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Sinnlose Verschwendung Teil III - Dreh den Wasserhahn auf!


von Nivis
06.07.2010
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Wie der Titel dieses Berichtes schon vermuten lässt, widme ich mich im dritten Teil meiner Reihe „Sinnlose Verschwendungen“ dem Thema „Wasser“ zu.
Wasser ist für uns, die wir in Deutschland leben, etwas ganz Gewöhnliches. Wenn wir unsere Hände waschen wollen, gehen wir ins Bad und drehen den Hahn auf. Wenn wir Durst haben, gehen wir zum Kühlschrank und holen die Wasserflasche raus, um zu trinken.
Nun könnte man meinen, dass wir daher den Wert des Wassers nicht mehr zu schätzen wissen und verschwenderisch damit umgehen.
ABER FALSCH GEDACHT: Wir Deutschen sind Weltmeister im Wassersparen!
Andere Faktoren spielen hier eine Rolle. Faktoren, die uns jedoch ebenfalls betreffen:

Wasser wird in vielerlei Hinsicht verbraucht.
Der offensichtlichste Verbrauch ist der direkte: beim Duschen, beim Zähneputzen, beim Kochen oder beim Frühjahrsputz. Ein Bewohner Deutschlands verbraucht auf diese Weise 128 Liter pro Tag, ein Bewohner der USA 260 Liter und ein Bewohner Indiens nur 31 Liter.
In diesem Vergleich wird deutlich, dass der direkte Wasserverbrauch stark mit den Lebensstandards zusammenhängt. Je moderner das Zuhause, d.h. je besser die direkte Wasserversorgungsmöglichkeiten durch z.B. Haushaltsanschlüsse, ist, desto mehr Wasser wird verbraucht.
Der Vergleich zeigt aber auch, dass, wie oben erwähnt, Deutschland, obwohl es ein moderner Staat ist, viel dafür tut, diese Ressource zu schonen und sich weltweit als führend erweist. Mögliche Varianten wären hier z.B. Toiletten mit Spülstoppautomatik, Duschköpfe mit verschiedenen Öko-Varianten oder Waschbecken mit Infrarotsensoren.
Doch so schön dies auch ist, so ernüchternd ist die Tatsache, dass der Wasserverbrauch der privaten Haushalte weltweit nur 8 % des Gesamtverbrauchs ausmachen.


Vielmehr spielt der ‚virtuelle Verbrauch’ des Wassers eine immense Rolle.

‚Virtuelles Wasser’ ist das Wasser, was in Produkte, zu deren Herstellung, investiert wurde. Also zum Beispiel das Wasser, das man zum Gießen von Weizenfeldern benutzt hat und was dieser zum wachsen und gedeihen aufgenommen hat. Man konsumiert es sozusagen indirekt mit. Und dieses ‚virtuelle Wasser’ wird den Produkten angerechnet und durch das Konsumieren auch dem privaten Wasserverbrauch.

So nutzt ein Bewohner Deutschlands dann statt 128Liter pro Tag ganze 5.288 Liter.

Wie das sein kann?
Das werden wir uns nun anschauen:

Durch die Industrie werden weltweit 23 % des Wassers genutzt, das vorwiegend als Kühl-Löse- oder Reinigungsmittel verwendet wird. Dieser Faktor hängt sehr stark vom Industrialisierungsgrad eines Landes ab und schwankt daher massiv. So hat der industrielle Anteil in Deutschland eine 54 % hohe Belastung, in Afrika dagegen nur 5 %.
Vor allem aber hängt der Wasserverbrauch von der Branche ab.
So werden für die Herstellung einer Tonne Kunststoff 240 Tonnen Wasser gebraucht, für eine Tonne Papier hingegen schon 390 Tonnen Wasser.

 

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Den größten Teil tragen hieran aber die Fleischproduktion und die Landwirtschaft.
Mit mehr als 70% des weltweiten Wasserverbrauchs sind diese beiden Bereiche die zentralen Dreh- und Angelpunkte.
In machen Industrieländern, wie Spanien, ist der Verbrauch der Landwirtschaft fast 90% hoch, was auch der Grund dafür ist, wieso wir das ganze Jahr hinweg fast jede Sorte Obst, unabhängig von der Saison, kaufen können. Doch bei der Bewässerung dieser Mengen versickert und verdampft der Großteil des Wassers ungenutzt.
Schaut man sich den Wasserverbrauch eines Rindes an, das nicht nur säuft, sondern auch Gras frisst, welches wiederum Wasser zum Wachsen benötigt, so wird schnell klar, dass auch hier eine Menge virtuellen Wasser drinnen steckt.

o Die Produktion eines Kilogramms Rindfleisch benötigt ca. 15.000 l Wasser
o Die Produktion eines Kilogramms Mais benötigt 900 l Wasser
o Die Produktion eines Kilogramms Weizen benötigt ca. 1.100 l Wasser
o Die Produktion eines Kilogramms Sojabohnen benötigt 1.800 l Wasser
o Die Produktion eines Baumwoll-T-Shirts benötigt ca. 2.000 l Wasser
o Die Produktion eines Kilogramms Hühnereier benötigt ca. 4.500 l Wasser
o Die Produktion eines Kilogramms Reis benötigt ca. 3.000–5.000 l Wasser
o Die Produktion einer Jeans benötigt 6.000 l Wasser

 

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Ihr seht nun wie viel Wasser zur Produktion aufgebracht werden muss und wie viel wir indirekt mitkonsumieren. Aber nicht nur das allein spielt eine Rolle. Wirtschaftlich betrachtet würde man hier von ‚importiertem Wasser’ sprechen. So importieren reiche Industrienationen durch Tee, Kaffee, Kakao oder Baumwolle große Mengen virtuellen Wasser aus trocknen Ländern. Und das bedeutet, dass auch wir einen großen Anteil daran haben, dass in einigen trockenen Regionen eine Wasserknappheit vorherrscht.
Statistisch gesehen ist davon jeder dritte Mensch betroffen. Täglich sterben alleine 5.000 Kinder, da ihnen nur verschmutztes Wasser zur Verfügung steht.
Diese Entwicklung ist z.B. auch in Brasilien zu beobachten. Dort wird dem Rio Sao ständig Wasser entnommen, um die Landwirtschaft zu bewässern. Doch mit Folgen: die Wasserpegel sinken stetig, das Wasser wird verschmutzt, da Industrie ihr Abwasser ungefiltert hineinfließen lässt und das, obwohl viele Einheimische auf das Wasser dieses Flusses angewiesen sind.

Diese Feststellung stellt jeden Einzelnen in die Verantwortung:
Durch das eigene Kaufverhalten und damit durch den eigenen virtuellen Wasserverbrauch gestalten wir die Lage der trockenen Regionen mit. Je mehr Menschen sich für die Erdbeeren aus Spanien entscheiden, desto mehr Erdbeeren werden dort gepflanzt und desto mehr Wasser muss aufgebracht werden. Das heißt im Umkehrschluss, wenn mehr Menschen auf die einheimischen und saisonalen Obstsorten umschwenken würden, würde die Nachfrage an den spanischen sinken, es würden weniger angebaut werden und weniger Wasser müsste verbraucht werden.
Darüber hinaus kann man ebenfalls darauf achten, dass man Bio-Produkte kauft, die wasserschonend produziert wurden. Hierbei kann man sich an folgenden Siegeln orientieren: 

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Zum Schluss möchte ich euch noch eine 30-minütige 3sat-Dokumentation empfehlen, die genau dieses Thema behandelt und anhand mehrerer weltweiten Beispiele die Probleme und Chancen aufzeigt.


Ihr seht also, dass man über das übliche Wassersparen hinaus noch einiges dafür tun kann, dass das Wasser unserer Welt vorteilhaft genutzt wird und somit für mehr Menschen zur Verfügung stehen kann.
Jeder Einzelne zählt. Also auch du!

 

 

Quellen:

© Photodisc / WWF
© Stockbyte / WWF
http://www.oekosystem-erde.de/html/wassernutzung.html
http://www.aktiongrundwasserschutz.de/download/uni_gie_02.pdf
http://www.3sat.de/page/?source=/boerse/hintergrund/126533/index.html
http://www.wwf.de/presse/details/news/wasser_fussabdruck_deutschland_verbraucht_drei_mal_jaehrlich_den_bodensee/
http://www.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/pdf_neu/wwf_studie_wasserfussabdruck.pdf
http://de.wikipedia.org/wiki/Bio-Siegel
http://de.wikipedia.org/wiki/Virtuelles_Wasser#cite_note-Wirtschaftswoche-2
http://www.wwf-jugend.de/leben/energie-sparen/unser-wasser-fuabdruck;336

 


 

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Kommentare (6)
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Sortieren nach Aktualität:
20.07.2010
Nivis hat geschrieben:
@Schaapje und Simon: Danke :)
13.07.2010
simon hat geschrieben:
wow, toller artikel!
08.07.2010
AnnaP hat geschrieben:
Toller Bericht! Ich hätte nie gedacht dass für die Produktion von Fleisch so viel Wasser verbraucht wird! Vor allem finde ich es nicht gut, wenn dafür so viel Wasser "verschwendet" wird, während so viele Kinder gar kein oder nur verseuchtes und verschmutztes Wasser haben.
07.07.2010
Nivis hat geschrieben:
@Gluehwuermchen: Ja, den Bericht hab ich gelesen. Und fand ich echt unvorstellbar. Das zentrale Wort ist "legal". Das darf so sein, da schert sich die Politik einen Dreck drum. Aber genau das ist der Fehler, die denken nicht an das, was passiert, wenn das noch 20 Jahre so weiter geht. Und das schlimme ist, dass man dagegen so einfach was tun könnte. Für alles werden Gesetze erlassen, aber für so wichtige Dinge nicht. Und das kann doch nicht sein, oder?
07.07.2010
Gluehwuermchen hat geschrieben:
Dabei muss ich wieder an das Thema denken, über das ich auch mal einen Bericht geschrieben habe: Für die Gewinnung von Kalisalz wird unvorstellbar viel Wasser verbraucht und das schlimmste ist, dass das schmutzige Wasser dann legal in die Werra entsorgt wird und so das Grundwasser und einen ganzen Landstrich verseucht.
Irgendwas läuft da doch falsch! Irgendwann hat die Industrie den Wert unseres Grundwassers endgültig vernichtet. Und dann???
06.07.2010
Anni09 hat geschrieben:
Das ist echt unvorstellbar. 15000 Liter Wasser für ein Kilo Rinfleisch! Einfach nur Wahnsinn.

Der Gegensatz ist schon ziemlich heftig. In einigen Ländern haben die Menschen kein sauberes Trinkwasser und wir verschwenden gutes Wasser für die Toilettenspülung. Das ist einfach nicht richtig.

Danke für den Bericht :)
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