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"Ich wünsche mir einen bewussten Umgang mit dem Lebensmittel Fleisch"


von Marcel
12.07.2012
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In dem Moment, in dem ich diesen Artikel online stelle, leben auf unserer Erde wahrscheinlich 7.057.853.522 Menschen - laut Angaben der Stiftung Weltbevölkerung. Jede Sekunde wächst diese Zahl um 2,6 neue Erdbürger. Aber schon jetzt leiden etwa eine Milliarden Menschen unter Hunger.

Wie können wir es schaffen, im Jahr 2050 sogar neun Milliarden Menschen mit Lebensmitteln zu versorgen? Was macht das mit unserer Erde? Und mit unserem eigenen Alltag? Darüber sprachen wir mit WWF-Landwirtschaftsexpertin Birgit Wilhelm:

WWF Jugend: Wie genau wollen wir denn neun Milliarden Menschen ernähren?

Birgit: Die Ansichten, wie eine Welt mit neun Milliarden Menschen funktionieren kann, weichen mitunter sehr stark voneinander ab. Beispielsweise gibt es aktuelle Studien, die zu dem Schluss kommen, dass sich die Nahrungsmittelproduktion drastisch erhöhen muss, um so vielen Menschen Nahrung liefern zu können. Dabei wird völlig außer Acht gelassen, dass die Landwirtschaft - mit ihrer einseitigen Konzentration auf Produktionsmaximierung - bereits dazu beiträgt, dass wir tagtäglich fruchtbaren Ackerboden für die Produktion verlieren. Wir beuten unsere Lebensgrundlage, den Boden, aus. Nur über eine nachhaltige Nutzungsweise und eine Landwirtschaft, die den Erhalt der natürlichen Bodenfruchtbarkeit wieder ins Zentrum stellt, werden wir es schaffen, neun Milliarden Menschen zu ernähren. Darüber hinaus konnten wir vom WWF mit der Studie „How to feed the worlds growing billions“ zeigen, dass es neben der Produktionssteigerung noch weitere wichtige Ansatzpunkte gibt, um die Welt zu ernähren.

WWF Jugend: Wie kann die Hungerkrise dann überwunden werden?

Birgit: Schon jetzt leiden über eine Milliarde Menschen auf der ganzen Welt an Hunger. Schon jetzt gibt es also absolut reelle Notsituationen. Und dass, obwohl genügend Nahrung vorhanden ist. Es ist also nicht zwingend notwendig, mehr zu produzieren, sondern wir müssen schlauer arbeiten, gerechter verteilen und weniger verschwenden.

WWF Jugend: Wie soll das gehen?

Birgit: Das Grundproblem für Hunger auf der Welt kann ja demnach nicht ein Mangel an Nahrungsmitteln sein. Das Grundproblem ist die Ungerechtigkeit der Armut. Fast die Hälfte der Menschen, die an Hunger leiden, sind selber Kleinbauern. Diese Armut gilt es, zu allererst zu bekämpfen. An zweiter Stelle muss die Verschwendung von Nahrungsmitteln verhindert werden. Damit ist nicht nur gemeint, dass wir Bürger der Industrienationen Essen einfach wegschmeißen, sondern auch die Tatsache, dass teilweise bei der Verarbeitung und dem Transport bis zu einem Fünftel der Lebensmittel verloren gehen, weil die Infrastruktur nicht funktioniert oder auch einfach nur, weil ineffizient gearbeitet wird. Und als drittes, und da sind vor allem wir selbst in der Pflicht: unser Konsumverhalten muss sich drastisch ändern.

WWF Jugend: Was genau ist denn falsch an unserem derzeitigen Verhalten? Schreckt eine radikale Verhaltensänderung nicht viele ganz ab? 

Birgit: Wir müssen es schaffen, den Fleischkonsum zu senken. Die Produktion von Fleisch verschlingt Unmengen von Lebensmitteln. Darüber hinaus strapaziert es die Böden, zerstört die Umwelt. Ich wünsche mir gar keinen strikten Vegetarismus, sondern vielmehr einen bewussten Umgang mit dem Lebensmittel Fleisch.

WWF Jugend: Wird es in Zukunft mehr Vegetarier geben?

Birgit: Ich persönlich glaube das schon. Es wird scheinbar immer mehr Menschen bewusst, dass die Fleischproduktion, die aus industrieller Massentierhaltung resultiert, unmittelbar zu Umweltzerstörung und Ungerechtigkeit führt. Dazu glaube ich, dass viele Menschen, denen eine bewusste Ernährung wichtig ist, es merken, dass sie gar nicht so viel Fleisch essen müssen, dass sie sich sogar besser fühlen, wenn sie seltener, aber dafür hochwertigere Fleischprodukte verzehren. Allerdings wird dieses Thema sehr emotional geführt. Jemandem seine Essgewohnheiten vorzuwerfen, ist schon ein starker Eingriff in die Privatsphäre. Daher wird das Thema aus so kontrovers geführt.

WWF Jugend: Gibt es trotzdem etwas, das positiv stimmt und Hoffnung macht?

Birgit: Durchaus. Ich als Landwirtin finde es sehr schön, dass wieder mehr über Essen geredet wird und vor allem auch darüber, wo es her kommt und wie es erzeugt wurde. Durch die Zentralisierung der Produktion und auch des Vertriebes, etwa durch Supermärkte, hat sich der Zusammenhang stark aufgelöst. Wie soll ich beim Einkauf im Supermarkt einen Bezug zum Essen entwickeln? Eine Vorstellung davon haben, wie ein gesunder Boden sich anfühlt? Ich bin begeistert von den vielen Heimgarteninitiativen – sogar in der Großstadt Berlin. Es ist ein wunderbares Erfolgserlebnis sein eigenes Gemüse zu ernten und gleichzeitig steigt die Wertschätzung gegenüber den Lebensmitteln und dem Boden, der alles wachsen lässt. Inzwischen wird Ernährung wieder stärker in den Alltag aufgenommen, die Leute machen sich darüber Gedanken, was sie essen. Und das stimmt mich sehr hoffnungsvoll.

Fotos: Zebu-Rinder in Brasilien © Staffan Widstrand / WWF-Canon; WWF-Expertin Birgit Wilhelm © WWF; Intensive Landwirtschaft in Mexiko zerstört den Boden © Edward Parker / WWF-Canon; Baum in der Wüste von Namibia © Michael Poliza / WWF

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Kommentare (11)
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13.11.2012
Woelfchen97 hat geschrieben:
Sehr informativer Bericht.
Ich finde es gut, dass deutlich wird, wie leicht es ist, die Ungerechtigkeit auf der Welt zu ändern, wenn ALLE ihr Konsumverhalten ändern würden. Dass man dafür auch gar nicht gleich zum Vegetarier werden muss, ist ebenfalls ein guter Punkt.
Vielen Dank für den Bericht:)
20.08.2012
1234 hat geschrieben:
Sehr gutes Interview, da kann ich nur zustimmen. Wichtig ist hier auch, finde ich, dass kein "strikter Vegetarismus" als Lösung angepriesen wird, sondern eine EntGlobalisierung der Landwirtschaft hin zu mehr lokalem Anbau. So habe ich selbst, was hier auch ein bisschen in dem Artikel hervorgeht, gute Erfahrungen mit dem Anbau von eigenem Gemüse, und für sowas reicht auch der heimische Balkon. Aber jedenfalls mehr Maß bei Fleisch ist zum einen wichtig. Dazu passt aber auch die Debatte um ein Ende von e10 an deutschen Tankstellen. Denn auch der Verzicht auf den so biologisch anmutenden sog. "Biosprit" ist ein Schritt hin zu niedrigeren Nahrungsmittelpreisen und ein Schritt auf dem weg zur Lösung des Welternährungsproblems. Vegetarier werde ich nicht über dem Artikel, bloß nachdenklicher und dafür bin ich schon sehr dankbar.
14.07.2012
SaveTheWorld. hat geschrieben:
Erschreckende Fakten. Und die Lösung scheint simpel, trotzdem ist sie aufgrund der Ökonomie schwer erreichbar... leider. Aber man darf die Hoffnung niemals aufgeben. Wenn jeder seinen Teil dazu tut, kommen wir einer besseren Welt einen riesigen Schritt näher :-)
13.07.2012
FelicitasVulkanisiert hat geschrieben:
Ich finde es immer wieder interessant mit Menschen zu sprechen, die durch Baumaßnahmen, Kleidung, etc. versuchen, energiesparend und nachhaltig zu leben. Oft verbinden eben diese den Faktor Fleisch überhaupt nicht mit einem umweltbewussten Lebensstil. Bei manchen mag es gezielte Ignoranz sein, aber viele sind wirklich in diesem Punkt ahnungslos.
Ich bin gerade aus Neuseeland wiedergekommen. Man merkt an vielen Stellen, dass Regierung und Bevölkerung sich mit dem Umweltschutz auseinandersetzen. Beim Thema Vegetarismus werden hingegen erstaunlich viele ungehalten. Sicherlich ist es zum einen wirklich etwas sehr privates. Andererseits hat sich dieses Wissen offenbar noch nicht weitläufig genug rumgesprochen.
Interessantes Interview :)
13.07.2012
Viveka hat geschrieben:
Ich glaube auch, dass es möglich ist, 9 Milliarden Menschen zu ernähren, sofern der Mensch sich zusammen reißt. Man muss ja nicht gleich auf alles verzichten, das ist in der heutigen Welt auch gar nicht mehr möglich, aber wie Urmeli schon gesagt hat, man kann seinen Konsum auch reduzieren. Nur bis das der Fall ist, befürchte ich, ist es noch ein weiter Weg!
12.07.2012
Cosima hat geschrieben:
Ein wichtiges Thema.
Ich hab mich erst vor kurzem dazu entschieden vegetarisch zu leben. Einen großen Beitrag zu meiner Entscheidung hat die WWF Community dazu beigetragen. Hier erfährt man einiges über das Thema Fleischkonsum und dessen Auswirkungen auf die Umwelt.
Bevor ich mich nicht speziell damit beschäftigt hatte wusste ich einiges nicht darüber und war teilweise sehr geschockt. Deswegen find ich es total wichtig über die Auswirkungen des Fleischkonsums aufzuklären, da wie ich glaube, dies vielen Leuten gar nicht klar ist.
Ein tolles Interview :)
12.07.2012
Anni66 hat geschrieben:
das Probelm ist, der mensch will immer mehr , selbst wenn er eigentlich genug hat. Natürlich trifft das nicht auf jeden zu. Es ist sehr schade, dass es menschen gibt, die von allem zu viel haben, während woanders menschen nichtmal das nötigste haben. Deshalb finde ich auch, dass man bewusster mit dem was man hat umgehen sollte. Dann kann man in kleinen Schritten auch bestimmt irgendwann den hunger reduzieren.
12.07.2012
LSternus hat geschrieben:
Unsere Gesellschaft sollte viele DInge nicht für selbstverständlich nehmen, vorallem nicht wenn sie bis vor wenigen Jahren noch Luxus waren.
12.07.2012
killerwal hat geschrieben:
ich denke schon, dass wir 9 milliarden menschen ernähren können, wenn wir es nur wollen. denn in unserer heutigen zeit werden die armen immer ärmer und die reichen immer reicher.
12.07.2012
gelöschter User hat geschrieben:
Große Veränderungen beginnen doch bei jedem selbst. Mit kleinen Umstellungen im Alltag kann man viel erreichen.
Genau das muss der großen Masse der Gesellschaft näher gebracht werden. Wer nicht verzichten möchte/kann, der soll zumindest reduzieren und mehr nachdenken!
12.07.2012
Animalfriend hat geschrieben:
guter und informativer Bericht ;)
danke
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