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Versteckt im Dschungel - ist das Java-Nashorn noch zu retten?


von Rhino
22.09.2012
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In den dichten Regenwäldern der indonesischen Insel Java lebt eine der seltensten Tierarten auf dem gesamten Erdball: das Java-Nashorn, nur noch 35 Exemplare der vergleichsweise kleinen und äußerst scheuen Huftierart sind heute noch am Leben, ihre Zukunft ist derzeit äußerst ungewiss, denn auch wenn die letzten ihrer Art allesamt den strengen Schutz eines modernen Nationalparks genießen, haben sie immer noch mit den verschiedensten ökologischen Bedrohungen zu kämpfen … ob sie diesen Kampf gewinnen können?

Sanftmütige Einzelgänger!

Java-Nashörner gelten als friedliche Waldbewohner und zählen innerhalb der Nashornfamilie zu den kleineren Arten, gering sind die Körpermaße der Dickhäuter aber mitnichten, etwa drei Meter lang und bis zu zwei Tonnen schwer werden die indonesischen Rhinos.

Ihre graubraune Haut zeichnet sich durch eine markante Faltenstruktur aus und erinnert dadurch ein wenig an eine mittelalterliche Ritterrüstung, das wohl prägnanteste Körpermerkmal ist jedoch ganz klar das massive, 20 Zentimeter lange, Keratin-Horn auf der Nasenspitze der indonesischen Inselbewohner!

Java-Nashörner führen ein einzelgängerisches Leben, sie ruhen am Tage und gehen nachts auf Nahrungssuche, dabei verzehren sie hauptsächlich Blätter, Zweige und Früchte, die asiatischen Rhinos sind also reine Vegetarier!

Viel mehr ist über das Java-Nashorn auch leider nicht bekannt, gerade das Fortpflanzungsverhalten ist bisher praktisch völlig unerforscht und neue Entdeckungen zu machen, ist nach wie vor äußerst schwierig, da Java-Nashörner extrem scheu sind, sodass es sogar Naturschützern nur vereinzelt gelingt, eines dieser Tiere überhaupt zu Gesicht zu bekommen, die wenigen Bilder und Videos, die von den Nashörnern existieren, stammen zumeist von Kamerafallen des WWF!

 

Ujung Kulon – letzte Zuflucht im Küstenregenwald!

Einst waren Java-Nashörner in ganz Südostasien anzutreffen, man fand sie in Thailand, Vietnam und auch Malaysia, nun stehen die sanftmütigen Waldbewohner am Rande der Ausrottung.

Für diese dramatische Entwicklung gibt es zwei zentrale Gründe, zum einen die immer intensivere Zerstörung der asiatischen Waldgebiete und zum andern das stetige Verlangen nach Rhinozeros-Horn in den höheren Klassen von China und Vietnam. Dort herrscht bis heute ein Aberglaube vor, der besagt, dass durch die Hörner der Rhinos diverse tödliche Krankheiten geheilt werden können, in der Realität hat sich dies mittlerweile als völliger Irrtum herausgestellt, die Markenzeichen der Nashörner haben keinerlei medizinische Wirkung.

Doch trotz alledem bleiben die auffälligen Keratin-Hörner in weiten Teilen Chinas ein begehrtes Luxusgut, das auf dem Schwarzmarkt enorme Geldsummen einbringt und dadurch jedes Jahr Massen von Wilderern in die asiatischen Regenwälder lockt. Mit ihrer schonungslosen Jagd haben diese bis heute den gesamten Java-Nashorn-Bestand fast gänzlich ausgelöscht.

Die kritische Lage haben die Dickhäuter somit hauptsächlich dem nicht enden wollenden Verlangen nach wirkungsloser Arznei zu verdanken.

Noch im letzten Jahr wurde eine kleine Nashorn-Population in den Regenwäldern Vietnams entdeckt, doch bereits nach ein paar Monaten fielen sämtliche Exemplare der Wilderei zum Opfer. Damit ist der Ujung Kulon-Nationalpark im Westen der Insel Java mittlerweile das letzte Stückchen Land, auf dem diese Spezies noch überleben konnte.

Das Schutzgebiet, das seit 1992 als UNESCO-Weltnaturerbe gilt, und neben den letzten 35 Java-Nashörnern auch verschiedene Affenarten, Banteng-Rinder, Krokodile, Pythonschlangen, Nashornvögel und noch viele weitere Waldbewohner beherbergt, hat eine Fläche von 1206 km² und weist ein vielfältiges, geradezu paradiesisches, Landschaftsbild auf, das sich vor allem durch tropische Küsten- und Mangrovenwälder auszeichnet, es ist somit eine Art moderne „Arche Noah“ für die letzten Überlebenden.

  

Außer Gefahr?

Wie sich der Zustand der Java-Nashorn-Population in Zukunft entwickeln wird, ist derzeit schwer zu sagen. Bisher zeichnet sich die Leitung des Ujung-Kulon-Nationalparks durch vorbildliche Arbeit aus. Der Wilderei versucht man dort mit bewachten Grenzen effektiv Einhalt zu gebieten, und das mit Erfolg, in den gesamten letzten zehn Jahren wurde im  küstennahen indonesischen Schutzgebiet kein einziges Java-Nashorn gewildert, wenn dies auch in Zukunft so bleibt, wären das geradezu ideale Vorraussetzungen für den Fortbestand der Spezies!

Doch es gibt auch eine Vielzahl neuartiger Gefahren, die keinesfalls zu unterschätzen sind. So kommt es an der Westküste Javas immer wieder zu Vulkanausbrüchen und Tsunamis, wenn diese besonders starke Ausmaße erreichen, könnten sie die gesamte Vegetation des Nationalparks dem Erdboden gleich machen, was für die dort lebenden Tierarten den schnellen Tod bedeuten würde.

Zudem kann die Tatsache, dass alle Exemplare sich im selben kleinen Territorium aufhalten, im Falle eines Krankheitsausbruchs zu einem sofortigen Untergang der gesamten Nashorn-Population führen.

Deshalb planen Naturschützer jetzt schon, einen Teil der Exemplare in Zukunft, an einen anderen Nationalpark zu übergeben. Dieses Vorhaben ist in Anbetracht der extrem geringen Population ein hoch riskantes Unterfangen und muss in den kommenden Jahren noch exakt durchgeplant werden, da eine Umsetzung nur unter streng geprüften Bedingungen in Frage kommt.

Ob die Verteilung der Population in Zukunft zum schnelleren Wachstum verhelfen wird, das fragt sich derzeit eine Vielzahl von engagierten Umweltschützern, und viele sind da durchaus zuversichtlich, denn immerhin wäre es nicht die erste Nashornart die man vor dem Verderben bewahrt hätte, auch das nah verwandte Panzernashorn aus Indien stand vor etwa 100 Jahren am Rande der Ausrottung, doch durch effektive Schutzmaßnahmen lies sich die Zahl der Rhinos bis heute auf fast 3.000 Exemplare erhöhen. Ob das auch in Java gelingt? Die Hoffnung stirb bekanntlich zuletzt …

gez. Maxim Podobed 2012

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Kommentare (10)
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13.10.2012
Nivis hat geschrieben:
Oh man, ich drück soooo fest die Daumen, dass das klappt!
05.10.2012
Marcel hat geschrieben:
Wieder ein genialer, sehr lesenswerter Rhino-Bericht! Vielen Dank, Maxim, für dieses superinformative Artenporträt. Die Java-Nashörner gehören zu meinen absoluten Lieblingstieren, und ich bin froh, dass auch der WWF dafür kämpft, dass diese Tiere nicht von der Erde verschwinden. Es ist extrem knapp... Aber Du hast es bereits perfekt ausgedrückt in Deinem letzten Satz! Genau das ist die Einstellung, die wir Naturschützer haben müssen.
25.09.2012
Puma hat geschrieben:
Ja,die Hoffnung stirbz zuletzt.Aber ich denke nicht,dass sie in diesem Fall sterben wird,weil ich schon ziemlich optimistisch bin.Aber danke für den Artikel!!!
24.09.2012
Martin98 hat geschrieben:
Wiklich schöner bericht, ich habe diese Tierart noch nicht gekannt, es war sehr informativ,danke. Ist aber trotzdem schade das sie der wilderei zum opfer fallen, wo es nur so wenig gibt.
23.09.2012
Angelina hat geschrieben:
Super Bericht. Die Tiere sind echt schön, im Gegensatz zu ihrer Population, die aufgrund der minimalen Anzahl eher unschön ist. Ich kann nicht verstehen, wie so ein Wilderer mit der Last, dass er für die Ausrottung der Tiere mitverantwortlich ist, leben kann...
23.09.2012
Wasserjunge hat geschrieben:
Schöner Bericht.
Ich finde diese Tiere schon seid längeren toll.
Tolle Tiere hoffen wir sehr das sie überleben und sich vermehren könne!
23.09.2012
PaulaTvD hat geschrieben:
Ein sehr guter Bericht...!
Ich hoffe wirklich dass die Schutzmaßnahmen greifen und die Java Nashörner nicht aussterben :(
23.09.2012
LSternus hat geschrieben:
Du hast recht die Hoffnung stirbt zu letzt.
Vor einiger Zeit wurde in eimen deiner Artikel zu einem Fernsehbeitrag über das Klonen von Nahshörnern diskutiert. Im Fall einer so selten Spezies würde ich das als letzte Option billigen und ihr?
22.09.2012
neongruenerengel hat geschrieben:
Ein guter und spanndender Bericht muss ich sagen =)
22.09.2012
Anne95 hat geschrieben:
Ein spannender und informativer Bericht, gefällt mir sehr gut! :-)
Worüber ich mich nicht freuen kann, ist, dass die Tiere kurz vor dem Aussterben sind und dass diese sch*** Wilderer sie nicht in Ruhe lassen...
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