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Ein Leben, das kein Leben ist


von SarahU
11.07.2015
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100 P

Das Leben ist schlimmer als der Tod. Hoffnungen erwachen, verschwinden, versiegen. Ich werde es ihnen  nie verzeihen können, was sie mir und meiner Familie angetan haben.

Ich erinnere mich noch an meine ersten Tage, als ich das Licht der Hölle erblickte. Kaum hatte mein Leben begonnen, wurde ich von meiner Mutter getrennt, welche vergeblich nach mir rief. Es war unmöglich, zu ihr zu gelangen. Mein Zuhause war eine kleine Box, wo ich mit weiteren Neugeborenen die ersten Wochen verbrachte. Dicke Eisenstangen schränkten uns ein, uns frei zu bewegen.  Die meiste Zeit lagen oder standen wir herum und sehnten uns unendlich nach unseren Müttern. Einige Wochen später wurden ein paar von uns aus der Box geholt, doch niemand wusste, wo diese hingelangten. Niemand hat sie je wieder gesehen. Manchen meinen, sie hätten das große Glück zu ihren Müttern zurück zu kehren. Die Mehrheit jedoch konnte nicht den schrecklichen Gedanken verbannen, das diese so jungen Geschöpfe bereits ihr Leben verloren hatten.

Mit der voranschreitenden Zeit wurden wir immer größer, immer enger wurde es in der Box. So kam der Tag, an dem wir alle getrennt wurden. Mir wurde eine schwere Kette um den Hals gelegt und ich wurde neben zwei weiteren Bekannten angebunden. So standen wir unserer Freiheit beraubt dicht neben einander und konnten kaum einen Schritt vorwärts noch rückwärts treten. Meine Füße standen auf hartem Beton, wodurch ich das Gewicht meines Körpers umsomehr spürte. Die düstere Dunkelheit drang durch die Decke. Der Gestank der Exkremente betäubte meine Nase. Meine Ohren wurden durch die Schreie und Rufe der Anderen blind. Eines Tages spürte ich etwas in meinem Bauch, mir wurde klar, dass ich in mir ein neues Leben trug. Doch dieser Gedanke lies mich erschaudern. Mir wurde bewusst, dass auch diesem Leben das gleiche Schicksal drohte, welches mir widerfahren ist. Nach einigen Tagen hatte ich mich mit meiner Situation jedoch abgefunden. Ich hatte keine andere Wahl. Die schlechte Luft machte mir zu schaffen. Gleichzeitig schmerzten mir meine Gelenke, so wie beinahe mein gesamter Körper von dem ständigen Stehen und Liegen schmerzte. Über die Zeit hinweg vergaß ich, dass sich in mir ein neues Leben entwickelte. Die Schmerzen verdrängten die Gedanken. So hoffte ich nun auf den Tag, an dem ich endlich frei wurde. Mich frei bewegen können. Meinem Leben einen Sinn geben können. Doch mit jedem weiteren Tag schwand meine Hoffnung. Schließlich brachte ich mein Kind zur Welt und trotz meiner aussichtlosen Situation durchströmte mich ein Gefühl des Glücks. Der glücklichste Moment in meinem Leben. Doch dieses Glück wurde zerstört. Kaum brachte ich mein Glück auf die Welt, so wurde es mir genommen. Denn sie nahmen mir mein Kind. Vergeblich wehrte ich mich mit meiner letzten Kraft die Kette abzureißen. Erfolglos. Tiefe Trauer folgte. Trauer um mein Kind, Wut über jenige, die mir solch einen Schmerz zufügten. Schließlich  sehnte ich mich nach einem Ende. Endgültig. Doch der Verlust meines Kindes war nicht alles. Täglich wurde mir nun die Milch genommen, welche für mein Kind gedacht war. Nicht nur mir ist dieses grausame Leben widerfahren, widerfahren ist dieses Leben auch Millionen Artgenossen. Alle sehnten sich nach einem Ende der Qualen. Der Schmerzen. Des Leidens. Die Hoffnung auf ein Leben in Freiheit hält uns am Leben. Ein Leben, welches kein Leben ist.

Die Trauer um mein Kind hatte ich auch Monate später nicht überwunden. Doch diese Trauer konnte nicht schwinden. Sobald ich die Trennung von meinem Kind einigermaßen überwunden hatte, flammte die Trauer erneut auf. Denn ich brachte noch vier weitere Kinder zur Welt, welche mir alle sofort genommen wurden. Das Leben dieser war ungewiss, ich werde nie erfahren, was ihnen widerfahren ist. Nach der Geburt meines letzen Kindes verschlechterte sich mein Zustand stärker. Wunde stellen an Gelenken. Blut und Eiter. Schließlich wurden mir die Ketten genommen und ich wurde in eine engen Wagen mit vielen weiteren Artgenossen gesperrt. Stundenlang standen wir nun dicht an dicht gedrängt. Die stickige Luft erschwerte das Atmen. Die Körper der anderen rieben an meinen Wunden und verstärkten meine Schmerzen. Meine Gedanken waren ein reines Durcheinander, ein Durcheinander waren auch meine Gefühle. Werde ich mein Leben leben können? Erlangte ich nun die lang ersehnte Freiheit? Oder folgten weitere grausame Vergehen an unsereinem? Durch Spalten unseres Wagens konnte ich helles Licht erblicken, warme Strahlen trafen mich. Zu diesem Zeitpunkt war ich mir sicher, dass nun mein Leben beginnen würde; doch dies war ein Irrtum. Nach einigen Stunden kam der Wagen zum Stillstand und wir wurden in einen Raum gedrägt. Ein seltsamer und zugleich bekannter Geruch stach in meine Nase. Und mir wurde klar, dass dieser Geruch, Gestank des Blutes war. Meine Augen blickten in die Augen der anderen. Voller Angst und Hoffnungslosigkeit. Alle Hoffung war gestorben. Und so stehe ich nun da und muss mit ansehen, wie meinen Artgenossen die Kehle aufgeschnitten wird. Blut strömt heraus. Rot ist das Blut, die Wände sind rot. Ich werde die nächste sein. In mir steigt unendliche Wut auf und zugleich das Gefühl der Erlösung. Ich werde nun mein Leben verlieren, welches ich nicht leben durfte.

In Gedenken an die jährlich Millionen gequälten und getöteten Milchkühe und Kälber.

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Kommentare (4)
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Sortieren nach Aktualität:
13.07.2015
Celina30 hat geschrieben:
Ein sehr trauriger Text und leider auch wahr :(
12.07.2015
Luke24 hat geschrieben:
Ein super geschriebener Text, der leider traurige Wahrheit ist :-(
11.07.2015
Sunlight hat geschrieben:
;( ;( ;(
Da weiß ich wieder einmal mehr, warum ich Veganerin bin...
11.07.2015
johannesS hat geschrieben:
Total traurig! Und leider auch sehr wahr! Danke für diesen genialen Text :D
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