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Essay: Palmölanbau in Indonesien – Lösung für Sumatra, Bedrohung für die Welt?


von MarcelB
08.01.2011
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 Die Ölpalme ist eine bis zu 30 m hohe Fiederpalme, die im tropischen Klima gedeiht. Nach drei bis vier Jahren trägt diese Dauerkultur erstmals Früchte. Ein Fruchtbestand besteht aus über 100 einzelnen Früchten und wiegt über 20 Kilo. Das Palmöl dient als Rohmaterial für Kochöle, Margarine, Bratfette, Backfette, und andere Lebensmittel. Es wird zunehmend im Non-Food-Bereich beispielsweise als Schmierstoff oder Korrosionsschutz eingesetzt. Palmöl wird außerdem in Kosmetika, Kerzen und Waschmitteln verwendet.

Man benötigt für 3 ha Fläche eine Arbeitskraft. Eine Fabrik pro 6 000 ha ist rentabel, deshalb wird der Plantagenanbau bevorzugt. Zusätzlich werden für eine große Plantage ca. 500 Arbeitskräfte für Aufgaben in der Verwaltung oder der Fabrik gebraucht.

Seit 1966 nahm die Produktion der beiden Länder Indonesien und Malaysia zu. In den 60er Jahren lag die Summe der jährlichen Produktion noch bei 0,5 Mio. t. Aktuellen Zahlen zufolge, besitzen beide Länder im südostasiatischem Raum zusammen heute eine Produktion von bei 34 Mio. t.

Wie kam es zu dieser landwirtschaftlichen Produktionssteigerung?
Normalerweise würde man Produktionssteigerungen durch neue Technologien und Innovationen in der Landwirtschaft erklären können. Doch dem ist nicht der Fall, seit der Intensivierung der Produktionsprozesse steigt proportional auch die weltweit genutzte Fläche für Palmöl. An deren Spitze Malaysia und Indonesien stehen. Mit gemeinsamen 6 Mio. ha decken die Länder die Hälfte der weltweit genutzte Flächen der Ölpalmen.

Global gesehen begann damit ein riesiger, unaufhaltsam Prozess. Vergleicht man die Verbreitung des primären Regenwaldes auf Sumatra im Jahr 1940 so erkennt man, dass noch bis auf einzelne Siedlungsgebiete die komplette Insel aus Regenwaldgebieten bestand. 56 Jahre später, nachdem zahlreiche Plantagen (wie z.B. die berühmte Ophirplantage an der Süd-West Küste) im Jahr 1980 geplant und verwirklicht wurden gingen die Gebiete völlig zurück. Heute sind nur noch einzelne kleine Wälder erhalten. Schätzungen zufolge liegt die erhaltende ursprüngliche Fläche des Regenwaldes heute bei 5%.

Palmöl als Energieträger:
Bei der Nachfrage nach „Biokraftsotffen“ in Deutschland gewinnt Palmöl zunehmend an Bedeutung. Durch den Zwang zur Beimischung von Biokraftstoffen zum Diesel ist die Nachfrage nach Planzenöl stark gestiegen. Zudem werden immer mehr Pflanzenöl Kraftwerke betrieben. Das auf heimischen Markt produzierte Rapsöl kann die Nachfrage nicht befriedigen, steigende Preise sind die Folge. Palmöl erscheint als eine willkommene Ergänzung und Alternative.

Die „Beimischverordnung“ wurde vom Deutschen Bundestag am 26.10.2006 beschlossen. Sie bestimmt, dass ab dem Jahr 2007 alle Ölkonzerne verpflichtet sind, dem Dieselkraftstoff Biokraftstoffe beizumischen.

Somit tragen wir alle, jeder einzelne täglich dazu bei, dass der heimische Regenwald abgeholzt und stattdessen die Ölpalme angebaut werden muss.

Weltweite Importländer für rohes Palmöl
China, Indien und Pakistan bilden die Elite, wenn es um Importe von rohem Palmöl geht. Berücksichtigt man die letzten 13 Jahre so kommt man auf ein überraschendes Ergebnis. Die Importzahlen sind beinahe explodiert, kein anderes Produkt hat so „geboomt“ wie Palmöl in den vergangenen Jahren. Selbst China importierte aus Malaysia/Indonesien 1997 erst 1, 86 Mio. t. Als die Nachfrage stieg reagierte China Regierung. Sie vervierfachten die Importe, im Jahr 2005 wurden plötzlich schon 4 Mio. t importiert. Gleich verlief es auch in vielen anderen Ländern, auch Deutschland. Die globalen Importe aus Malaysia und Indonesien liegen bei 26, 4 Mio. t (2005).

Der globale Handel mit indonesischen Palmöl läuft überwiegend über Händler, die in Singapur ansässig sind und zum Teil enge Verbindungen zur indonesischen Landesregierung haben. Gleich voran steht Sinar Mas als einer der größten Palmölproduzenten. Der Konzern missachtet internationale Standards, indonesische Rechte und ist ist an zahlreichen Landkonflikten beteiligt. In den Gebieten vieler Ölpalmen-Plantagen sind die Landrechte nicht geklärt. Kleinbauern, besonders indigene Gruppen, die vom Fischfang, Landwirtschaft und Urwald gelebt haben, werden oft gewaltsamt aus ihrer Heimat vertrieben oder noch schlimmer sich als Billigarbeitskräfte auf den Plantagen arbeiten. Gemäß der internationalen Arbeitsorganisation ILO sind die Arbeitsbedingungen auf Palmölplantagen im Allgemeinen als katastrophal zu bewerten. Allein Nestlé, der größte Nahrungsmittel- und Getränkehersteller der Welt, hat seinen Bedarf an Palmöl in den letzten drei Jahren auf 320.000 Tonnen verdoppelt.

Mehr als 200 Großfeuer auf Sumatra führten letztes Jahr zu einer erheblichen Belastung der Luft in der Wirtschaftsmetropole Singapur. Schulkinder durften nicht mehr raus, Sportveranstaltungen wurden wegen der Brände und der daraus folgenden Dämpfe abgesagt. Viele Schiffe konnten in den Gebieten Indonesiens nicht mehr fahren, weil der Rauch die Sichtweite extrem einschränkt hat. Auch finanzielle Nachteile hatte das Buschfeuer. Geschätzte 9 Mil. Dollar Schaden entstanden, aufgrund der gesundheitlichen Risiken ließen Touristen und Geschäftsleute ihre Flüge streichen. Der Index der Luftqualität liegt in Singapur im Bereich „gefährlich.“ Kosten für gesundheitliche Versorgungen stiegen in den letzten Jahren erheblich. Immer weniger Leute können deshalb zum Arzt gehen. Singapurs Umweltminister Yaacob Ibrahim protestierte mit „sofortigen, umfangreichen Maßnahmen“ gegen die indonesische Regierung und  dem  Roden des Regenwaldes. Eine Lösung ist bisher nicht gefunden.. 

Fotos: 

http://drittewelt.de/wordpress/wp-content/uploads/2010/11/101110_2.jpg 

http://www.greenpeace-muenchen.de/images/stories/Gruppen/Wald/UrwaldSOAsien_Palmoel.jpg

http://images.zeit.de/wissen/umwelt/2009-11/brand-rodung/brand-rodung-540x304.jpg

http://drittewelt.de/wordpress/wp-content/uploads/2010/11/101110_2.jpg

Quellen (Inhalt):

FAZ vom 23.10.2010

www.greenpeace-münchen.de/index.php/gruppen/...

Diercke Weltatlas (2008), Seite 180: Südostasien - Wirtschaft

 Video: http://www.youtube.com/watch?v=BNeKEY-4MqY

http://www.youtube.com/watch?v=IzF3UGOlVDc&feature=related

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Kommentare (2)
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12.01.2011
SheilaOoO hat geschrieben:
Ich fahre jeden Tag an Nestle vorbei, und als ich an einem Montag gelangweilt aus dem Fenster sah, sah ich ein rießiges Plakat über dem Nestle Logo. Greenpeace hatte sich in Nestle "geschlichen" und ein rießen Plakat mit dem Spruch "HAVE A BREAK, KILL A ORAN-UTAN" mich machte das sofort Neuguerig und ich recherchierte im Internet, uns sah das Video

ICH WAR SO WÜTEND, DASS MEIENE FERUNDIN UND ICH ZU NESTLE GINGEN UND UNS BESCHWÄHRTEN.

Die Frau, war total geschockt, und versicherte uns, dass Nestle damit aufhören will. Und das sie daran arbeiten, wir glaubten ihnen nicht, schickten das video an alle unsere Freunde, kauften keine Nestle Produkte mehr. Irgendwann habe ich auch der Facebook Seite von GP gelesen, dass Nestle aufgehört hat Palmenöl zubenutzen.
Ich war so froh! Aber ich könnte jetzt nie ein KitKat essen, nach dem allem...
08.01.2011
MarcelB hat geschrieben:
Jein.
Nestlé hatte in einer Pressemitteilung gegenüber Greenpeace gesagt, dass sie sich dazu verpflichten spätestens ab 2015 nurnoch zertifiziertes, nachhaltig angebautes Palmöl zu verwenden.
Das Problem ist länger bekannt. Wie im Eassy beschrieben begann schon alles in den 60er Jahren. Heute sind die Wälder alle schon weg und die Palmölplantagen da. Genau bedeutet das, dass sie ihr nichts mehr machen müssen, sondern schon alles erreicht haben was sie wollten.
Es heißt außerdem: "Eine vollständige Rückverfolgbarkeit zu einzelnen Plantagen oder Anbietern ist derzeit nicht möglich."
oder:
"In einem Statement erklärt Nestlé, ab 2015 nur noch zertifiziertes Palmöl einsetzen zu wollen, weiterhin soll die Zusammenarbeit mit dem besonders umstrittenen Zulieferer Sinar Mas sofort eingestellt werden. Allerdings könne man weiterhin nicht sicherstellen, woher das eingesetzte Palmöl stammt."
Man sollte mal daran denken, dass Nestlé das nur auf Druck von Greenpeace und der Gesellschaft gemacht haben, weil sie sonst ein Image Problem bekommen hätten. Ich glaube sogar, dass diese Pressemitteilung von Nestlé kurz nach der veröffentlichung des Geenpeace Videos gekommen ist. Nestlé musste diesen Schritt machen! Sie wurden regelrecht dazu gezwungen, kann man sagen.
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