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Und die Moral...


von GreenWitch
19.05.2014
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 ...der Fleischesser ist dem Untergang geweiht.

So zumindest laut der Zeitschrift "Der Spiegel". In diesem ist nämlich in der aktuellen Ausgabe, die heute ankam ein einseitiger Artikel über eine neue wissenschaftiche Studie.

Jeder kennt das: man hat ein Haustier, z.B.: ein Kaninchen oder Hühner, gibt im Namen und sorgt dafür... Bis die Eltern mit dem Schlachterbeil kommen. Dann ist das Gejammer groß und man will auf keinen Fall etwas davon essen. Denken wir nur an die Szene aus dem Film "Das Wunder von Bern". Deshalb ist für Bauernhofkinder die goldene Regel oft "Keine Freundschaften mit dem Nutzvieh". Genau hier liegt das Problem.

Einerseits gibt es kaum jemanden, der Tiere nicht liebt, gerade so knuddelige wie Schweinchen oder Hasen. Andererseits will keiner auf seinen Braten verzichten. Dieses sogenannte "Fleisch-Paradox" ist das neue Baby der Wissenschaftler.

Ist es Liebe, die (Nutz-)tier und Mensch verbindet? Der vom "Spiegel" zitierte Sozialpsychologe Gordon Hodson sagt Nein. Er vergleicht die Beziehung zwischen Mensch und Tier mit der Beziehung eines Striplokalbesitzers zu seinen Tänzerinnen. Es existiert eine gewisse Zuneigung, was ihn aber nicht davon abhält sie auszunutzen. 

Um dieses Paradox zu verstehen, machten sich die Wissenschaftler daran eine repräsentative Studie zu entwickeln. Das Ergebnis: "Das Essen von Tieren verringert aktiv die moralischen Bedenken". Die fleischessenden Probanden konnten "ihre Tierliebe an- und ausknipsen, wie einen Lichtschalter."

Bei einem der Tests zeigte man den Probanden ein Bild eines Baumkängurus.

 

Ist doch süß, oder?!

In zwei Gruppen mussten die Leute nun die moralischen Rechte des Baumkängurus einschätzen. Nur einer von zwei Gruppen hatte man jedoch vorher mitgeteilt, dass dieses niedliche Tier als Delikatesse bei Feinschmeckern gilt. Interessanterweise bewertete genau diese Gruppe die Rechte des Tieres als geringer, als die Gruppe, die nur mit ein paar allgemeinen Infos ausgestattet worden waren.

Die Folgerung:  "Die bloße Einschätzung eines Tieres als Nahrungsquelle führt offenbar dazu, dass seine moralischen Rechte ausgeblendet werden", so der Psychologe Steve Loughnan. Auch in einer weiteren Studie, indem den Probanden ein Bild mit Kuh und Schaf auf einer Wiese gezeigt wurde, bestätigte sich diese These. Die Bildunterschrift einer Gruppe besagte, dass die Kuh zum Schlachter müsse, das Schaf auf der Wiese weiterleben dürfe. In Gruppe zwei waren die Rollen vertauscht. Auch hier wurde das Tier, dass als potenzielle Nahrungsquelle markiert wurde jeweils niedriger in Schmerzempfinden, moralische Antastbarkeit und weniger schützenswert eingestuft. Fazit: "Interessanterweise sind die Leute rasch bereit, Schlachttieren Gemüt und Verstand abzusprechen".

Warum? Es scheint eine Art Schutzmechanismus zu sein, um den eigenen Fleischkonsum rechtfertigen zu können. Wer sich selbst überzeugt, dass das Schnitzel nicht gelitten hat, kann guten Gewissens reinbeißen. Die Folgerung des Gehirns ist ein Paradoxon: "Ich esse dieses Fleisch, also kann das Tier keinen Verstand besessen haben, auch kein Gefühl, denn sonst würde ich es ja nicht essen". So kann man die moralischen Bedenken problemlos umgehen.

Und was bedeutet das jetzt konkret? Für die Fleischesser: Gar nichts. Ihr könnt weiter eure Rouladen essen. Euer Gehirn wird euch vor allen Bedenken bewahren. 

Für die Vegetarier wie mich bedeutet es aber folgendes: wir können uns ab jetzt eine Menge Arbeit sparen. Missionarsversuche und Bedenken sähen...alles ist umsonst. Unsere Zielgruppe wird nicht auf uns hören. Uns bleibt nichts, als zu hoffen, dass doch mal moralische Bedenken durchkommen.

Bevor ich diesen Artikel beende möchte ich aber noch betonen: Ich bin übezeugte (Ovo-Lacto-)Vegetarierin. Ich habe diesen Artikel geschrieben, weil ich die Studie interessant fand und Aufmerksamkeit darauf lenken wollte. Was ich nicht möchte ist eine "Unsere-Lebenseinstellung-ist-besser-Schlammschlacht" in den Kommentaren, wie es erfahrungsgemäß (auch in anderen Foren) schnell passiert. Jeder soll selbst entscheiden, wie er leben möchte und niemandem seine Meinug aufdrücken. Lasst euch die Infos durch den Kopf gehen, erzählt euren Freunden davon und lasst jeden selbst entscheiden.

Quelle: Der Spiegel, Nr. 21/19.05.2014 Artikel "Kann es Liebe sein?"

Bildquelle: http://www.wz-newsline.de/lokales/krefeld/neues-zuhause-fuer-die-baumkaengurus-1.247449

 

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Kommentare (20)
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22.09.2014
Ria2000 hat geschrieben:
Hey, ich bin auch seit ein paar Monaten Vegetarier, und irgendwie regt es mich immer auf, wenn selbst meine Familie das nicht akzeptiert. Immer die Fragen: " Warum isst du denn kein Fleisch mehr? Das Tier hat doch nicht groß gelitten!!" Ich muss mich dann immer erst rechtfertigen, warum ich Veggie bin! Nervig! Ich verstehe nicht, wie man die Gedanken einfach abstellen kann, wenn man Fleisch isst, die Gedanken daran, dass ein Tier für dich gelitten hat!
Also, ich finds ja okay, wenn andere Fleisch essen, aber es nervt total, wenn dann nicht akzeptieert wird, dass ich eben kein Fleisch esse!
28.05.2014
Line hat geschrieben:
ich hatte in letzter zeit auch des öffteren diskussionen über fleischkonsum und ich muss auch sagen dass ich noch nicht sehr lange vegetarisch esse.
so wie ich das sehe gibt es schon die sorte mensch, die ihre gedanken an das tier beim essen einfach ausstellen oder darüber hiinwegsehen können und eben solche(wie mich zb) die das nicht können. ich hatte mit ein paar komilitonen beim mittagessen (2 hatten gerade hähnchen) letzte woche eine diskussion. wenn ich das bevor ich vegetarierin gewoerden bin gehabt hätte, zumal wir recht oft bezug auf das tier auf deren teller genommen haben, wäre mir total schlecht geworden und ich hätte keinen bissen mehr runterbekommen. sie haben allesdings unbehelligt weiter gegessen. ich will damit keinesfalls sagen dass die diskussion unnütz war oder so. ich glaube es gibt da aber doch einfach ein anderes auffassen. manche können moraliische bedenken, ob bewusst oder unbewusst, meineserachtens schon leichter abschalten als andere.
27.05.2014
Anais hat geschrieben:
Ich denke das wäre zwar ein Grund dafür, warum es so schwer fällt andere davon zu überzeugen auf Fleisch zu verzichten, aber deshalb ist der Versuch meiner Meinung nach trotzdem nicht umsonst. Ich denke, dass es durchaus eine sehr starke Wirkung auf andere hat, wenn man einen alternativen Lebensstil vorlebt, da sie sich dadurch vor Augen führen, dass ihre Ernährung anders ist und sich fragen müssen, ob das angemessen ist. Natürlich lässt sich leicht drüber hinweg sehen, aber mit Anstieg der Vegetarier steigt auch das schlechte Gewissen ;-)
22.05.2014
Nick97 hat geschrieben:
wenn der felischkonsum in den schwellenländern auf ein niveau steigt wie in den industriestaaten, dann wir es entweder bald ernsthafte konkurenz um das fleisch geben oder massenhaft mehr fleischbetriebe und somit auch nachfrage nach futtermitteln wie soja. dadurch wird noch mehr regenwald abgeholzt. also sehr wenig oder gar kein flöeisch essen sonst können spätestens eure enkel keinen regenwald mehr besichten wenn die schutzauflagen so locker bleiben wie jetzt
21.05.2014
gelöschter User hat geschrieben:
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Fleischesser am ehesten darüber nachdenken, weniger oder gar kein Fleisch mehr zu essen, wenn sie nicht mehr verleumden können, dass die Tiere für sie (oft auf geausamste Weise) sterben müssen - aber auch da gibt es solche und solche.
Nachdem ich beim Grunz-Mobil ausgeholfen hatte, habe ich mir ein paar Broschüren mitgenommen. Die Vegan-Broschüre fand ich zwar an einigen Stellen nicht so prall (ein wenig missionierend und veganes Hundefutter wurde angepriesen), aber es gab einen super Bericht einer Tierärztin über ihr Pflichtpraktikum in einer Schlachterei. Den habe ich meiner kleinen Schwester gegeben, weil sie Tierärztin werden wollte - jetzt ist sie erst mal Pescetarierin geworden... Meine Mama isst seitdem sie das gelesen hat auch nur noch sehr wenig Fleisch und bekommt immer mehr moralische Bedenken...
Liegt aber glaube ich auch dran, dass der Text ziemlich sachlich ist und das Fleisch-essen an sich nicht schlecht macht (es macht es einem nur madig)
20.05.2014
Makanie hat geschrieben:
Ich schließe mich midori an. Ich glaube auch nicht, dass Fleischesser "Hoffnungslose Fälle" sind, deren Schutzinstinkte sie trotzdem Fleisch essen lassen. Ich denke vielmehr, dass die wenigsten Fleischesser unbewusst die toten Tiere konsumieren, dass sie es vielleicht ändern würde, wüssten sie, was die Tiere eigentlich erlebt haben.
Man kann Dinge nicht empfinden, wenn man nichts von ihnen weiß. Und viele dieser Menschen wissen vielleicht nicht, welche Ängste die Tiere durchstehen, nachdem sie(viel zu oft) kein sehr angenehmes Leben hatten.
19.05.2014
GreenWitch hat geschrieben:
@4lex Schneegans
Okay, jetzt ist klar, ich stand wohl etwas auf dem Schlauch.
Interessant wär's auf jeden Fall. Wir könnte ja mal eine zweite Studie durchführen. Oder irgendwie die Kontaktdaten der Wissenschaftler auftreiben und denen das Vorschlagen ;D
19.05.2014
GreenWitch hat geschrieben:
@ SarahU und Naturefriend: Stimmt genau. Weil es die Diskussion zu Ovos und Lactos jetzt erst in einer anderen Gruppe gab hab ich mich für die genaue Bezeichnung entschieden, um Irritationen zu vermeiden.
(http://www.wwf-jugend.de/community/group_discussion_view.php?group_id=168&grouptopic_id=2363)

@ midori: Ich werd auch nicht aufgeben zu erklären, warum ich Vegetarisch esse. Der Schlussteil mit den Folgerungen war eher ironisch gemeint. Kommt im Schriftlichen leider nie so richtig rüber. Ich bin kein Fan von Hasspredigern. Aber trotzdem kann man ja für seine Überzeugungen einstehen.
19.05.2014
4lexSchneegans hat geschrieben:
@greenWitch
Interessant wäre auch zu sehen wenn die erste Gruppe davor weiß das man weniger 'nett' zu den tieren ist wenn es essen sind und die zweite ist wie oben dargestellt. Gibt es einen großen Unterschied ? Sollte das dann in der Werbung (...) gezeigt werden wenn es eine positive Eigenschaft hat ...
19.05.2014
SarahU hat geschrieben:
@Naturfriend: Meines Wissens nach ist ein Ovo-Lacto-Vegetarier jemand, der auf Fleisch und Fisch verzichtet, aber Eier und Milchprodukte (sowie Honig) konsumiert ;)
19.05.2014
MimiAnimal hat geschrieben:
Interessanter Bericht
19.05.2014
midori hat geschrieben:
So neu ist das Ergebnis der Studie nun auch nicht ... das kann man als Vegetarier oder Veganer doch jeden Tag beobachten ;o)

Angesichts der Tatsache, dass immer mehr Menschen vegetarisch und vegan leben, möchte ich Dir gern widersprechen. Ich glaube sehr wohl, dass es einen Unterschied macht und dass wir nicht aufgeben dürfen! Viele sind einfach nur uninformiert und würden es vielleicht anders machen, wenn sie nur wüssten, wie. Es gibt immer mehr Menschen, die es sich nicht so einfach machen und über ihr Gewissen wie über Leichen gehen - im wahrsten Sinne des Wortes.

Es ist auch oft eine Frage des Begriffs. Allein die Zuschreibung des 'Nutz'tieres schreibt ihm eine Funktion, aber eben keine Rechte zu. Und daraus ergibt sich oft das Argument der Omnis: "Es wird aber zum Essen gezüchtet". Sobald man das Tier aber eben persönlich kennt und ihm Namen gibt, wird das alles schwieriger und plötzlich fällt es nicht mehr so leicht, sich den Bissen Hasenbraten in den Mund zu schieben.

Menschen müssen verstehen lernen, dass Tiere leidfähige Wesen sind, über die wir nicht einfach nach Belieben verfügen dürfen. Eine meiner Lieblingskampagnen dazu gibt es von der albert-schweitzer-stiftung: http://albert-schweitzer-stiftung.de/helfen/lkw-planen

Und besonders amüsant für Menschen, die bereits vegan leben und für diejenigen, die mal um die Ecke denken möchten ;o)
http://www.ardmediathek.de/einsfestival/einsfestival/der-tatortreiniger-fleischfresser?documentId=21322996
19.05.2014
Kerstin hat geschrieben:
Danke für den tollen Bericht!
Die Studie ist total interessant und regt bestimmt einige Leser zum Nachdenken an!
19.05.2014
SarahU hat geschrieben:
Sehr interessant! :)
Danke für den Bericht!
Ich habe auch schon gemerkt, dass man Fleischesser meistens leider nicht überzeugen kann, wie viel besser der Verzicht auf tierische Produkte für Klima, Natur, Tiere,... ist.
19.05.2014
GreenWitch hat geschrieben:
@ 4lex Schneegans
Wie meinst du das konkret?
19.05.2014
LenaLuchs hat geschrieben:
Ja, diese Studie ist echt interessant, danke für den Bericht darüber... Ich finde auch, dass jeder selbst entscheiden sollte, wie er sich ernähren möchte - aber man sollte auf jeden Fall darüber nachdenken!
19.05.2014
4lexSchneegans hat geschrieben:
Sehr interessante Studie und Bericht. Was wäre wenn man erst deinen Bericht zu lesen bekommt und dann entscheidet? Gibt es große unterschiede ?
19.05.2014
AfriKaro hat geschrieben:
Hey, danke für den Bericht! Wirklich sehr interessant! Darüber musste ich auch schon oft nachdenken, warum das so ist, wie es ist....
Liebe Grüße
Karo
19.05.2014
Denis-C. hat geschrieben:
Vielen Dank für den Bericht.

Ich finde es selbst auch falsch, wenn Vegetarier mir vorgaukeln, was ich zu essen habe. Viel wichtiger ist es, allen den, die Fleisch essen, zu zeigen, wie viel gesund für sie und die Umwelt ist.
Ein entscheidenes Faktum: Geld. Meine Lösung dafür:
Wenn die Menschen genau das selbe Geld für Fleisch ausgeben wie heutzutage, dafür aber qualitativ hochwertigeres, nicht konventionell hergestelltes Fleisch kaufen, haben sie automatisch einen geringeren Fleischkonsum.

Es könnte so einfach sein ... wenn der Mensch nicht gierig wäre ;)
19.05.2014
Helen98 hat geschrieben:
Sehr interessanter Bericht. Danke dafür
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