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Der leckere Lachs, der hat's nicht leicht.


von Karl
15.12.2009
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5.Dezember, 2009

Der Lachs gehört zu den beliebtesten Fischsorten der Deutschen, obwohl er bis 1949 in den meisten Flüssen Deutschlands ausgestorben war. Einst zählte der Lachs das Wasser in den großen Strömen Rhein, Elbe und Weser zu seiner Heimat, zu hohe Wehre und die Zerstörung naturnaher Bäche und Flüsse verhinderten den sprungfreudigen Wanderkameraden jedoch endgültig die Rückkehr in ihre angestammten Laichgebiete.

Wo stammt also nun das leckere Filet her, das bei vielen Familien zur Weihnachtszeit, Silvester und anderen Anlässen die Krönung eines feierlichen Mahls darstellt?

Oder auch unter der Woche, mal ein fixes Seelachs-Schitzel.

Einfach gesagt: Der Fisch stammt von Überall, jedoch nicht aus heimischen Gewässern.

Der Stammplatz auf deutschen Tischen konnte der Fisch nur verteidigen, weil eine stete Versorgung aus pazifischen Gewässern die Nachfrage an frischem und gefrorenem Wildlachs stillte. Der Lachs erfreut sich bestem Ruf bei deutschen Verbrauchern, leidet jedoch unter einem miserablen Zustand:

Das berühmte-billig-berüchtigete Alaska-Seelachs-Schnitzel, der Kräuter-Wildlachs; Fette Sorten, wie Räucherlachs, enthalten viele Omega-3-Fettsäuren, die eine verjüngende Wirkung haben – nur einige läufiger Gourmet-Variationen.

Diesen Sommer hatte ich Gelegenheit, diese prächtigen Kreaturen in ihrer ganzen Größe und Schönheit in Britisch-Kolombien zu bewundern. Sie sind so viel mehr, als rote, schwimmende Schnitzel. Ich war von der schieren Größe des Fischs überrascht, der locker die Spannweite meiner Arme übertraf. Wunderschoene rot-schimmernde Schuppen und eine kolossal-majestätische Fortbewegungsweise zeichnen den König der kanadischen Flüsse aus.

Mehr als tausend Kilometer war der Lachs geschwommen, um hier, am Fuße der Caribou Mountains, dem Ort seiner Geburt, zu laichen und schließlich nach erfüllter Aufgabe, zu sterben.

Einige dieser langen roten Kerle lagen hier förmlich im Flachwasser und warteten auf den Moment der Schöpfung, Geburt und Tod zugleich. Ein Wunder der Natur.

Wie kommt der Lachs zurück an den Ort seiner Geburt, erinnert die Koodinaten?

Es erscheint rätselhaft, aber doch so vollkommen.

Leider war ich auch Zeuge des von der Regierung als Kollaps bezeichnetem drastischen Einbruch der rückkehrenden Lachspopulation. Statt der erwarteten 10,6 Millionen Tiere war nur ein winziger Bruchteil von 1,37 Millionen Tieren den Fluss heraufgekommen.

Die Einheimischen berichteten, dass der Fluss noch vor wenigen Jahrzehnten rot vor lauter Lachs gewesen sei, man hätte das Wasser kaum sehen koennen. Der berühmte Salmon Run war in den letzten Jahren zu einem regionalen Wettewerb im Synchronschwimmen verkommen.

Mehr als die Hälfte der Ureinwohner BC's wohnen im Gebiet des Fraser Rivers. Der Fisch stellt fürsie, sowie die ansässigen Grizzlies eine wichtige Lebensgrundlage dar. Doch weder Sie, noch kommerzielle Fischer und auch die Regierung sind in der Lage, das dramatische Ausbleiben zu erklären. Sie sitzen im Dunklen.

Vermutungen und einige Studien besagen, dass kommerzielle Überfischung, Änderung der Wassertemperatur, intensive Aquakultur an der Küste sowie mangelnde Nahrung Gründe für das Ausbleiben des Königs der Flüsse sein könnten. Über das Leben der Lachse im Pazifik ist relativ wenig bekannt. Nur eines ist klar: Der Lachs ist am Sterben.

Nichtsdestotrotz landet das rötliche Filet auf unseren Tellern. Die Meere werden industriell abgeernet und überfischt. Der Einbruch der Lachspopulation steht exemplarisch für den dramatischen Schwund an aquatischem Meeresleben, vorrangig Speisefisch. Ueber 75% der weltweiten Fischbestaende sind bereits abgefischt.

Beifang ist ein riesiges Problem der Hochseefischerei, und die Folgen verherend. Allein diesem Aspekt könnte man mehr als einen Bericht widmen. Wer sich für dafür interessiert, dem sei die WWF-Jugendseite empfohlen, die über die Problematik und Lösungskonzepte aufklärt.

Es ist erschreckend, was mit den Meeren geschieht, während wir ohne schlechtes Gewissen unseren Wildlachs schnabulieren. Das Alles ist natürlich kein Grund komplett auf den Verzehr von Fisch zu verzichten, auch wenn etwas weniger sicher nicht schaden wüerde, da unsere Konsum ohnehin überdurchschnittlich ist. Man sollte bewusst kaufen. Skeptisch sollte man bei billigem Fisch sein, der meist unter widrigsten Bedingungen gezüchtet oder gefangen wurde und dem entsprechend schlechte Qualität nachgesagt wird. Es wurden schon Spuren von Antibiotika und rotem Färbemittel in Billig-Lachs nachgewiesen. Wer mit Sicherheit Qualität kaufen möchte, sollte auf die Bezeichnung Bio- oder MSC-Wildlachs auf der Verpackung achten. MSC ist die Abkürzung von Marine Stewardship Council und steht für eine umweltschonende Aufzucht bzw. nachhaltige Fischerei.

Der Filmautor und Fischereiexperte Charles Clover wirft den europäischen Agrarministern im Zeit-Interview Klientelpolitik vor:

"Ich bin skeptisch. Die Politiker werden wieder sämtliche Ergebnisse der Wissenschaft ignorieren. Dabei sprechen die Zahlen eine deutliche Sprache: 88 Prozent der Bestände weltweit gelten als überfischt. Aber die Politik wird das nicht stören, sie erlaubt den Fischern, zwei bis drei Mal so viel Fisch zu entnehmen, wie einige Bestände überhaupt verkraften können. Sie hat immer noch nicht verstanden, dass sie mit der Natur nicht verhandeln kann. Die Bestände geben das einfach nicht her. Die sogenannte Gemeinsame Fischereipolitik der EU ist ein Desaster – das wissen auch die Verantwortlichen in der EU-Kommission."

Auf Clover's Film "The end of line", der bald in Deutschland anläuft und die Überfischung der Meere bebildert sei hingewiesen.

Nach der kleinen Exkursion in kanadische Gewässer kehren wir heim und enden mit einer positiven Entwicklung, die mich trotz allen Elends etwas optimistisch stimmt:

Viele Naturfreunde träumen seit vielen Jahren von der Wiederkehr der Lachse in heimische Gewässer und kämpfen für die Renaturierung von Bächen und Flüssen. Mehrere Tausend Lachse wurden in den letzten zehn Jahren in Bächen ausgesetzt.

Allen WWFlern eine frohe und gesegnete Weihnachtszeit!

Zum Abschluss noch eines meiner beruehmt-schlechten Gedichte:

Kein Schnitzel- von Karl Friedrich Schiebe

der Lachs war ausgestorben

nun kehrt er zurück

durch Menschenhand

An anderen Orten?

Ist er am Sterben

kehrt kaum zurück

durch Menschenhand 

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