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Ferkelkastration


von cappuccino
13.08.2009
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Einen Stinker will niemand braten.
„Stinker“ werden die unkastrierten Eber, die vor der Schlachtung geschlechtsreif wurden und deshalb stinken können, genannt. Für den unerwünschten Duft sorgen zwei Substanzen: das Geschlechtshormon Androstenon und Skatol. Androstenon wird im Fett gespeichert, wodurch die fettbewerteten Stellen besonders müffeln, Skatol dagegen entsteht bei der Verdauung von Eiweiß.
Laut Versuchen, bei denen allerdings nur eine geringe Zahl von Tieren beobachtet wurde, entwickeln nur 20-30% der Ferkel sich zum Stinker. Allerdings hängt dies auch von Fütterung, Rasse und Schlachthalter ab.
Ob das Schwein, das heute Abend Hauptbestandteil des Essens werden soll, ein Stinker war oder nicht, ist (für viele Menschen) nicht zu überriechen. Denn genau das soll mit den Kastrationen vermieden werden: Dass das Fleisch beim Braten stinkt. Der Geruch kann durchdringend oder kaum zu erahnen sein, oft riecht er nach Urin, Schweiß, Fäkalien oder einfach wie im Schweinestall. Niemand probiert das Fleisch, wenn er erst mal diesen Geruch in der Nase hatte, doch normalerweise schmeckt das Fleisch ganz normal. Das trägt dazu bei, dass manche dem Braten nach kurzer Zeit misstrauisch gegenüber stehen, andere aber es sich schmecken lassen, ohne auch nur Verdacht zu schöpfen. Denn nicht alle können den Gestank wahrnehmen. Untersuchungen dazu sind lükenhaft, aber es hängt auch von der Gewohnheit ab: In Ländern, in denen die Mast unkastrierter Schweine üblich ist (Spanien, Portugal, Irland und Großbritannien), sind die Menschen mit Geruch und Geschmack des Fleischs vertraut und reagieren weniger empfindlich. In Deutschland ist die Ebermast nicht akzeptiert, weshalb die Landwirte die Ferkel kastrieren.

Keine Angst, die Kastration ist ganz unkompliziert:

Ferkel fixieren, Operation mit einem scharfen Skalpell durchführen.

Früher dachte man sogar, die Ferkel spürten das gar nicht.
Die Kastration ohne Betäubung ist bis zum siebten Lebenstag laut Tierschutzgesetz erlaubt, doch vor Kurzem haben sich der Bauernverband, der Verband der Fleischwirtschaft und der Einzelhandel auf das große gemeinsame Endziel, gar nicht mehr zu kastrieren, geeinigt.
Ein (zweifelhaften) Schritt hat das QS-Prüfsystem gemacht: Die Gabe von Schmerzmitteln. QS steht für Qualitätssicherung, ein auf freiwilliger Basis beruhendes System, das von verschiedenen Industrieverbänden ins Leben gerufen wurde, allerdings nach ÖKO-TEST-Kriterien ein äußerst lasches Kontorollsystem hat. Tiere, die mit dem QS-Label vermarktet werden – circa 90%- müssen seit 1.April geeignete Schmerzmittel zur Linderung des Wundschmerzes bekommen. Nur des Wundschmerzes, was bedeutet, dass sie während des Eingriffs nicht wirken. Daraus macht eine Sprecherin des QS-Prüfsystems auch keinen Hehl.
Der nächste Schritt ist die Betäubung während des Eingriffs: In der Schweiz wird ab Januar 2010 die betäubungslose Kastration verboten. Stattdessen sollen die Ferkel mithilfe eines speziellen Inhalationsgerätes betäubt werden. Dabei erhalten sie zusätzlich noch ein Schmerzmittel. Tatsächlich ist dieses Verfahren schonend, doch auch hier gibt es einen Haken: Das verwendete Betäubungsgas Isofluran ist in Deutschland nicht zugelassen und darf nur vom Tierarzt verwendet werden. Dieser müsste das Mittel „umwidmen“, weil es nach deutschem Recht für Pferde bereits zugelassen ist.

Die gute Nachricht: Einer der ganz großen Schlacht- und Verarbeitungsbetriebe, die Firma Tönnies, erprobt seit einem Jahr die Mast unkastrierter Tiere. Das Ergebnis ist vielversprechend: „Unserer Erfahrung nach sind weniger Eber als bisher vermutet geruchsauffällig“, erklärt Dr. Wilhelm Jäger, der das Projekt betreut. Trotzdem geht die Firma kein Risiko ein: Die Tiere wurden nach Geschlechtern getrennt und verarbeitet. Eber werden jetzt in verarbeiteten Wurst- und Fleischwaren genutzt, die bereits auf dem Markt sind. Denn durch Kochen, Pökeln und Salzen verflüchtigt sich ein möglicher Geruch.
„Das Interesse von Bauern, die bei unserem Projekt mitmachen, ist erfreulicherweise sehr groß“, sagt Jäger.

Quelle: ÖKO-Test 5 / 2009, Essen & Trinken, „Ferkelkastration“ von Hella Hansen.


Und was schließen wir daraus?
Die Wurst ist männlich.
 

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Kommentare (2)
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17.09.2009
Bienenkoenigin hat geschrieben:
Ich weiß nicht merh von welcher Oraganisation das ist (ich bekomm immer tausend umwelt-/tierschutznewesletter usw. zugeschickt), aber dort haben sie in einem Schlachtbetrieb aufgenommen, wie kleinen ferkeln, ohne betäubung, die Hoden aus dem krper gerissen wurden.... ich versteh nicht wie menschen das machen können...
16.08.2009
Mikaja hat geschrieben:
Nur ein kleiner Anhang:
PETA hat es geschafft, dass McDonalds und Burger King aud der Ferkelkastration austreten!! Wenn ihr keine Vegetarier seid, könntet ihr das Fleisch also beruhigt essen. Wenn es euch nicht stört, dass die Tiere nicht sehr schön gelebt haben und für euch gestorben sind natürlich... ;)
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