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© WWF
Umweltsünde Monte Kali


von Gluehwuermchen
14.05.2010
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Ehrlich gesagt, bisher war er mir gar nicht bewusst: Aber es gibt ihn. 200 Meter hoch und 150 Mio Tonnen schwer, in Osthessen, mitten in Deutschland, mitten unter uns.

Seit über 100 Jahren wird dort das weiße Gold abgebaut: Kalisalz. Der meist exportierte Rohstoff Deutschlands - 12% des weltweiten Kunstdüngers stammt aus unserem Heimatland - und die Nachfrage wächst. Dünger wird heute mehr denn je gefragt; Ursache ist die steigende Bevölkerung, der steigende Hunger weltweit. Der Kaliabbau ist eine immense Umweltsünde, die zu großflächiger Naturzerstörung führt.

Das Gestein muss erst mühsam freigesprengt werden, Hochdruckbohrer fressen sich durch die harten Ablagerungen. Das Gebiet, aus dem Kalisalz abgebaut wird, entspricht dem Stadtgebiet von München und beinhaltet ein Labyrinth aus unterirdischen Stollen.

70% des abgebauten Materials sind lediglich unnützes Steinsalz, das von den anderen, brauchbaren 30% getrennt werden muss. Dies zu bewerkstelligen kostet eine Menge Energie und vor allem Unmengen von Wasser. Im Endeffekt bedeutet das 14 Mio Kubikmeter versalztes Wasser im Jahr - das entspricht dem Trinkwasserverbrauch von  einer Stadt wie München in einem Vierteljahr!

Die flüssigen Abfälle dieser Prozedur, hochkonzentrierte Salzlaugen, werden legal in die Werra entsorgt. Mittlerweile ist diese der schmutzigste Fluss Mitteleuropas.

Die Auswirkungen sind noch in Bremen spürbar und selbst in der Weser ist die Schadstoffbelastung zu hoch. 

Ulrich Braukmann von der Universität Kassel ist Wasserökologe und nimmt seit 10 Jahren Wasserproben. Oberhalb des Abwasserzuflusses stellt die Werra ein intaktes Ökosystem mit einer großen Artenvielfalt dar, unterhalb ist sie fast tot, es leben dort nur noch eigens angesiedelte Salzkrebse. Kein Wunder, denn die Werra ist dort so salzig wie die Ostsee.

Die Belastungsgrenze für die Werra liegt sage und schreibe 35 mal höher als bei allen anderen Flüssen. 35 Mal! Das muss man sich einmal vorstellen! 2500 ml pro Liter darf die Salzkonzentration betragen. Führt die Werra viel Wasser, darf die Kaliindustrie auch viel Abwasser ableiten. Mitarbeiter des Kalikonzerns prüfen regelmäßig penibel den Salzgehalt des Flusses. Aber das ändert schließlich nichts daran, dass die Grezwerte horrend sind und das schlimmste - sie sollen vorläufig auch nicht angetastet werden.

Die Auswirkungen sind nicht zu übersehen. Das ganze Gebiet leidet unter den Folgen. Und zwar nicht nur unter der Zerstörung der Natur - das Mauwerwerk der Häuser wird brüchig, Brückenpfeiler werden angefressen, sodass sie mit einer dicken Betonschicht ummantelt werden müssen. Geplant war einmal eine Pipeline, die das Salzwasser in eine andere Gegend (Nur in welche? Und da sind dann doch die gleichen Probleme?) abtransportieren sollte - der Vorschlag wurde jedoch abgelehnt.

Dabei ist es sogar nur ein Teil der Salzlauge, die in die Werra abgeleitet wird. Der andere Teil wird ca.300-400 m tief in ein Plattendolomit versenkt, ein poröses Gestein, in das mit Hochdruck das Salzwasser gepresst wird. Bisher ungefähr so viel, wie die Wassermenge des Bodensees. Das sollte angeblich eine sichere Lösung darstellen. Leider ging hier das Motto : Aus den Augen, aus dem Sinn, nicht auf.

Da die Erde sich ständig bewegt, kommt es zu Brüchen in der Dolomitplatte, die Salzlauge treibt nach oben und tritt oberhalb wieder zu Tage. 2009 wurde an einer solchen Austrittstelle die Salzkonzentration geprüft und man stellte einen Gehalt von 160 Gramm Salz pro Liter fest. Als Gegenmaßnahme versuchte man es mit Abdeckungen und Drainagen - eine erneute Messung ergab dann immerhin nur die Hälfte des Salzgehaltes.

Ein deutliches Beispiel,wie zerstörerisch diese Salzlauge ist : In einem nahegelegenen Waldgebiet platzte ein Salzrohr und die Bäume starben über Nacht!

Gefährdet ist die Trinkwasserversorgung der Region und man hofft auf das europäische Umweltrecht, das das Trinkwasser rigoros schützt und vielleicht etwas ausrichten könnte, gegen die mächtige Kaliindustrie.

Um auf die 70% unbrauchbares Steinsalz zurückzukommen: Es wird endgelagert und bildet die sogenannten Salzberge mit dem "Monte Kali" als den höchsten unter ihnen. Zu den bisherigen 150  Mio Tonnen kommen täglich 20 000 Tonnen hinzu. Der Berg wächst und wächst und die unmittelbaren Anwohner haben bereits zwei Stunden weniger Sonnenlicht, so hoch ist er schon. Das Regenwasser allein kann die Berge abtragen, dazu bräuchte es aber tausende  von Jahren. Der Regen schwemmt das Salz in den Untergrund, ins Grundwasser. Das Ergebnis: Unfruchtbarer Boden, ein toter Landstrich.

Diese Naturzerstörung wird begrüdet mit dem weltweiten Hunger und dem Erhalt von Arbeitsplätzen.

Ich war gelinde gesagt schockiert, als ich davon hörte. Diese Mengen von Dünger sind überhaupt nicht nötig( in einem weiteren Bericht werde ich näher darauf eingehen) für die Welternährung, aber sie befriedigen die Profitgier der Unternehmen und das ist es, was zu zählen scheint.

Wohnt jemand von euch in der Nähe des ,"Monte Kali" und hat eigene Erfahrungen gemacht? Euer Feedback würde mich interessieren.

 

Quellen:  ZDF Abenteuer Wissen am 17.02.2010, 21:15

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Kommentare (8)
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07.10.2010
Gluehwuermchen hat geschrieben:
@Micky: Schuldigung, aber Deinen Komentar verstehe ich echt nicht!
07.10.2010
Morgan hat geschrieben:
davon hab ich noch nie was gehört...schlimm.
07.10.2010
midori hat geschrieben:
Wer ist hier fies zu wem? :D

ps.: Deine Capslock Taste klemmt! ;)
07.10.2010
Micky hat geschrieben:
ICH WILL JA NICHT RUMMECKERN ABER DU BIST GANZ SCHON FIESS ZU MIR
17.05.2010
Nivis hat geschrieben:
Hey Glühwürmchen.
Danke, dass du uns über das Thema informiert hast. Finde das total erschreckend, vorallem die Tatsache, dass da wirklich nicht dagegen vorgegangen wird. Vorallem von den Anwohnern, die damit ja direkt umgehen müssen.
Ich glaube aber, dass die 'kleinen leute' eine große Ohnmacht empfinden, wenn es um große Konzerne oder den Staat und Politiker geht. Ich studiere Soziale Arbeit und da geht es auch oft darum...wir bekommen von allenmöglichen Dozenten gesagt, dass wir uns wehren sollen, wir sollen protestieren und Demos machen. Sie hätten das auch ständig gemacht und so weiter. Aber irgendwie hat man diese Mentalität nicht bzw. man hat irgendwo Angst, weil man nicht weiß, was es für Konsequenzen bringt.
Ich denke, dass es den Menschen dort vielleicht genauso geht. oder es ist für sie Normalität geworden, vielleicht war das dort schon so, bevor sie hingezogen sind. Sowas ist eben immer gefährlich 'Normalität'...das was normal is, hinterfrägt man nicht mehr. Und das is eben das gefährliche daran.
15.05.2010
Doro hat geschrieben:
Ohje, das klingt ja echt richtig schlimm!
Es ist doch immer wieder beängstigend, was für Macht solche Konzerne haben und was sie alles für ihren Profit tun. Menschen müssen im Schatten eines wachsenden Berges leben, Flüssen verlieren ihre Artenvielfalt, Pflanzen sterben und das Grundwasser ist auch gefährdet! Unglaublich, dass sie damit durchkommen.
15.05.2010
Gluehwuermchen hat geschrieben:
Ich habe vorher auch nichts davon gewusst - und das finde ich bedenklich. Keiner scheint es nötig zu finden, darüber zu sprechen!
15.05.2010
midori hat geschrieben:
Krass. o____Ô
Davon hab ich noch nie was gehört. Danke für den Bericht. Die Zahlen sprechen eigentlich für sich. Und es ist erschreckend, dass keiner sich verantwortlich fühlt. Würde mich aber auch wundern, wenn es anders wäre...

Ich freue mich auf den folgenden Artikel über die Düngung! :D
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