Erfahre mehr:


Was gibt's


Neues?


© V. Kess / WWF-Canon
Die Rache der Tiger


von Franzi
11.07.2013
10
0
78 P

So manches Tierverhalten ist uns Menschen schleierhaft, weswegen wir forschen, testen und beobachten. Noch lange sind nicht alle Geheimnisse der Tierwelt aufgedeckt. Doch manche Verhaltensweisen haben absolut nichts zweideutiges oder geheimnisvolles an sich. Sie sind klar, deutlich und unmissverständlich. Und ihre Botschaft ebenso.

Der Fall könnte fast witzig sein, man könnte die ihm innewohnende Ironie geradezu genießen - wenn nicht ein Mensch auf brutale Art und Weise dabei gestorben wäre.
Das Unglaubliche spielte sich letzte Woche in der indonesischen Provinz Bandah Aceh auf Sumatra ab. Diese Region ist mit dichtem Regenwald bedeckt, der einige Schätze birgt. Unter anderem das beliebte und wertvolle Agar-Holz, man erhält um die 500$ für ein Kilogramm. Es wird illegal von vielen Menschen geschlagen und verkauft. Genau zu diesem Zweck fanden sich letzten Donnerstag sechs Männer zusammen. Sie brachen in den Gunung-Leuser-Nationalpark auf und um unterwegs frisches Fleisch zu haben, stellten sie verschiedene Fallen auf. Doch statt des geplanten Hirsches fingen sie ein Sumatra-Tiger Junges. Der Kleine starb alsbald an seinen Verletzungen.

Doch die Holzsammler hatten ihre Rechnung ohne die anderen Tiger gemacht. Denn ein Junges ist selten ganz allein unterwegs. Durch die Schmerzensschreie des Babys alarmiert griff eine Gruppe erwachsener Tiger die Männer an, diese konnten sich nur mit letzter Not auf einen Baum retten. Tragischerweise brach der Ast unter einem jungen Mann ab, woraufhin er den Tigern zum Opfer viel.
Doch die Rachelust der Tiere war damit noch nicht gestillt. Ganze 4 Tage hielten sie die verbliebenen Männer auf den Bäumen fest, umkreisten sie und ließen sich nicht verscheuchen.
Lokale Helfer, welche die Tiere vertreiben wollten, konnten nichts für die Männer auf den Bäumen tun. Mit ihren Handys konnten sie allerdings Kontakt zu Angehörigen und einer Rettungstruppe halten, sodass diese sie nach 2 Tagen Suche schließlich im 8.000 Quadratkilometer großen Nationalpark fand. Doch selbst die 30-Mann große Truppe vermochte die Tiger nicht zum Gehen zu bewegen.

Die Lösung boten schließlich lokale Experten: sie sangen Mantras und näherten sich so langsam den Tieren, bis diese sich schließlich zurückzogen. Die Männer konnten vollkommen dehydriert, hungrig und erschöpft von den Bäumen geholt werden. Sie hatten nur dank von Regenwasser überhaupt überlebt.


Bis auf den furchtbaren Tod eines Mannes hat die Geschichte also ein vergleichsweise glimpfliches Ende genommen, wenn man überlegt, was noch alles hätte passieren können.
Es ist auch ohne Zweifel tragisch, was diesen Männern zugestoßen ist, verdient hatte das wohl trotz allem keiner von ihnen. Doch es zeigt auch, dass auch Tiere manchmal zurückschlagen. Dass auch Tiger den Tod eines Artgenossen - und dann auch noch den eines Jungen - nicht einfach so hinnehmen. Und es lehrt uns vor allem eines: Respekt vor der Natur und der Kraft der Lebewesen, mit denen wir sie teilen.

 

Quelle:

http://www.20min.ch/panorama/news/story/29397704

Foto:

Sumatra-Tiger. © WWF

Weiterempfehlen

Kommentare (10)
Um einen Kommentar zu schreiben einfach registrieren oder einloggen.
Sortieren nach Aktualität:
12.07.2013
Franzi hat geschrieben:
Danke für eure lieben Kommentare!
@ LSternus: Du hast natürlich Recht, man kann von menschlichen Gefühlen nicht auf tierische schließen und so etwas wie "Rache" kennen Tiger bestimmt nicht. Dennoch erkennt man finde ich an ihrem Verhalten sehr gut, dass es auch unter Tigern starke Familien- oder zumindest Artgenossen Verbindungen geben muss, denn eine akute Gefahr stellten die Männer spätestens nach 3 Tagen auf dem Baum wohl nicht mehr da. Da neigen wir wohl dazu etwas menschliches in die Tiere hinein zu interpretieren ;-)
@Jayfeather: Nein, ich weiß leider nicht genau wie viele es waren, da aber von einer Gruppe die Rede war gehe ich von mindestens 3 Tigern aus.
12.07.2013
Idanna2 hat geschrieben:
Sehr guter Bericht .
Finde auch das man es den Tieren nicht übel nehmen kann. Schließlich ist ja ein Junges von ihnen gestorben.
Finde auch, dass so Fallen unnötig sind. Die drei Männer hätten sie sich ja denken können, dass auch ein anderes Tier dort hinein laufen kann.
Daumen hoch für die Tieger
12.07.2013
gelöschter User hat geschrieben:
gelöscht
12.07.2013
Jayfeather hat geschrieben:
das hört sich an wie in einem märchen.^^
vor allem,wenn man bedenkt, dass tiger einzelgänger sind. eine gruppe von erwachsenen tigern in freier wildbahn sieht man bestimmt nicht so oft. weißt du wie viele tiger es genau waren?
12.07.2013
Zerschmetterling hat geschrieben:
Ja, ich muss hier auch sagen, dass ich kein Mitleid mit den Männern habe.
Erst wollen die Männer illegal Holz schlagen, dann stellen sie eine Falle auf. Und selbst wenn diese nicht für ein Tigerjunges gedacht war, so hätten sie wissen müssen, dass jedes Tier hinein-tappen kann.
Die Tiger haben unter den Männern gelitten (nicht nur wegen des Verlustes des Jungen, sondern auch wegen des Verlustes des Lebensraums) und haben eben jetzt die Männer leiden lassen.

Was ich interessant finde ist, auf was für eine friedliche Art und Weise man die Tiere zum Gehen bewegen konnte. Durch singen von Mantras und langsamen annähern.

Ich hoffe nur, dass Tiger jetzt kein schlechteres Image erhalten. Denn dass fände ich unfairer als dass, was den Männern zugestoßen ist.

LG
12.07.2013
isabella hat geschrieben:
Toller bericht. Ich finde die Männer hatten es leider verdient. Sterben musste jetzt keiner unbedingt, aber wie sagt man so schön: "kleine Sünden bedtraft der liebe Gott sofort, aber auf große lässt er lange warten".
Die Männer kamen mit dem Schrecken davon, sollten aber daraus gelernt haben;-)
12.07.2013
gelöschter User hat geschrieben:
Eine wirklich bewegende Gesichte. Die eines ganz klar zeigt, wer kommt um zu töten, der spielt mit dem eigenen Leben.

Der Verlust eines Lebens ist niemals eine gerechte Strafe. Die Qualen die das Tigerjunge erleiden musste werden durch den Tod des Mannes nicht gemindert. Es wird dadurch auch nicht wieder lebeding.
Das einzige was vielleicht gestillt wird ist die Rache der Leidenden - aus menschlicher Sicht gesehen.
Aber zu welchem Preis? Ist Rachelust wirklich ein Leben wert?

Er kam um zu töten, hat getötet und wurde getötet. Das ist ein Kreislauf den der Mensch bislang aus seiner Realität verdrängt hat. Nur kann man die Realität nicht verdrängen, man kann nur die Augen vor ihr verschließen - wie kleine Kinder beim Versteckspiel.....
11.07.2013
LSternus hat geschrieben:
Interessante Geschichte.
Ich zögere allerdings vor dem Wort "Rache", denn es ist menschliches Gerechtigkeitsempfinden und Tiger enpfinden anders als Menschen.

Ich denke es war eher der Versuch eine akute Gefahr gezielt aus zu schalten.
11.07.2013
Chamaeleonmuetze hat geschrieben:
Der Tiger hat sich für sein Junges gerächt...und die Menschen ihre gerechte Strafe erhalten!
11.07.2013
Franzichen hat geschrieben:
Das ist wirklich eine tragische Geschichte..
Es ist wirklich schlimm das dabei ein Mensch umkommen musste aber diese Menschen haben jetzt hoffentlich ihre "Lektion" gelernt.
Was mich interessiert ist ob die anderen Tiger mit dem kleinen Tiger verwandt waren und wenn nicht ist das doch wirklich ein guter Beweis dafür das Tiere mehr empfinden, denn wieso sollten die Tiger so extrem lange an dem Baum geblieben sein?
Ich hoffe mal das noch mehr Menschen ihre Lektion daraus gelernt haben...
Login
E-Mail


Passwort


Kostenlos registrieren
Mitglied werden
Mitglied des Monats
teaser_220.png


Deine Ansprechpartner
Marcel
Marcel Gluschak
WWF Jugend Community Manager
zum Profil
Luise
Luise Neßler
WWF Jugend Community Moderatorin
zum Profil
MarcelB
Marcel Brüssow
WWF Jugend Redaktion
zum Profil
Ronja96
Ronja Post
WWF Jugend Aktionsteamer
zum Profil
HannahFee
Hannah Fesseler
hilft dir bei technischen Fragen
zum Profil
AndreaRentschler
Andrea Rentschler
hilft dir bei Fragen zur WWF Jugend Mitgliedschaft
zum Profil
NicoleB
Nicole Barth
hilft dir bei Fragen rund um die WWF Jugend Camps
zum Profil
Folgen und mit Freunden teilen