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Agrarindustrie vs. (Öko -) Bauernhöfe


von Julia018
09.07.2012
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39 P

 

Agrarindustrie vs. (Öko-) Bauernhöfe…
Ein Plädoyer für artgerechte Tierhaltung

„Der Mensch ist, was er isst“ – der bekannte Ausspruch des Philosophen und Anthropologen Ludwig Feuerbach gewinnt heute mehr denn je an Bedeutung. Denn wenn dieser Satz stimmt, sollten wir uns ernsthaft Gedanken darüber machen, was für eine Art Mensch wir modernen, zivilisationsgeprägten Menschen tatsächlich sind! Angesichts der hässlichen Realitäten in der Agrarindustrie hinterlässt der Satz einen bitteren Beigeschmack.
Statt eine bäuerliche Landwirtschaft mit wechselnden, den Boden schonenden Fruchtfolgen und regionalen Produkten zu fördern, tendiert unsere Gesellschaft immer mehr dazu Monokulturen im Pflanzenanbau zu favorisieren. Im Bereich der Herstellung tierischer Produkte gibt sie hochtechnisierten Agrarfabriken, in denen Tiere zu reinen Produktionseinheiten verkommen, den Vorrang. Tiere als „Produktionseinheiten“, denen Schmerzen und Qualen nicht nur während der Aufzuchtsphase, sondern insbesondere auch beim Transport und im Schlachtungsprozess zugefügt werden, denn das deutsche Tierschutzgesetz unterbindet dies nicht. 8,2 Millionen Tonnen (Qual -) Fleisch jährlich aus deutschen Schlachthöfen, insgesamt rund 8,2 Millionen Tonnen Fleisch verlassen jährlich deutsche Schlachthöfe, in denen die Tötungs – und Zerlegungsprozesse per Fließbandtaktung hoch industrialisiert wurden, um die Produktionseinheit Tier so effektiv und effizient wie möglich zu billigen Aufschnitten, Würstchen, Steaks oder Schnitzeln zu verarbeiten. Aufgrund stark beschleunigter Prozesse und dem Zwang zur Kostensenkung verläuft die Schlachtmaschinerie nicht immer so reibungslos wie gewünscht. So erfolgt z.B. der Halsblutstich zum Ausbluten und Töten nicht bei allen Schweinen mit der notwendigen Präzision, bevor sie zur „Haut – Entborstung“ mittels heißen Wasserdampfs in die Brühanlage fahren – mit der Folge, dass immer wieder Tiere bei lebendigem Leibe und unter furchtbaren Qualen das Verbrühen bewusst miterleben. Schätzungen zufolge ergeht dies jährlich rund 500.000 Schweinen so. Eine unvorstellbar hohe Zahl!
Über diese und viele andere Tatsachen lässt die Agrarindustrie die Verbraucher ganz bewusst im Unklaren. Stattdessen wirbt sie gern mit Bauernhofidyllen auf ihren Verpackungen für Fleisch -, Eier – und Milchprodukte und verschleiert damit die Realität ganz bewusst. Der Appetit der Deutschen auf ihr Wiener Schnitzel bleibt dessen ungeachtet hoch. Schweinefleisch liegt an der Spitze des Verbrauchs, 59,3 Millionen Tiere wurden 2009 geschlachtet, so viele wie noch nie zuvor! Über die Hälfte aller Schweine werden inzwischen von nur vier Unternehmen geschlachtet. Marktführer ist das ostwestfälische Familienunternehmen Tönnies, es folgen der niederländische Konzern Vion, die deutsche Genossenschaft Westfleisch und Danish Crown. Doch nicht nur Schweinefleisch, auch Hühner – und Rindfleisch sowie Fleisch anderer Geflügelarten sind hierzulande sehr beliebt.

Bürgerinitiativen kämpfen gegen weitere Agrarfabriken
Angesichts des lukrativen Geschäfts mit dem billig produzierten Fleisch verwundert es nicht, dass eine Flut von Neuanträgen für immer größere Ställe und weitere Schlachthöfe gestellt werden. Hier bedarf es dringend konkreter Veränderungen in der Genehmigungspraxis und in der politischen Rahmensetzung für solche Großanlagen. Glücklicherweise formieren sich in den betroffenen Regionen immer mehr Bürgerinitiativen, die juristisch wie politisch gegen diese Anlagen vorgehen. Organisiert im Netzwerk „Bauernhöfe statt Agrarfabriken“, können diese Initiativen nicht nur die Verhinderung einzelner Anlagen zu ihren Erfolgen zählen; vielmehr zielen ihre Aktivitäten auch auf ein generelles Verbot von Agrarfabriken mit quälerischer Tierhaltung und auf die Durchsetzung einer artgerechten Tierhaltung in mittelständischen, bäuerlichen Strukturen mit eigener Futtergrundlage.


Emnid – Verbraucherumfrage: allmähliches Umdenken setzt ein
Ein großes Problem bei der Aufklärungs - und Lobbyarbeit verschiedener Tier – und Umweltschutzorganisationen stellt die mangelnde Transparenz in der Nahrungsmittelproduktion dar. Die wenigsten Verbraucher wissen was genau sie essen, noch wo es herkommt oder welche Produktionsbedingungen dahinter stehen. Dies bestätigte sich in einer 2011 – anlässlich der Grünen Woche in Berlin – durchgeführten Emnid – Verbraucherumfrage. So fühlt sich nicht einmal jeder Fünfte (17%) über die Herkunft regionaler Lebensmittel verlässlich informiert, obwohl rund die Hälfte (48%) aller Verbraucher beim Einkauf darauf achtet, dass Lebensmittel aus einer bestimmten Region kommen und fast die Hälfte (45%) aller Verbraucher regionale Lebensmittel auf dem Wochenmarkt kauft. Allerdings sind Supermärkte nach wie vor mit Abstand die Hauptbezugsquelle für Lebensmittel (88%).
Bemerkenswert sind die Ergebnisse zum Verhältnis zwischenTierwohl und Preis: der Aspekt Tierwohl ist 89% der Menschen mit Abstand das wichtigste Kriterium gegenüber der Bio – Produktion mit 56% und regionaler Herkunft, die auf 54% kommt. Dennoch hat für 71% der Preis nach wie vor die höchste Priorität. Es klafft also noch immer eine große Lücke zwischen dem Bedürfnis von Verbrauchern, das Kriterium Tierwohl, Regionalität und Bio – Qualität zunehmend in die Ernährung mit einzubeziehen und andererseits keine zu hohen Preise für ihre Lebensmittel zu bezahlen. Doch findet zum Glück für die Tiere und die Umwelt allmählich ein Umdenken statt.


Staatliches Gütesiegel für Fleisch gefordert
Sicher auch aus dem Bedürfnis der Verbraucher nach Transparenz und der Einbeziehung des Aspekts Tierwohl, resultiert die gerade aufkommende Diskussion um ein Tierschutzlabel bzw. ein staatliches Gütesiegel für Fleischprodukte. So fordert beispielsweise die Hamburger Verbraucherschützerin Silke Schwartau in einem Interview in der ZEIT vom Anfang des Jahres ein staatliches Gütesiegel für Fleisch. Ihrer Ansicht nach, hätten wir in Deutschland das Problem, dass Fleisch nicht ausreichend gekennzeichnet sei. Die Verbraucher wüssten nicht, unter welchen Bedingungen die Tiere gemästet und geschlachtet würden.
Bei Eiern sei dies anders. Hier wurde eine klare Differenzierung nach Bio -, Freiland -, Boden – oder Käfighaltung eingeführt und mit ihrem Kaufverhalten hätten die Verbraucher gezeigt, dass sie die Käfighaltung nicht wollten. Es müsste auch bei einem staatlichen Gütesiegel für Fleisch mehr differenziert werden, ähnlich wie bei den Eiern. So sollte beispielsweise erkennbar sein, dass es sich um einen regionalen Anbieter handelt, der zwar nicht genau allen Anforderungen eines Biozeichens genügt, seine Tiere aber artgerecht hält und bestimmte Kriterien erfüllt. Diese Kriterien müssten von einem Gremium aus Fachleuten festgelegt und kontrolliert werden.


Monokulturen statt wechselnde Fruchtfolgen wie im Öko – Landbau
In der pflanzlichen Agrarwirtschaft nehmen zunehmend Monokulturen Raum ein und verdrängen die früher gängigen Anbauformen. So existierte jahrhundertelang die in Europa weit verbreitete Bewirtschaftungsform der Dreifelderwirtschaft. Dabei wurde im jährlichen Wechsel ein Acker mit Wintergetreide wie Roggen und Emmer (auch Urkorn genannt), eine der ältesten jetzt wiederentdeckten Kulturpflanzen, bewirtschaftet.
Ein zweiter Acker wurde mit Sommergetreide wie Hafer oder Gerste bestellt, während das dritte Feld eine Brache blieb, die als Viehweide genutzt wurde.
Der heutige, konventionelle Landbau hingegen verzichtet zu Gunsten ertragreicher, bis zu 6 bis 8 Tonnen pro Hektar liefernder Getreidesorten auf einen Wechsel in der Fruchtfolge. Diese besteht meist nur aus Gersten – Weizen – Mais, ein immer wiederkehrender, monotoner Rhythmus. Dadurch entsteht über einen Zeitraum von 10 bis 20 Jahren Bodenermüdung und – unfruchtbarkeit. Schädlings- und Unkrautbefall steigt stark an, da die Pflanzen eng stehen und Pilzsporen, die in den Stoppelresten überleben, von Jahr zu Jahr weitergegeben werden. Dies gleicht der konventionelle, hochindustrialisierte Landbau mit chemisch – synthetischen Düngemitteln, Herbiziden und Pestiziden aus, die die Umwelt und natürlich die Nahrung selbst belasten.
Der ökologische Landbau setzt dagegen auf eine abwechslungsreiche Fruchtfolge, die den Boden mit Stickstoff versorgt und nicht einseitig auslaugt. Sie reduziert aufgrund der Anbauvielfalt die Ackerbeikräuter und die Schädlingspopulation. Die Fruchtfolge richtet sich nach dem Klima, ist den Bodenverhältnissen angepasst und beruht auf alten, ackerbaulichen Erfahrungswerten sowie langfristiger Planung.


Die entscheidende Frage: billig oder hochwertig?
Es geht um die grundsätzliche Frage, die sich jeder beim Einkauf stellen sollte: Will ich tierische Produkte sowie Pflanzen aus rein auf Profit getrimmten Agrarfabriken und Monokulturen zu mir nehmen? Entspricht das etwa meiner Vorstellung von einer guten und gesunden Ernährungsweise? Oder wünsche ich mir nicht viel mehr qualitativ hochwertige Produkte von Tieren und Pflanzen, die in meinem Bewusstsein wieder einen Platz haben, von denen ich weiß, woher sie stammen und wie sie produziert wurden? Von Tieren, die ein bedürfnisgerechtes Leben während ihrer kurzen Lebenszeit führen durften, im Gegenzug dafür, dass sie für uns ihr Leben lassen?

Denn: Wir sind, was wir essen und was wir zu uns nehmen, hat Einfluss auf unser körperlich – seelisch – geistiges Wohlbefinden. Die Nahrung aus Massentierhaltung und aus Monokulturen trägt ganz sicher nicht zu einem solchen Wohlbefinden bei.

 

 


Quelle: Artikel aus der Zeitschrift „Struppi“, geschrieben von Heidi Neuhoff
Quelle Bild: - http://data6.blog.de/media/420/5283420_39bbfde7f2_m.jpeg
 

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Kommentare (4)
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10.07.2012
Viveka hat geschrieben:
Toller Artikel, wenn auch mit einem traurigen Thema! Ich glaube, man müsste noch mehr Aufklärungsarbeit betreiben und den Menschen dabei verdeutlichen wie die Tiere wirklich leben. Es gingen ja früher auch immer wieder Bilder von der Käfighaltung bei Hühnern durch die Medien und das hat ja auch Erfolg gezeigt!
Und deine Idee, den Spruch "Man ist, was man isst" mit diesen Themen zu verknüpfen, finde ich eine echt gute Idee!
10.07.2012
gelöschter User hat geschrieben:
gelöscht
10.07.2012
Zerschmetterling hat geschrieben:
Was ich mich manchmal wundere ist, dass so viele Menschen laut Umfragen diese Quälerei und die Massentierhaltung nicht wollen, aber selbst kein Zeichen setzen.
Wenn alle die die Änderung wollen, auch Veränderung einleiten würden, wären wir schon ein paar Schritte weiter.

Und es stimmt: Wir sind, was wir essen.
Dr. Eckhart von Hirschhausen meinte mal, man bräuche keine Diät machen.
Man solle sich nur, bevor man was zu sich nimmt, fragen, ob man daraus bestehen möchte.

Peace
10.07.2012
LSternus hat geschrieben:
Guter Artikel, auch wenn ich find du unterscheidest noch zu wenig zwischen Bio und Tierfabriken. Die Eltern einer meiner Freunde haben Landwirtschaft (Ackerbau, Schweinemast). Zwar kein Bio, das könnten sie sich nicht leisten, aber die Schweine leiden auch nun wirklich keine Qualen.
Ansonsten hast du aber gut auf ein in der Bevölkerung oft unbeachtetes Problem angesprochen. So große Tierfabriken sind widerlich. Mit am schlimmsten sind Feedlots (USA) wo bis zu 100.000 Rindern gleichzeitig gehalten werden.
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