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Der bittere Beigeschmack der Ananas


von Sarah25
11.11.2011
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Ihr kennt sie alle. Jedes Mal, wenn ihr durch den Supermarkt geht, begegnet sie euch in der Obstabteilung: die Ananas. „Ananas? Oh ja! Die schmeckt lecker! Die kauf ich!“ – Ja, in der Tat schmeckt sie lecker. Doch ihr süßlicher Geschmack mischt sich schnell mit einem bitteren Beigeschmack. Denn jede Ananas erzählt eine lange oftmals traurige Geschichte. Wo sie herkommt können wir auf den Supermarktschildern erkennen, doch mehr erfahren wir meist nicht. Ich möchte euch versuchen ihre Geschichte näher zu bringen, denn in Costa Rica habe ich mit eigenen Augen Ananasplantagen gesehen und war zutiefst bestürzt.


Die Ananasblätter verbrauchen in den Kisten viel Platz, den man durch vorheriges Abschneiden dieser einsparen könnte – allerdings kauft der Konsument aus ästhetischen Aspekten lieber eine Ananas mit Blättern.

Über 50% der Ananas-Importe Deutschlands stammen aus Costa Rica. Das mittelamerikanische Land ist mit seinem tropischen Klima das perfekte Anbaugebiet für Ananas. Mit einer jährlichen Produktion von ca. 1,6 Millionen Tonnen ist Costa Rica weltweit der Hauptexporteur von Ananas. Doch der Ananasanbau hat nicht nur für die Umwelt sondern auch für die Menschen der Region schwerwiegende Folge.

„Im Hintergrund der wunderschöne Regenwald und im Vordergrund nur weite Ananasplantagen“, dies war mein erster Eindruck, als ich während meines Jahres in Costa Rica die ersten Ananasplatagen erblickte. Es stimmte mich traurig zu sehen, dass der Regenwald, Lebensraum für viele Tierarten, weichen muss für riesige Ananasplantagen. Durch die Abholzung des Primärregenwaldes wird die Biodiversität vermindert und ein wichtiges Ökosystem zerstört., Die Nachfrage nach der tropischen Frucht ist in den letzten Jahren deutlich angestiegen und somit werden auch die Plantagen vergrößert. Die Anbaufläche Costa Ricas ist von 22.400 Hektar 2006 auf 45.000 Hektar im Jahre 2010 gestiegen. Dies entspricht der Hälfte der Fläche Berlins!


       Zerstören nicht nur das schöne Landschaftsbild – Ananasplantagen in Costa Rica

Pestizide verunreinigen Flüsse und Luft. Um möglichst viel Platz auszunutzen werden Ananasplantagen oft bis direkt an die Flußufer angelegt. Die auf der Plantage genutzten Pestizide gelangen dehalb schnell in das Flusssystem und verseuchen somit das Wasser. Aber nicht nur Flora und Fauna sind von den Chemikalien betroffen sondern auch die Menschen. Durch die übermäßige Anwendung von Pestiziden gelangen regelrechte Pestizidwolken in die nahegelegenen Dörfer, da bei der Anlage von Plantagen oft die vorgeschriebenen Sicherheitsabstände zu Wohngegenden nicht eingehalten werden. Die Bevökerung beklagt sich vermehrt über Asthma, Allergien und Brechreize.

Neun Euro Tageslohn für knochenharte Arbeit: Die wenigsten Arbeiter auf den Plantagen  erhalten den gesetzlich geregelten Mindestlohn. Pestizidspritzungen, Düngung, Nacherntebehandlung, das Pflanzen der Setzlinge und das Ernten der reifen Früchte, all diese Abeit wird meist manuell verrichtet. Dabei sind die Arbeiter den ganzen Tag der starken Sonneneinstrahlung oder den tropischen Regengüsse ausgesetzt, da es keine schattenspendenden Bäume gibt. Oft tragen die Arbeiter bei den Pestizidspritzungen unzureichende Schutzkleidung und erleiden dadurch starke Hautverletzungen, Gliederschmerzen oder Schlimmeres. Zusätzlich werden in Costa Rica viele illegale Migranten aus Nicaragua als billige Arbeitskräfte eingesetzt. Sie können sich gegen die miserablen Arbeitsbedingungen nicht wehren, denn die Unternehmen drohen die Migranten anzuzeigen.

Vom Feld in die Verpackungshalle: Auch dort geht es den Arbeiter nicht besser. Sie werden oft nach gepackten Kisten bezahlt und stehen daher unter ständigem Zeitdruck.

Eine lange Reise quer über den Ozean: Bevor die Ananas nun in unseren Supermärkten landen, müssen sie einen weiten Weg zurücklegen. Von der Plantage werden sie in LKWs zu Verpackungshallen transportiert. Dort werden die „schlechten“ Ananas, also die zu klein, zu groß oder unproportional gewachsenen Ananas, aussortiert. Danach werden die Guten in Kisten verpackt, gestapelt und mit einem LKW zum Hafen von Limón, Costa Rica transportiert. Von dort aus geht es dann mit einem Containerschiff weiter bis die Ananas schließlich nach etwa drei Wochen Deutschland erreichen. Vom Hamburger Hafen aus werden sie wiederum in LKWs in unsere Supermärkte gebracht., damit wir sie dannn kaufen können.

„Oh ja, lecker die kauf ich!“ – STOP! Würdest du, nachdem ihr diesen Bericht gelesen hast nun noch immer so schnell im Supermarkt zuschlagen? Der Ananasanbau trägt schließlich zur Abholzung des Regenwaldes, zur Ausbeutung von Menschen und durch die lange Reise zu einer schlechten CO2-Bilanz bei.

                                               Auf den Weg in unseren Supermarkt

Du möchtest trotzdem nicht auf Ananas verzichten? Hier ein paar Tipps:

1.) Versuche möglichst Fairtrade-Ananas zu kaufen. Diese sind allerdings nicht weit verbreitet und daher sehr schwer zu finden.

2.) Findest du keine Fairtrade-Ananas so achte wenigstens auf das Bio-Siegel!

3.) Frage dich selbst wie oft du eigentlich Ananas essen musst oder willst. Schmeckt die Ananas nicht noch besser, wenn sie etwas Besonderes ist? Daher solltest du versuchen deinen Ananas-Konsum eindämmen, denn auch Ananas mit Bio-Siegel, wurden nicht unbedingt unter fairen Arbeitsbedingungen produziert.

Die beste Lösung bleibt daher: Finger weg von der Ananas im Supermarkt! Anstatt Ananas oder anderer tropischer Früchte könntest du zum Beispiel mehr regionale Produkte kaufen. Oder findest du es trotzdem noch immer ökologisch und ethisch vertretbar Ananas zu konsumieren?

       Ausschnitt vom ORF (Österreich), Reportage über den Ananasanbau in Costa Rica

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Kommentare (12)
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03.05.2012
Irongretta hat geschrieben:
Der Bericht war sehr spannend, weil ich eigentlich nie wirklich darüber nachgedacht habe, woher die Ananas kommt und was für Probleme bei der Herstellung dabei sind. Die Tipps am Ende fand ich sehr gut, weil sie leicht umzusetzen sind und man nicht gleich ganz auf Ananas verzichten muss. Ich esse Ananas zwar sehr selten, aber wenn man überlegt, dass auch auf der Pizza Ananasstückchen vorkommen...
15.11.2011
FelicitasVulkanisiert hat geschrieben:
Mir gefällt dein Bericht sehr gut. Du hast offenbar wahnsinnig gut recherchiert und viele unterschiedliche Aspekte reingebracht.
Mit den Pestiziden wird wahrscheinlich auch viel Dünger in die Flüsse gespühlt,was ebenfalls verheerende Folgen haben kann.
Gott sei Dank bin ich allergisch gegen Ananas und es kommt nicht eine weitere Obstsorte hinzu, die ich mit schlechtem Gewissen verspeise wie Mandarinen im Moment ;)
13.11.2011
Sarah25 hat geschrieben:
@Jutta: Ja das ist schade, dass Bewusstsein und Handeln oft so weit auseinander liegen. Ich glaube, dass liegt daran, dass die meisten Menschen von diesen Problemen nur hören, und sie deswegen nicht realisieren bzw. es ihnen nicht allzu sehr am Herzen liegt. Erst wenn sie mit eigenen Augen sehen würde, was für ihre Ananas etc alles leiden musste, würden sie es verstehen und auch danach handeln! Aber trotzdem sollte man immer sein Bestes geben und andere Leute auf die Probleme aufmerksam machen!
13.11.2011
Jutta hat geschrieben:
ich esse ebenfalls keine konventionelle Ananas mehr, seit ich in Costa Rica war. Die Situation ist wirklich schrecklich. Ein Arbeiter einer Ananasplantage von Del Monte hat mir erzählt, dass viele Arbeiter erkranken und der Firmenarzt der sie "regelmäßig" durchcheckt sagt der Firma wenn ein Arbeiter krank ist.. er selbst erfährt es dann meist erst später, wenn ihm bereits gekündigt wurde sodass die Firma nicht mehr für die Krankheit gerade stehen muss.
Ich habe genau das geiche Gefühl gehabt und anschließend allen meinen Bekannten davon berichtet. Leider gibt es trotzdem genug, denen das egal zu sein scheint. Scheinbar gibt es eine riesige Spanne zwischen Bewusstsein und Handeln. Das finde ich schade!
13.11.2011
gelöschter User hat geschrieben:
gelöscht
12.11.2011
Carina hat geschrieben:
Oh Mann, ich liebe Ananas auch. Umso besser also, dass du mich mit diesem Artikel auf ihren "bitteren Beigeschmack" aufmerksam gemacht hast ;). Sehr gelungen finde ich auch, dass du am Ende aufzählst, was man besser machen kann ohne gleich ganz auf Ananas verzichten zu müssen.
12.11.2011
Sarah25 hat geschrieben:
Ja das stimmt mit den allermeisten Produkten verhält es sich so... egal ob Bananen, T-Shirts Handys. Und genau deswegen ist es wichtig den Leuten das ins Bewusstsein zu rufen bevor sie mal wieder Ananas, Bananen etc. kaufen.
Mich hat es sehr geschockt, da ich Costa Rica kenne und die Menschen dort und ich es schrecklich finde, dass sie unseretwegen leiden. ich rühre daher auch keine Ananas, Bananen etc mehr an ;)
12.11.2011
midori hat geschrieben:
Ach Mist! Ich liebe Ananas! :o/
Aber ich esse sie eigentlich echt selten. Scheint ja auch besser zu sein :o(
Danke für diesen wirklich guten und nachdenkenswerten Bericht! Der öffnet die Augen.
Habe auch letztens gelesen, dass solche Arbeiter, die viel mit Pestiziden in Berührung kommen, schon sehr früh Gedächtnisprobleme bekommen. :o(
11.11.2011
Babbuina hat geschrieben:
na gut, dass ich keine Ananas mag.
11.11.2011
gelöschter User hat geschrieben:
gelöscht
11.11.2011
Gluehwuermchen hat geschrieben:
Hmpf, das ist nicht schön. Leider mit fast allen Dingen so. Zeit, dass das mehr ins Bewusstsein kommt...
11.11.2011
gelöschter User hat geschrieben:
gelöscht
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