Deine Umwelt dankt es dir!


Du bist,


was du isst!


© WWF
Lässt ein Herbizid Bauern und Vieh erkranken?


von Carina
26.10.2014
10
0
79 P

Seit Mitte der 90er Jahre breitet sich in Deutschland eine seltsame Krankheit aus. Immer mehr Landwirte klagen über den Verlust großer Viehherden und darüber, dass sie dieselben Symptome aufzeigen wie ihre Tiere: Seh- und Schluckstörungen, Durchfall, Verstopfung, Lähmungen, Zittern und Gelenkschmerzen. Botulismus nennt sich diese Krankheit. Einige von ihnen organisierten sich in der „Interessengemeinschaft Botulismus“. Ihr Vorsitzender, Klaus Wohldmann, schätzt, dass die Mitglieder zusammen einen zweistelligen Millionenschaden erlitten hätten. Er selbst musste seinen Hof aufgeben, nachdem 300 seiner Tiere starben. Seine komplette Familie erkrankte. „Das kann niemand nachvollziehen, der kein Bauer ist, wie einem zumute ist, wenn täglich Tiere sterben“, sagt Ullrich Kuder, Bauer aus Thoßfell im sächsischen Vogtland.

Schätzungen besagen, dass bundesweit etwa 2000 bis 9000 Höfe betroffen sind, hauptsächlich in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. Aber auch in Dänemark, USA, Kanada, Schweden, Belgien und den Niederlanden breitet sich das Leiden aus. Besonders Höfe mit der höchsten Milchleistung scheint es zu treffen. Doch woher kommt diese mysteriöse Krankheit?

Der größte Verdacht lautet: Glyphosat. Glyphosat ist ein Wirkstoff in „Roundup“, dem meist verkauften Herbizid der Welt. Der US-Konzern Monsanto patentierte den Wirkstoff in den 1970er Jahren, mittlerweile ist dieses Patent allerdings abgelaufen und auch Syngenta, Bayer und chinesische Hersteller stellen das Gift her. Besonders wirksam ist Glyphosat erst in Kombination mit Gentechnik: Sprüht man ein Feld mit Roundup ein, sterben alle Pflanzen bis auf die genmanipulierten ab. In Deutschland landen jährlich 6000 bis 15000 Tonnen auf mindestens 40 Prozent aller Ackerflächen. Da Monsanto das Gift als umweltfreundliche Alternative zu bodenschädigendem Pflügen anpreist, setzen Landwirte es auch in der Bodenbearbeitung und vor der Ernte ein. So gerät es in Stroh, Viehfutter und Lebensmittel.

Wenn Glyphosat in die Körper von Mensch und Tier gelangt werden lebenswichtige Spurenelemente wie Mangan oder Selen daraufhin für den Organismus unverfügbar gemacht. Krankheitserreger im Körper nehmen rasant zu, die Darmschleimhaut wird angegriffen. AMPA, ein Abbauprodukt von Glyphosat, steht zudem im Verdacht, Störungen bei der Zell- und Embryonalentwicklung von Tier und Mensch zu verursachen. Der NABU kritisiert schon seit Jahren, dass AMPA die Amphibien in unseren Gewässern gefährdet.

Sojabohne © Franko Petri / WWF

Hauptsächlich gelangt Glyphosat wohl über genmanipuliertes Sojafutter in den Körper der Tiere – und damit auch in den Körper desjenigen Menschen, der die Tiere später isst. Oder ihre Eier. Oder ihre Milch trinkt. Leipziger Wissenschaftler testeten mehrere hundert Land- und Stadtbewohner, Fleischesser genauso wie Veganer. Kaum einer war glyphosatfrei. Nicht mal Menschen, die ausschließlich Bio-Produkte essen, sind geschützt: Durch Feldverwehungen oder Gülleeinträge in das Grundwasser nehmen auch sie den Giftstoff auf. Der BUND schreibt in einer Studie, dass in Staaten mit intensiver Landwirtschaft (wie beispielsweise Deutschland) etwa 70 Prozent der Menschen belastet sind.

Was also tun? Die Zulassung von Glyphosat läuft 2015 aus. Wenn genug öffentlicher Druck entsteht, könnte das Gift verboten werden. Das bayerische Chiemgau lässt Hoffnung aufkommen: Hier wird so gut wie kein Genfutter verfüttert und im Rahmen der „Aktion Zivilcourage“ sogar explizit boykottiert. Und tatsächlich gibt es dort kaum chronischen Botulismus und die Kühe haben fast kein Glyphosat im Urin.

Quellen und weitere Informationen:

Scheub, Ute: Glyphosat – eine Spurensuche. In: Schrot & Korn, Oktober 2014

Homepage der Interessengemeinschaft Botulismus

Infos rund um Botulismus

Infos zu Roundup und Glyphosat
 

Weiterempfehlen

Kommentare (9)
Um einen Kommentar zu schreiben einfach registrieren oder einloggen.
Sortieren nach Aktualität:
03.11.2014
eatrica hat geschrieben:
Toller Bericht Carina! Ich habe schon einiges über Glyphosat gehört, aber noch nicht über den möglichen Zusammenhang zu Botulismus. Was ich schon erschreckend genug fand, war zu erfahren, das Getreide kurz vor der Ernte zur Trockung mit Glyphosat eingespritzt wird. Also ist später im Mehl oder den Nudeln die volle Ladung... Hier ein Link dazu http://www.umweltinstitut.org/themen/landwirtschaft/pestizide/glyphosat/vorerntespritzung-von-getreide.html
Dinge die man als einzelner gegen Glyphosat tun kann, ist Bio zu kaufen, denn da ist das verboten. Klar gibt es manchmal Verunreinigungen aber im Großen und Ganzen macht man damit etwas gegen den Einsatz von Pestiziden. Und noch eine Idee: Glyphosat wird oft zusammen mit Genpflanzen eingesetzt. Pflanzt einen Bantam-Mais (http://www.bantam-mais.de/) die müssen vor Gentechnik geschützt werden und in einem gewissen Umkreis darf dort kein Genmais wachsen!
28.10.2014
Zweitagsfliege hat geschrieben:
Diesen Artikel aus dem "Schrot & Korn"- Heft habe ich letztens auch gelesen. Allerdings hatte ich es so verstanden, dass man nur sagen kann, dass Glyphosat Krankheiten lediglich begünstigt. Trotzdem schlimm genug...
28.10.2014
Lena15 hat geschrieben:
Und wie kann man die Verwendung am besten boykottieren? Gibt es Petitionen dagegen oder so etwas in der Art?
27.10.2014
Gluehwuermchen hat geschrieben:
Ein wirklich brisantes Thema. In manchen Bundesländern scheint der Einsatz verbreiteter zu sein, als in anderen. Wenn ich z.B. in Niedersachsen vor ein paar Wochen auf die Felder geschaut habe : alles gelb, totgespritzt. Das nennt sich dann "bodenfreundlich" weil kein Pflug eingesetzt werden muss. Es betrifft uns alle. Auch die 100% Bioesser. Das Zeug ist überall. Ich wünsche mir wirklich, dass etwas dagegen unternommen wird.
26.10.2014
Luke24 hat geschrieben:
Ich stimme euch zu, dass dieser Wirkstoff untersagt werden sollte. Förderlich für Tier und Umwelt ist er nach alldem was hier steht sicherlich nicht.
Allerdings habe ich bei Themen dieser Art immer die Befürchtung, dass sich zu schnell auf eine Sache "eingeschossen" wird. Man sollte daher auch die Augen offen halten, ob die Krankheit Botulismus noch andere Gründe haben könnte.
26.10.2014
Ronja96 hat geschrieben:
Hoffentlich wird das Gift verboten! Aber leider ist es, wie LSternus schon geschrieben hat, nicht überraschend.
Danke für den interessanten Bericht!
26.10.2014
LSternus hat geschrieben:
Schlimm, aber wenn ich ehrlich bin, bin ich nicht überrascht. Dieses Gift muss verboten werden.
26.10.2014
Julia99 hat geschrieben:
Hoffentlich wird es verboten. Danke für die Information:)
26.10.2014
Ria2000 hat geschrieben:
Klingt schlimm, ich hatte davon noch nie was gehört! Danke für deinen interressanten Bericht! :)
Login
E-Mail


Passwort


Kostenlos registrieren
Mitglied werden
Könnte dir auch gefallen
Projekttag am Gymnasium St. Georgen
Projekttag am Gymnasium St....
Eine engagierte Lehrerin des Gymnasiums St. Georgen hatte beim WWF angefragt, ob  jemand ... weiter lesen
Vegan- Da haben wir den Salat!-Mangold Gemüse und Rote Bete Capaccio-
Vegan- Da haben wir den Sal...
"Du bist was du isst!" Dieser Ausspruch wird den Meisten bekannt vorkommen, aber was g... weiter lesen
Vegan - Da haben wir den Salat! Kürbiscremesuppe und Apfel-Walnuss-Muffins
Vegan - Da haben wir den Sa...
Es wird schon um sieben Uhr dunkel draußen, morgens hängt Nebel über den Felder... weiter lesen
"Was gab es bei euch heute ...
Mit dieser Frage eröffne ich den Workshop am Max-Klinger-Gymnasium in Leipzig Grünau.... weiter lesen
Vegan- Da haben wir den Salat!-
Vegan- Da haben wir den Sal...
Wieso denn nicht einfach mal was ausprobieren? Menschen sind seit Hunderten von Jahren Fleisch... weiter lesen
Deine Ansprechpartner
Marcel
Marcel Gluschak
WWF Jugend Community Manager
zum Profil
Luise
Luise Neßler
WWF Jugend Community Moderatorin
zum Profil
MarcelB
Marcel Brüssow
WWF Jugend Redaktion
zum Profil
Ronja96
Ronja Post
WWF Jugend Aktionsteamer
zum Profil
HannahFee
Hannah Fesseler
hilft dir bei technischen Fragen
zum Profil
AndreaRentschler
Andrea Rentschler
hilft dir bei Fragen zur WWF Jugend Mitgliedschaft
zum Profil
NicoleB
Nicole Barth
hilft dir bei Fragen rund um die WWF Jugend Camps
zum Profil