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Bananarama - The Story of a life time


von Karl
27.02.2011
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24 P
Tags: Containern

Bananarama – The Story of a life time oder Es stinkt gewaltig.

Es stinkt gewaltig. Um mich ist es dunkel und kalt. Ich liege in einer Lache aus süßem Erdbeerblut. Alle, alle sind tot. Alle Erdbeeren, denn sie waren die verletzlichsten unter uns.

Nur eine hat noch Kraft zu wimmern, ihre Stimme bricht, während sie letzte verzagte Hilferufe ausstößt. Durch das Rascheln der Frischhaltefolien dringt das Wispern der Überlebenden. Es sind viele. Ein Chor italienischer Weintrauben stimmt ein Requiem für die Erdbeeren an. Der Bio-Brokkoli erinnert sich an die alten Tage, da der Bauer ihm seinen Schutz, wie seinem eigenen Fleisch und Blut angedeihen ließ. Allein das Kartoffelregiment beschwert sich nicht. In seinem Netz fühlt es sich sicher und geschützt. Die anderen sinnen auf einen Fluchtweg.

Wie konnte ich hier nur landen?
Es hatte doch so vielversprechend angefangen. Als ich nach meiner langen Reise, das Licht des Supermarktes und das freundliche Lächeln der Verkäuferinnen erblickte, wusste ich, dass dies der Beginn einer goldenen Zukunft sein würde.

Die Tage der Hitze, die Angst vor Sonnenbrand und Pestiziden. All dies sollte nun ein für allemal vorüber sein. Jetzt in angenehmer Kühle in Vorfreude auf meine eigentliche Bestimmung zu warten, genießend, den Gedanken ans Genossen werden. Jemand sollte meine raue Schale entfernen, und mein süßes Inneres wertschätzen. Wir würden jemandes Träume erfüllen, meine Schwestern und ich, würden genussvoll mit einem Menschen verschmelzen. So sollte es sein, denn Deutschland ist eine Bananenrepublik.
Mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von 14 kg Dessertbananen pro Jahr, sollte man meinen wir wären ihnen zu schade, um im Abfall zu landen.

So warteten wir in der Auslage auf unsere Adoption, bis meine Schwestern nach und nach von mir weggebrochen wurden und ich allein zurückblieb. Allein, allein. Aus irgendeinem Grund wollte mich keiner adoptieren. War ich ihnen nicht gelb genug? Nein, das konnte es nicht sein. Ich war goldgelb. Doch die Sorge verzehrte mich. Würde mich denn auch noch einer haben wollen? Die biologische Uhr tickte, durch meine Sorge noch beschleunigt. Und plötzlich war es Samstagabend und ich hatte einen braunen Fleck. Es war nach acht, die Verkäuferinnen lächelten nicht mehr. Mit kalten Augen, und einem Plastikhandschuh beförderten sie mich in die Tonne. Sollten so meine glänzenden Träume enden?
 

Nun liege ich hier und versuche mich von meinem Elend durch das Gespräch mit einer ebenfalls entsorgten DIE WELT-Zeitung vom 18.02.2011 (die ich sonst nie lesen würde) abzulenken. Munter rezitiert sie immer wieder diesen einen Artikel:

„Weggeschmissene Lebensmittel: Der Handel schätzt, dass rund zwei Prozent seiner Waren im Müll landen. Die Konzerne halten sich mit Zahlen sehr bedeckt. Ein Teil der Lebensmittel, die nicht mehr verkauft werden können, geht zwar an soziale Einrichtungen wie die zahlreichen Tafeln. Doch oftmals scheint es billiger zu sein, Waren einfach wegzuwerfen. Ein Skandal. Die Branche will jetzt genaue Daten sammeln. Verbraucherschützer und Politiker fordern Lösungen. In Deutschland werden jährlich rund 20 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeschmissen. Der Bundesverband des Deutschen Lebensmitteleinzelhandels errechnete bislang nur, dass bis zu zwei Prozent der Waren jedes Jahr „durch Bruch und Verderb“ verloren gehen. Bei Brot- und Backerzeugnissen sind es sogar bis zu 12 Prozent und bei Obst und Gemüse zwischen 3 und 5 Prozent. Nach Ansicht von Verbraucherschützern ist aber auch das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) ein Problem: „Der Verbraucher müsste vielmehr darüber aufgeklärt werden, dass das keineswegs ein Verfallsdatum ist“, betont ein Ernährungsexperte der Verbraucherzentrale. Jeder Händler könne solche Waren durchaus mit einem speziellen Hinweis nochmals – dann reduziert – anbieten, statt sie einfach auf den Müll zu schmeißen.“

Aha, sie machen das mit System. Das unglückliche Schicksal einer einzelnen Banane ist ihnen völlig gleich. Diese Banausen. Dabei hungern auf der Erde 1 000 000 000 (Milliarde) Menschen, die mich gern adoptieren würden. Just in diesem Moment traf mich ein Lichtstrahl und ich hörte Stimmen:
 

„Schau dir die ganzen Lebensmittel an. Sie sind überhaupt nicht schlecht.“-----„Stimmt, die sehen total genießbar aus. Nur schade um die Erdbeeren.“-----„Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist sowieso eine Illusion der Lebensmittelindustrie. Das meiste ist viel länger gut. Dass weiß ja jeder, der schon mal einen Joghurt zwei Tage im Kühlschrank vergessen hat. Denk nur an die Konservierungsstoffe die da alle drin sind.“----- „Schau mal die Banane dort drüben!“—--„Ja, die taugt was. Sie hat nur einen braunen Fleck. Unglaublich was die alles wegwerfen. Eine Sünde!“----„ Ja, sie könnten es genauso gut spenden.“

Die beiden Gestalten mit der großen Taschenlampe lächelten liebevoll auf uns junges Gemüse hinunter. Engelsgleich fiel Licht in die vormals dustere Tonne, nur die Kartoffeln murrten. Und die Besucher sahen, was weggeworfen ward und siehe: Es war gut.
Fürsorgliche Hände griffen mich und einen Großteil meiner Nachbarn. Sie packten uns in eine große Einkaufstüte. Nur die Erdbeeren blieben zurück, in ihrem dunklen Grab. Wir werden sie nie vergessen.

„Weißt du, ich glaube das hat System.“---- Dachte ich mir’s doch. Das muss eine Verschwörung sein, Pssst!, sie reden intelligent weiter:
„Hochwertige Lebensmittel oder Bio-Produkte werden extra nicht reduziert, weil sich das eh nur Besserverdiener leisten können. Sie drücken durch hohe Preise auch fiktive Qualität aus. Und wenn sie die Preise senken, meinen die Händler, könnten die Leute merken, dass die Preise eigentlich unangebracht sind. Denn tatsächlich ist die Gewinnspanne bei Bio- und Markenartikeln am Größten und diese werden aus Prinzip bei kleinen Fehlern oder kurz vor Mindesthaltbarkeitsdatum entsorgt und nicht reduziert.“

Aha. Erschreckend. Dennoch schlief ich erschöpft ein.

Beim ersten Sonnenlicht des angebrochenen Tages erwachte ich auf einer Schar fröhlichen, sauberen Gemüses. In Sichtweite saßen unsere Retter vor einem Personalcomputer und schrieben über ihre Heldentaten. Es schien, als wollten sie auf die Thematik aufmerksam machen:

„Containern oder Dumpster Diving kann politisch-, ökologisch- oder armutsbedingt
sein. Einige drücken ihre Kritik an der Wegwerfgesellschaft durch ein Leben in der Nische aus. Sie essen, was andere wegwerfen. Und das Beste ist: Es ist genug für alle da. Manche nennen die Verweigerer „Schmarotzerassis“, damit verkennen sie jedoch den Ernst der Lage.

Wie das ganze funktioniert?

Containern kann fast jeder!

Anreise: Geräuscharm, Öffentlicher Nahverkehr oder klimaneutral per Pedes oder Fahrrad.
Uhrzeit: Mindestens eine Stunde nach Ladenschluss, am besten Samstagnacht! Für dauerhaften Erfolg ist es gut, Folgendes zu beachten: Nach Möglichkeit nicht allein containern. Es ist sicherer und außerdem macht es auch mehr Spaß.
Ausrüstung: Zur Containerer-Ausrüstung gehört auf jeden Fall eine Kopftaschenlampe, Handschuhe (die dreckig werden können), große Taschen oder Rucksäcke. Dann steht auch dem Abtransport von 100 Packungen Milchschokolade nichts mehr im Wege. Container sollten immer möglichst sauber und wie vorgefunden hinterlassen werden. Ansonsten ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass in Zukunft der Container abgeschlossen wird.
Nicht zuletzt, Obacht! : Nicht erwischt werden! Und wenn doch, Erklären und Verschwinden, da rechtliche Lage nicht unbedingt immer klar. Eigentlich hat der Müll noch einen Eigentümer, aber die meisten Supermarktangestellten sehen darin kein Problem.“

So, meinst du, das ist zu direkt?“ ----„Ja, unsere Leser könnten sich abgeschreckt fühlen. Verpacken wir das ganze doch in eine nette Geschichte. Mmmh, was wäre denn ein guter Einstieg, irgendwas kreatives?“ ----- „ Keine Ahung, aber ich hätte jetzt erstmal Lust auf eine Banane.“-----„ Heureka! Das ist es. Wir beschreiben das Ganze aus Sicht einer Banane.“

Inmitten des ganzen Gemüses freue ich mich besonders. Gleich wird man mich wertschätzen und ich soll eine Romanfigur sein. Keiner Banane wurden je so große Ehren zu teil!
Während mein Retter mich entkleidet, tritt mein deliziöses Inneres hervor. Ich soll in ihm aufgehen, bewege mich gen Mund und höre den anderen den Anfang meiner Geschichte erzählen, Banarama denke ich und er beginnt:

Es stinkt gewaltig. Um mich ist es dunkel und kalt…

 

 

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Kommentare (1)
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28.02.2011
GruenerDrache hat geschrieben:
Sehr gute Geschichte!! Containern nett verpackt :) Daumen hoch!!
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