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Taste the Waste - Warum schmeißen wir unser Essen auf den Müll?


von Cedric
31.01.2012
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55 P

Am 8. September 2011 war in Deutschland Kinostart für einen neuen Dokumentarfilm: „Taste the Waste“ von Valentin Thurn. In diesem 88-minütigen Film kritisiert er die globale Lebensmittelverschwendung scharf.
So werden in Deutschland 50% aller Lebensmittel weggeworfen, das sind 15 Millionen Tonnen. Dies passiert jedoch nicht nur direkt durch den Verbraucher, sondern großteils, bevor sie uns als Kunden eines Supermarktes erreichen. Wenn wir also ein Kilogramm Kartoffeln kaufen, wurde bereits eine ähnlich große Menge an genießbaren, theoretisch auch verkaufsfähigen Kartoffeln entsorgt. Bei den meisten anderen Lebensmitteln ist es dasselbe.
Doch warum wird soviel fortgeworfen? Wer ist dafür verantwortlich? Und was sind die Folgen davon?
Verantwortlich sind zum größten Teil wir, die Konsumenten. Wir kaufen viel. Zu viel. Und was wir kaufen, muss gut sein. Ist bei einem Joghurt das Mindesthaltbarkeitsdatum in zwei Tagen erreicht, kauft ihn keiner mehr – er landet auf dem Müll. Ist in einem 6er-Pack Äpfel ein Apfel nicht perfekt, hat also beispielsweise eine kleine Druckstelle, nehmen wir stattdessen eine andere Packung. In Folge dessen stehen hinter jedem Supermarkt riesige Container mit meist noch komplett genießbaren Lebensmitteln: Noch verschweißte Gurken, die keiner gekauft hat, weil sie zu krumm sind. Oder Kopfsalat, bei dem das äußerste Blatt „unappetitlich“ aussieht; würde man dieses nach dem Kauf entfernen, wäre der Salat einwandfrei.
Genau mit diesen „Müll“-Containern beginnt der Film. Dabei werden zwei Wiener Studenten gezeigt, die sich fast ausschließlich durch gesammeltes Essen ernähren. Sie finden in den Containern so gut wie alles! Von Müslipackungen, bei denen die äußere Pappschachtel eingedrückt war, die Plastiktüte darin jedoch unversehrt, über jegliche Obst und Gemüsesorten, bis hin zu Rosensträußen. Dieses sogenannte „Containern“ ist jedoch illegal, weshalb die Container komplett umzäunt und videoüberwacht sind. Was die Stundenten aus Protest machen, ist für andere Menschen überlebenswichtig, da sie sich die Lebensmittel im Supermarkt kaum leisten können.
Dabei gibt es in den Containern durchaus genug Auswahl an Nahrungsmitteln. Es wird geschätzt, dass allein die Mengen an noch genießbarem Essen, die jährlich als „Müll“ entsorgt werden, 500.000 Lkw-Ladungen entsprechen.
Einige Supermärkte spenden die Lebensmittel, die sonst nicht mehr gekauft werden, an die Tafel oder andere vergleichbare Organisationen. Doch auch dies ist nicht mit allen Nahrungsmitteln ohne weitere Probleme möglich. Es landet also immer noch zu viel Essbares im Müll.


Die Ursache für das zu großzügige Wegwerfen ist unsere fehlende Wertschätzung für Lebensmittel. Unser Konsumverhalten findet völlig von der Realität entfernt statt. Wir wollen nur die Elite der Lebensmittel kaufen.
Ein gutes Beispiel sind die Tomaten, die in Lebensmittelmärkten oft in drei Größen angeboten werden. Scheinbar wachsen sie nur in Klein, Mittelgroß und Groß. Doch das ist falsch. So werden Tomaten, die eben eine Zwischengröße haben, nicht verkauft, da sie nicht in dieses Raster passen.
Aber nicht nur die Größe sondern auch die Farbe ist bei Tomaten sehr wichtig. Alle Tomaten werden nach dem Pflücken von einer Kamera gefilmt. Ein Computer ermittelt dann den Rot-Ton der Tomaten. Entspricht dieser nicht der Farbkombination, die am besten verkäuflich ist, scheiden diese Tomaten aus. Zum Glück besteht bei Tomaten jedoch immer noch die Möglichkeit, für den Markt nicht attraktive Tomaten zu Tomatensoße usw. weiter zu verarbeiten.
Ein weiterer Drehort ist ein Großhandel in Frankreich. Dort kommt gerade eine Lieferung von 8500 Kilogramm Orangen aus Spanien an. Die Orangen sind jedoch schon zu reif um noch verkauft zu werden. Sie sind keineswegs verrottet, sondern nur sehr reif und süß. Es würde dem Einzelhandel jedoch zu viele Umstände machen, sie nach einigen Tagen aus dem Regal zu sortieren, weshalb die Orangenlieferung direkt auf den Müll gerät.
Auch um die bekannte Thematik mit den krummen Gurken geht es in dem Film. Diese werden entsorgt, da die geraden Gurken besser in rechteckige Boxen passen, wodurch die Transportkosten gesenkt werden. Allerdings nicht nur die, sondern auch die Gewinne der Bauern.
Im Laufe des Filmes wird immer wieder die fehlende Wertschätzung von Lebensmitteln in Worte gefasst obwohl dies nicht dringend notwenig ist. Es reicht häufig, die eindrucksvollen Bilder zu sehen: Lastkraftwagen, die nacheinander tonnenweise Brot entsorgen. Bäckereien, die in Supermärkten Brot verkaufen, sind teilweise dazu verpflichtet, bis 18 Uhr ihr gesamtes Sortiment verfügbar zu haben. Es ist selbstverständlich, dass dabei viel nicht verkauft wird. Schließlich wollen die wenigsten Leute Brot kaufen, das einen Tag alt ist. Es landet daher auf dem Müll. Jährlich landen weltweit 500.000 Tonnen Gebäck auf dem Müll, während beispielsweise in Afrika Hungersnöte herrschen.

 

Auch über die globalen Auswirkungen unseres Verschwendungswahnes berichtet der Film. Der Anbau von Lebensmitteln ist sehr energieaufwändig und verbraucht viel Dünger. Außerdem verursacht die Landwirtschaft mehr als ein Drittel der Treibhausgase und die Müllberge, auf denen unsere weggeworfenen Lebensmittel verrotten, sind für 15% der Methanproduktion verantwortlich. Eine Halbierung des Lebensmittelmülls würde ebenso viele Klimagase vermeiden wie die Stilllegung jedes zweiten Autos weltweit.
Dabei haben wir als Verbraucher sehr viel Macht, schließlich steuern wir (zumindest teilweise) mit unserem Kaufverhalten den Markt. Der Film „Eine unbequeme Wahrheit“ von Al Gore besagt, dass die Verschwendung von Lebensmitteln ein Zeitvertreib der oberen Milliarde ist. Wenn wir, die Reichen, Essen wegwerfen, steigen weltweit die Preise dafür. Damit wird unser „Luxusproblem“ für Menschen, die ihr gesamtes Einkommen für Essen ausgeben müssen, zu einem Existenzproblem.

Doch der Film nennt nicht nur negative Beispiele, sondern zeigt auch Aufnahmen, die Hoffnung machen.
Beispielsweise haben sich in den USA örtlich einige Farmer und Verbraucher zusammengeschlossen. Die Bauern verkaufen dort jene Felderzeugnisse, die den Vorschriften des Marktes nicht entsprechen. Der Preis liegt bei 50 Cent am Tag. Die Kunden dürfen nehmen, soviel sie wollen, und zahlen dennoch nicht mehr. Es ist sowohl für die Kunden als auch für die Bauern ein Gewinn, da diese für ihre Produkte sonst gar kein Geld bekämen.

Im Film werden viele Interviews mit Handelsvertretern und Produzenten für die Vermittlung der Informationen genutzt. Durch diese Interviews und diverse Texteinblendungen wirkt er aufgelockert, wodurch auf einen belehrenden Tonfall verzichtet werden konnte. Die kurzen clipartigen Beispiele überfordern damit auch nicht das Konzentrationsvermögen des Publikums.
Besonders beeindruckend sind die Szenen, die am Ende des Filmes gezeigt werden. Eine in Frankreich lebende Kenianerin durchsucht Müllcontainer nach noch genießbaren Lebensmitteln um diese dann gratis an Hilfsbedürftige weiterzugeben. Dabei findet sie regelmäßig Nahrungsmittel aus ihrem Ursprungsland, die noch originalverpackt sind. Ihre eigenen Verwandten in Kenia ernten diese und erhalten dafür einen Hungerlohn, damit die Lebensmittel dann, nach 10.000 zurückgelegten Kilometern, hier in der westlichen Welt weggeworfen werden.

Ich habe den Film Ende Oktober im Kino gesehen und war sehr geschockt über diese gnadenlose Verschwendung von Lebensmitteln und ihre globalen Folgen. Jedoch kann ich diesen Film weiterempfehlen, da er relativ nüchtern, aber dennoch durchdringend die Botschaft vermittelt, sein eigenes Kaufverhalten zu ändern.

 Quellen:

http://www.filmstarts.de/kritiken/190215/kritik.html

http://www.sueddeutsche.de/kultur/taste-the-waste-im-kino-die-spitze-des-nahrungsberges-1.1140926

http://www.tastethewaste.com/info/film

http://www.moviemaze.de/filme/4160/taste-the-waste.html

Bilder:

http://2.bp.blogspot.com/-Cez1D8XkKNE/Tl5GRRJHcAI/AAAAAAAAAFE/iBAyMZMwm-Y/s1600/Fleischberg_Hamburg.jpg

https://www.fh-muenster.de/iup/mad/media/2011/images/src/5060_Bild_1.JPG

http://moviectrl.s3.amazonaws.com/de/files/2011/09/taste-the-waste-590.jpg?9d7bd4

 

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Kommentare (6)
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03.07.2012
louve hat geschrieben:
Ich hab den Film mit der Schule geschaut und war danach echt geschockt. Natürlich von dem Bildern und den Fakten, was mich aber auch geschockt hat, wie vielen meiner Klassenkameraden das egal war und wie langweilig sie diesen Film fanden. Das tat fast genauso weh, wie zuschauen zu müssen, wie so viele noch gute Lebensmittel einfach auf den Müll kamen.
02.02.2012
regentag hat geschrieben:
Ja, der Film ist sehr gut und eindringlich. Das ist doch einfach nur Wahnsinn! Um so mehr hat es mich gefreut, dass ich neulich in einem Bioladen auch so richtige Äpfel gesehen habe, keine perfekt grünen oder roten aus Neuseeland, sondern süße, kleine und unregelmäßige Äpfel, die verschieden groß und gefärbt sind und sogar Flecken haben dürfen. Schmecken tun sie hervorragend, es gibt also wirklich überhaupt keinen Grund, solche natürlichen und "unvollkommenen" Produkte nicht zu verkaufen. Das ist doch Irrsinn!
01.02.2012
anni95 hat geschrieben:
Ein wirklih sehenswerter Film!
01.02.2012
gelöschter User hat geschrieben:
ich wollte den film unbedingt sehen ... :D
31.01.2012
Cookie hat geschrieben:
Ein wirklich guter Bericht über einen wirklichen sehenswerten Film! Ich hab ihn ebenfalls im Kino gesehen und man kann glaub ich ziemlich sicher sagen, dass wer sich das anderthalb Stunden angeschaut hat, in Zukunft drei Mal drüber nachdenkt, bevor er Essen wegwirft! Ich versuche seither auch, meine Eltern davon abzubringen, nur das absolut makellose Obst und Gemüse und die komplett dellenfreien Schachteln zu kaufen.
31.01.2012
Viveka hat geschrieben:
toller bericht! ich versteh nicht, warum so viele menschen so viel essen wegwerfen! wenn etwas wirklich schlecht und verschimmelt ist, dann kann ich es ja verstehen, aber wenn das essen noch in ordnung ist?
die cafeteria in meiner schule verschenkt zum pausenende immer die restlichen sachen, weil sie die brötchen etc. nicht einfach wegwerfen wollen.
gibt es so einen verbund von farmern eigentlich auch in deutschland? oder zumindest so was ähnliches?
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