Pavel Fomenko und der Amur-Tiger


von j9
06.08.2010
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Letztes Wochenende habe ich aus meinem Filmarchiv eine 360°-GEO Reportage gekramt, die vor ungefähr drei Jahren mal auf arte lief und bereits 2003 gedreht wurde. Christiane von Schwind, die Dokumentarfilmerin, begleitet den Wildhüter Pavel Fomenko bei seiner Arbeit in die Wälder der Amurregion. Hier kämpfen die letzten Sibirischen Tiger ums Überleben. Schwer bewaffnete Wilderer jagen die Tiger, um sie später auf dem chinesischen Schwarzmarkt für vielleicht mehrere 1000 Dollar zu verkaufen. Von Kopf bis Kralle werden die Tiere verarbeitet, um ominöse Medikamente und Heilmittel aus ihnen herzustellen, die wiederum kranke Menschen für viel Geld kaufen.

Mögliche Motive der Wilderer
Es scheint ein perfides Gesetz der Natur zu sein, dass dort wo die Natur am reichsten ist die ärmsten Menschen leben. So lässt die wirtschaftliche Lage in Sibirien den Männern oft keine andere Wahl und sie müssen als Wilderer ihr Leben finanzieren - zu verlockend ist die Hoffnung auf ein Bündel Dollarscheine. 1997 wurde Pavel Fomenko in einer anderen arte-Reportage nach der Ursache für die bedrohliche Wilderei auf den Sibirischen Tiger gefragt. Und Pavel Fomenko gab eine Antwort, die an die Grenzen des westeuropäischen Verständnisses einer guten Welt stößt. "Eure Kampagnen gegen Pelzmäntel", der Tiger-Schützer sprach Klartext. Im fernen Osten Russlands brach dadurch ein bedeutender Wirtschaftszweig zusammen, weil sich im Westen niemand mehr für Pelze interessierte. Pelztierfarmen mussten Arbeiter entlassen und schließen. Ebenso mussten sich die Trapper in der Taiga um ein neues Auskommen bemühen. Viele von ihnen begannen nun Tiger zu wildern, um nicht zu verhungern.

Radikaler Lösungsansatz
Der Umweltökonom Wolf Krug vom Londoner CSERGE (Centre for Social Research on Global Environment) meint zu diesem Thema: "Arme Länder haben oft keine andere Wahl, als ihre letzten Wildnisgebiete wirtschaftlich sinnvoll zu nutzen. Naturschutz wird somit zu einem Konflikt zwischen Natur bewahrenden und Natur zerstörenden Nutzungsformen". Ein Grund, warum der Umweltökonom dazu rät, den Handel mit Wildtieren und -pflanzen zu liberalisieren. Seiner Meinung nach können Wildnisgebiete nur so gegenüber Rinderfarmen und anderen Nutzungsformen konkurrenzfähig werden. Was den Amur-Tiger allerdings betrifft, wäre solch ein radikaler Lösungsansatz schlicht unvorstellbar und absurd. Doch Krug beharrt auf seiner Meinung, dass Verbote den Handel nicht stoppen, sondern nur dazu führen, dass die Preise in die Höhe schnellen. Als Vergleich nennt er die Struktur und Machenschaften des internationalen Drogenhandels.

Lebensinhalt: Tiger schützen

Wie viele sibirische Männer gehörte auch Pavel Fomenko einmal zur Gruppe der Wilderer. Doch das war frührer. Heute ist Pavel Fomenko ein "bekehrter Jäger", der den Tiger schützen will und Chef der Anti-Wilderer-Brigaden ist. Seine Mission ist es den Amur-Tiger im russisch-chinesischen Grenzgebiet entlang des Amur Flusses vor Wilderern zu schützen. Pavel kennt die Wälder der Amurregion wie seine Westentasche und scheut ihre Härte nicht. Denn auch bei Temperaturen von minus 40 Grad sind Pavel und seine Kollegen den Wilderern auf der Spur. Nacht für Nacht. Stationiert sind die Anti-Wilderer-Brigarden in der Taiga. Wenn Pavel Fomenko und seine Männer auf Patrouille gehen sind sie oft darauf angewiesen in spartanisch hergerichteten Jagdhütten bei bitterkalten Temperaturen im Wald zu übernachten.
 

Bereits 1994 setzte der WWF Pavel Fomenko als obersten Wildhüter der Amurregion ein. Pavel Fomenko und seinem Team ist es zu verdanken, dass die Zahl der Tiger von nur knapp 40 Tieren nach dem Zweiten Weltkrieg auf ca. 450 bis 500 Amur-Tiger heute angestiegen ist. Fomenko wurde für seinen Einsatz im Jahr 2000 vom amerikanischen "Time Magazine" zum "Hero for the Planet" erklärt.



 

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Kommentare (4)
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09.08.2010
j9 hat geschrieben:
Mich würde interessieren, mit welchen Argumenten es Pavel Fomenko gelingt, die Wilderer davon zu überzeugen, dass es sich nicht lohnt Tiger zu jagen und welche "beruflichen Alternativen" er Ihnen ans Herz legt.
06.08.2010
NinaFlo hat geschrieben:
Unsere vier Tigerbotschafter treffen Pavel Fomenko im September wahrscheinlich höchst persönlich! Wenn euch spannende Fragen an den Tigerschützer einfallen, gebt sie Franka, Johannes, Julia und Christoph mit auf den Weg! Mich würde zum Beispiel interessieren, was Pavels bisher aufregenstes Erlebnis als Wildhüter war!
06.08.2010
midori hat geschrieben:
Danke für den Bericht. Auch wenn er schon etwas älter ist. Die Thematik hat nicht an Bedeutung verloren. Gut zu wissen, dass es Menschen gibt, die sich mit ihrem Leben für den Tiger einsetzen!
06.08.2010
Denise hat geschrieben:
wäre gut, wenn sich mehr dazu entscheiden würden den Tiger zu schützen, anstatt ihn zu jagen! guter Text :-)
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