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© V. Kess / WWF-Canon
Frösche in Gefahr


von Janine
30.01.2011
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6800 bekannte Amphibienarten tümmeln sich derzeit auf unserem Planeten. Fast wöchentlich wird eine neue Froschart beschrieben und doch sind Amphibien die am stärksten bedrohte Gruppe innerhalb der Wirbeltiere.

Das Verschwinden der Frösche ist vor allem auf das Handeln des Menschen zurück zu führen. Der steigende Flächenverbrauch für sich und seine Tiere zwingt die Frösche ihre Lebensräume zu verlassen.
Aber auch aktiv wird der Froschbestand täglich dezimiert. Besonders Indonesien trägt dazu bei, dass die Frösche verschwinden. Der weltgrößte Exporteur von Froschschenkeln vertreibt vor allem Tiere aus Wildfängen. Zur Zeit werden von dort mehr als 4000 Tonnen (ca. 150 Millionen Tiere) pro Jahr in alle Welt geliefert. Hauptabnehmer ist die EU. Frankreich, Belgien und Luxemburg stehen ganz oben auf der Liste der Empfänger.

Auch in Teilen Afrikas werden Frösche massenhaft gefangen, dann geräuchert oder getrocknet. Hierbei werden nicht nur die Adulten eingesammelt, sondern auch die Kaulquappen. Dadurch können sich Bestände kaum erholen. Die Frösche werden bevorzugt in der Dunkelheit gejagt. Die Fänger fahren mit ihren Booten auf die Gewässer hinaus und leuchten mit ihren Taschenlampen über die Wasseroberfläche. Da die Augen der Amphibien das Licht reflektieren, ist es ein Leichtes die Tiere zu erschlagen und einzusammeln.

"Da die Profite im Froschhandel relativ groß sind, ist mit einem Umdenken nicht zu rechnen" erklärt Mark-Oliver Rödel vom Berliner Museum für Naturkunde. Eine Lösung für das Problem könnte in Zuchtstationen liegen. In Froschfarmen könnten die Tiere zahlreich herangezogen werden. Leider passiert es immer wieder, dass Frösche aus solchen Farmen ausbüchsen und sich dann ungestört in der Umgebung vermehren. Dabei verdrängen sie oft andere Amphibien, Reptilien und auch Vögel, die auf ihrem Speiseplan stehen.

Besonders fatal ist auch der Befall von Chytrid-Pilzen. Sie zerstören die Froschhaut und tragen so ihrerseits zum massenhaften Sterben bei. Da einige Frösche resistent gegen den Parasiten sind, ihn aber trotzdem verbreiten können, fällt es besonders schwer, die Ausdehnungsgebiete zu lokalisieren. Wenn ein einziges befallenes Tier auf eine nicht resistente Population stößt, so kann diese binnen Tagen für immer von der Erde verschwinden.

Wenn es nicht bald zu strengeren Kontrollen im Froschhandel kommt, werden die Hüpfer mit dem Laichen wohl nicht mehr hinterher kommen. Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen prognostiziert, dass in den nächsten zehn Jahren 98% der indonesischen Regenwälder zerstört sein werden. Bereits heute gelten 41% aller Amphibienarten als gefährdet.

 

 


Quelle: "Die Zeit", Ausgabe vom 27. Januar 2011
Foto: Janine Koch

 

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Kommentare (12)
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27.06.2012
LSternus hat geschrieben:
Wirklich furchtbar was mit den Fröschen passiert. So viele Tiere müssen unter Profitgier leiden.
29.03.2011
gelöschter User hat geschrieben:
Total schrecklich die armen Frösche. Wer isst eigentlich Frösche das ist doch Eckelhaft!
Aber was man zur rettung in anderen Länder tun kann weiß ich auch nichtt...In Deutschland sehe ich an manchen Strßen zu Wäldern Frosch/Krözenzäune.
04.02.2011
Janine hat geschrieben:
@Robin: Vielen Dank für die vielen zusätzlichen Infos!
02.02.2011
RobinK hat geschrieben:
Also eine effektive Lösung für die Bekämpfung des Chytrid-Pilzes gibt es auf keinen Fall. Froschfarmen sind dafür viel zu anfällig. Der zoo Münster hat ein Paar von einer Froschart aus Lateinamerika aufgenommen, einen Nachzuchterfolg gab es meines Wissens bisher nicht. Der momentane Plan sieht vorallem vor, möglichst viele isolierte Populationen zu schaffen, sodass wenn eine vom Pilz befallen ist, in anderen Zoos noch "reserven zu finden sind.

Letztenendes ist übrigens auch das vermehrte Auftreten vom Chytrid-Pilz auf den Klimawandel zurückzuführen. Der Pilz gedeiht wesentlich besser in warmen, feuchten Gebieten. Gerade in Berggebieten Lateinamerikas/Indonesiens etc. haben Studien mittlerweile den Zusammenhang zu der Temperaturerhöhung herstellen können.

Das ist aus meiner Sicht wesentlich bedeutsamer als der Froschschenkelexport. Erschreckend, aber die allgemeine Rücksichtslosigkeit. Während man Frösche noch relativ einfach zumindest vom Platz her in Gefangenschaft halten kann, geht es größeren Reptilien/Amphibien an den Kragen. Ich denke in beiden Fällen ist ein großes Problem, dass die Tiere als zu fremd angesehen werden, trotz aller Aufklärungsarbeit.

Was mich aufregt: Wenn man bereit ist als Privatperson den Artenschutz aktiv zu unterstützen, also eine Kooperation mit Zoos eingehen möchte, gefährdete Arten artgerecht halten und nachzüchten will, bekommt man gleich einen Strich durch die Rechnung gemacht, von der Landesbehörder oder anderen bürokratischen Monstren!
Wieso ein generelles Verbot für Exotenhaltung und nicht ein streng reglementiertes Register an Haltungsvorschriften, bei deren Erfüllunge jedoch die Haltung/ Nachzucht erlaubt ist?
01.02.2011
UnsereGeneration hat geschrieben:
Schrecklich schon wieder so eine Nachricht.
Am schlimmsten finde ich, dass 41% als gefährdet gelten und dass in den nächsten 10 Jahren 98% des Regenwaldes in Indonesien abgeholzt sein wird

Und cih meine dabei kann jeder Mensch auch ohne Froschschenkel zu essen überleben.

Unsere Generation
01.02.2011
Nivis hat geschrieben:
Wenn ich mich recht erinnere hat der Zoo Münster sich der Rettung der Frösche angenommen...aber was genau gemacht wird, kann ich leider auch nicht sagen. Was ist denn ein Amphibienschutzraum, Glühwürmchen?? Also wo wird der aufgestellt,wie sieht er aus?
31.01.2011
Fee hat geschrieben:
41%? Das wusste ich jetzt nicht.
Die Zahl ist dann schon erschreckend. Aber wie Rödel vom Berliner Museum schon gesagt hatte, wird es schwer die kleinen Frösche zu retten, wenn die Länder wirklich so viele Frösche empfangen. Traurig.
31.01.2011
Janine hat geschrieben:
Leider ist es relativ schwer den Tieren zur Hilfe zu kommen. Bislang ist es beispielsweise nicht gelungen, den größten aller Frösche, den bedrohten Goliathfrosch, in Zoos nachzuzüchten. Mit seinen 33cm Körperlänge und einem Gewicht von 3kg kann er ganze drei Meter weit springen. Weil er so schwer ist, schlägt er sich dabei oft das Maul an Glasscheiben blutig.
In der Zeitschrift "Conservation Biology" forderten Schützer, dass der internationale Handel streng zertifiziert werden müsse. Da die Frösche aber geräuchert exportiert werden und ihnen dazu die Haut abgezogen wird, ist es im Nachhinein schwer die Tiere zu bestimmen, was eine Kontrolle sehr schwer macht. Hinzu kommen die hohen Kosten, die solche Maßnahmen mit sich bringen würden. Importeure und Regierungen müssten dafür sorgen, dass strenger kontrolliert wird. Darin besteht aber kaum Interesse.
Dennoch können wir unsere einheimischen Tiere schützen, indem wir ihnen bei der Krötenwanderung helfen, oder sie wie midori, aus den Lüftungsschächten retten. Vor allem der Laubfrosch gilt bei uns als stark gefährdet. Für ihn setzen sich bereits Naturschutzorganisationen ein und errichten Schutzgebiete.
Außerdem trägt der Verzicht auf Froschschenkel natürlich zum Schutz bei. Die Arbeit liegt also wieder einmal in der Überzeugungskraft der Tierschützer.
30.01.2011
Salissa hat geschrieben:
Der Bericht ist furchtbar erschreckend.
Ich kann das garnicht glauben. Frösche sind echt meine Lieblingstiere, nur leider weiß ich nicht wirklich was man dagegen tun kann um ihnen zu helfen?
Gibt es da irgendein gesondertes Programm um die kleinen Hüpfer zu unterstützen?
30.01.2011
XXXSarahXXX hat geschrieben:
41 Prozent? Soviele hätte ich nicht erwartet O.o
Frösche sind so süüß =) Es wäre echt schlimm, wenn die aussterben.. :O
30.01.2011
midori hat geschrieben:
Und ich rette sie immer aus unseren Lüftungsschächten.. ^^ Schöner, aber tragischer Artikel. Ziemlich problematisch finde ich auch, dass man vom eigentlichen Frosch nur die Schenkel isst. Und der Rest ist dann quasi Abfall? Das ist ähnlich wie mit den Haifischflossen. Arme Dinger :(
30.01.2011
Gluehwuermchen hat geschrieben:
...und unsere einheimischen Amphibien sind ja genauso gefährdet. Hier bei uns starten wir jedes Jahr neu das Projekt Amphibienschutzzaun, denn sonst würden sie einfach plattgefahren. Viel Arbeit, aber es sind einfach faszinierende Tiere, die man schützen muss!
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