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Indonesische Großreptilien exklusiv für europäische Handgelenke ?!


von RobinK
26.02.2011
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Man will sich mal was gönnen? Ein Stück Luxus, mit dem man sich möglichst durch Exklusivität von der breiten Masse absetzt? Schnell fällt da die Wahl auf eine schöne Armbanduhr, ein Armband oder einen Gürtel - gefertigt aus echtem Reptilienleder. Dass eben für diesen Luxus 100.000-fach Großreptilien in Indonesien gequält werden, bevor sie letztenendes durch den Tod erlöst werden, interessiert den gut situierten europäischen Konsumenten da eher weniger - das wäre auch eine verdammt unbequeme Wahrheit, oder?

Indonesien gehört zu den Hauptexporteuren von Reptilienhäuten. Die Fangquoten werden von den Ländern selber festgelegt, in Indonesien geschieht dies ohne wissenschaftliche Grundlage. Tatsächlich werden pro Jahr ca. 157.000 Exemplare der Netzpython und sogar an die 400.000 Häute des Bindenwarane (Varanus salvator) nach Europa - vornehmlich in die Schweiz - verkauft.

Oft werden die Fangquoten noch überschritten und der Mehrfang während des Transports durch Zwischenziel Malaysia vertuscht. Der Gedanke über diese Richtlinie regulieren zu können ist ebenso Utopie, wie die Aussage mancher Exporteure, dass die Standards im Umgang mit Wirbeltieren in Indonesien die gleichen seien.

Beim Anblick von Riesenschlangen, die - am Kiefer aufgehängt und sich windend - mit Wasser befüllt werden, damit sich die Schlange ausdehnt und effektiv mehr Reptilienhaut zum verkauf bereitsteht, hat man da seine Zweifel. Auch wenn man hier in Deutschland wie in Indonesien üblich die Bindenwarane in einen Sack steckte und solang auf den Kopf des Tieres einträte, bis dieser sich nicht mehr bewegt, hätte man Wohl eine Freiheitsstrafe riskiert.

Doch ein Gutes hat die Praktik ja - die Reptilienhaut bleibt unversehrt und seien wir mal ehrlich, wer von uns hat gerne ein Armband aus durchlöchertem Leder? Unmittelbar schließt sich die Frage an: Wie ABSURD ist unser Konsumverhalten?

Wieso auch über die Herkunft der Tierhaut nachdenken, wenn die Designer unseres Vertrauens, also Gucci, Hermès, Cartier etc., uns glaubhaft versichern, der Handel sei "gesetzeskonform". Oder aber ausweichen mit dem Argument, das Thema Artenschutz sei noch nicht im Betrieb diskutiert worden - eine Stellungnahme folglich nicht möglich.

Der Bindenwaran gilt unterdessen in Indonesien als stark gefährdet und internationale Umweltorganisationen versuchen dem entgegenzuwirken. Und es kann funktionieren: Der schweizer Uhrenhersteller Swatch hat Oktober letzten Jahres sämtliche Armbänder aus Reptilienleder aus dem Sortiment genommen. Grund dafür war in erster Linie die mediale Aufmerksamkeit und, dass entsprechend weniger Menschen das Bedürfnis verspührten ein Armband mit makaberer Vorgeschichte am Handgelenk zu tragen.

Letztenendes liegt es also an uns, diesem wirklich grausamen Vorgehen mit irreversibelen Folgeschäden entgegenzuwirken. Wo es keine Nachfrage gibt wird auch das Angebot verschwinden!

 

Quelle: Reptilia, "Bestialische Behandlung indonesischer
Großreptilien für westliche Luxusprodukte" von André Koch (Autor)

Beitrag im Schweizer Fernsehen: http://www.videoportal.sf.tv/video?id=56de5c9b-873f-48ed-861a-d86bffb416f3

Bildquelle: wikipedia

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Kommentare (4)
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04.03.2011
RobinK hat geschrieben:
Zu den Lederfarmen noch ein kleiner Nachtrag: Die Idee ist sicher nicht schädlich, auch wenn ich es grenzwertig finde, eine in keinster Weise domestizierte Art als Nutztier zu züchten, zumal es wirklich genug andere Lederquellen gäbe... Da kommt diese Art der Ledergewinnung doch einer Verschwendung gleich (meine Meinung;)).

Die traurige Wahrheit ist aber in jedem Fall, dass diese Lederfarmen einen wirklich minimalen Anteil der Gesamtexportzahl der Tiere liefert. Viele Wildfänge werden als Farmzuchten deklariert. Also von einer effektiven Maßnahme zum Artenschutz kann man denke ich leider nicht sprechen. Ein Beispiel wäre der Bindenwaran, bei dem wirklich nur noch ein Bruchteil der ursprünglichen Population bis heute besteht. Mich würde aber interessieren, bei welchen Arten es wirklich gewirkt hat, das gäbe ja Hoffnung !

@Stoffie Diese Textpassagen sind pure Ironie/Sarkasmus - "Designer unseres Vertrauens" dürfte als Paradox ja schon stutzig machen ;)
04.03.2011
LaLoba hat geschrieben:
Finde ich toll, dass Swatch da schon reagiert hat! Da sieht man mal wieder dass unser Engagement eben doch hilft! Danke fuer den interessanten Bericht!
28.02.2011
webtile hat geschrieben:
Man muss aber auch sagen das die Nachfrage nach Reptilienleder zur Entstehung einiger Lederfarmen geführt hat wodurch die Bestandszahlen einiger bedrohter Arten wieder angestiegen ist und sie quasi der Arterhaltung geholfen hat....
27.02.2011
Stoffie hat geschrieben:
nur weil irgendwo gucci hermes oder cartier dran steht heißt das ja noch lange nicht das ordentliche mit tieren umgegangen wird oder fair gehandelt wird.

anscheinend ist das bis jetzt leider sehr wenigen menschen klar geworden...
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