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© Gunther Kopp / WWF
"Wir brauchen keinen Wolf" - Diskussion über ein Wolf-Schutzgebiet in Thüringen


von Gallina
30.04.2015
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Am Montag, den 27.April 2015, zeigte der MDR eine bereits vorher im gleichnamigen Radiosender angekündigte Diskussionsrunde zum Thema ‚Wolf in Thüringen’. In der Sendung „Fakt ist...“ sprachen Thüringens Umweltministerin, Anja Siegesmund; Vorsitzender des NABU Thüringen, Mike Jessat; Wolfsbeauftragter des sächsischen Jagdverbandes, Friedrich Noltenius und Manfred Horn, ein Schäfer aus der Lausitz, über die Licht- und Schattenseiten der Rückkehr des Wolfes.

Es wurde ein Managementplan zu einem Wolfschutzgebiet in Thüringen erarbeitet, welcher unter anderem Thema in dieser Diskussionsrunde war.

 

Anja Siegesmund wirbt für einen gelassenen Umgang mit der Rückkehr des Wolfes. Sie sieht die Rückkehr des Raubtieres als ein „Naturereignis“ und begrüßt dieses als Umweltministerin. „Wir gewinnen ein Stück Wildnis zurück.“ – so sagte die Grünen-Politikerin in der MDR-Sendung. Zugleich sprach sich Siegesmund für eine sachliche Debatte zum Thema Wölfe aus. Man sollte den Landwirten die Angst um ihre Tierbestände nehmen, weshalb das Land Thüringen auch Richtlinien erarbeitet hat, nach denen es Schutzmaßnahmen und finanzielle Unterstützungen für Schäfer und Agrarbetriebe geben kann. Dazu gehören beispielsweise der Aufbau von Schutzzäunen auf Weiden und die Bewachung der Herden durch Herdenschutzhunde.

Auch der Vorsitzende des NABU in Thüringen, Mike Jessat, sieht die Wiederansiedlung von Wölfen positiv. Die Ausrottung dieser Tiere vor 150 Jahren sei „unnatürlich“ gewesen, sagte er. Deshalb sei es notwendig, „dass der Wolf zurückkommt“ und die Ängste vor dem Wolf seien vor allem darin begründet, „dass wir es verlernt haben, mit dem Wolf umzugehen“.

Der Wolfsbeauftragte des sächsischen Jagdverbandes, Friedrich Noltenius, warnte hingegen vor negativen Auswirkungen. Andere Wildtiere reagierten auf die Anwesenheit von Wölfen mir einem „heimlichen“ Verhalten. „Teile des Wildbestandes werden von den Jägern nicht mehr erreicht.“, sagte er. Die Folge seien dann vermehrte Verbissschäden in Wäldern und auf Feldern. Jäger bzw. Jagdpächter hätten auch eine Verantwortung gegenüber der Landwirtschaft.

Manfred Horn, Schäfer aus der Lausitz, sprach sich in der Sendung klar gegen eine Wiederansiedlung von Wölfen in Deutschland aus. Weltweit sei der Wolf nicht vom Aussterben bedroht und in Deutschland gäbe es keine Wildnis. „Wir haben hier eine dichtbesiedelte Kulturlandschaft.“, sagte er und in dieser sei kein Platz für Wölfe. Nach eigenen Angaben hat Manfred Horn in den vergangenen Jahren mehrere Schafe durch Wolfsangriffe verloren.

Bereits seit einigen Jahren sind Wölfe in Ost- und Norddeutschland wieder einheimisch. In Thüringen ist im vergangenen Jahr eine Wölfin auf dem Gelände des Truppenübungsplatzes bei Ohrdruf gesehen worden. In diesem Gebiet soll nach Angaben der Umweltministerin Siegesmund ein Wolf-Schutzgebiet eingerichtet werden.

Mehr Informationen zu dem Wolf bin der Nähe von Ohrdruf findet ihr hier in meinem Artikel.

Wer mag, kann sich die Sendung des MDR vom Montag hier anschauen.

Lasst uns den Tag des Wolfes feiern und dem Wolf helfen, sich hier wieder wohlfühlen zu können. Wir müssen ihn schützen und seine Gegner überzeugen, dass der Vierbeiner "wiederkommt" und uns nicht aufsucht, um Schaden anzurichten. Fakten und Wissen rund um die Wiederkehr des Wolfes nach Deutschland findet ihr hier in midoris Artikel. :-)

 

Quellen: 

http://www.mdr.de/thueringen/faktist-woelfe100.html

http://www.lausitz-wolf.de/index.php?id=1338

Bilder: 

http://www.felis-lupus.de/mediapool/136/1360023/data/Neuer_Ordner_2_/Wolf_Bild_3_beim_Standort_bungsplatz_Ohrdruf-Gotha_vom_11_1_.05.2014_Stefan_B_ttne.jpg

http://www.felis-lupus.de/mediapool/136/1360023/data/Neuer_Ordner_5_/LAG_Wolf_NABU_Th_ringen_Canis_lupus_22.12.2014.jpg

 

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Kommentare (9)
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18.05.2015
Sharakan hat geschrieben:
Ich finde es allgemein unfassbar und enttäuschend wie manche Menschen noch heute, in Zeiten von Klimawandel und der Ausrottung ganzer Tier- und Pflanzenarten über die Natur denken. Das ist alarmierend und wenn so Viele dieses Thema ignorieren, sehe ich schwarz...
18.05.2015
Naturliebe hat geschrieben:
Einfach nur unfassbar, was in dieser Sendung von manchen Leuten von sich gegeben wird. Vermehrte Verbissschäden wegen der Rückkehr des Wolfes? Gehen wir einmal logisch an die Sache... Wenn sich die Verbisschäden erhöhen, dann hat sich logischerweise auch der Stand des Wildes erhöht... Und das liegt an dem Wolf? Also ist es so, dass der Wolf die Tiere, anstatt sie zu jagen, dazu ermutigt, sich fortzupflanzen? - Natürlich...
Der Wolf ist ein Freund der Jäger - jemand, der ihnen hilft, den Wildbestand aufrechtzuerhalten, der ihnen Arbeit abnimmt. Die Jäger, die gegen ihn sind, sind keine wahren Naturfreunde, sondern häufig (nicht immer) Menschen, die schöne Jagdtrophäen mit Nachhause bringen und damit prahlen wollen.
"Wir haben keinen Platz für Wölfe." - Ach wirklich? Für Rehe, Wildschweine, Hasen, Füchse etc. aber schon? Natürlich, Deutschland verfügt über viele Städte, doch es besitzt auch genug freie Flächen, die das Überleben von kleinen Wolfsrudeln sichern. Man sieht es doch schon alleine daran, dass sich schon einige Wolfsrudel wieder angesiedelt haben.
Schutz vor den Wölfen gibt es im Übrigen ebenfalls genug. Dies kann nun wirklich nicht mehr als Ausrede genutzt werden.

Der Mensch muss einfach lernen, dass er nicht überall seine Finger im Spiel haben sollte, dass er nicht immer "Gott spielen" sollte. Ein paar Dinge sollte man einfach der Natur überlassen - wenn die Wölfe zurückkehren nach Deutschland, dann sollen sie es tun (es hat ja sogar positive Aspekte).
Man könnte sich ironischerweise genauso gut fragen, was der Mensch denn für eine Wirkung auf die Erde hat, was er für negative Eigenschaften aufweist. Wenn man darüber einige Zeit nachdenkt, dann wird man Erschreckendes feststellen...
04.05.2015
4lexSchneegans hat geschrieben:
Ich denke auch das es notwendig ist (die Wölfe bei uns). Die Jugendlichen die ich kenne, sich nicht so für Natur Interessieren und dort Wohnen finden es auch egal bis gut... Also mindestens die nächste Generation ist nicht dagegen.
03.05.2015
LSternus hat geschrieben:
Mehr Wölfe = mehr Verbiss an Bäumen, wegen zu starker Vermehrung von Pflanzenfressern?

Das Argument kann ich nicht nachvollziehen. Aber wem muss ich dass hier sagen?

Zum Thema Jäger vielleicht ein positives Beispiel zur Abwechslung.
Ich habe letztes Jahr einen, wohlgemärkt privaten, Jäger gefragt was er von dem Wolf hält. Die Antwort: Er freut sich darüber und betrachtet die Rückkehr des Wolfes als notwendig.
02.05.2015
midori hat geschrieben:
Andererseits - sonst wäre es natürlich keine Diskussionsrunde! ;o)

Ich sehe das ähnlich wie Ines. Ein Förster oder Jäger, der die Natur wirklich liebt, wird nicht versuchen, den Wolf abzuweisen. Der Großteil der Jägerschaft sieht den Wolf leider als Konkurrent, was eigentlich nur beweist, dass ihnen das Jagen an und für sich nur zum Profit und Spaß dient und nicht, um die Natur vor zu viel Wild zu schützen.
01.05.2015
Akatsuki hat geschrieben:
Ja das ist echt schlimm. Ist aber oft so, Experten ohne Plan vom Thema und negativ Beispiele gezeigt werden. So zum Beispiel bei der Diskussion über Games und jetzt der Wolf ich könnte Kotzen. -.-
01.05.2015
MarcelB hat geschrieben:
made my day: "Wir haben hier eine dichtbesiedelte Kulturlandschaft, sagte er und in dieser sei kein Platz für Wölfe."

kann mich Ines nur anschließen... ohje, Bildung hilft ;-)

Danke für die Zusammenfassung der Talk-Runde, Gallina! ;-)
01.05.2015
LaLoba hat geschrieben:
Boah, das macht mich schon wieder wütend! Von wegen "Vermehrte Verbissschäden", "Verantwortung gegenüber der Landwirtschaft" und "kein Platz für Wolfe". Der Wolf hilft, die Wildbestände natürlich gesund zu halten und durch sein Auftreten wird das Verhalten der Tiere nur natürlicher, indem er sie wieder scheuer und wachsamer macht. Diese Jäger sollten aufhören, den Wolf als Feind anzusehen, sondern ihn als Kollege wahrnehmen. Er unterstützt ihre Aufgabe, indem er den Wildbestand niedriger hält und kranke Tiere aussortiert. Dass es dadurch mehr Schäden an Bäumen gibt kann ich mir kaum vorstellen, da der Wolf schließlich im Gegenteil ihre Zahl natürlich verringert.

Und in der Landwirtschaft gibt es genug Schutzmöglichkeiten vor dem Wolf, die Landwirte müssen nur den Aufwand auf sich nehmen, sie anzuwenden. Auch hier gibt es viele Erfolgsgeschichten, in denen Bauern zum Beispiel durch Herdenschutzhunde ihre Tiere vor Wölfen schützen. Es ist nicht so, dass es keinen Platz für Wölfe gibt, wir wollen nur "unseren" Platz nicht teilen. Der Wolf braucht keine verlassenen Wälder, um sich wohlzufühlen. Unsere Kulturlandschaft ist ihm genauso recht, solange wir ihn in Ruhe lassen und nicht aktiv bedrängen.

Zum Glück sind die interviewten Menschen nur ausgesuchte Negativbeispiele. Wenn sie es gewollt hätten, hätten sie auch Jäger und Landwirte gefunden, die den Wolf willkommen heißen. Aber Kritiker wird es immer geben, wir können nur versuchen, ihnen durch gezielte Aufklärung den Wind aus den Segeln zu nehmen.
01.05.2015
OekoTiger hat geschrieben:
Ein Toller Bericht. :-)
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