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The Story of Baim - Gerettet für eine bessere Zukunft


von Marcel
28.02.2011
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Aus der Pappschachtel in die Auffangstation - die dramatische Geschichte des Orang-Utan-Babys Baim auf Borneo

Baim ist winzig - etwa einen halben Meter lang - und wiegt kaum mehr als die Pappschachtel, in der er sich verzweifelt festkrallt. Sein verknittertes Gesicht zeigt Reste getrockneter Babynahrung und ist umgeben von einer Wolke weicher rostroter Haare. Seine Augen blicken noch immer entsetzt - entsetzt, von seiner Mutter getrennt zu sein.

"Orang-Utan-Mütter trennen sich nie freiwillig von ihren Babys, deshalb müssen wir auch bei Baim wie so oft das Schlimmste annehmen - dass die Mutter von Wilderern getötet wurde, um an das Junge zu kommen", sagt Jimmy, Verbindungsmann des WWF Indonesien in West-Kalimantan. "Obwohl ich glücklich über die Rettung dieses einen Babys bin, ist es wirklich eine Tragödie, auch nur einen einzigen Orang-Utan in der freien Wildbahn zu verlieren, denn ihre Zahl ist sowieso schon gefährlich niedrig."

Baim gehört zu der einen Unterart von Borneo-Orang-Utans, die am meisten bedroht wird. Experten schätzen, dass inzwischen weniger als 4.500 Pongo pygmaeus pygmaeus in den rasch schwindenden Wäldern West-Kalimantans (Indonesien) und Sarawaks (Malaysia) leben. Holzeinschlag und die steigende Nachfrage illegaler Tierhändler nach Orang-Utan-Babys fordern ihren Tribut.

Baim ist bereits das zweite Orang-Utan-Baby innerhalb eines Monats, das die Dorfbewohner der abgelegenen Siedlung Lanjak fanden und retten konnten. Waldranger Andy Tarsita gab ihm den Namen und brachte das kleine Haarknäuel ins WWF-Projektbüro in Lanjak. "Baim hatte Glück. Wenn wir ihn nicht gefunden hätten, wäre er als Schoßtier verkauft worden oder im Wald verhungert. Jetzt aber hat er eine Chance, irgendwann wieder in die Wildnis entlassen zu werden", sagt Tarsita.

Der lange Weg zurück

Zunächst beginnt der Weg zurück mit der Entscheidung der Bezirksbeamten in Lanjak, Baim in der Obhut des WWF zu lassen, bis er den richtigen Behörden im weit entfernten Pontianak übergeben werden kann.

Vor ihm liegt eine Fünf-Stunden-Autofahrt über raue Pisten und ein lautstarker Flug in die Provinzhaupstadt von West-Kalimantan. Dort wird er in die Obhut des staatlichen Naturschutzbüros übergeben (Natural Resources Conservation Office, BKSDA) gegeben und anschließend in eine Orang-Utan-Auffangstation gebracht, wo er die nächsten Monate oder Jahre seines Lebens verbringen wird. Vielleicht auch sein ganzes Leben, falls er nicht wieder ausgewildert werden kann.

Menschenaffen mussten weichen

In den vergangenen Jahrzehnten wurde mit ehrgeizigen wirtschaftlichen Entwicklungsplänen Borneos Regenwald für viele Zuwanderer erschlossen. Die Regierungen parzellierten die drittgrößte Insel der Welt und überzogen sie mit einem Netz von Holzabbau-Konzessionen. Gerodet wurde vor allem, um Platz zu schaffen für riesige Plantagen mit Ölpalmen und Akazien, die raschen Gewinn versprachen.

Allein zwischen 1980 und 2000 wurde in Borneo schätzungsweise mehr Holz gerodet als in Amazonien und im Kongo-Becken zusammen. Die Orang-Utans und die anderen Wildtiere mussten wohl oder übel in den verbliebenen Waldresten zusammenrücken.
Noch gibt es Hoffnung

Jimmy war nach Lanjak gekommen, um sich mit den Führern der Dajak-Stämme zu treffen. Sie besprechen regelmäßig die begonnene Wiederaufforstung und die von der Dorfgemeinschaft durchgeführte Beobachtung und Zählung wildlebender Orang-Utans. "Die traurige Wahrheit ist, dass Baim sicher nicht das letzte Orang-Utan-Waisenkind sein wird, solange neue Straßen den Dschungel zum Zweck illegalen Holzeinschlags und profitgieriger Wilderei erschließen", sagt Jimmy. "Deshalb müssen wir unsere Anti-Wilderer-Arbeit aufstocken und unsere Bemühungen bei der lokalen Bevölkerung verdoppeln, um ihnen zu zeigen, dass die Bewahrung der Natur sich auszahlt durch alternative Einkommensmöglichkeiten und Öko-Tourismus."

Das sehen inzwischen wohl auch die Regierungen Borneos so. 2007 unterzeichneten Indonesien, Malaysia und Brunei ein historisches Übereinkommen zur Sicherung des Herzens von Borneo. Der WWF arbeitet mit diesen Staaten zusammen, um diese noch verbliebenen 220.000 Quadratkilometer Regenwald - nahezu ein Drittel der Insel - dauerhaft zu schützen. Und zwar durch die Einrichtung eines Netzwerks geschützter Areale und die nachhaltig Bewirtschaftung ausgesuchter Wälder. Der indonesische Präsident Yudhoyono hat zudem vor, bis 2015 alle noch in Aufzucht-Zentren befindliche Orang-Utans wieder in die Wildnis zu entlassen.

Eine weitere gute Nachricht: "Es ist möglich, gerettete Orang-Utans wieder mit Erfolg auszuwildern. Das haben wir in einigen Gebieten bereits gesehen", sagt Dr. Barney Long, WWF-Experte für asiatische Tierarten. "Doch noch immer können wir damit den Verlust an Menschenaffen nicht ausgleichen, der durch Waldvernichtung und illegalen Tierhandel geschieht."

Heute lebt Baim im Orang-Utan-Zentrum Ketapang. Er wird hier aufwachsen wie andere Artgenossen, Hoffen wir, dass er wie sie eines Tages wieder zurückkehren kann in das dann noch grüne Herz Borneos, seine Heimat.

Trishna Gurung, WWF-US

Bild: © Russell R. Mittermeier / WWF-Canon; WWF Indonesien

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Kommentare (8)
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01.06.2012
Chrissi96 hat geschrieben:
Ohh....wie traurig der Bericht ist zwar schon alt aber ich hab ihn erst jetzt gelesen:)
01.07.2011
LSternus hat geschrieben:
Eine traurige Geschichte. Empfehlen kann ich zu diesem Thema das Buch "Wut allein reicht nicht" von Hannes Jaenike.
04.05.2011
Cata hat geschrieben:
mein Bio LK hat jetzt auch einen partenkind als affe.
28.03.2011
StrawberryIceCream hat geschrieben:
Schon grausam ....aber trotzdem schön das Baim gerettet würde. Ich kann sowas einfach nicht verstehen oder ich will es einfach nicht. Sie sind uns so ähnlich und niedlich, wie man sowas tun ist mir unvorstellbar.
20.03.2011
gelöschter User hat geschrieben:
echt ein glück das er gerettet werden konnte..
01.03.2011
RosaTiger hat geschrieben:
Wie Trauig :( das die Welt eigentlich so grausam sein , ist schon Krass :O
28.02.2011
Nivis hat geschrieben:
wenn man das so liest, dann könnte man doch anfangen zu weinen...ich war vor kurzem im Aquazoo Löbbecke zu einem Bericht über Borneo. Da wurde zwar auch schöne Seiten gezeigt, aber auch auf die Abrodung und den Anbau von Ölplantagen informiert. Wenn man sich das so ansieht...echt schrecklich. Aber wenn man jetzt endlich die Notbremse zieht, ist es noch nicht zu spät!
28.02.2011
Stoffie hat geschrieben:
was für ein glück das der kleine baim gerettet werden konnte!
ich hoffe das die wiederaufforstungen gut gelingen damit die regenwälder noch lange erhalten bleiben!
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