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Mysterium Hühnerei


von MaRyLoU
09.04.2012
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Eier sind Alltagslebensmittel für uns. Wir essen sie gekocht, als Rühr- und Spiegelei, benutzten sie zum Kuchenbacken und für weitere Rezepte und benutzten Eiweiß + Eigelb für viel anderes. Eier kommen vom Huhn, im Allgemeinen, das weiß jedes Kind. Natürlich werden auch Straußeneier, Schlangeneier, Vogeleier und viele weitere Eierarten gegessen. Doch bei uns ist das Hühnerei am Verbreitesten. Im Supermarkt kann man Eier in braun und weiß, in Größe M oder K, von Freilandhühnern oder Legehennen (auch wenn dann natürlich nicht auf den Packungen: „EXCLUSIV! Aus Massentierhaltung“ drauf steht) kaufen so viel man will. Doch was genau steckt hinter unseren Hühnereiern, die es IN MASSEN im Supermarkt ohne Unterlass zu kaufen gibt? Und wie ist es überhaupt möglich, dass so viele Eier verkauft werden können? Wie läuft es in der Massentierhaltung und wie in der Freilandhaltung ab? Wie lebt ein Huhn?

Von Masthühnern und Legehennen

Tatsache ist, dass es verschiedene „Hühnerarten“ gibt. Man unterscheidet im Allgemeinen zwischen Legehennen und Masthühner. Jede „Art“ hat ihren bestimmten Aufgabenbereich. Die Legehennen sollen große Mengen Eier produzieren. Für das Fleisch, vor allem Brustfleisch gibt es dann die Masthühner. Genetisch manipulierte Vögel, die ohne Medikamente nicht mehr überleben könnten. Durch die Genmanipulation stieg z.B. zwischen 1935 und 1995 das Durchschnittsgewicht eines Masthuhns um 65%. (Seine Lebensdauer bis zur Schlachtung fiel dagegen um 60%.) Jedem Huhn das seine, oder? Welcher „Hühnerart“ es besser geht, ist schwer zu sagen – Gut gehen tut es keinem wirklich.

Von Käfighaltung zu Kleingruppenhaltung

Käfighaltung ist für die Industrie sehr effektiv. Man spart Platz und Geld. Wenn ein Drittel oder mehr der Vögel drauf gehen, stört es die Betriebe nicht. Das ist von vornerein miteinkalkuliert. Seit einiger Zeit hat sich jedoch eine leichte Veränderung durchgesetzt. Ob es allerdings eine Verbesserung für die Hühner ist, ist eine Frage. Seit dem 1.Januar 2010 ist die Käfighaltung von Legehennen in Deutschland offiziell verboten worden und durch Kleingruppenhaltung ersetzt worden. In der ursprünglichen Käfighaltung hatten die Tiere einen Lebensraum von 0,055 Quadratmeter. In der Kleingruppenhaltung besitzt jedes Tier schon großartige 0,08 Quadratmeter. Was einer Platzerweiterung von ca. 5 EC-Karten entspricht. In der Käfighaltung waren 6 Tiere in einem kleinen Käfig, nun sind es mehr als dreißig Hühner in einen größeren Käfig (Stand 2010). Wie das im Verhältnis zu uns wäre? Stellt euch vor ihr seid in einem überfüllten Fahrstuhl. So voll, dass ihr euch eigentlich gar nicht bewegen könnt und teilweise sogar in die Luft gehoben und gequetscht werdet. Doch vielleicht findet ihr das sogar angenehmer, da ihr so eure Füße mal von den spitzen und kaputten Eisengittern unter euch lösen könnt. Hinzu kommt dann noch, dass sobald ihr einmal zu Boden gegangen seid, eure Lebenschance eigentlich vorbei ist. So ungefähr kann man sich das Heim eines Huhnes vor stellen.

Der Trick der vielen Eier

Wie funktioniert das mit den vielen Eiern? Mal von der Genmanipulation bei den Legehennen abgesehen. Der erste Punkt ist Antibiotika, damit die Tiere unter ihren Lebensbedingungen nicht alle verenden. Die Lösung des Rätsels ist relativ einfach: Jeder Aspekt des Hühnerlebens ist so manipuliert worden, dass die Tiere bei weniger Kosten mehr Eier produzieren können. Vor allem die normale Ordnung in der Natur wird in einem Stall manipuliert. So können die Betreiber nach Belieben, ihren eigenen Tagesablauf schaffen. Futter und Licht werden manipuliert. Die Hühnerfarmer schalten die innere Uhr bei den Tieren aus, sodass die Hühner früher und alle gleichzeitig anfangen Eier zu legen. Hierzu ein Beispiel eines Geflügelfarmers der die Situation mal beschrieben hat. Eigentlich läuft es nach ihm wie folgt ab: Geschlechtsreife weibliche Geflügel werden auf Frühling gesetzt. Zuerst kommen die Tiere in gering beleuchtet, teilweise ganz dunkle, Hallen gebracht, wo sie dann äußerst eiweißarmes Futter erhalten und fast hungern. Nach zwei, drei Wochen wird das Licht dann plötzlich 16-20 Stunden am Tag eingeschaltet, damit die Tiere denken, es ist Frühling. Hinzu bekommen sie sehr eiweißreiches Futter. Die Tiere fangen dann sofort an zu legen. Gnädiger weise bekommen die Hennen bei uns jedoch Dunkelphasen von ca. 8 Stunden und eine Dämmerphase, in der die Hühner ihre Ruhestellung einnehmen können. Das Ganze ist so eingerichtet, dass das Eierlegen nach Belieben ein und aus geschaltet werden kann. Indem Licht, Futter und Fütterzeit kontrolliert werden, kann die Industrie die Vögel zwingen, das ganze Jahr über Eier zu legen. Durch den nur anscheinend natürlichen Tages- und Nachtrhythmus sind die Hühner ständig auf Höchstleistung getrimmt. Dadurch legen Hennen zwei bis dreimal so viel wie in der freien Natur. Um die 300 Eier im Jahr pro Huhn. Lange geht es trotzdem nicht so. Nach ca. den ersten anderthalb  Lebensjahren werden sie getötet, da sie im zweiten nicht mehr so viel legen können, und es für die Industrie gewinnbringender ist, neue Vögel zu benutzen. So sieht es aus in der Massentierhaltung, obwohl die Freilandhaltung ein bisschen besser dagegen ist, ist auch sie sehr zum Nachteil und Leiden der Hühner. Übrigens: Nichtmanipulierte Hühner kommen im Winter normalerweise in die Mauser und legen daher in der Regenerationsphase weniger Eier- für die Industrie inakzeptabel in der Massentierhaltung.

Die Wahrheit hinter der hübschen Packung

Hübsche Verpackungen mit Hühnern auf einer Wiese und einem klaren blauen Himmel plus Sonne. „Aus kontrollierter ökologischer Freilandhaltung“ könnte auf der Packung stehen. Doch um die tatsächliche Anforderung der Freilandhaltung zu erfüllen, muss pro Masthuhn lediglich eine Freilauffläche von einem(!) Quadratmeter zur Verfügung stehen (Stand 20.Juni 2010). In der konventionellen Bodenhaltung für Legehennen könnten bis zu 6000 Tiere ohne räumliche Trennungen zusammen gehalten werden, solange 9 Hühner eine Nutzfläche von einem Quadratmeter zur Verfügung haben. Im Allgemeinen entsprechen die Stallvorschriften denen der Bodenhaltung und werden durch einen zusätzlichen Freilandlauf ergänzt. Man könnte das alles noch genauer Beschreiben. Doch aufgrund gewisser Umstände, kurz beschreiben als zu kleiner Ausgang (100 Zentimeter für früher 500, aufgrund „unverhältnismäßigem Aufwand“ nun 1000, Hühner), ist es den Hühner jedoch sowieso unmöglich in großer Anzahl gleichzeitig  draußen zu sein. Für ein Freilandei muss jeder Legehenne eine Freilauffläche von 4 Quadratmetern zustehen (Stand 2010). Die Bezeichnung „Biohaltung“ erhalten Eier, die mindestens die Anforderung der EG-Öko-Basisverordnung erfüllen. Dabei sind z.B. Unterbringungsvorschriften. So dürfen nicht mehr als 3000(!) Legehennen in einem Stall gehalten werden bei höchstens sechs Tieren pro Quadratmeter.

Die Lebensgeschichte eines Huhnes

Darf ich euch mal die Lebensgeschichte eines heutigen Huhnes erzählen? Ja? Dann hört gut zu…  Die erste Hürde kommt direkt nach dem Schlüpfen. Mädchen werden bevorzugt? Bei Hühnern schon. Jedes Jahr schlüpfen in Deutschland rund 40 Millionen sogenannte Gebrauchslegeküken, die für die Eierproduktion gezüchtet werden. Naturgemäß kommt auf ein weibliches Küken, ein männliches. Doch die männlichen werden für die Eierproduktion nicht gebraucht und daher getötet. Wird das Huhn also als Männchen geboren, ist das Leben sofort wieder vorbei – es endet beim Vergasen, Elektroschock oder, ich meine es ernst, beim Schreddern. Die weiblichen Hennen bleiben am Leben und legen in der Massentierhaltung unter den oben beschriebenen Umständen ihre Eier. Viele Hühner sehen in ihrem Leben nie das Tageslicht. Das tun nur die Freilandhühner- und auch dort nicht alle. Viele Vögel verletzten sich während ihres kurzen Lebens, doch behandelt werden sie nicht und sterben häufig daran. Und dann nach ca. 1 ½ Jahren werden die Hühner nicht mehr gebraucht, da sie nun weniger Eier legen würden und werden getötet und neue Hühner kommen.

Und das Ende vom Lied?

Hühner leiden für unser Frühstücksei und das ziemlich stark. Fakt ist vermutlich, dass es in der Industrie, wahrscheinlich kein Huhn gibt, welches ein wirklich glückliches Leben hat. Da wo man sich relativ sicher sei kann, richtige Bio-Eier zu kaufen, sind welche von richtigen Bauernhöfen, aus der Umgebung. Und wenn das nicht möglich ist, sollte man trotzdem noch die sogenannten „Freiland-Eier“ kaufen. Die Industrie ist auf Profit aus und das lässt sich nicht mit dem Wohl der Tiere verbinden. Wäre es nicht trotzdem besser, weniger Eier zu haben, aber dafür Leben nicht wie Dreck zu behandeln? Ich bin der Meinung, dass es viel zu viel tierisches Leid gibt, solange fast unsere gesamte Nahrung aus Massentierhaltung stammt, damit wir unser Essen günstiger bekommen…Das Schweine, Kühe und Kälber leiden, weiß eigentlich jeder. Doch das auch fast jedes Huhn so leidet ist echt krass. Vor allem, da die Hühner für unsere Eier eigentlich nicht sterben müssten. Immerhin sind es keine Masthühner….Oder?

Quellen: TIERE ESSEN - Jonathan Safran Foer (Buch von 2012) [Die Legehennenazhl ist seitdem gestiegen]

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Kommentare (9)
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09.09.2012
Himbeere hat geschrieben:
@lotte Wir auch... Ich habe die Hühner, die unsere Eier legen sogar schon "dressiert"... XD
Die können so viel rumlaufen wie sie wollen. Bioeier sind es trotzde nicht, weil sie nur Küchenabfälle essen.
06.09.2012
lotte98 hat geschrieben:
das ist alles so schlimm. zum glück bekommen wir unsere eier von dem biobauernhof bei uns in der nähe auf dem die tiere es wirklich gut haben
26.04.2012
gelöschter User hat geschrieben:
Wie schrecklich! Eigentlich möchte man überhaupt keine Eier und schon gar kein Hühnerfleisch mehr essen. Einige Menschen denken echt, dass sie sich mit anderen Lebewesen alles erlauben können! Ich will mir ja nicht mal vorstellen, in einem großen Raum eingesperrt zu sein. Und viele Hühner werden nur geboren um zu sterben...
14.04.2012
Flora212 hat geschrieben:
Ich wollt ich wär ein huhn, ich hätt nicht viel zu tun.
ich legte vormittags ein ei, und abend's wär ich frei.
Mich lockte auf der Welt, kein Ruhm mehr und kein Geld.
Und fände ich das große Los, dann fräße ich es bloß.
Ich brauchte nie mehr ins Büro. Ich wäre dämlich, aber froh.
Ich wollt', ich wär' ein Huhn, ich hätt' nicht viel zu tun,
ich legte täglich nur ein Ei und sonntags auch mal zwei.

...ist wohl nur ein Traum, aber nettes Lied ( LSternus hatts schon angesprochen. )

Gute Recherche ... danke, dass du dich so damit beschäftigt hast. Wir achten auch darauf z.b. . nur Nudeln ohne Ei zu kaufen...
leider hat nicht jeder einen Bauernhof um die ecke...
10.04.2012
Juliaaa hat geschrieben:
Nicht zu vergessen die Hähnchen, die für die Fleischproduktion sterben müssen.

Vor 2 Wochen haben wir ein Hähnchen vorm Schlachter gerettet. Von 60.000 Hähnchen hat dieses es irgendwie geschafft sich vor dem Schlachter zu verstecken :D Es war so richtig heruntergekommen und sein Federkleid war kaum noch vorhanden...Schon schrecklich, wenn man überlegt, was es durchgemacht haben muss.
09.04.2012
Taki hat geschrieben:
Wer weiß eigentlich ob zuerst das Ei da war, oder das Huhn. Waren erst die Saurier da oder erst die Eier. Waren erst die Reptielen da oder erst das Ei. Wir haben nach dem Eier Artikel mal drüber diskutiert aber kein Herpetologe und ein angemailter Ornitologe konnte uns weiter helfen. Ein Glatziologe fülte sich sogar aufs Glatteis gefürt.
09.04.2012
Maddy hat geschrieben:
Da vergeht einem richtig die Lust auf Eier. Werden die männlichen Hühner bei lebendigem Leib zerschreddert ? oO Wie krass ist das denn bitte ..
09.04.2012
Laurii hat geschrieben:
Das ist echt erschreckend. Ich dachte immer, dass Freilandhühner (zwar in größeren Gruppen) auf Wiesen mit einem Stall drauf, leben. Gut zu wissen, dass es nicht so ist.
Arme Hühnchen. Dabei sind sie so süß.
09.04.2012
LSternus hat geschrieben:
Danke für diese erschütternde Leidensgeschichte des Huhns.
300 Eier jährlich pro Huhn?! Das ist ein Haufen Holz. Ich dachte nicht dass man den Ref. des Liedes "Ich wünscht ich wär wein Huhn" so wörtlich nehmen kann.
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