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Einmal um die ganze Welt - Illegaler Vogelhandel


von midori
10.07.2015
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Woran denkst Du zuerst, wenn Du mit dem Thema Wilderei konfrontiert wirst? Sicherlich kommen Dir als erstes Bilder von enthaupteten Elefanten in den Sinn. Nashörner, die verblutet sind. Tote Tiger, an den vier Pfoten kopfüber an einer Stange baumelnd.

Aber sie sind nicht die einzigen Opfer des illegalen Handels, der ungeniert floriert. Jährliche Einnahmen in Höhe von 14,7 Milliarden Euro machen deutlich, dass der illegale Handel mit geschützten Arten kein Kavaliersdelikt ist. Der internationale Tierhandel stellt damit den drittstärksten illegalen Handelszweig nach Waffen und Drogen dar.

Dabei ist der illegale Handel nicht nur für den natürlichen Reichtum eine Gefahr. Er gefährdet auch die nationale Sicherheit von Staaten. Ein großer Teil des Handels mit illegalen Wildtierprodukten liegt in der Hand international gut vernetzter krimineller Gruppen, die die Gewinne für die Finanzierung ziviler Konflikte und terroristischer Aktivitäten verwenden können. Darüber hinaus gibt es Verbindungen zwischen dem illegalen Handel mit Wildtieren und anderen Formen des illegalen Handels und der Geldwäsche.

Außerdem hemmt der illegale Handel mit Wildtieren die nachhaltige soziale und wirtschaftliche Entwicklung. In den entsprechenden Ländern herrschende Korruption und Gewalt schrecken mögliche Investoren ab und hemmen das Wachstum. Das wiederrum beeinträchtigt die Effizienz von Regierungen, verhindert zivilgesellschaftliches Engagement, untergräbt die Rechtsstaatlichkeit, beschädigt das Ansehen des Staates und das Vertrauen in ihn und beeinträchtigt das Wachstum lokaler Gemeinschaften.

Aber nicht nur Krallen, Zähne und Felle sind bei den Käufern gern gesehen. Auch lebende Wildfänge werden illegal gehandelt, da sie als exotische Haustiere heiß begehrt sind. Vor allem Reptilien und Vögel wandern auf diese Weise um die ganze Welt, entrissen aus der Wildnis.

So hat etwa der Handel mit seltenen Vögeln, die in Indonesiens Wäldern gefangen werden, mittlerweile dramatische Ausmaße angenommen. Von den 1.615 bekannten Arten sind 419 endemisch und deshalb besonders durch die Jagd gefährdet. Davon abgesehen schrumpft ihr Lebensraum durch die Rodung der Regenwälder. Auf dem Vogelmarkt in Jakarta werden Gelbmantelloris angeboten, deren Bestand in den vergangenen 25 Jahren um die Hälfte gesunken ist. Viele Indonesier halten sich die exotischen Vögel als Haustiere.

Aber das Geschäft boomt weltweit und die Händler lassen sich einiges einfallen, um die Vögel unbemerkt über die Grenzen zu schmuggeln. Im Mai wurde ein Händler festgenommen, der 23 Gelbwangenkakadus in Plastikflaschen transportiert hat - eine beliebte Methode des Schmuggelns bei Vögeln. Vor einigen Jahren konnte eine Frau am Frankfurter Flughafen gefasst werden, die 28 Eier von Diadem-Amazonen an ihrem Körper trug. Versteckt in einem Nylonstrumpf unter ihrer Brust. Jeder dieser ausgeschlüpften Vögel ist im illegalen Handel 12.500€ wert! Ebenfalls am Frankfurter Flughafen wurde eine Frau geschnappt, die mehr als 100 exotische Vögel in ihrem Gepäck versteckt hatte und mit den Tieren auf den Weg nach Frankreich war. Im Falle einer Verurteilung drohen ihr sechs bis zehn Jahre Haft.

Bei den Preisen, die man mit den bunten Papageien auf dem Markt erzielen kann, ist es kein Wunder, dass die Händler dieses Risiko eingehen. Ein Palmenkakadu kann bis zu 10.000€ einbringen, bestimmte Aras immerhin 8.000€.

Die Wildfänge werden dabei meist über Osteuropa nach Deutschland eingeführt. Durch die Erweiterung der europäischen Union und der nun durchlässigeren Grenzen, haben es die Händler wesentlich einfacher als früher. In Deutschland werden die geschmuggelten Tiere dann über Kleintierzüchterzeitungen, Tierbörsen oder im Internet verkauft.

WWF Jugend Mitglied Janine hat damals bei ihrer Expedition ins afrikanische Dzanga-Sangha selbst erleben müssen, wie der Handel mit Vögeln vonstatten geht. "In einem Büroraum neben der Toilette steht eine flache Holzkiste, die aus mehreren Brettern zusammengebaut wurde. Sie ist nicht sehr groß. In ihr finden wir dreizehn Graupapageien. Ihnen haben die Wilderer die Schwungfedern herausgerissen, damit sie nicht wegfliegen können. Einigen fehlen die roten Schwanzfedern. Für eine dieser Federn bekommt man 400 Francs. Das sind umgerechnet ungefähr 60 Cent. Für die Köpfe findet man Abnehmer, die bis zu 10.000 Francs bieten – 15€ also. In dem Raum liegt außerdem das Netz, in dem die Vögel gefangen wurden. Es wurde auf einer Lichtung ausgelegt. Dann Erdnüsse hinein gestreut. Als sich die Papageien gesetzt haben, um die Nüsse zu fressen, wurde das Netz zugezogen."

Aber nicht nur im Regenwald werden Vögel gefangen. Auch in Europa und sogar bei uns in Deutschland sind Händler auf der illegalen Jagd. Im Jahr 2011 hat die spanische Polizei in Katalonien bei einer Hausdurchsuchung 700 Singvögel verschiedener Arten gefunden und beschlagnahmt. Die Wilderer bekommen für jeden gefangenen Vogel 5€, der Händler verkauft sie dann für 15€ pro Tier weiter. Wenn die Vögel gut singen, steigt ihr Marktwert mitunter auf bis zu 2.000€. Auch in Bottrop konnte ein jahrelanger Vogelfänger geschnappt werden. Mehr als 25 heimische Arten hat er sowohl in seinem Garten als auch auf dem Friedhof in Fallen gefangen und dann weiterverkauft.

Obwohl der illegale Handel mit Wildtieren ein Verbrechen darstellt, das zumindest regional weitreichende sicherheitspolitische Folgen hat und bei dem es gut
dokumentierte Verbindungen zu anderen Formen des illegalen Handels, der Finanzierung von Rebellengruppen, Korruption und Geldwäsche gibt, wird das Thema vorwiegend als Umweltproblem gesehen und damit auf der Agenda der Regierungen nachrangig behandelt.

Die Durchsetzungsmaßnahmen in den Ursprungsländern konzentrieren sich
bislang tendenziell auf die Arbeit von Rangern in Schutzgebieten. Dabei handelt
es sich um ein sporadisches und unterfinanziertes Vorgehen, bei dem gründlichere strafrechtliche Ermittlungen sowie eine Strafverfolgung und die Zusammenarbeit auf nationaler (beispielsweise in den Bereichen Zoll, Justiz und Polizei) und internationaler Ebene häufig vernachlässigt werden.

Der Verein 'Rettet den Regenwald' hat nun eine Petition auf den Weg gebracht, die Präsident Joko Widodo und die Regierung Indonesiens auffordern soll, die Jagd und den Handel von wildlebenden Vögeln zu unterbinden.

Um den illegalen Handel nicht unwissentlich zu unterstützen, sollte man vom Kauf exotischer Tiere prinzipiell absehen. Es ist kaum nachzuvollziehen, woher die Tiere stammen und ob es sich nicht tatsächlich um Wildfänge aus den Regenwäldern Indonesiens oder Südamerikas handelt. Denn allein dort gehören sie hin!

*************************************

Alle Bilder © iStock / Getty Images
Graupapageien © Janine Lubjuhn / WWF

Vogelschutz-Kommitee e.V., Vogelhandel, aufgerufen am 09.07.2015.
Spiegel Online, Tricks der Tierschmuggler: 28 Papageien-Eier unter der Brust, aufgerufen am 09.07.2015.
Spiegel Online, Illegaler Handel: Wilderer scheffeln gewaltigen Profit, aufgerufen am 09.07.2015.
WWF Studie, Fighting illicit wildlife trafficking: a consultation with governments, Deutsche Zusammenfassung, aufgerufen am 09.07.2015.
Rettet den Regenwald e.V., Lasst den Vögeln ihre Freiheit, aufgerufen am 09.07.2015.

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Kommentare (1)
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10.07.2015
JenniNightnight hat geschrieben:
Immer mehr Menschen geben sich nicht mehr mit den 'normalen' Haustieren, wie Hund oder Katze, zufrieden. Wer ein außergewöhnliches, ein exotisches Haustier, wie ein Skorpion, ein Leguan oder ein Opossum hat, der ist cool. Diese "Haustiere" werden dann im Internet bei Ebay Kleinanzeigen gekauft. Niemand fragt, woher diese Tiere stammen, dass sie vl. illegal aus der Natur gefangen wurden. Und fast niemand interessiert sich dafür, ob man diesen Tieren überhaupt das bieten kann, was sie brauchen. Die Antwort würde fast immer nein lauten. Ich musste letztes Jahr 2 Moschussschildkröten und 4 Axolotl aus schlechter Haltung übernehmen. Es war echt traurig. Die Mutter hat ein Geburtstagsgeschenk für ihren 15 jährigen Sohn gesucht, der sich ein cooles Haustier gewünscht hat. Auch diese Tiere wurden im Internet bei einer Privatperson gekauft. Woher die Tiere kamen und was ihre Lebensbedingungen sind, war nicht interessant und wurde somit auch nicht hinterfragt. Denkt denn wirklich niemand an die Tiere die sich nicht wehren können und auf unsere Fürsorge angewiesen sind? So ein unverantwortliches Handeln macht mich echt wütend. Aber hey, wenn reiche Menschen in der USA Tigerbabys oder Bären als Haustiere halten dürfen, die vorher sogar noch ganz offiziell und per Life Übertragung aus der Wildnis gefangen werden, dann sind wir Deutschen ja vielleicht doch noch zuretten. :-(
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