Dorfleben mit Tigern


von heikoko
23.08.2011
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Raubkatzen in der Nachbarschaft? Kein Problem, wenn man sie respektiert und Begegnungen meidet.

Im Corbett-Tigerreservat hat der WWF Indien gemeinsam mit dem Dorf Mankanthpur eine ungewöhnliche Lösung des Mensch-Tier-Konfliktes gefunden.

Die Terai Arc-Region liegt im Grenzgebiet von Indien und Nepal am Fuße des Himalaja. Sie ist einer der wenigen Orte auf der Erde, wo wilde Tiger, Elefanten und Nashörner gemeinsam umherstreifen. Im Herzen der Terai Arc-Region mit seinen dichten Wäldern liegt das Corbett-Tigerreservat. Genau hier konzentriert WWF Indien einen wesentlichen Teil seiner Naturschutzarbeit.

Dem Waldökosystem in dieser Gegend drohen größere Bedrohungen als jemals zuvor: Fragmentierung, Verlust von Wildtier-Korridoren, nicht nachhaltige Landnutzung, Mensch-Tier-Konflikte und Übernutzung von Waldressourcen. Hinzu kommt die Wilderei, welche eine ernsthafte Bedrohung für die Biodiversität darstellt, für welche die Region bekannt ist.

2006 begann der WWF seine Arbeit mit dem Dorf Mankanthpur. Dieses Dorf am Fluss Kosi-Baur liegt mitten im Streifgebiet von Elefanten und Tigern. Dadurch kommt es häufiger als in anderen Regionen zu Mensch-Tiger-Konflikten.

© Michael Gunther / WWF-CanonZunächst mussten die WWF-Mitarbeiter das Vertrauen der Dorfbewohner gewinnen, ihre Lebensgewohnheiten und Tagesabläufe verstehen und herausfinden, wie das Risiko der Begegnung mit einem Tiger verringert werden kann. Es wurde deutlich, dass Frauen dem größten Risiko ausgesetzt sind, denn sie müssen in den Wald, um Feuerholz und Viehfutter zu sammeln.

Häufige natürliche Waldbrände, verursacht durch große Mengen Laubstreu auf dem Waldboden, bedrohten ebenfalls die Einwohner. Es musste daher ein Weg gefunden werden, die Mensch-Tiger-Konflikte und das Risiko der Waldbrände zu reduzieren. Um beide Probleme zugleich zu lösen, kamen WWF-Mitarbeiter auf eine ungewöhnliche Lösung.

Dabei half der Zufall: Während der WWF zum Schutz der Tiger und zur Reduzierung der Mensch-Tier-Konflikte arbeitete, schulte andernorts die indische Regierung die Bevölkerung im Kompostieren, um die Erträge von Farmen zu steigern. Der WWF regte daher bei der zuständigen Forstbehörde an, der Bevölkerung zu erlauben, Laubstreu in den Arealen, welche für Waldbrände besonders anfällig waren, zu sammeln. Auf diesem Weg kann das Laub kompostiert werden und der Wald ist in den heißen, trockenen Sommermonaten weniger durch Waldbrände gefährdet.

Daraufhin arbeitete WWF Indien mit der Forstbehörde und den Gemeinden einen Plan aus, wie die Dorfbewohner nachhaltig Ressourcen aus dem Wald gewinnen können. Laubernte und das Einschlagen von Holz wurden verboten, lediglich abgefallene Äste dürfen entfernt werden. Die Bevölkerung wurde zudem aufgefordert, bestimmte Bereiche des Waldes, die Hauptkorridore der Tiger, zu meiden. In den Dorfversammlungen wurde beschlossen, dass nur die Randgebiete des Waldes zum Sammeln von Fallholz genutzt werden dürfen und dass außerdem jedes Dorf nur an zwei bis drei Tagen pro Woche Futter und Feuerholz sammeln darf.

Um den Verlust des nicht mehr zugänglichen Feuerholzes zu kompensieren, hat der WWF zugleich die Einrichtung von Biogas-Öfen gefördert. Die Rinder werden nun in Pferchen gehalten, sodass die Menschen den Dung der Tiere nutzen können, um die Biogas-Öfen zu befeuern. Dies hat den Druck auf die Wälder reduziert, da fast keine Rinder mehr in ihnen grasen. Zudem ist es sicherer für das Vieh: 2006 wurden noch 15 Rinder durch Raubtiere gerissen. 2007 waren es weniger als zehn und 2010 wurde nur noch von drei getöteten Rindern am Rande des Dorfes berichtet.

© Jeff Foott / WWF-CanonEinige Einwohner des Dorfes Mankanthpur sind inzwischen Teil der Waldpatrouillen geworden und arbeiten eng mit den offiziellen Forstbehörden zusammen. Das hilft, den Wald vor Wilderern und Holzplünderern besser zu schützen.

Das Projekt nützt nicht nur den Menschen, sondern nachweislich auch den Tigern. So gibt es inzwischen keine gezielten Tigertötungen mehr, um Vergeltung zu üben für Angriffe auf Dorfbewohner oder Nutztiere. Denn diese „Überfälle“ der Raubkatzen gehören der Vergangenheit an. Obwohl, wie eine aktuelle Erhebung zeigte, in allen umliegenden Waldgebieten Tiger anwesend sind.

Eine aktuelle Tiger-Zählung im angrenzenden Ramanagar-Wald erbrachte eine sehr hohe Tigerdichte von 12 Tieren pro 100 Quadratkilometer. Zum Vergleich: Man spricht bei 5 Tigern auf 100 Quadratkilometern schon von einer großen Dichte. Das bedeutet, die Tiger in dieser Region haben eine Zukunft.

Nach den guten Erfahrungen in Mankanthpur hat der WWF Indien hat in diesem Jahr ein vergleichbares Projekt im benachbarten Dorf Pawalgarh gestartet. Das Ziel ist auch dort, die Wildtier-Korridore über Generationen hinweg langfristig zu sichern.

Bildrechte:
© Ola Jennersten / WWF-Canon
© Michael Gunther / WWF-Canon
© Jeff Foott / WWF-Canon

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Kommentare (2)
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24.08.2011
Stoffie hat geschrieben:
ein beispiel das mensch und tier mit ein paar kompromissen zusammen leben können ;)
danke für den bericht! :)
23.08.2011
Franzi hat geschrieben:
Toller Bericht, heikoko, und super geschrieben! :)
Wirklich eine klasse Idee, die die WWF-Mitarbeiter da hatten. Da sieht man ja wiedermal, dass Menschen und Tiere durchaus friedlich miteinander leben können :)
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