Die Tiger vom Bikin-Tal


von j9
09.08.2010
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Im fernen Osten Russlands leben sie – die letzten wild lebenden Sibirischen Tiger. Es sollen weniger als 500 Tiere sein. Noch gefährdeter als die Tiger sind die Leoparden, die sich gemeinsam mit den Bären das über zwei Millionen Quadratkilometer große Gebiet rund um den Amurfluss teilen. Viermal so groß wie Spanien ist das Territorium, das sich auf russischem, chinesischem und mongolischem Boden erstreckt.

Das Bikin-Tal
Innerhalb der Amur-Region sind die Wälder des Bikin-Tals der Kernlebensraum der Sibirischen bzw. der Amur-Tiger. Im Bikin-Tal sind ausschließlich russische WWF-Mitarbeiter aktiv, deren Arbeit und Projekte mit über 2,5 Millionen Euro vom Bundesumweltministerium mitfinanziert werden. Denn Natur- und Umweltschutz stehen in Russland nicht an erster Stelle auf der Prioritätenliste, wie Wladimir Sliwjak von der russischen Umweltorganisation Eco Defense in Moskau verrät. Er bedauert, dass russische Wäldern wie das Bikin-Tal nur mit Hilfe von deutschen Steuergeldern geschützt werden können. "Die Menschen hier gewöhnen sich an Hilfe. Früher haben sie sich auf den Sowjetstaat verlassen, nun erwarten sie Gleiches vom WWF, statt mehr Eigeninitiative zu zeigen", warnt der WWF-Mitarbeiter und ehemalige Soldat Iwan Rogow, der mit seiner Frau in das Dorf Krasnij Jar ins Bikin-Tal gezogen ist. Denn das Gehalt der Umwelt-Ranger und Patrouillen aus Krasnij Jar wird derzeit von deutschen Fördergeldern bezahlt.

Der heilige Urahn
Extrem sind auch die Temperaturen im Bikin-Tal und reichen von minus 40 Grad im Winter bis zu plus 40 Grad im Sommer. Die rund 600 Menschen, die hier leben, stammen von den Völkern der Udegen und Nanai ab, die seit Jahrhunderten das Tal bewohnen. Wenn telefoniert wird, dann nur über Satellitentelefone. Als Toiletten dienen Bretterverschläge neben der Holzhäusern, die gegen die klirrende Kälte im Winter selbstverständlich nicht isoliert sind. Weder Abwassersysteme noch fließend Wasser gehören hier zum Standard.
Selten führen asphaltierte Straßen zu den Dörfern im Bikin-Tal, was schlecht für die Bevölkerung ist, da diese räumlich noch mehr von der Zivilisation abgeschnitten ist und Universitäten oder Krankenhäuser nur sehr schwer zu erreichen sind. Für Natur und Tiere ist der fehlende Asphalt jedoch ein Segen. Denn nur so bleiben Wilderer dem Bikin-Tal länger fern.
Auch wenn die Nachkömmlinge der beiden Völker der Udegen und Nanai während der Sowjetzeit ihre Kultur nahezu verloren haben und kaum noch die alten Stammessprachen beherrschen, leben sie wie ihre Vorfahren im Einklang mit der Natur: Fischen, jagen, sammeln. Tiger jagen sie selbstverständlich nicht. Laut vieler Sagen ist der Tiger der Urahn beider Völker.

Tigertreffen im Herbst
Ende 2011 wird die deutsche Finanzierungshilfe auslaufen und bis dahin müssen die Gehälter und Einnahmequellen der Bewohner des Bikin-Tals gemäß den internationalen Spielregeln für Umwelt- und Klimaschutz geregelt sein. Da langfristig das Bikin-Tal zum Schutzgebiet erklärt werden soll, d.h., dass weder gejagt noch Holz gefällt werden darf, was die Bewohner des Bikin-Tals in ihrer Lebensweise weiter einschränken wird.
Damit aus dem Bikin-Tal tatsächlich ein Schutzgebiet wird, hoffen die Umweltschützer auf den russischen Staat und Popularität und Macht der letzten Sibirischen Tiger.

Auf Einladung von Wladimir Putin treffen sich im Herbst Vertreter aus allen Ländern, in denen es Tiger gibt sowie die Tigerbotschafter des WWF. Sollte Putin die Rettung der Tiger am Herzen liegen, könnte das chinesische Jahr des Tigers (2010) ein gutes Jahr für das Überleben der Sibirischen Tiger werden und ebenso für die Bewohner des Bikin-Tals.
Wenn man bedenkt, dass der WWF die Anzahl der weltweit lebenden Tiger vor ca. zwölf Jahren noch auf 5000-7500 wild lebende Tiere schätzte, muss die heutige Zahl von ungefähr 3200 wild lebenden Tigern mehr als Alarm schlagen. Ich bin sehr froh, dass der WWF das Jahr 2010 zum Tigerjahr erklärt hat und die Tigerexpedition nach Wladiwostok unternimmt. Hoffentlich werden die Tigerbotschafter auch Pavel Fomenko antreffen und die Möglichkeit haben dem erfahrenen Wildhüter viele Fragen zu stellen.

 

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Bild: @ Pavel Fomenko / WWF



 

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Kommentare (1)
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10.08.2010
NaNe5 hat geschrieben:
Schön Geschrieben :) ..
Hoffen wir mal das die Tiger noch eine Chance haben.
oder von uns bekommen.
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