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Kann die deutsche Bevölkerung ausschließlich mit nachhaltiger Landwirtschaft ernährt werden? (1)


von FabianN
18.09.2015
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Die Geschichte der deutschen Landwirtschaft


Die Landwirtschaft befindet sich im Wandel. Seit ihren Ursprüngen hat sie sich vor allem durch die „Agrarrevolution“ im 20. Jahrhundert stark verändert. Indem man die Landwirtschaft zunehmend chemisiert, technisiert und biologisiert hat, konnte man sie von natürlichen Faktoren wie dem Klima und der Bodengüte weitgehend unabhängig machen. Somit gewann der Mensch immer mehr an Kontrolle über die Landwirtschaft, was einen rasanten Anstieg der Erträge sowie der Produktivität führte.

Dieser Wandel vollzog sich auch in Deutschland. Während die Betriebs- und Erwerbstätigenzahl in der deutschen Landwirtschaft seit 1949 stark gesunken ist, hat sich der Produktivität enorm gesteigert. Somit ist die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe mit einem Hektar und mehr, ab 1991 mit zwei Hektar und mehr seit 1949 von 1.650.000 auf 350.000 im Jahr 2007 gesunken. Die Zahl der Erwerbstätigen bestätigt diesen Trend. Sie ist von ungefähr 4,8 Millionen im Jahr 1949 auf weniger als eine Million (2007) gesunken.Hinsichtlich des Anstieges der Produktivität ist diese Entwicklung durchaus erklärbar. Während der durchschnittliche Landwirt 1949 noch zehn Menschen ernährt hat, wurden 2007 126 Menschen von einem Landwirt ernährt. Die Erträge von Weizen, Gerste, Frühkartoffeln und Zuckerrüben im Verlauf der letzten 60 Jahre zeigen, warum dies so ist. Während sich die Erträge im Jahr 1950 noch zwischen circa 180 Dezitonnen pro Hektar (Frühkartoffeln) und 360 Dezitonnen pro Hektar (Zuckerrüben) befanden, beliefen sie sich 2008 zwischen 430 Dezitonnen pro Hektar (Frühkartoffeln) und 610 Dezitonnen pro Hektar (Zuckerrüben). Noch enormer verlief der Anstieg bei den Erträgen der Getreide. 1950 betrugen die Erträge noch ungefähr 25 Dezitonnen pro Hektar (Weizen und Gerste). Im Vergleich dazu sind sie bis 2008 auf 61 Dezitonnen pro Hektar (Gerste) und 81 Dezitonnen pro Hektar (Weizen) angestiegen. Die Weizenerträge haben sich somit von 1950 bis 2008 verdreifacht.       Doch nicht nur im landwirtschaftlichen Anbau, sondern auch in der Viehnutzung ist die Produktivität deutlich angestiegen. Während 1950 eine Kuh im Jahr noch 2498 Kilogramm Milch gab, stehen 2007 Werte von 6944 Kilogramm Milch im Jahr. Auch bei den Hühnern zeichnet sich ein derartiger Anstieg ab. 1950 legte eine Henne noch 120 Eier pro Jahr, 2007 waren es schon 296. In beiden Fällen hat sich die Produktivität mehr als verdoppelt.                                                                                        Das Ziel der Produktivität ist begründet. Die Weltbevölkerung steigt stetig und die Menschen müssen ernährt werden. Dies wäre nach den alten Methoden nicht machbar. Doch die im 20. Jahrhundert erfolgreich entwickelte konventionelle Landwirtschaft birgt auch ihre Nachteile. Kleine landwirtschaftliche Betriebe können nicht konkurrieren und müssen schließen. Nur die großen Betriebe setzen sich durch und betreiben Landwirtschaft mit dem höchstmöglichen Ertrag und dem Ziel des maximalen Gewinns. Doch dadurch entstehen Monokulturen, die Böden werden überbewirtschaftet und durch Düngen und Spritzen wird eine Verschmutzung des Grundwassers befürchtet. Nutztiere werden in unzumutbaren Zuständen gehalten und müssen mehr liefern als gesund für sie ist.

In Folge dessen zeichnet sich heute schon wieder der Wunsch einer Veränderung ab. Die Entwicklung weg von der konventionellen und hin zur nachhaltigen Landwirtschaft.
Nachhaltigkeit – ein Begriff der heutzutage Mode und in aller Munde ist. Nachhaltigkeit ist immer gut. Doch stimmt das wirklich? Kann angesichts der momentanen Situation wirklich noch auf Nachhaltigkeit geachtet werden. Voraussetzung ist, dass mit nachhaltiger Landwirtschaft die Menschen erfolgreich ernährt werden können. Anhand von Deutschland werde ich deshalb überprüfen, ob mit nachhaltiger Landwirtschaft tatsächlich die gesamte Bevölkerung eines Landes ernährt werden kann.

Nachhaltige Landwirtschaft


Zunächst einmal muss festgelegt werden, was mit „nachhaltiger Landwirtschaft“ überhaupt gemeint ist. Zunächst gibt es den konventionellen Landwirt, bei dem die Ökonomie an erster Stelle steht. Doch ein landwirtschaftlicher Betrieb muss nicht unbedingt Bio sein, um nachhaltig Landwirtschaft zu betreiben. Viele konventionelle Bauern achten auch in einem gewissen Maße auf Nachhaltigkeit – zumindest in dem Sinne, dass der Boden, den sie bewirtschaften, nach wenigen Jahren nicht völlig unbrauchbar ist.

Definiert ist die nachhaltige Landwirtschaft nach Allen: „Eine nachhaltige Landwirtschaft ist ökologisch tragfähig, ökonomisch existenzfähig, sozial verantwortlich, ressourcenschonend und dient als Basis für zukünftige Generationen. Zentral ist ein interdisziplinärer Ansatz, der die in Wechselbeziehungen stehenden Faktoren berücksichtigt. Dies gilt für die Landwirtschaft einschließlich der gesamten Wertschöpfungskette im lokalen, regionalen, nationalen und globalen Maßstab.“


Die nachhaltige Landwirtschaft hat immer noch das grundlegende Ziel, den steigenden Bedarf an nachwachsenden Rohstoffen zu decken. Zudem soll die Produktivität derart hoch sein, dass auch Krisen in Entwicklungsländer entgegengewirkt oder sogar abgewendet werden können. Allerdings ist eine weitere Vorrausetzung, dass durch diese Form der Landschaft endliche Ressourcen und nutzbare Flächen weder knapper noch beschädigt werden. Somit muss nachhaltige Landwirtschaft einerseits ökonomisch Sinn ergeben, andererseits aber unter sozial tragbaren Umständen betrieben werden. Genutztes Wasser, Land und andere Ressourcen sollen so genutzt werden, dass nachkommende Generation ebenfalls darauf zugreifen können.                              Daraus ergibt sich, dass sich nachhaltige Landwirtschaft nicht nur auf Umweltschutz beschränkt, sondern zusätzlich das Ziel hat, ökonomisch ansprechend zu sein sowie die Menschen ausreichend zu ernähren und das unter menschenwürdigen Bedingungen. Der Begriff geht also weit über umweltfreundlich an sich hinaus.                                   Der Aspekt der langfristigen Nutzung spielt ebenso eine grundlegende Rolle im Konzept der nachhaltigen Landwirtschaft. Im Gegensatz zu anderen landwirtschaftlichen Methoden, wie zum Beispiel den global betriebenen Monokulturen, hat man sich zum Ziel gesetzt, die Fruchtbarkeit von bewirtschafteten Böden zu erhalten.


Landwirtschaftliche Situation in Deutschland


In Deutschland werden rund 17 Millionen Hektar landwirtschaftlich genutzt. Das entspricht beinahe der Hälfte der gesamten Landesfläche. Zusätzlich werden noch über 5 Millionen Hektar im Ausland, hauptsächlich Südamerika, genutzt, um unserer Nachfrage gerecht zu werden. Der nationale landwirtschaftliche Sektor reicht also auch mit der konventionellen Landwirtschaft nicht aus, um die Deutschen ihrem Essensverhalten entsprechend zu ernähren. Doch woran liegt das? 


Die deutsche Bevölkerung besteht aus circa 81 Millionen Einwohner. Der durchschnittliche Deutsche beansprucht durch seine Ernährungsweise 2.523 Quadratmeter landwirtschaftlich genutzte Fläche für sich. Diese Fläche ergibt sich aus der jährlichen Verzehrmenge pro Kopf der meistkonsumierten Lebensmittel sowie der für die Herstellung beziehungsweise Haltung benötigen Fläche.


Hochrechnung:        Zahl der Einwohner x Flächenbedarf pro Kopf = Gesamtbedarf
                                          81 000 000 x 0,2523ha = 20 436 300ha


Die Hochrechnung zeigt, dass die deutsche Bevölkerung durch ihre Ernährungsweise rund 20,5 Millionen Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche benötigen würde. Das ist mehr, als Deutschland zur Verfügung hat. Insbesondere, da von der agrarisch genutzten Fläche rund 10 Millionen Hektar für die Futtermittelproduktion genutzt werden. Somit sind in Deutschland nur 7 Millionen Hektar für die Bevölkerung vorhanden, die allerdings beinahe dreimal so viel benötigt. Also muss die Landwirtschaft auch im Ausland betrieben werden. Selbst wenn in Deutschland die gesamte agrarisch genutzte Fläche nach konventionellen Methoden bewirtschaftet würde, reichte dies nicht aus, um die deutsche Bevölkerung ihrem Bedarf entsprechend zu ernähren.
Die nachhaltige Landwirtschaft nach Öko-Maßstäben nimmt in Deutschland mit 1.060.700 Hektar zwar nur 6,4 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche ein doch wird sie immerhin nach und nach integriert. Allerdings wird deutlich, dass selbst die konventionelle Landwirtschaft Schwierigkeiten hat, die deutsche Bevölkerung zu ernähren. Ist ein Umstieg auf die nachhaltige Landwirtschaft demnach wirklich sinnvoll?

Dies war der erste von zwei Berichten über die Frage, ob die deutsche Bevölkerung ausschließlich mit nachhaltiger Landwirtschaft ernährt werden kann. Teil 2 wird die nachhaltige Landwirtschaft mit der konventionellen vergleichen, das Essverhalten der Deutschen aufzeigen und die Frage beantworten.

______________________________________________________________________

Text: FabianN

Bilder: axel-wohlgemuth.de

         badische-zeitung.de

Quelle: https://www.nachhaltigkeit.info/artikel/nachhaltige_landwirtschaft_1753.htm
http://www.bmelv-statistik.de/fileadmin/user_upload/monatsberichte/DFB-0010000-2014.pdf

http://www.nachhaltige-landwirtschaft.info/fileadmin/downloads/pdf/DLG_Nachhaltigkeitsbericht-2015.pdf

http://www.bauernverband.de/situationsbericht-2015-projekt

http://www.bund.net/themen_und_projekte/landwirtschaft/gesunde_ernaehrung_alt/konventionell_vs_oeko/

http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/landwirtschaft-ertraege-im-biolandbau-werden-unterschaetzt-a-1007533.html

http://www.statistikportal.de/statistik-portal/landwirtschaftszaehlung_2010.pdf

http://www.umweltbundesamt.de/daten/land-forstwirtschaft/landwirtschaft/oekologischer-landbau

http://www.wwf.de/themen-projekte/landwirtschaft/ernaehrung-konsum/ernaehrung/?backlinkpage=257&cHash=115c03957e87730ec069e9e3684999d8

http://www.wwf.de/2015/april/das-grosse-fressen/

http://www.lel-bw.de/pb/site/lel/get/documents/MLR.LEL/PB5Documents/lel/pdf/w/Wie%20viel%20Fl%C3%A4che%20braucht%20ein%20Mensch%20um%20sich%20zu%20ern%C3%A4hren%20-%20Wakamiya.pdf

ZDF - Projekt Hühnerhof – Folge 2/2 – Dirk Steffens und die Macht der Verbraucher

WWF_Studie_Das_grosse_Wegschmeissen.pdf

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Kommentare (6)
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28.09.2015
FabianN hat geschrieben:
Teil 2 ist seit heute Abend online! ;)

Danke für eure Rückmeldungen! :)

@Felix_der_Blaue: Danke für deine Verbesserungsvorschläge. Ich werde sie, insofern sie mit meiner Meinung übereinstimmen, berücksichtigen.
Allerdings ist es schwierig, ein solches Thema kurz und auch für lesemüde Menschen attraktiv, aufzubereiten. Ich habe den Text schon extra in 2 Teile aufgeteilt. Außerdem schreibe ich lieber lange und dafür inhaltlich stichhaltige Artikel, als nur einige Gesichtspunkte anzukratzen. Mit den Bildern hast du meiner Meinung nach Recht! :)
Vielen Dank für deine Kritik :)
28.09.2015
Gluehwuermchen hat geschrieben:
Also ich finde den Bericht nicht zu lang ;-) Immer nur Kurzstatements hier reinzuwerfen ist ja auch nicht der Sinn der Sache.
Bin gespannt auf den zweiten Teil :)
19.09.2015
Felix_der_Blaue hat geschrieben:
Hallo Fabian, ein interessanter Artikel, und sehr gründlich recherchiert.
Ich bin auch gespannt auf Teil 2, aber gebe dir den Ratschlag, dich dann kürzer zu fassen, da so ein langer Artikel viele Leser abschreckt oder sie dann ermüdet. Auch Bilder oder Schemata können das Textbild auflockern :)
19.09.2015
midori hat geschrieben:
Ich bin sehr gespannt auf die Antwort, denn ich habe vor einiger Zeit ein Buch gelesen, dass die Frage bejaht! ;o)
19.09.2015
NoHarmButHarmony hat geschrieben:
Super Artikel!

Ich hoffe im zweiten Teil wird das Problem angesprochen, dass die Deutschen zu viele tierische Produkte und verarbeitete Lebensmittel zu sich nehmen. Durch eine Ernährung, die eher auf pflanzliche Nahrung basiert würde der Deutsche automatisch weniger lndwirtschaftlich benutzte Fläche für sich beanspruchen.
19.09.2015
Luke24 hat geschrieben:
Ein total interessanter Bericht mit vielen Zahlen. Hatte bisher keine Ahnung, wie viele Menschen ein Landwirt ernährt oder wie viele Quadratmeter "Acker" der durchschnittliche Deutsche für seine Ernährung beansprucht.

Wirklich - sehr gelungen!!
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