Hintergedanken haben, es nachher wegzuschmeißen, wenn es nichts wird. Was sie von vorne herein drauf hatten, war Gerichte fein abzuschmecken. Schwierig war einfach, das im Restaurant zu machen, wo teilweise acht Bestellungen gleichzeitig reinkommen. Sie sind also einfach ins kalte Wasser gestoßen worden und meistern die Aufgabe prima. Sie überlegen sich jede Woche ihre Menüs selber und können sich dann entsprechend ihrer Stärken und Vorlieben weiterentwickeln.

Wie sind die Reaktionen der Kunden?

Ein halbes Jahr bevor ich das Restaurant eröffnet habe, habe ich schon Fragebögen überall da verteilt, wo ich potentielle Gäste vermutete. Das heißt, ich hatte schon vor der Eröffnung gewissermaßen eine „eingefleischte“ Gemeinschaft von Leuten entwickelt, deren Bedürfnisse in anderen Restaurants nicht so adäquat befriedigt wurden. Auch Leute mit Allergien fühlen sich hier wohl, denn wir haben ja auch glutenfreie Gerichte. Auf der einen Seite gibt es also die Gäste, die schon lange auf so ein Restaurant in Aachen gewartet haben und auf der anderen Seite hat man immer wieder Gäste da, die viel vom Pfannenzauber gehört haben, eigentlich Fleichesser sind, aber auch mal gerne auf Fleisch verzichten oder aus Neugierde hierhin kommen. Von denen bekommen wir auch sehr viel positives Feedback, weil sie überrascht sind, was alles auf vegane Art und Weise funktioniert. Viele kommen immer wieder und werden von Mal zu Mal mutiger mit den Sachen, die sie probieren. Die „Einsteigerdroge“ ist da meistens unser Burger – ich habe wenige erlebt, denen der nicht schmeckt! Eigentlich bekommen wir sehr viel positive Reaktionen. Stammgäste, die in anderen Städten waren, bringen auch schon mal konstruktive Kritik mit, wofür wir sehr dankbar sind. Denn genauso, wie in der Küche immer eine Entwicklung stattfindet, sind wir bemüht, das ganze Konzept weiterzuentwickeln und zu verbessern.

Jetzt am Wochenende war ich auch auf einer Kunstausstellung, wo ich veganes Essen vorgestellt habe. Da war ich dann die Einzige, die überhaupt Essen angeboten hat und das hieß, die Leute mussten vegan essen. Zuerst waren einige sehr zögerlich, aber nachher haben alle von uns gegessen – auch die anderen Aussteller – und am Ende hatte jeder einen „Pfannenzauber“-Suppentopf in der Hand und sie haben sich gegenseitig erstaunt angeguckt, weil sie so begeistert waren von unserem Essen.

Könntest du dir vorstellen, dass in der Gesellschaft ein Umdenken stattfindet und es in Zukunft mehr Nachfrage nach veganen Restaurants geben wird?

Ja, da bin ich ziemlich sicher. Veganes Essen ist zwar sicher nicht für jeden das Richtige, aber trotzdem denke ich, dass unsere Gesellschaft offener wird für Neues und dass es in Zukunft mehr vegane Restaurants geben wird. Das sieht man auch an Großstädten oder an den USA, da gilt es mittlerweile schon als schick, vegan zu essen. Da gibt es sogar Konditoreien, die sich auf vegane Cupcakes spezialisiert haben und sich wunderbar halten. Ich denke, das hat viel mit dem Gesundheitsbewusstsein der Menschen zu tun und mit ihrer Neugierde, aber auch mit einem wachsenden Interesse an Tierschutz.

 

Und hier geht es zur Homepage des "Pfannenzauber"-Restaurants: www.pfannenzauber-aachen.de/Pfannenzauber-Aachen/Start.html

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Kommentare (11)
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Sortieren nach Aktualität:
17.06.2011
Sophun hat geschrieben:
In München gibt es auch ne vegane Konditorei! Ist aber auch dementsprechend teuer...
In Stuttgart gibts auch so nen veganes restaurant, da muss ich noch unbedingt vorbeischaun ;) ist eig nur super die idee! etwas besseres kommt für die natur nicht infrage ;)
06.04.2011
Alexbeppo hat geschrieben:
Wow toller Bericht! Schade, dass ich nicht in Aachen wohn...
Ach ja, für alle die selber Vegan kochen wollen:
Ich war mal vier Monate in San Fransico und dort gibt es ein Lokal, welches Cafe´ Gratitude heißt. Dort kochen sie nur vegan, bio und alles ist ohne künstlichen Zusätzen, Weizen, Soyabohnen und Erdnüssen zubereitet, da viele Leute wohl gegen Letzteres Allergien haben. Dazu noch wird alles roh serviert.
Als ich einmal da war hab ich mir das Kochbuch zu deren Menü gekauft um meine Lieblingsretzepte nachzukochen und ich muss sagen: Mir schmeckt es verdammt gut!
05.04.2011
Xenia hat geschrieben:
Hui das ist ja kuhli! Die Gerichte klingen auch echt interessant. Bei mir in der Nähe sollte auch mal solch ein Restaurant öffnen;]
05.04.2011
gelöschter User hat geschrieben:
wirklich gute idee! das klingt echt lecken ;)
05.04.2011
Gluehwuermchen hat geschrieben:
Toll. Toller noch, wenn es bio wäre. Dann würde ich auch mal kommen :-)
05.04.2011
kartoffel hat geschrieben:
wie cool!!da muss ich auch hin=D =D
05.04.2011
Carphunter hat geschrieben:
sehr schönes Interview, vielen dank!
falls ich mal in aachen sein sollte, weiss ich ja jetzt, wo ich essen gehe^^
05.04.2011
Nivis hat geschrieben:
Toller Artikel und toller Tip. Wenn ich mal in die Nähe kommen, dann werde ich dort auf jeden Fall hingehen :)
05.04.2011
Janine hat geschrieben:
Cooles Interview! Ich habe richtig Appetit bekommen! :o) "Eingefleischte Gemeinschaft" finde ich gut :D
05.04.2011
Stoffie hat geschrieben:
tolle sache! ich sollte mal meine eltern überreden dort zu essen wenn wir mal nach aachen fahren! danke für den tipp!
05.04.2011
Marcel hat geschrieben:
Wow, das klingt lecker!!! Danke für das schöne Interview!
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