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Bio steigt auf - oder doch nicht?


von Oekojule
18.11.2011
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Dass Bio nicht mehr in den Gebutsstunden liegt und bereits den Durchbruch geschafft hat, ist allgemein bekannt. Doch die Fakten erwecken den Anschein, dass es um Bio doch nicht so gut gestellt ist. Ich habe mich mal etwas genauer umgehört und die Zahlen-Daten-Fakten der Bio-Branche für euch recherchiert.

Leider ist es so, dass durch den hohen Pestizideinsatz auf den konventionellen Nachbarfeldern keine gänzliche Rückstandsfreiheit in den Bioprodukten gewährleistet werden kann. „Ein Fünftel aller europäischen Oberflächengewässer sind nach EU-Erhebungen schwer schadstoffbelastet“ (oekolandbau.de, Stand: 14.11.2011), was eine starke Belastung unserer Gewässer zur Folge hat. Die einzige Lösung für dieses Problem stellt ein weltweites Verbot von Pestiziden dar. Das sagt auch Kirsten Arp, Leitung Monitoring für Obst und Gemüse beim BNN. Ob das eines Tages tatsächlich durchgesetzt wird, steht allerdings in den Sternen.

Immerhin sind 43 Prozent* der Deutschen bereit mehr Geld für Bio auszugeben. Das ist jedoch eine Zahl zu Zeiten des Dioxin-Skandals. Der Dioxin-Vorfall scheint den Leuten aber dennoch nicht aus dem Gedächtnis zu gehen, da konkret seither vermehrt zu Bio gegriffen wird. Fest steht, dass bei fast jedem zweiten Bundesbürger** mindestens einmal im Monat ein Bio-Produkt im Einkaufswagen landet. Schon alleine 2006 hat es eine Umsatzsteigerung von 16 Prozent gegeben und 2000 bis 2009 laut einer Studie der Uni Bonn sogar 180 Prozent. 2010 konnten mit einer weiteren Steigerung von 2 % 5,9 Milliarden Euro erzielt werden. Das Problem dieser hohen Nachfrage ist ja, dass deutsche Bauern mit der Produktion nicht mehr hinterher kommen und die ökologisch bewirtschafteten Flächen nicht mehr ausreichen. Zudem wurden 2005 in unserem Lande die Fördergelder zur Umstellung auf Bio gekürzt. In Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg sollen sie sogar komplett gestrichen werden. Aufgrund von hohen Mehraufwendungen und des gesteigerten Arbeitsaufwandes durch eine Umstellung kommt einen Betriebsumstellung zu Bio für viele konventionelle Landwirte nicht mehr in Frage. Dadurch wird die ökologische Landwirtschaft zurückgehen und die Gefahr, dass der Bio-Traum zerplatzt, besteht. Beziehungsweise, denn die Nachfrage ist ja da, werden wir die Bio-Produkte verstärkt aus dem Ausland beziehen müssen. Der derzeitige Marktanteil der Bio-Produkte liegt übrigens bei vier Prozent.

Bis jetzt ist es aber noch nicht so schlecht bestellt um die ökologische Landwirtschaft in Deutschland. Im vergangenem Jahr stieg die Zahl der Bio-Bauern um knapp fünf Prozent. Das Jahr davor um 4,2 Prozent. Noch wächst die Zahl also und lasst uns also alle hoffen, dass das so bleibt. Die steigende Tendenz führt jedoch wiederrum zu einer Kostensteigerung. Wir können uns also schon einmal auf eine Verteuerung von Bio einstellen.


--------------------------
Quellen:
- http://www.oekolandbau.de/service/nachrichten/detailansicht/meldung/weltweiter-pestizideinsatz-erschwert-rueckstandsfreie-bioproduktion/zurueck-zu/5/
- * http://www.stern.de/gesundheit/dioxin-skandal-gerne-bio-aber-bitte-billig-1642488.html
- ** https://vitruv.uni-tuebingen.de/ilias3/data/pr01/lm_data/lm_1171/ArtikelBio.html
- http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,608470,00.html
- Stiftung Warentest-Zeitschrift März 2011, Seite 19

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Kommentare (4)
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25.11.2011
HannaS hat geschrieben:
Da hast du vollkommen recht, Midori, die Landwirtschaft ist so verzerrt durch all die Subventionen... Bio ist gar nicht so teuer, alles andere ist nur sehr billig und die versteckten Kosten (z.B. die Umweltbelastungen) trägt die Allgemeinheit. Ich hoffe auch auf die Reform der GAP (Gemeinsame Agrarpolitik von Europa), aber bisher hat sich die deutsche Regierung eher als Bremser für ökologische Belange herausgestellt.
22.11.2011
midori hat geschrieben:
Würden endlich die Subventionen für den konventionellen Landbau abgeschafft und stattdessen dem Ökolandbau zugeschrieben, dann hätten wir endlich was erreicht! Stattdessen fördern wir mit unseren Steuergeldern ungewollt Pestizide, Monokulturen und Gentechnik. Eine riesige Sauerei! Ich hoffe, die Reform der GAP wird ein Erfolg! Weg mit Konventionell, her mit Bio!
18.11.2011
Oekojule hat geschrieben:
Hey JohannesB! :)
Naja das ist son Ding der Wahrnehmung. Auf der einen Seite sind da die Zahlen, die für die Ökolandwirte sprechen, weil Bio boomt. Auf der anderen Seite sind die Kürzungen, wovon viele Bauern in Kombi mit der vielen zusätzlichen Arbeit abgeneigt sind. Ich würde mal sagen, dass ich momentan die Waage hält. Die Befürchtung liegt eher in der Zukunft, wenn es tatsächlich gar keine Förderungen mehr gibt. Dann wird kaum noch einer umstellen. Jetzt will ja nur jeder etwas von dem großen Kuchen mit abhaben - zumindest ist das der Hauptgrund für die Umstellung in letzter Zeit. Bio steigt auf, also stell ich um. Wenn für den Landwirten jedoch nichts mehr rumkommt, weil kein Forderungen mehr und weil der Markt vielleicht in der Masse gesättigt ist (kann ja sein), wird keiner mehr umstellen.

Die Bio-Preise steigen, weil die Nachfrage da ist und die Industrie denkt, dass sie jetzt wieder eins oben drauf setzen kann. Das liegt leider nicht in den Händen der Bauern selbst. So würde ich es denken. ;) Die Preiserhöhung ist auch nicht nur in der Bio-Branche zu erwarten. AUch konventionelle Lebensmittel werden immer wieder erhöht.
18.11.2011
JohannesB hat geschrieben:
Hey Oekojule!
Danke für den Bericht!
Von den hohen Umstellungskosten, die ein Landwirt für die Umstellung auf Bio zu tragen hat, habe ich auch schon gehört.
Ich versteh allerdings zwei Dinge nicht so ganz:
Wenn schon 2005 die Fördergelder gekürzt wurden und die Biobauernhöfe trotzdem zugenommen haben, warum ist dann künftig ein Rückgang zu befürchten?
Und warum steigen die Bio-Preise wenn es mehr Bio-Bauern gibt?
Wär super, wenn Du das noch erklären könntest :) Danke!
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