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Die EU-Transportrichtlinie:Unnötige Tierquälerei auf dem Weg zur Schlachtung


von Julia018
17.06.2010
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Zart,saftig und verführerisch duftend liegt ein Stück Rindfleisch vor uns auf dem Teller. Doch kaum ein Verbraucher macht sich bei diesem Anblick Gedanken darüber, wie das Fleisch auf seinen Teller gekommen ist und wie sehr das dahinter stehende Tier von der Geburt bis zur Schlachtung unter Haltungs- und Transportbedingungen gelitten hat. Die EU, eine der mächtigsten Institutionen weltweit, erlässt für mittlerweile 27 Mitgliedsstaaten übergeifend verbindliche Richtlinien und Verordnungen. Und versagt doch kläglich, wenn es um das Wohl der Tiere geht, die als Fleisch bei uns Verbrauchern auf dem Tisch landen. Die Geschichte der Tiertransporte in der EU beinhaltet einen steinigen Weg, der auch mit der letzten Transportrichtlinie kein zufriedenstellendes Ende gefunden hat!

Tiertransporte finden innerhalb Europas und auch weit über seine Grenzen hinaus statt. Betroffen sind: Rinder und Kälber, Pferde, Esel, Schafe und Lämmer, Schweine und Ferkel, Kaninchen, Geflügel, Fische, Meerestiere, Tierversuchstiere, Zoo- und Zirkustiere. Mehr als 188 Millionen Tiere wurden 2007 allein durch Deutschland transportiert, weltweit waren es rund 50 Milliarden-erfasste-Tiere.  Tiere werden dabei nicht nur einmal in ihrem Leben den Strapazen von Transporten ausgesetzt. So werden in Dänemark geborene Tiere in Deutschland gemästet und schließlich in Italien geschlachtet. Und die Exporte nehmen weiter zu. So exportierte Deutschland 2008 mehr als 51.000 Schlachtrinder. Gleichzeitig wurden aber rund 61.000 Rinder zur Schlachtung importiert-sinnlose(!) Transporte auf Kosten der Tiere. Zudem stieg der Export von Zuchtrindern-allein im ersten Halbjahr 2009 wurden mehr als 30.000 junge Kühe in mehr als 30 Länder exportiert. Allein für die Schlachtung werden rund 360 Millionen Tiere quer durch Europa transportiert!

Tiertransporte sind problematisch: Die Tiere sind oft tage- oder sogar wochenlang unterwegs- eine vernünftige zeitliche Begrenzung für die Transporte gibt es bis heute nicht. Hinzu kommt, dass die Tiere unter der häufig unerträglichen Enge in den Transportern leiden, unter drückender Hitze, quälendem Durst, Hunger mangels entsprechender Futterversorgung und Schmerzen aufgrund von Verletzungen. Kommen sie nach Tagen am Zielort an, sind sie meist zu Tode erschöpft. Wer die Augen aufhält, kann die Missstände kaum übersehen: Auch auf deutschen Autobahnen finden Transporte statt, bei denen Tierbeine aus dem LKW heraus ragen, weil die Tiere viel zu eng zusammengepfercht sind und nicht vernünftig stehen können.

Viele kennen dieses grauenvolle Bild aus den Medien: Ein zu Tode erschöpftes und verletztes Rind wird brutal mit einem Kran, an einem Bein hängend (!) aus dem Transportfahrzeug gehoben, weil es nicht mehr selbst die LKW-Rampe hinunter laufen kann. Was für eine Qual dies für das Tier bedeutet, mag man sich kaum vorstellen. "Glück" haben dem gegenüber die Tiere, die z.T. mit Stromstößen aus dem LKW getrieben werden und selbst noch laufen können. Das Traurige an reellen Szenen dieser Art ist, dass sie tagtäglich, rund um die Uhr und weltweit stattfinden.

Die im Juni 1995 auf Druck der Öffentlichkeit verabschiedete EU-Richtlinie über den Schutz von Tieren beim Transport wurde in Deutschland im März 1997 in nationales Recht umgesetzt, führte jedoch kaum zu Verbesserungen der Transportbedingungen für Tiere. Sie regelte erstmals zulässige Transportzeiten, Versorgungs- und Ruheintervalle, Anforderungen an die Transportfahrzeuge, Ladedichten und Sachkunde der Transporteure sowie Kontrollen der Tiertransporte. Leider kam es weiterhin zu überladenen Lastwagen, Überschreitung zulässiger Transportzeiten, Missachtung von Tränke- und Fütterungsvorschriften u.v.m. Eine nachhaltige Kontrolle der Einhaltung fehlte und führte zu den beschriebenen Missständen.

Daher verfasste die EU im Juni 2005 die Tiertransportverordnung (EG) 1/2005, die 2007 in Deutschland in Kraft trat. Doch auch diese Verordnung führt bis heute nicht zu den gewünschten Verbesserungen bei Tiertransporten. Die kritischsten Punkte beinhalten im Überblick:

- Langstreckentransporte mit geringem Platzangebot sind weiterhin erlaubt! Tiere dürfen nach wie vor über mehrere Tage transportiert werden, so lange der LKW Lüftungsmöglichkeiten, Einstreu- und Versorgungsvorrichtungen aufweist. Abhängig vom Alter und der Tierart dürfen die Tiere, mit einer einstündigen Pause, zwischen 19 und 29 Stunden lang transportiert werden. Die anschließende Ruhephase von 24 Stunden an bestimmten "Ruheorten" darf neuerdings sogar auf dem LKW (!) stattfinden, also ohne (!) Abladen in einer speziellen Versorgungsstation. Der Transport wird im Anschluss an diese sehr zweifelhafte "Ruhephase" fortgesetzt.

- Die Versorgung der Tiere ist mangelhaft: Versorgungsvorschriften, die z.B. eine Wassertränke im LKW vorschreiben, sind ja schön und gut-aber was nützen sie den Tieren, wenn sie in der Enge des LKW nicht alle an die wenigen Tränken gelangen? Außerdem ist beispielsweise eine Tränkung saugender Lämmer oder Kälber im LKW gar nicht möglich, was nicht speziell berücksichtigt wird. Die in LKW erlaubten "Höchsttemperaturen" sind nach wie vor viel zu hoch.

- Fehlende Kontrollen erschweren die konsequente Umsetzung der Vorschriften. Findet keine Überprüfung eines Transporteurs diesbezüglich statt, dass er nach der vorgeschriebenen Zeit tatsächlich den im Transportplan eingetragenen "Ruheort" anfährt, um die Tiere dort zu versorgen, nützt die schönste Vorschrift den Tieren überhaupt nichts. Ohne Kontrollen werden Missstände nicht aufgedeckt, es ergeben sich für die Transporteure keine negativen Konsequenzen aus dem Nichteinhalten dieser Vorschriften und damit läuft jede Regelung ins Leere. Leider ist genau das die Realität: Kontrollen finden in der EU so gut wie nicht statt! Und entdeckt man wirklich einmal verletzte oder erschöpfte Tiere in Transportern, so können diese meist nicht abgeladen werden, weil die dafür erforderlichen Not-Entlademöglichkeiten fehlen. Außerdem fehlen effektive Kontrollen an den EU-Außengrenzen, TROTZ entsprechender Vorschriften! Außerhalb der EU gelten die genannten Vorschriften gar nicht!

Tierschutzorganisationen verfolgen daher schon seit langem folgende Ziele:

- Gnerell eine drastische Reduzierung aller Schlacht-, Nutz- und Zuchttiertransporte, nicht nur innerhalb der EU, sondern auch weltweit, indem man die Welthandelsorganisation (WTO) dazu bewegt, international verbindliche Tierschutzstandards festzulegen und Tiertransporte Schritt für Schritt einzuschränken.

- Dringend eine zeitliche Begrenzung aller Tiertransporte: bei Schlachttiertransporten auf maximal 4 Stunden und bei Nutz- und Zuchttieren auf zunächst maximal 8 Stunden.

- Streichung von EU-Subventionen für den Export von Zuchtrindern. In der Hoffnung, dass die Durchführung dieser Transporte dann nicht mehr lukrativ genug ist.

Auf den Fluren Brüssels kursiert zwar ein inoffizieller Entwurf der Kommission zur Neuregelung von Tiertransporten in der EU. Hiernach soll die gesamte Transportdauer auf max. 9 Stunden beschränkt werden. Leider gilt dies aber nur für Vieh auf dem Weg zur Schlachtung und nicht für Mastvieh, das 70% aller Tiertransporte europaweit ausmacht. Allein mit der Definition "Schlacht"- oder "Mastvieh" lässt sich diese Regelung leicht umgehen. Und bisher sieht der Entwurf auch keine Satellitenüberwachung der Transportzeiten per GPS vor, was heute technisch möglich wäre. Der Entwurf erfordert also dringend Nachbesserungen, gerade was effektive Kontrollen angeht.

Fazit ist, dass es in Bezug auf Tiertransporte in der EU noch vieles zu verbessern gibt, um den Tieren, die uns Verbraucher ernähren, so wenig Leid wie möglich zuzufügen, bevor sie geschlachtet werden. ABER: Wir, die Verbraucher, haben eine gewisse Macht, die wir ausüben können: Wir können unser Konsumverhalten beeinflussen und dazu muss man die Hände vom Billigfleisch im Kühlregal lassen und am besten beim (Bio-) Bauern in der Nähe oder in Naturkostläden kaufen!!! Oder man verzichtet teilweise oder ganz auf Fleisch!!!

Text von der Autorin Heidi Neuhoff aus der Zeitschrift "Struppi"

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Kommentare (5)
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23.06.2010
NaNe5 hat geschrieben:
also der Bericht ist wirklich toll aber auch zugleich sehr Erschreckend..am Schlimmsten finde ich ja das es Erlaubt ist Ruhepausen (falls sie wirklich stattfinden) in diesem Ekelhaften Anhänger Stattfinden dürfen.
Ich Frage mich nun mal wieder was das für einen sinn hat ?!
Naja so wie die Denken denken zum Glück nicht alle.
Grüße.
20.06.2010
RussellBesitzer hat geschrieben:
Toller Bericht, meien Familie Kauft nur Beim Metzger der eigenen Kühe Besitzt und eigen Schlachtung macht.
18.06.2010
BeckyBee hat geschrieben:
Ich finde es auch schlimm wie Tiere, die kaum anders sind als unsere geliebten Haustiere, z.B. Hunde und Katzen, derartig rücksichtslos behandelt werden, als wären sie nicht mehr Wert als ihr Preis auf dem Fleischmarkt. Bei allen Produkten, von denen man nicht genau weiß woher die Tiere kommen, sollte man vorsichtig sein. Bekannte Marken und selbst die Bezeichnung "Bio" sind keine Garantie für den artgerechten Umgang mit Tieren. Wenn man in einer ländlichen Umgebung wohnt, ist es sinnvoll Fleisch von ausgewählten Metzgern zu beziehen, und sich persönlich anzuschauen, wo das Fleisch herkommt. Denn selbst in den besseren Bauernhöfen werden Tiere auf engem Raum eingesperrt, ohne Betäubung kastriert, schlechten klimatischen und sozialen Bediungen ausgesetzt.
Ich finde es gut dass auch die Möglichkeit garkein Fleisch zu essen im Bericht empfohlen wird, da es absolut nicht nötig ist, welches zu essen. Als Vegetarier lebt man mindestens genauso ausgewogen und gesund wie ein Fleischesser. Fleisch ist nur purer Genuss, Angewohnheit und Tradition, aber keinesweg notwendig.
Danke also für den Bericht :) Tierschutz beginnt nämlich vor unserer Haustür,bzw. im Supermarkt, und nicht nur in fernabgelegenen Regionen.
17.06.2010
Sina13 hat geschrieben:
Ja wirklich guter Bericht. Doch ich denke auch das für viele Menschen Fleisch unverzichtbar ist. Ich habe das Glück in einer kleinen Stadt zu wohnen,in denen die Metzger noch überwiegen und man da zu einem normalen Preis Fleisch kaufen kann. Dort weiß man dass die Tiere von den umliegenden Bauernhöfen kommen. Man sollte wirklich darauf achten wo man sein Fleisch kauft!
Diese Massentransporte sind einfach schrecklich.
17.06.2010
wildcat hat geschrieben:
Guter Bericht ;-)
Aber ich glaube, ohne Fleisch geht es für sehr viele Menschen nicht. Das Problem ist warscheinlich auch, dass das Biofleisch oftmals recht teuer ist. Da greifen die meisten doch lieber mal zum Billigprodukt.
Qualität bedeutet für die Supermärkte meistens nur:
* Strenge Futtermittel- und Hygienekontrollen
* Nachweis regelmäßiger Gesundheitschecks der Tiere durch den Tierarzt
* Die genaue Einhaltung der Kühlkette vom Transport bis zum Kühlregal
aber nicht faire Lebensverhältnisse für die Tiere!Daran sollte sich unbedingt etwas ändern!
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